Ein Blick auf einige der mutigen Seelen, die ihr Leben riskierten, um Israel vor und nach der Gründung des Staates zu erreichen.

Ein Neuimmigrant aus Marokko in Jerusalem, ca. 1950 (Foto: Werner Braun). Dieses Foto ist Teil des Projekts Israel Archive Network und ist dank der Bemühungen um Zusammenarbeit des Yad Ben Zvi Archive, des Ministeriums für Jerusalem und Erbe und der Nationalbibliothek Israels zugänglich gemacht worden.

Es ist eine Ansicht voller Ungereimtheiten: Ein Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, das unter den Bäumen des -Museums der Geheimen Zuwanderung in Atlit bei Haifa gestrandet ist.

Aber diese jüngste Ergänzung des Armeelagers, in dem illegale Immigranten während des britischen Mandats festgehalten wurden, ist kein gewöhnliches Flugzeug. Es dauerte Jahre es aufzuspüren – und es wurde schließlich in Alaska gefunden.

Das Flugzeug, eine C-46 Commando, ist eine Replica der Maschine, die für die Operation Michaelberg verwendet wurde – ein Auftrag im Jahr 1947 150 illegale Immigranten aus dem Irak und Italien ins britische Mandat Palästina zu bringen.

Eine C-46 Commando mit Immigranten auf dem mit Lagerfeuern markierten Landestreifen in Galiläa während Operation Michaelberg 1947. (Foto: Nadav Mann, BITMUNA) Aus der Sammlung Yitzak Altuvia, Teil ders Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Es war das erste Mal, dass ein ziviles Flugzeug genutzt wurde, um illegale Immigranten aus der muslimischen Welt zu transportieren.

Vor der Gründung des Staates Israel kamen die meisten geheim ins Mandat Palästina Kommenden aus europäischen Ländern, aber es riskierten auch hunderttausende Juden Leib und Leben, um aus arabischen und muslimischen Staaten zu fliehen.

Die illegale Zuwanderung vor 1948 war als „Aliyah Bet“ bekannt, kurz für „Aliyah Bilti Legalit“, was wörtlich „illegale Immigration“ bedeutet. Geleitet wurde sie vom Mossad LeAliyah Bet, einer Abteilung des Palmach, der Elite-Kampfgruppe der Haganah, finanziert vom American Jewish Joint Distribution Committee. Aliyah Bet erfolgte hauptsächlich über das Meer, trotz der vom britischen Weißbuch 1939 verhängten Quoten.

In den Nachkriegsjahren vor der Gründung des Staates Israel kamen rund 100.000 Immigranten an. Es wird behauptet, dass bis zu einem Drittel aus arabischen oder muslimischen Ländern kamen. Nachdem Israel gegründet war, fiel diese Aufgabe dem Mossad zu, Israels Geheimdienst.

Einmal gegründet, konnte Israel seine Tore aufreißen und alle Juden aufnehmen, die kommen wollten. Es folgten einige der größten Übersiedlungen der Geschichte auf dem Landweg, über See und durch die Luft: 650.000 Juden kamen aus arabischen Ländern – 90 Prozent der Gemeinden aus Libyen, dem Irak und dem Jemen, ein Drittel der Juden Marokkos.

Aber das Fenster die Länder zu verlassen schloss sich bald. Die arabischen Länder erlaubten den Juden nicht sie zu verlassen – sie waren in dem Konflikt Geiseln. Das war sechs Jahre später in Marokko der Fall, bis in die 1970-er Jahre im Irak und Ägypten und bis in die 1990-er Jahre im Jemen und in Syrien.

Die Mandatszeit

Ironischerweise kamen während des Zweiten Weltkriegs um die 4.000 jemenitische Juden als legale Immigranten, weil es nicht genug europäische Juden gab, um die von den herrschenden Briten festgesetzte Quote der legalen Immigrationsgenehmigungen zu erfüllen.

1944 wurde es zionistische Politik zur Zuwanderung aus arabischen Ländern zu ermuntern: der sogenannte „Eine-Million-Plan“. Je mehr der arabische Antisemitismus zunahm, desto verzweifelter wurde die Not der Juden. Aber während die Briten das Sagen hatten, war die einzige Möglichkeit nach Palästina zu kommen der Versuch die Seeblockade zu durchbrechen – oder eine Schmuggelroute auf dem Landweg zu verwenden.

Der Zionismus im französisch beherrschten Nordafrika wurde 1943 sehr aktiv, aber Emigration wurde nicht vor 1949 legal. Örtliche zionistische Jugendgruppen bauten mit Hilfe von Schmugglern ein Untergrund-Netzwerk auf. Fast 1.000 Juden wurden über Tanas geleitet, ein geheimes Lager in Algerien; sie gingen an Bord von Schiffen der Haganah, die nach Palästina fuhren.

Jüdische Immigranten auf einem Schiff, Algier 1950. (Foto: Nadav Mann, BITMUNA). Aus der Sammlung Yani Avidav, via Ofer Avidav, Teil ders Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Schmuel Sibon, ein Teenager aus Sefrou in Marokko, verbrachte einen Monat in Tanas und war einer der wenigen, die nicht Mitglied einer zionistischen Gruppe waren. Das Essen war knapp. Es gab massenhaft Läuse. Er ging vor der algerischen Küste an Bord der Yehuda Halevi. Eine Reise, die Tage hätte dauern sollen, dauerte drei Wochen. Das Schiff war umringt von britischen Zerstörern. Einer verursachte ein Loch im Schiff und Wasser strömte ein. Die Yehuda Halevi wurde nach Zypern umgeleitet, wo Sibon neun Monate verbrachte. Die Lagerinsassen grüßten die Passagiere mit der Frage: „Wo sind die Afrikaner?“, weil sie erwarteten schwarze Juden zu sehen.

Die berühmte Exodus hatte 50 Nordafrikaner an Bord – „Afrika auf der Exodus“ – ein winziger Anteil der 4.000 Passagiere. Schlomo Busqiuila war einer davon. Es gab nichts zu essen, berichtete er. Für ihn war das Beste, dass er an Bord seine Frau traf: Hava, eine ungarische Holocaust-Überlebende.

In Libyen tat die an der Seite der Briten kämpfende Jüdische Brigade viel um die lokale Gemeinschaft zu inspirieren Aliyah zu machen – und das taten dann 90 Prozent. Bis 1949 schafften es allerdings rund 1.300 über italienische Displaced Persons-Lager nach Israel. Sie waren Überlebende entsetzlicher Arbeitslager der Kriegszeit wie Giado und des Pogroms von Tripolis 1945, bei dem 130 Juden gestorben waren. Viele hatten keine Staatsbürgerschaft. Die Internationale Flüchtlingsorganisation war ohne Mitleid und behauptete, es handele sich nicht um Asylsuchende, sondern um Wirtschaftsmigranten.

Legale Emigration aus Marokko

Nachdem der Staat Israel ausgerufen war, wurde Emigration aus Marokko legal: Wellen von Juden machten sich auf den Weg an die Grenze nach Algerien. Nach der Unabhängigkeit 1956 führte Marokko ein Verbot ein. Die Emigration ging in den Untergrund. Zuerst wurde Tanger, dann die spanischen Territorien Ceuta und Melilla zu wichtigen Wegstationen.

Migranten machten sich auf kommerziellen Linien auf den Weg nach Gibraltar und gingen dann an Bord von Schiffen der Jewish Agency nach Israel. Ihnen wurde nicht gesagt, wann sie abfahren, wie erfuhren nur die Zeit und den Ort, wo ein Fahrzeug sie aufnehmen würde. Ihnen wurden falsche Papiere gegeben. Der Schmuggel war zeitlich so geplant, dass er mit Pilgerfahren zu Gräbern von Heiligen oder christlichen Festen zusammenfiel. An Ausgangspunkten wurde die Polizei bestochen. Die Migranten riskierten verhaftet und gefoltert zu werden.

Eine Familie Neuimmigranten aus Marokko feiert ihr erstes Pessah in Israel, ca. 1951. (Foto: Keren Hayesod). Dieses Foto ist Teil des Projekts Israel Archive Network und wurde Dank der Zusammenarbeits-Versuche des Yad Ben Zvi Archive, dem Ministerium für Jerusalem und Erbe und der Nationalbibliothek Israels verfügbar gemacht.

Juden verließen bis zur Egoz (Pisces)-Katastrophe im Januar 1961 weiter heimlich das Land. Das Schiff sollte sein 13. illegale Überfahrt nach Gibraltar machen. Alle 42 Menschen an Bord ertranken, darunter der spanische Maschinist. Der Kapitän rettete sich. Die Tragödie sorgte dafür, dass das Emigrationsverbot aufgehoben wurde.

Von 1961 bis 1964 verließen fast 100.000 Juden als Teil der Operation Yachin Marokko; die Operation wurde vom Mossad nach einer Vereinbarung zwischen David Ben-Gurion und König Hassan II. durchgeführt. Dabei erhielt die marokkanische Regierung Geld für den jüdischen Émigré.

Aliyah aus dem Nahen Osten

1942 begann Aliyah Bet Emissäre in den Irak, nach Syrien, in den Iran und den Libanon zu schicken. Rund 9.000 Juden, darunter 1.300 syrische Juden, wurden in gewagten und komplexen Operationen auf dem Landweg ins Mandat Palästina eskortiert. Rachel Yanait Ben-Zvi, die Frau von Israels zweitem Präsidenten Yitzhak Ben-Zvi, machte es sich zu einer Priorität Teenager-Mädchen aus Syrien herzubringen. Bis 1945 hatten 1.000 jungen Menschen die Reise gemacht.

Nissim Arkeli beschreibt seine Flucht anschaulich:

„… die arabischen Grenzschmuggler setzten uns auf Pferde und statt in Sätteln saßen wir auf mehreren Säcken. Die sich durch Berge und versteckte Wadis windende Straße war schwierig und ermüdend, mit der immer präsenten lebensbedrohenden Gefahr vom Pferd zu fallen und sich auf den Felsen den Hals zu brechen. Wir entwickelten sehr schnell Schwielen an unseren Hintern und Oberschenkeln. In der zweiten Nacht waren aus den Schwielen sehr schmerzhafte, blutige Wunden geworden.“

Im November 1947 wurde die Situation für die syrischen Juden bedenklich. In Aleppo brachen Krawalle aus, was dazu führte, dass der Großteil der Bevölkerung floh. Tausende gingen von Syrien in den Libanon, dem einzigen arabischen Land, das erlebte, dass seine jüdische Bevölkerung während dieser Zeit zunahm.

Die ersten illegalen Immigranten ins Mandat Palästina aus dem Irak kamen aus eigenem Antrieb nach dem Massaker von 1941, das als Farhud bekannt wurde, über Transjordanien, eine 1.500 Kilometer lange Route. Manche gingen die gesamte Strecke zu Fuß. Die kürzeste und schnellste Route verlief entlang der Öl-Pipeline. Beduinische Schmuggler, Taxifahrer, sogar Beamte des königlich-jordanischen Hofs agierten als Führer. Die Iraker und die Briten versuchten Aliyah mit militärischen Inspektionen zu vereiteln. Migranten konnten inhaftiert und verhört werden.

Zionistische Aktivisten in Bagdad 1934. Dieses Foto ist Teil des Netzwerks Israelischer Archive und Dank der Zusammenarbeitsbemühungen des Archivs Yad Ben Zvi, des Ministeriums für Jerusalem und Erbe und der Nationalbibliothek Israels zur Verfügung gestellt.

Die Schmuggler verlangten überhöhte Preise. Die zionistische Bewegung war bereit, exorbitante Summen für jeden Emigranten zu zahlen. Mehrere hundert gaben sich mit falschen Pässen als Touristen aus.

Avner Schaschua wurde verhaftet, als er versuchte zu entkommen:

„Eines Abends wurden wir zum Aufbruch aufgerufen. Uns wurde Beduinenkleidung bereitgelegt: Abayas, Akals und Keffiyes… Wir stiegen in das wartende Auto mit dem Fahrer/Schmuggler… an einer der Kurven der Straße wartete die Polizei auf uns. Der Schmuggler steckte mit der Polizei unter einer Decke. Wir wurden in ein Gefangenenlager gebracht. Wir hatten keine Betten, keine Matratzen und keine Decken; wir hockten uns in eine Ecke und setzten uns auf den Boden.“

Der Mossad bevorzugte eine Route durch Syrien von Mossul nach Qamlischi, Aleppo, Damaskus oder Beirut. Von 1943 bis 1946 wurden rund 5.000 der 7.500 Immigranten aus dem Irak immer zu zweit oder dritt über Israels Nordgrenze geschmuggelt. Viele kehrten in den Irak zurück, weil sie es schwierig fanden sich an ihre neue Umgebung anzupassen.

Die Emigration stagnierte bis 1947. Die zionistische Bewegung im Irak hatte 2.000 Mitglieder, aber nur 50 hatten es nach Israel geschafft.

Operation Michaelberg

Schlomo Hillel war zunehmend frustriert. Er war ein 23-jähriger Agent des Mossad LeAliyah Bet, der aus dem Irak nach Israel gezogen war. Operation Michaelberg wurde entworfen, als er von zwei amerikanischen Veteranenpiloten mit leeren Taschen erfuhr, die auf Abenteuer aus waren; sie boten ihre Dienste an.

Sie flogen eine C-46 mit Hillel an Bord nach Bagdad. Der Plan sah vor, dass 50 Emigranten in zehn Autos an einem irakischen Militärlager vorbei transportierten werden und dann über eine Lücke im Zaun um den Flughafen steigen sollten. Das Flugzeug selbst hob beinahe ohne die Passagiere des zehnten Autos ab – kam es aber gerade noch rechtzeitig.

Der Plan funktionierte perfekt. Sie landeten auf einem Feld in Galiläa. Ein Mossad-Agent übergab den Piloten eine Brieftasche mit Bargeld. Die Haganah führte die Operation einmal mehr durch und brachte 50 weitere Iraker, bevor der Ausbruch des Krieges die Operation zu riskant machte.

Immigranten, die während der Operation Michaelberg in Galiläa aus dem Flugzeug steigen, 1947. (Foto: Nadav Mann, BITMUNA) Aus der Sammlung von Yitzhak Altuvia, Teil der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

1948 erklärte der Irak Israel den Krieg und steigerte die Verfolgung der Juden. Illegale Immigration über den Süden und über die Grenze in den Iran nahm stark zu. Bald waren es 1.000 Menschen im Monat. Die Lage wurde für die irakische Regierung so blamabel, dass sie beschloss, nur ein Jahr lang Emigration zu gestatten; sie glaubte, nur Hitzköpfe und Unerwünschte würden weggehen wollen. Wie sich herausstellte, registrierten sich 120.000 Juden zum Weggehen.

Schlomo Hillel ging zurück in den Irak, um die Luftbrücke auszuhandeln. Sie wurde als Operation Babylon oder Operation Esra und Nehemia bekannt.

Aliyah aus dem Jemen

1949 schloss Israel einen Deal mit Alaskan Airways einen Vertrag zum Transport jemenitischer Juden aus der britischen Kolonie Aden an der Spitze der Arabischen Halbinsel.

Die jemenitischen Juden befanden sich in einer verzweifelten Lage. Viele waren durch die Wüste ins Transitlager Haschad in Aden gelaufen. Hunderte starben an Unterernährung oder Krankheiten. Am Ende wurden 1949/50 50.000 Juden nach Israel geflogen – fast die gesamte Gemeinschaft.

Vorbereitungen im Hafen von Aden, um jemenitische Immigranten nach Israel zu bringen, 29. Juni 1950 (Foto: Benno Rothenberg). Aus der Meitar Collection, The Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Die 1950-er, 1960-er Jahre hindurch und bis in die 1990-er Jahre hinein setzte der Mossad die geheimen Operationen fort – aus Marokko, Ägypten, Tunesien, Syrien, dem Irak und dem Iran. In den 1980-er und 1990-er Jahren wurden tausende äthiopischer Juden gerettet und nach Israel gebracht.

Mit der Ankunft der C-46 im Museum in Atlit und der Eröffnung einer eigenen Halle nimmt die heimliche sephardische Immigration ihren rechtmäßigen Platz in Israels Geschichte ein. An die mutigen Seelen, die ihr Leben riskierten, um aus muslimischen Ländern zu retten und gerettet zu werden, wird erinnert, nachdem sie so viele Jahre lang übersehen wurde.