Noch einmal zum Thema Khazaren

  • Roland M. Horn

Das Reich der Chasaren im 9. Jahrhundert
CC BY-SA 3.0,
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Ich habe bereits in einem anderen Artikel und in meinen Büchern Blauer Stern auf weißem Grund – Die Wahrheit über Israel und Freimaurer im Weltraum darauf hingewiesen, dass die von modernen Antisemiten (“Antizionisten”) gerne vorgebrachte Behauptung, dass die Aschkenasim (“die Ostjuden”) vom Turkvolk der Khazaren in Asien abstammen und ihre Vorfahren nie das Gelobte Land gesehen hätten, falsch ist. (Diese Behauptung wird gerne vorgebracht, um zu “beweisen”, dass die Juden kein Anrecht auf einen Staat in Eretz Israel haben. Lesen Sie nachfolgend weitere Informationen zum Thema.

Ungefähre Ausdehnung des Partherreichs
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public domain

Der Autor und Forscher Steven M. Collins stellt fest, dass zahlreiche Juden im Partherreich lebten und viele von ihnen nach dem Fall dieses Reichs durch die Kaukasischen Berge Richtung Europa und ins Territorium nördlich des Schwarzen Meers wanderten. Dabei kamen sie auch durch das Reich der Khazaren. Man muss dazu sagen, dass Collins explizit zwischen “Juden” und “Israeliten” unterscheidet. Das ursprüngliche geeinte Reich Israel zerfiel damals in zwei Reiche: das Nordreich – oder “Haus Israel” – und das Südreich (Haus Juda). Der moderne Staat Israel wird von Juden bewohnt; die Israeliten des Nordreichs gelten als verschollen. Collins bezweifelt in seinem Artikel The Khazars and the Modern Jews, dass die Khazaren von vornherein alle Nichtjuden waren, da sich hier auch Flüchtlinge aus Parthien auf ihrem Weg niedergelassen haben müssten – und diese stammten ursprünglich aus dem Heiligen Land, bevor sie in Parthien Zwischenstation machten!

Die Bibel berichtet, dass sich das Königreich Israel nach dem Tode Salomos (um 926 v. Chr.) in das von Jerobeam I. regierte Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria (das blau gefärbte Areal) und das Herrschaftsgebiet Rehabeams, des Königs von Juda, um die Hauptstadt Jerusalem (das ocker gefärbte Areal im Süden) auflöste.
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Oldtidens_Israel_&_Judea.svg: FinnWikiNoderivative work: Richardprins, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Insgesamt, so betont Collins, waren die Khazaren eine Mischung aus verschiedenen Völkern und ethnischen Gruppen. Unter Bezugnahme auf die Encyclopedia Britannica1Collins nach: Encyclopaedia Britannica, 1943 Ed., Vol. 13, unter Khazars, S. 362 hält er fest, dass einige Khazaren erstmal 198 n. Chr. in Armenien wahrgenommen wurden –28 Jahre vor dem Fall von Parthien. Auch die zehn angeblich verlorenen Stämme Israels hätten in Parthien gelebt, und die Flüchtlinge von dort seien es gewesen, die schließlich die Bevölkerungsmehrheit in Parthien stellten. Die khazarischen Herrscher konvertierten zum Judentum.

Doch auch jüdische Flüchtlinge hatten sich in dem Gebiet angesiedelt, dass später das Khazarenreich werden sollte. Collins zitiert aus The Universal Jewish Encyclopedia:

 “Vakhushtis Geschichte Georgiens informiert uns darüber, dass einer jüdischen Gesandtschaft, die nach der Zerstörung des Ersten Tempels in Jerusalem (586 v. Chr.) an den Prinzen von Mzchet appelliert hatte, die Erlaubnis erteilt wurde, sich am Stadtrand von Mzcheta niederzulassen.”2Collins nach: The Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, unter “Mountain Jews,” S. 26

Verwaltungskarte des Südkaukasus (Transkaukasus). Links Schwarzes, rechts Kaspisches Meer.
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Caucasiamapussr.gif: The original uploader was Artaxiad at English Wikipedia.Converting to SVG: Hellerick, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons,

Der Stamm Juda (Die Nachkommen von Juda, dem biblischen Sohn Jakobs, der der Thora zufolge später Israel genannt wurde)  begann sich demzufolge im Transkaukasus niederzulassen, seit Jerusalem an die Babylonier gefallen war, wie Collins feststellt. Die gleiche Quelle berichtet über viele weitere Wellen jüdischer Migration in diese Region, wie er weiter zu berichten weiß:

„Ein weiterer Zustrom jüdischer Flüchtlinge in verschiedene transkaukasische Regionen fand nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.) statt. Der Höhepunkt des Zustroms in den ersten Jahrhunderten des Christentums wird vom Chronisten Faustus von Byzanz (4. Jh. n. Chr.) bestätigt, der berichtet, dass die Perser unter König Sapor II (360 n. Chr.) in Armenien einmarschierten und mehr als 75.000 jüdische Gefangene – die Nachkommen derer, die zuvor aus Palästina in den Transkaukasus gekommen waren – mit sich nach Südpersien nahmen.“3Collins nach: The Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, unter “Mountain Jews,” S. 26

Satellitenaufnahme des Kaukasus: im Norden Großer Kaukasus, im Süden Kleiner Kaukasus
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NASA/MODIS – Jacques Descloitres, MODIS Land Rapid Response Team, Public domain, via Wikimedia Commons

Collins zufolge bemerkten die Juden, dass die Kaukasus-Region jahrhundertelang eine gastfreundliche Zuflucht waren, und viele von ihnen siedelten sich dort an. Von 700 v. Chr. bis mindestens zum 5. Jh. nach Chr. wurde es von zahlreichen Nachkommen der zehn Stämme Israels bewohnt, zu denen Collins auch Skythen, Iberer, Sacae und Goten zählt. Collins betont, dass die Juden, die dort lebten, aus Eretz Israel stammten; um anschließend wieder aus der Universal Jewish Encyclopedia zu zitieren:

“Anschließend schlossen sich ihnen [transkaukasischen Juden] andere Juden aus westlicheren Regionen an; aus Kleinasien, der Krimhalbinsel und insbesondere aus Byzanz (um den schweren Verfolgungen zu entkommen, die Kaiser Justinian im 6. Jh. n. Chr. erlitten hatte). Es ist offensichtlich … dass die jüdische Einwanderung in den Kaukasus nicht nur zu unterschiedlichen Zeiten, sondern auch aus unterschiedlichen Richtungen erfolgte. “4Collins nach: The Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, unter “Mountain Jews,” S. 26

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