Die Parther-Batterie

* von Roland M. Horn

Abb. 1 Parther-Batterie: Zeichnung der Fundstücke: Tongefäß, Kupferzylinder und Eisenstäbchen

Schon seit Jahrzehnten gibt es eine Diskussion über eine Batterie, die das iranische Volk der Parther, das in der Zeit zwischen dem 3. Jh. v. Chr. bis 428 n. Chr. an der Südostecke des Kaspischen Meeres ein mächtiges Reich bildeten, besaßen.

Mit dieser “Parther-Batterie” beschäftigte sich u. a. der Physiker Paul Keyser von der University of Alberta in Edmonton in seinem Artikel The Purpose of the Parthian Galvanic Cells: A First-Century A. D. Electric Battery Used for Analgesia im Journal of Near Eastern Studies vom Mai 1993.

Er führt dort aus, dass die elektrischen Batterien bei der Abfassung seines Artikels im Jahr 1993 (er spricht hier im Plural!) seit etwa 50 Jahren bekannt seien, aber niemand auf wissenschaftlicher Basis darüber berichtet hätte. Er selbst habe jedoch diesen Fund plus einige ähnliche untersucht und sich Gedanken darüber gemacht, wo dieses Gerät erfunden worden sein könnte und was die aus entgegengesetzt geladenen beweglichen Ionen bestehende leitfähige Subsatz wohl gewesen sei. Die “übliche These”, die vom Archäologen Wilhelm König, der der erste war, der über den Fund berichte, nach der die Zelle zur Galvanisation (eine heute vielgenutzte mit Hilfe der Elektrolyse durch elektrischen Strom bewirkte chemische Zersetzung von Elektrolyten (kleine geladene, gelöste Teilchen, sog. Ionen),durchgeführtes Beschichtungsverfahren) verwendet wurde, hält er jedoch für unmöglich. Er selbst legt einen Verwendungszweck nahe, der eher ins zeitliche technische und wissenschaftliche Umfeld passt, nämlich die Verwendung als lokales Anästhetikum, wie es heute zur elektrischen Stimulation der Nerven durch die Haut verwendet wird als Behelfslösung anstelle von elektrischen Fischen, die mittels besonderer elektrischer Organe Stromstöße erzeugen können.

König berichtete über die Entdeckung einer antiken elektrischen Batterie, die aus einem eifömigen Krug von ungefähr 14 cm x 8 cm im Durchmesser bestand. In der 3,3 cm langen Öffnung befand sich eine 9,8 cm x 2,6 cm Durchmesser große Röhre aus gewickeltem und verlötetem Kupferblech, das mittels Asphalt angebracht wurde. Der Boden der Röhre war mit einer Kupfer-Scheibe versiegelt und mit einer 0,3 cm Asphaltschicht bedeckt. Eine 7,5 cm lange Eisenstange verlief von oben nach unten innerhalb dieser Kupferröhre bis in die Asphaltschicht hinein. Sowohl das Kupfer als auch das Eisen ragten unterhalb der Asphaltschicht heraus. Die Finder waren Mitglieder des Iraq Antiquities Departement; die Funde wurde im Rahmen von Ausgrabungen einer parthischen Siedlungsstätte gemacht, die heute Khujut Raboua heißt und in der Nähe von Bagdad liegt. Zusammen mit ihr wurden “magische Schalen” gefunden, und beides wird auf das erste Jahrhundert n. Chr. datiert.

Weniger bekannt ist, dass anderswo ähnliche Artefakte gefunden wurden, die auf die Sassanidische Periode datiert werden. Das Sassanidenreich gilt als das zweite persische Großreich des Altertums. Es löste 226 n. Chr. das Partherreich ab. Die angesprochenen Funde wurden mitunter zusammen mit den “Magischen Objekten” gefunden. Nahe der Stadt 40 km stromabwärts gelegenen Stadt Seleukia am Tigris wurden Geräte gefunden, die mit Papyrus gefüllt waren, bei denen jedoch die Eisenstange fehlte. Stattdessen wurden sie aber zusammen mit Eisen- und Bronze-Nadeln in etwas, das Keyser “wie ein “Zaubererhaus” erschien”, gefunden. In der neben Seleukia am Tigris zweiten Stadt der Doppelstadt Seleukia-Ktesiphon, Ktesophon wurden mehrere Keramikkrüge gefunden, und in jeder von ihnen befanden sich Bronze-Zylinder, die an beiden Enden versiegelt und mit organischem Material gefüllt waren.

Abb. 2 Parther-Batterie: Interner Aufbau nach W. König

Das parthische Gerät erinerte derart stark an galvanische Zellen mit flüssigem Elektrolyt, dass König davon ausging, dass es sich um solche handelte. Tatsächlich weist die Asphalt-Schicht auf die Anwesenheit einer Flüssigkeit hin, und beinahe alle verfügbaren Flüssigkeiten (ausgenommen Pflanzen- und Mineralöle) waren säurehaltig. Die Anwesenheit von verschiedenen Metallen in einer Säure erzeugt einen Spannungsunterschied und ist Keyser zufolge der Schlüssel für eine Voltasche Säule, eine Vorläuferin der heutigen Batterien. Die 0,3 cm dicke Asphalt-Schicht am Boden, die ansonsten unnütz wäre, würde dazu dienen, einen möglichen Kurzschluss der Eisenstange an der kupfernen Unterseite zu verhindern. “Asphalt ist ein träger, wasserresistenter Isolator“, schreibt Keyser. Es sei in der Tat schwierig, zu sehen, was das Gerät noch sein könnte. Doch der Physiker hat trotzdem noch eine ganz andere Idee…

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Buchbesprechung: Steven M. Collins: Parthia The Forgotten Ancient Superpower And Its Role in Biblical History

  • von Roland M. Horn

Steven M. Collins:

Parthia

The Forgotten Ancient Superpower And Its Role in Biblical History

Bible Blessings Royal Oak, Mi, 2004
ISBN: 0-9725849-2-7
Preis: $ 20.00
Pb, 256 Seiten, 100 s/w-Abb., Register

Steven M. Collins behauptet in diesem Buch, dass der Parther-Kultur eine weit größere Bedeutung zukommt, als es ihr von der offiziellen Wissenschaft zugestanden wird. Dies liegt seiner Meinung nach daran, dass man versucht, die Bibel aus der Wissenschaft zu verdrängen. Dazu muss gesagt werden, dass Collins ein Vertreter der sogenannten Two Houses Theology ist, die der Meinung ist, dass die zehn verlorenen Stämme Israels nicht wirklich verloren sind, sondern im Partherreich aufgingen und später zu einer Vielzahl von Nationen geworden sind. Für die Identität des Partherreichs als eine Quasi-Fortsetzung des Nordreichs Israel hat Collins aber nicht nur biblische Hinweise, sondern auch sehr beeindruckende außerbiblische Indizien vorzuweisen.

Collins‘ Grundaussage ist die, dass das Partherreich von ehemaligen Angehörigen des israelitischen Nordreichs gegründet wurde, die nach der Zeit der Verschleppung nach Assyrien nach Asien gezogen seien. Eine prominente parthische Sippe wurde “Suren Family” genannt, und eines ihrer Erbfolgerechte war es, parthische Könige zu krönen. Collins stellt klar, dass das Wort „Sur“ im Hebräischen „regieren“ oder „Prinzen werden“ („make princes“) beinhaltet. Angeführt wurden die Israeliten aus dem Nordreich durch die Nachkommen des Jakob-Enkels Ephraim. Der Name „Eranians“ bzw. „Iranians“ für ein Volk in MedoPersien – die beiden Begriffe sind Collins zufolge austauschbar – entspricht Collins zufolge dem exakten hebräischen Namen für eben Ephraim und ist die Grundlage für den modernen Begriff Iran. Die dem Stamm Ephraim Zugehörigen waren die israelitischen Verteidiger von Samaria, das 732 v. Chr. fiel. Sie wurden von den Assyrern nach Medo-Persien verschleppt, wo 247 v. Chr. das Partherreich entstand. Der parthische Kommandeur Osaces unter König Orodes ist Collins zufolge nach Abrahams Sohn und Jakobs (Israels) Vater Isaak benannt. Nach Isaak wurden Collins zufolge die skythischen „Sacae“ betitelt, die später in Richtung Norden zogen und heute noch unter dem Namen Saxons/Sachsen existieren. Dies entbehrt nicht einer gewissen Brisanz, da es nahelegt, dass die Sachsen und andere germanische Stämme (in seinem Buch Israel’s Tribes Today weist Collins auf die mit Parthien Verbündeten Carmanian bzw. Kerman – auch bekannt unter den Namen Germanii oder Germanioi hin!) letztlich Semiten waren – Semiten aus dem einst gereinigten Königreich Israel!

Die oft unter den Teppich gekehrte biblische Aussage, dass Jesus nur für die verlorenen Schafe des Hauses Israel gekommen ist, bezieht Collins in erster Linie auf die Parther, in deren Gebiet Petrus wirkte. Letztlich waren auch die „Heiligen drei Könige“ in Wirklichkeit eine weit größere Abordnung aus dem Partherreich gewesen, das den neugeborenen Messias, als Jude (die dem Israelischen Südreich entstammen) einem Nachfahren von König David und somit auch mit dem israelitischen Volk der Parther verwandt, huldigen wollte. Collins hat auch Quellen, aus denen hervorgeht, dass Jesus in seiner Jugendzeit in England, ja selbst Amerika wirkte, wohin die Nordstämme Israels ebenfalls gewandert waren.

Collins zufolge waren die Parther den Römern beinahe ebenbürtig, doch das ginge aus o. g. Gründen aus der gängigen historischen Literatur nicht hervor. Collins weist auf eine hohe Kulturstufe hin, die die Parther besaßen. Die interessanteste Errungenschaft ist dabei die besonders in grenzwissenschaftlichen Kreisen bekannte „Batterie von Bagdad“ bzw. „Parther-Batterie“. Wie passt eine solche Errungenschaft in die damalige Zeit und jene Kultur? Also besser wegdiskutieren! Ein bekannter deutscher Physiker sagte einmal sinngemäß: „Damals kann es keine Batterie gegeben haben, weil es damals keinen Strom gab.“ Ernstzunehmenden Quellen zufolge existierte diese Batterie jedoch wirklich und diente vermutlich zur mit Schwachstrom herbeigeführten Lokalanästhesie (Elektroanästhesie), wie sie in der Neuzeit im Rahmen der „transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS)“ Verwendung findet. Eine Nutzung der Batterie zur Galvanotechnik scheint unwahrscheinlicher.

So unwahrscheinlich das Ganze auch klingen mag, sind Collins’ Annahmen (zumindest die, die sich direkt auf die Parther beziehen), von denen im Rahmen dieser Rezension nur die markantesten erwähnt werden konnten, sehr gut belegt! Collins kann auch mit anerkannten Geschichtsschreibern wie Flavius Josephus und Plutarch sowie der Encyclopedia Britannica als Quellen aufwarten.

Das Buch als „empfehlenswert“ einzustufen, wäre eine gravierende Untertreibung! Ärgerlich ist nur, dass für den Transport nach Europa ungewöhnlich hohe Versandkosten anfallen.

(Erstveröffentlichung auf Atlantisforschung.de)

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