„Wie im Iran“: Jüdische Stimmen aus Venezuela nach dem US-Schlag gegen das Regime

Mitten in Explosionen, Angst und Hoffnung melden sich jüdische Venezolaner zu Wort. Für viele ist es ein historischer Moment. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung glauben sie erstmals, dass die Diktatur wankt. Ihre Worte zeichnen ein Bild von Repression, wirtschaftlicher Zerstörung und einer stillen Gemeinschaft, die gelernt hat zu überleben.

Die amerikanische Militäraktion gegen das Regime von Nicolás Maduro hat in Venezuela eine tektonische Verschiebung ausgelöst. Während in Caracas Rauchwolken aufsteigen und Menschen aus der Hauptstadt fliehen, sind es vor allem Stimmen aus der jüdischen Gemeinschaft, die ein ungewöhnlich offenes Bild der Lage zeichnen. Für viele von ihnen ist dieser Tag kein geopolitisches Ereignis, sondern ein persönlicher Einschnitt.

„Der Alltag hier ist wie im Iran“, sagt ein Gemeindemitglied aus Caracas. „Die Repression ist brutal. Menschen haben Angst zu sprechen, Angst zu schreiben, Angst vor dem eigenen Telefon.“ Die Parallele zum iranischen Regime fällt in mehreren Gesprächen. Gemeint ist ein Klima permanenter Kontrolle, wirtschaftlicher Erstickung und staatlicher Willkür.

Leben unter einer getarnten Diktatur

Venezuela habe über Jahre so getan, als sei es eine Demokratie, berichten Gesprächspartner. In Wirklichkeit habe das Regime systematisch Eigentum enteignet, Medien gleichgeschaltet und Kritiker eingeschüchtert. Journalisten lebten in akuter Gefahr, selbst Sportverbände und zivile Institutionen seien politisch kontrolliert worden. Die Mindestlöhne sanken auf ein Niveau, das ein Überleben kaum noch zuließ.

Besonders drastisch ist der Blick auf die jüdische Gemeinschaft. Vor weniger als zwanzig Jahren lebten rund 30.000 Juden im Land. Heute sind es weniger als 5.000. Viele verließen Venezuela aus Angst, andere aus wirtschaftlicher Not. Zurück blieb eine kleine, vorsichtige Gemeinschaft, die gelernt hat, nicht aufzufallen.

Hoffnung nach 26 Jahren

Vor diesem Hintergrund ist die Reaktion vieler Gemeindemitglieder auf die Festsetzung von Nicolás Maduro von Erleichterung geprägt. „Ich warte seit 26 Jahren auf diesen Moment“, sagt eine ältere Bewohnerin. „Ich kann es kaum glauben. Es fühlt sich an, als würde man wieder atmen können.“ Die wirtschaftliche Zerstörung habe ganze Generationen ausgelöscht, den Mittelstand vernichtet und Familien auseinandergerissen.

Ein ehemaliger israelischer Emissär, der mit einer Venezolanerin verheiratet ist, beschreibt das Land als „Geisel eines populistischen Systems“, das Reichtum versprach und Armut produzierte. Während wenige in Luxus lebten, kämpften die meisten ums Überleben. Viele hätten innerlich längst mit dem Regime gebrochen und nur auf einen Wendepunkt gewartet.

Israel als Anker der Sicherheit

Auffällig ist der Blick vieler jüdischer Venezolaner nach Israel. „Jeder Jude kann jetzt stolz und ruhig sein“, sagt ein ehemaliger Gesandter. Israel werde im Notfall handeln, Menschen herausholen, wie es in der Vergangenheit mehrfach geschehen sei. Diese Gewissheit ist Teil der emotionalen Erleichterung.

Gleichzeitig mahnen Stimmen aus der Gemeinde zur Vorsicht. Noch sei unklar, wie stabil die Lage wirklich ist. Solange die Machtstrukturen des Regimes nicht vollständig zerfallen seien, sei Zurückhaltung geboten. Hoffnung ja, Euphorie nein.

Ein langer Weg vor Venezuela

So groß die Erleichterung auch ist, die Erwartungen bleiben realistisch. Jahrzehnte der Korruption, der Gewalt und der ideologischen Verkrustung lassen sich nicht über Nacht beseitigen. Selbst optimistische Stimmen sprechen von Jahren, die nötig sein werden, um Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zu stabilisieren.

Doch eines ist neu. Zum ersten Mal seit Langem sprechen Menschen offen. Zum ersten Mal seit Jahren hoffen sie laut. Für eine kleine jüdische Gemeinschaft, die lange gelernt hat zu schweigen, ist das bereits ein historischer Moment.

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