Jetzt ist er also durch, der Deal mit dem iranischen Regime. Trump ist begeistert, der Westen beruhigt – doch ich sehe dieses Abkommen mit Sorge. Es ist nämlich keinesfalls ein Friedensvertrag, sondern nur eine Absichtserklärung. Ab der Unterschrift läuft eine Frist von 60 Tagen, während der einzelne Punkte eines Vertrags verhandelt werden sollen.

Meiner Meinung nach handelt es sich bei diesen Verhandlungen um die bekannte Hinhaltetechnik der Islamisten. Zeit schinden, derweil möglichst unbemerkt wieder aufrüsten, sich neu aufstellen und dann wieder losschlagen ist die Devise. Für Israel bedeutet das, dass die Bedrohung keinesfalls ausgeschaltet, die Gefahr nicht gebannt ist.

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg, wie gehabt.

Am meisten leide ich jedoch mit dem iranischen Volk. Es wurde verraten und verkauft, betrogen bis aufs Blut. Wer erinnert sich nicht an Trumps Ausspruch help is on its way (Hilfe ist unterwegs)? Darauf haben sich die Iranerinnen und Iraner, die sich gegen das Regime auflehnten, verlassen, darauf haben sie gehofft. Sie haben hart gekämpft und trotzdem verloren, auf der ganzen Linie – nicht, weil sie zu schwach waren, sondern weil die versprochene Hilfe nie eintraf. Stattdessen müssen sie jetzt fürchten, noch schlimmer verfolgt zu werden.

Das ist eine Schande.

Denn an den Zielen des iranischen Regimes hat sich rein nichts geändert. Sie sind klar und deutlich wie seit jeher: Tod für Amerika, Tod für Israel. Solche Drohungen sind unbedingt ernst zu nehmen, doch irgendwie scheinen sie niemanden so richtig zu kümmern.

Trump hat jetzt wohl auch zugegeben, dass er nie an einem Regimewechsel interessiert war. Ihn interessieren nur seine eigenen Interessen, sonst nichts. Und ganz bestimmt nicht Israels Sicherheit. Wie sonst könnte er verlangen, dass der Libanon in das zu verhandelnde Abkommen eingeschlossen wird? Wie sonst könnte er wollen, dass sich Israel nicht verteidigt, obwohl es andauernd von der Hizbollah angegriffen wird?

Winston Churchill hat einmal gesagt: You were given the choice between war and dishonor. You chose dishonor and you will have war (Ihr hattet die Wahl zwischen Schande und Krieg. Ihr habt die Schande gewählt und werdet Krieg haben). Trump hat die Schande gewählt, denn das iranische Regime feiert bereits seinen Sieg…

Das Abkommen ist ein großer Fehler.

Der größte Fehler ist allerdings, dass Trump behauptet, ohne ihn würde es kein Israel mehr geben.

Da täuscht er sich ganz gewaltig.

Wir haben den Pharao in Ägypten überlebt. Wir haben die Römer überlebt, und die Griechen. Wir haben das Naziregime und die Shoah überlebt. Wir werden auch jetzt überleben, denn wir haben einen Stärkeren als Trump an der Seite – und nein, ich rede nicht von Netanyahu.

So kann ich trotz allem etwas zuversichtlich in die Zukunft schauen. Wir, also Israel und die Juden, werden überleben.

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Anima Chutzpanit in der Schweiz geboren, machte eine Ausbildung zur Primarschullehrerin, erhielt das Übersetzerdiplom DOZ, trat zum Judentum über, heiratete und machte Aliyah (Einwanderung nach Israel). Sie lebt mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und vielen Katzen in Südisrael. Sie betreibt den Blog Kinder, Katzen und Kakteen.

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