(Quelle Beitragsbild oben: IDF Sprecher)
Ein Hamas-Kommandeur, der an der Verschleppung von Geiseln aus dem Schutzbunker bei Re’im beteiligt gewesen sein soll, wurde nach Angaben der IDF im Gazastreifen getötet. Der Fall führt zurück zu einem der grausamsten Tatorte des 7. Oktober.
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben einen Hamas-Terroristen ausgeschaltet, der unmittelbar mit der Verschleppung von Geiseln aus dem Schutzbunker an der Kreuzung Re’im am 7. Oktober 2023 in Verbindung stand. Bei dem Getöteten handelt es sich laut IDF um Yousef Ayesh Awad Ramadan, den stellvertretenden Kommandeur einer Zelle der Hamas-Eliteeinheit Nukhba. Er soll an der Entführung von Hersh Goldberg-Polin, Eliya Cohen, Alon Ohel und Or Levy beteiligt gewesen sein, die während des Massakers aus dem später als „Bunker des Todes“ bekannt gewordenen Schutzraum verschleppt wurden.
Ramadan wurde nach Angaben der israelischen Streitkräfte am Montag bei einem gezielten Angriff im zentralen Gazastreifen getötet. Die Armee erklärte, er sei während des Angriffs der Hamas am 7. Oktober nach Israel eingedrungen und habe sich an der Verschleppung der vier Geiseln aus dem Schutzbunker bei Re’im beteiligt. Auch während des Krieges sei er weiter operativ tätig gewesen. In den vergangenen Wochen habe er nach Angaben der IDF Angriffspläne gegen israelische Soldaten und Zivilisten vorangetrieben. Aus Sicht der Armee stellte er damit eine unmittelbare Bedrohung für israelische Kräfte im Gazastreifen dar.
Die IDF betonte, vor dem Angriff seien Maßnahmen getroffen worden, um zivile Opfer nach Möglichkeit zu vermeiden. Dazu hätten der Einsatz präziser Munition und Luftaufklärung gehört. Israelische Truppen des Südkommandos seien in dem Gebiet entsprechend den geltenden Vereinbarungen eingesetzt und würden weiterhin gegen unmittelbare Bedrohungen vorgehen.
Der Name Re’im steht in Israel nicht nur für einen Ort auf der Landkarte. Er steht für einen der dunkelsten Schauplätze des 7. Oktober. Junge Menschen, die vom Nova-Musikfestival flohen, suchten dort Schutz, während Hamas-Terroristen die Umgebung angriffen. Viele glaubten, in dem Schutzraum für wenige Minuten Sicherheit zu finden. Für zahlreiche von ihnen wurde dieser Ort zur Falle.
In den später veröffentlichten Aufnahmen aus dem Schutzbunker war zu sehen, wie Terroristen Granaten in den Raum warfen. Hersh Goldberg-Polin verlor bei einer Explosion seine Hand. Die Bilder der Entführung, die während des Krieges auf Wunsch der Familien veröffentlicht wurden, zeigten Hersh, Or und Eliya im Inneren des Schutzraums, bevor Terroristen sie ergriffen und auf einen Pick-up zwangen, der sie in den Gazastreifen brachte. Die Aufnahmen gehörten zu den erschütterndsten Dokumenten jenes Tages, weil sie nicht nur Gewalt zeigten, sondern die völlige Entmenschlichung der Opfer.
In dem Video waren Terroristen zu hören, die die Geiseln verhöhnten, sie als „Hunde“ beschimpften und gleichzeitig versuchten, sich mit der Tat selbst zu inszenieren. Genau diese Mischung aus Sadismus, Propaganda und demonstrativer Macht über Wehrlose machte viele Aufnahmen des 7. Oktober so schwer erträglich. Für Israel war es nie nur ein Angriff auf Militärposten oder Grenzorte. Es war ein Angriff auf Familien, Jugendliche, Festivalbesucher, alte Menschen, Kinder und ganze Gemeinden.
Die Tötung Ramadans ist deshalb mehr als eine weitere Meldung aus dem militärischen Alltag des Krieges. Sie verweist auf die lange Spur der Täter, die Israel seit dem Massaker verfolgt. Die Hamas hat am 7. Oktober nicht nur Menschen ermordet und verschleppt. Sie hat versucht, dem Land ein Gefühl völliger Schutzlosigkeit aufzuzwingen. Die gezielte Suche nach den Beteiligten ist für Israel daher auch ein Signal an die eigene Bevölkerung: Wer an diesen Verbrechen beteiligt war, soll sich nicht hinter den Trümmern des Krieges, in Tunneln, Zellen oder Kommandostrukturen verstecken können.
Bereits im September des Vorjahres hatte die IDF nach eigenen Angaben einen weiteren Nukhba-Terroristen getötet, der den Angriff auf den Schutzbunker bei Re’im mitverantwortet haben soll. Hassan Mahmoud Hassan Hassin, ein Zugführer der Nukhba im al-Bureij-Bataillon der Hamas, soll den Überfall gemeinsam mit Mohammad Abu Atiwi geführt haben, der bereits im Oktober 2024 getötet wurde. Auch Hassin war nach israelischen Angaben an Entführungen an diesem Tatort beteiligt und später in weitere Terrorpläne gegen israelische Kräfte im Gazastreifen verwickelt.
Die Nukhba-Einheiten der Hamas spielten beim Massaker des 7. Oktober eine zentrale Rolle. Sie waren nicht irgendein bewaffneter Arm der Terrororganisation, sondern gehörten zu jenen Kräften, die für den Angriff auf israelische Ortschaften, Militärstellungen und zivile Schutzräume eingesetzt wurden. Ihre Beteiligung an den Verschleppungen macht deutlich, wie planvoll die Hamas vorging. Die Entführungen waren kein Nebeneffekt des Chaos, sondern Teil eines Systems: Menschen sollten als lebende Druckmittel nach Gaza gebracht werden, um Israel politisch, militärisch und seelisch zu erpressen.
Gerade der Fall des Schutzbunkers bei Re’im zeigt, warum Israel auch Monate und Jahre nach dem 7. Oktober an der Verfolgung einzelner Täter festhält. Für viele Familien sind die Namen der Terroristen nicht abstrakt. Sie stehen für die letzten Minuten, die letzten Bilder, die letzten bekannten Augenblicke ihrer Angehörigen in Freiheit. Die israelische Gesellschaft lebt weiter mit diesen Szenen. Sie sind nicht Vergangenheit im üblichen Sinn, sondern offene Wunden.
Die Tötung Ramadans ändert nichts an dem Leid der Opfer und ihrer Familien. Sie bringt die Ermordeten nicht zurück und löscht die Bilder aus dem Schutzbunker nicht aus. Aber sie steht für einen Grundsatz, den Israel nach dem 7. Oktober immer wieder betont hat: Die Verantwortlichen sollen nicht davon ausgehen können, dass Zeit, Chaos oder internationale Aufmerksamkeit ihre Spur verwischen.
Für die Hamas ist jeder getötete operative Kommandeur auch ein Verlust von Erfahrung, Verbindung und Terrorwissen. Für Israel ist es ein weiterer Schritt in einem langen, zermürbenden Kampf gegen jene Strukturen, die den 7. Oktober möglich gemacht haben. Dieser Kampf ist militärisch, aber er ist auch moralisch geprägt: Ein Staat, dessen Bürger aus Schutzräumen verschleppt wurden, kann die Täter nicht einfach aus den Augen verlieren.
Die Erinnerung an Re’im bleibt dabei mehr als ein Symbol. Sie ist eine Mahnung, was geschieht, wenn eine Terrororganisation Menschen nicht als Menschen sieht, sondern als Beute, Ware und Propagandamaterial. Genau deshalb wird Israel die Namen der Täter weiter verfolgen. Nicht aus Rache als bloßem Affekt, sondern aus dem elementaren Anspruch eines Staates, seine Bürger zu schützen und die Verantwortlichen für Massenmord und Entführung nicht entkommen zu lassen.

