Der Zermürbungskrieg: der „Krieg zwischen den Kriegen“

* von Dov Lipman, HonestReporting
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Ein Hubschrauber wartet am 23. Januar 1970 während des Zermürbungskriegs darauf, nach einer Militäraktion auf der Insel Schadwan südlich von Scharm el-Scheik Truppen und Ausrüstung abzufliegen. (Foto: Mosche Milner; mit freundlicher Genehmigung des GPO

Israel ist das einzige Land der Welt, das in einem Status lebt, der „Krieg zwischen den Kriegen“ genannt wird. Da es von Feinden umringt ist, die seine Vernichtung anstreben, selbst wenn offiziell kein Krieg herrscht, hat es ständig mit kleinen Angriffen dieser Feinde zu tun. Das größte Beispiel für diesen Status ist der dreijährige Zeitraum von 1967 bis 1970, eine Periode, die heute der „Zermürbungskrieg“ genannt wird.

Man hätte meinen sollen, dass Israels durchschlagender Sieg über alle benachbarten arabischen Länder im Sechstage-Krieg vom Juni 1967 dem jüdischen Staat ein paar Jahre Frieden und Ruhe verschafft hätte.

Das war aber nicht der Fall.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser war entschlossen, alles Mögliche zu tun, um die Sinai-Halbinsel zurückzugewinnen, die Israel während des Krieges eroberte, der am 9. Juni 1967 endete. Der Sechstage-Krieg war zwar vorbei, aber es dauerte nicht lange, bis der Zermürbungskrieg begann.

Die Anfänge des Zermürbungskriegs

Schon am 1. Juli zogen ägyptische Stoßtrupps in nur 16km Entfernung von den israelischen Positionen auf dem Ostufer des Suezkanals. Israel, das gemäß eines Plans agierte, mit dem ägyptische Streitkräfte daran gehindert werden sollten sich in dem Bereich zu sammeln, griff die Stoßtrupp-Soldaten an und verlor selbst einen Soldaten, 13 wurde verwundet. Am nächsten Tag bombardierte die israelische Luftwaffe die ägyptische Artillerie, die den Kommandotruppen Deckung gegeben hatte. Das führt zu einem ägyptischen Luftangriff auf israelische Streitkräfte im Sinai und im Grunde genommen war der Waffenstillstand vom 9. Juni damit nicht mehr passee. Die Geplänkel zwischen den beiden Seiten gingen den Juli hindurch weiter, wobei zahlreiche ägyptische Kampfjets von Israel abgeschossen wurden und Israel zwei ägyptische Torpedoboote versenkte.

Der israelische Zerstörer INS Eilat, den die ägyptischen Marine im Oktober 1967 versenkte; dabei wurden Seeleute getötet. (Bild: Wikimedia Commons)

Im August, September und Oktober war es relativ ruhig, aber am 21. Oktober 1967 versenkte die ägyptische Marine in internationalen Gewässern vor der Küste von Port Said die Eilat, einen Zerstörer der israelischen Marine; dabei wurden 47 Seeleute getötet. Israel schlug mit umfangreichen Bombardierungen ägyptischer Öl-Raffinerien und -Depots in der Region zurück, was erhebliche Artilleriegefechte zwischen den beiden Seiten zur Folge hatte; dabei gab es Oper unter ägyptischen Zivilisten.

Das Hin und Her ging 1968 mit ägyptischen Artillerie-Angriffen auf israelische Positionen weiter, was zu israelischen Vergeltungsangriffen führte. Die israelischen Führungskräfte glaubten, sie müssten handeln, um den ständigen ägyptischen Angriffen ein Ende zu setzen, die von Israel Opfer forderten. Am 30. Oktober 1968 zerstörten IDF-Kommandosoldaten eine ägyptische Trafostation und zwei Dämme sowie eine Brücke am Nil. Der Angriff führte zu einem großräumigen Stromausfall in Ägypten und der Schaden brachte friedliche Monate. Die Pause ermöglichte es Israel, sich entlang des Ostufers des Kanals durch den Bau der „Bar-Lev-Linie“ zu stärken.

Ägypten griff Israel am 8. März 1969 wieder an, diesmal mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen auf die IDF, was erhebliche israelische Verluste verursachte. Die IDF reagierte entschlossen; sie schickte Truppen tief auf ägyptisches Gebiet, um militärische Ziele anzugreifen. Am nächsten Tag tötete Israel den ägyptischen Generalstabschef, General Abdul Munim Riad, als dieser ägyptische Streitkräfte entlang des Kanals besuchte.

Israel beschloss einmal mehr, dass es ernste militärische Aktivitäten unternehmen müsse, um den Versuch zu unternehmen, die ständigen ägyptischen Angriffe zu stoppen. Am 19. Juli 1969 begann diese Operation mit einem Stoßtrupp-Angriff auf den ägyptischen Militärposten auf Green Island, wobei 80 ägyptische Soldaten getötet wurden; dem folgte ein Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Streitkräfte am nördlichen Teil des Suezkanals, der 300 ägyptische Soldaten tötete und die ägyptischen Posten schwer beschädigte. Dem folgten etwa 1.000 Einsatzflüge der israelischen Luftwaffe im August, bei denen ägyptische Raketen-Abschussrampen und mehr als 20 ägyptische Kampfjets zerstört wurden.

Die Supermächte greifen ein

Beginnend im Oktober 1969 fingen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion an, die Seiten in diplomatische Gespräche zur Beendigung der Kämpfe zu verwickeln. Als diese Versuche aber scheiterten, schickte die Sowjetunion beträchtliche Mengen an Waffen und Soldaten, um den Ägyptern zu helfen, was letztlich zu Luftkämpfen zwischen israelischen und ägyptischen Piloten führte, bei denen die israelische Luftwaffe zahlreiche russische Flugzeuge abschoss.

Israelische Gegenschläge für ägyptische Angriffe gingen bis zum 8. April 1970 weiter, als Israel versehentlich in dem Glauben, es handele sich um eine ägyptische Militäranlage, eine Schule angriff. Bei dem Angriff wurden 46 ägyptische Kinder getötet und mehr als 59 verletzt. Israel beschloss an diesem Punkt seine Gegenangriffe einzustellen. Diese Veränderung der Politik erlaubte es den ägyptischen und sowjetischen Streitkräften näher an den Kanal zu rücken, als Israel das wollte. Die Kombination der Schäden durch die ägyptische Armee, zusammen mit den militärischen Gewinnen und den Opfern, die der israelischen Seite zugefügt wurden, sowie der Fähigkeit seine Streitkräfte näher an den Kanal zu bringen, erlaubte es am 7. August 1970 eine Feuereinstellung zu erzielen, ohne eine Veränderung der Grenzen des Krieges von 1967 und ohne dass eine Seite sich zu Friedensverhandlungen verpflichtete.

Ein israelischer Soldat blickt über den Suez-Kanal auf ägyptische Dorf Kantara, 26. November 1970. (Foto: Mosche Milner, mit freundlicher Genehmigung durch das GPO

Sadat legt die Grundlage für den Yom Kippur-Krieg

Der ägyptische Präsident Nasser starb am 28. September 1970 infolge eines Herzinfarkts und sein Nachfolger, Anwar Sadat, hielt sich an den Waffenstillstand; er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau und die Vorbereitung der ägyptischen Armee für einen Großangriff auf Israel, der dann mit dem Yom Kippur-Krieg im Oktober 1973 stattfinden sollte.

Es gibt widersprüchliche Berichte dazu, wie viele Israelis zwischen Juni 1967 und August 1970 in diesem Zermürbungskrieg getötet wurden. Die Zahlen reichen von 600 bis 1.400 mit tausenden Verletzten. Israel verlor mehr als 20 Flugzeuge sowie seinen Zerstörer, die Eilat. Auf ägyptischer Seite reichen die Schätzungen von 2.882 Getöteten und 6.285 Verwundeten bis zu 10.000 Getöteten. Zudem verlor Ägypten mehr als 100 Flugzeuge und mehrere Schiffe.

Dieser dreijährige Zermürbungskrieg bereitete den Weg zum Yom Kippur-Krieg drei Jahre später. Er führte Israel in einen Zustand weiterer Selbstgefälligkeit, überzeugt davon es könne jeden Angriff abwehren, der von seinen benachbarten Feinden ausgeht. Der Schaden, den Ägypten Israel während dieser drei Jahre zufügen konnte, stärkte Ägypten und Israels andere Nachbarn so weit, dass sie die Zuversicht empfanden, sie könnten letzten Endes ihr gemeinsames Ziel erreichen, den jüdischen Staat militärisch zu vernichten.

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