(zum Beitragsbild oben: By Haim Zach / Government Press Office of Israel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=128631579)
Während das iranische Regime unter Druck steht, sucht Washington erneut den Gesprächskanal. Israel schickt seinen wichtigsten Mann für verdeckte Wahrheiten. Die Botschaft ist klar: Verhandlungen dürfen kein Rettungsring für Teheran werden.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Ort ebenfalls nicht. Israels Geheimdienstchef David Barnea ist am Freitag in den Vereinigten Staaten eingetroffen, um Gespräche über die Lage im Iran zu führen. Nach Informationen aus israelischen Regierungskreisen wird Barnea noch heute in Miami mit dem Sondergesandten des Weißen Hauses, Steve Witkoff, zusammentreffen. Witkoff gilt derzeit als zentrale Schlüsselfigur des amerikanischen Kommunikationskanals nach Teheran.
In Jerusalem wird dieser Besuch als hochsensibel eingestuft. Denn während auf den Straßen Irans Proteste brutal unterdrückt werden, mehren sich in Washington Stimmen, die erneut auf Diplomatie setzen. Israel sieht darin ein erhebliches Risiko.
Zwischen Militärschlag und Verhandlungstisch
Der Besuch Barneas ist Teil enger Konsultationen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Im Kern geht es um zwei gegensätzliche Optionen. Eine mögliche amerikanische Militäraktion gegen iranische Sicherheitsstrukturen oder die Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen Washington und Teheran.
Aus israelischer Sicht ist die Gefahr offensichtlich. Der iranische Außenminister hat bereits signalisiert, zu Gesprächen bereit zu sein. Jerusalem befürchtet, dass Teheran genau darauf setzt. Zeit gewinnen, Druck mindern, internationale Aufmerksamkeit umlenken. Dieses Muster ist bekannt und mehrfach erprobt.
Israelische Sicherheitskreise warnen seit Jahren davor, dass das Regime Verhandlungen nicht als Weg zur Deeskalation nutzt, sondern als strategisches Instrument. Während Diplomaten reden, werden Programme fortgesetzt, Raketen entwickelt und Stellvertreter finanziert.
Netanjahus Bitte und Barneas Auftrag
Die Reise des Mossad-Chefs folgt auf ein Telefonat zwischen Benjamin Netanyahu und Donald Trump. In diesem Gespräch bat Netanjahu den amerikanischen Präsidenten, eine militärische Aktion gegen Iran vorerst aufzuschieben. Nicht aus Ablehnung, sondern aus strategischer Vorsicht.
Israel rechnet fest mit einer iranischen Reaktion, sollte es zu amerikanischen Angriffen kommen. Raketen über Stellvertreter, Angriffe auf israelische Interessen weltweit, Destabilisierung mehrerer Fronten gleichzeitig. Jerusalem will vorbereitet sein. Mehr Zeit bedeutet mehr Schutz.
Gleichzeitig äußert Israel Zweifel an der derzeit diskutierten amerikanischen Militärstrategie. Angriffe auf einzelne Sicherheitsziele könnten aus israelischer Sicht nicht ausreichen, um das Regime ernsthaft zu erschüttern. Halbherzige Schläge bergen die Gefahr, Teheran eher zu stabilisieren als zu schwächen.
Barneas Auftrag ist deshalb eindeutig. Er soll Washington verdeutlichen, dass Diplomatie ohne klare Bedingungen und glaubwürdige Drohkulisse den Iran nicht verändert. Sondern ihm Luft verschafft.
Eine seltene Gelegenheit
Paradoxerweise sieht Israel in der aktuellen Schwäche des iranischen Regimes auch eine Chance. Der innere Druck ist enorm. Proteste, wirtschaftlicher Verfall, Machtkämpfe innerhalb der Elite. Ein Zustand, den es so seit Jahrzehnten nicht gab.

