Erinnerst du dich an die letzten drei Eurovision Song Contests? Und an die Empörung, die jeweils damit einherging?

2024: Eden Golan ist für Israel am Start, ihr Lied heisst Hurricane und nimmt recht eindeutig auf die Massaker des 7. Oktober 2023 Bezug. Eden wird bei ihren Auftritten so laut ausgebuht, dass sie sich selbst kaum hört. Trotzdem erreicht sie dank Televoting den 5. Platz.

2025: Israels Titel heißt New Day Will Rise und wird von Yuval Raphael gesungen, die das Massaker am Nova-Musikfestival überlebt hat. Auch sie wird ausgebuht, landet jedoch trotz allem auf Rang 2. Daraufhin wird Israel beschuldigt, zu viel und unlautere Werbung für seinen Song gemacht zu haben, um das Televoting zu beeinflussen. Fun fact: Es ist laut Regelwerk erlaubt, für das eigene Lied zu werben.

2026: Noam Bettan singt Michelle, für Israel. Er wird nicht als eindeutiger Favorit gehandelt, erreicht aber ebenfalls den 2. Platz – dies, obwohl die Regeln für das Televoting „angepasst“ worden sind: Pro Person waren nur noch 10 Stimmen anstatt deren 20 möglich. Außerdem gibt es auch in den Halbfinals eine Jurywertung, die mit dem Televoting 50:50 in die Wertung einfließt.

Diese „Anpassung“ war wohl nicht genug, denn der Eurovision Song Contest hat für 2027 die Regeln erneut geändert. Die Wettbewerbsregeln besagen nun, dass der Gewinner-Sender den Wettbewerb automatisch nicht ausrichten darf, wenn ein bewaffneter Konflikt, eine sensible geopolitische Lage oder eine andere Situation die Sicherheit, den Schutz oder die Stabilität seines Staates oder seiner unmittelbaren Region wesentlich beeinträchtigt. Die EBU (Europäische Rundfunkunion) kann eine unabhängige Sicherheitsbewertung der Region des Gewinners in Auftrag geben, wenn sie es für nötig hält. Aufgrund dieser Bewertung konsultiert sie dann die Referenzgruppe, um festzustellen, ob das siegreiche Mitglied den Wettbewerb sicher ausrichten kann. Wird festgestellt, dass das Gewinner-Mitglied den Wettbewerb nicht ausrichten darf, bestimmt die EBU einen alternativen Gastgeber-Sender. Der ernannte Gastgeber-Sender übernimmt sämtliche Rechte, Pflichten und Haftungen im Zusammenhang mit der Ausrichtung des Wettbewerbs, einschließlich der Verantwortung für die Organisation, Produktion und Durchführung der Veranstaltung. Der Gastgeber-Sender organisiert den Wettbewerb in eigener Verantwortung und ist nicht verpflichtet, die Veranstaltung im Namen eines anderen Mitglieds auszurichten.

Die weiteren Änderungen beziehen sich auf das Mindestalter der Sängerinnen und Sänger (18 anstatt wie bisher 16) und betreffen Israel nicht eigentlich.

Martin Green, der Direktor des Eurovision Song Contest, schreibt auf der offiziellen ESC-Website:

Der Eurovision Song Contest entwickelt sich ständig weiter, und unsere jährliche Überprüfung der Regeln soll sicherstellen, dass der Wettbewerb für alle Teilnehmenden fair, transparent und konsistent bleibt, einschließlich der Millionen Menschen weltweit, die die Veranstaltung verfolgen. Aufgrund des Feedbacks unserer Mitglieder haben wir für 2027 mehrere Bereiche präzisiert und verstärkt. Diese Änderungen sollen allen Beteiligten mehr Klarheit verschaffen, die Künstlerinnen und Künstler schützen und sicherstellen, dass der Wettbewerb weiterhin ein sicheres und einladendes Umfeld bietet. Zugleich sollen der Geist und die Integrität bewahrt werden, die den Eurovision Song Contest so besonders machen.

Bla bla, meine Fresse! Fair… transparent… beides sehe ich nicht. Das einzig wahre Wort ist konsistent – die Haltung gegenüber Israel ist seit mehreren Jahren sehr konsistent und verändert sich nur wenig.

Es scheint, als dürfe Israel nicht nur auf dem Schlachtfeld auf keinen Fall gewinnen. Selbst bei einem reinen Musikwettbewerb (der übrigens zwischen Broadcastern/Radiosendern und nicht zwischen Ländern ausgetragen wird) tut man alles dafür, Israels Sieg zu verhindern. Diesmal allerdings ist es wohl – mindestens teilweise – ein Schuss ins eigene Knie: Moroccanoil, der langjährige Sponsor des ESC, beendet die Zusammenarbeit mit dem Wettbewerb, indem er den auf sechs Jahre abgeschlossenen Vertrag auslaufen lässt. Der Zusammenhang? Moroccanoil ist eine Firma für diverse Beauty- und Pflegeprodukte, die in Israel gegründet wurde. Die Entscheidung, den Musikwettbewerb nicht weiter finanziell zu unterstützen, fiel nur einen Tag nach Bekanntgabe der neuen „Regeln“.

Selber schuld, ESC!

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Anima Chutzpanit in der Schweiz geboren, machte eine Ausbildung zur Primarschullehrerin, erhielt das Übersetzerdiplom DOZ, trat zum Judentum über, heiratete und machte Aliyah (Einwanderung nach Israel). Sie lebt mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und vielen Katzen in Südisrael. Sie betreibt den Blog Kinder, Katzen und Kakteen.

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