illustratives Bild eines Luftangriffs (Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90)

In den letzten Monaten hat es laut regionalen Medien eine bemerkenswerte Zunahme israelischer Luftangriffsoperationen gegen mit dem Iran verbundene Ziele auf syrischem Boden gegeben.

Israelische Flugzeuge beschossen am 6. September den Flughafen Aleppo in Nordsyrien. Diese Operation folgte kurz nach einem früheren Angriff auf dasselbe Ziel am 31. August. Laut SANA, der offiziellen Medienagentur des syrischen Regimes, beschädigte der Angriff am 6. September die Start- und Landebahn, was sie vorübergehend außer Betrieb setzte.

SANA berichtete, dass westlich von Syriens Latakia-Küste über dem Mittelmeer Raketen gestartet wurden. Das der syrischen Opposition nahestehende Syrian Observatory for Human Rights (SOHR), berichtete derweil, dass der Angriff sich gegen ein Lager richtete, das eine mit dem Iran verbundenen Miliz nutzt.

Najaf , eine der kurdischen de facto-Obrigkeit in Nordsyrien nahestehende Medienagentur, hatte einen leicht anderen Bericht. Der Angriff vom 6. September, behauptete die Agentur, richtete sich gegen ein Flugzeug auf dem Weg nach Najaf im Südirak, das zwei Mitglieder der libanesischen Hisbollah an Bord hatte. North Press zitierte eine Quelle des Flughafens Aleppo als Grundlage dieses Berichts.

Reuters zitierte derweil einen „Kommandanten in einem vom Iran gestützten regionalen Bündnis“, der behaupte, der Angriff habe direkt vor der Ankunft eines Flugzeugs aus dem Iran stattgefunden. Dieser Bericht scheint zu einer Erklärung von Ram Ben-Barak zu passen, dem Vorsitzenden des Knessetausschusses für Außen- und Verteidigungspolitik und ehemaligem ranghohen Geheimdienst-Offizier, laut dem „der Angriff bedeutete, dass gewisse Flugzeuge nicht in der Lage sein würden zu landen und dass eine Botschaft an Assad geschickt wurde: Wenn Flugzeuge landen, die den Zweck haben Terrorismus zu fördern, wird Syriens Verkehrskapazität Schaden nehmen.“

Ein Arbeiter repariert an einem Gebäude in Damaskus am 20. November 2019 Schäden von einem israelischen Luftangriff. Israel sagte, es traf Dutzende iranische Ziele in Syrien in Reaktion auf Raketenfeuer vom Vortag auf den Golanhöhen. (Foto: Reuters/Omar Sanadiki)

Eine Angriffsserie in Syrien

Unabhängig vom genauen Wesen der Operation folgte diese einer Reihe von Israel zugeschriebenen Angriffen, die in den letzten Wochen syrische Ziele getroffen haben. Am 25. August wurden mehrere Militärstandorte im Raum Hama von Raketen getroffen.

Am 27. August behauptete eine Äußerung des russischen Fliegerhorsts in Khmeimim Erfolge der russischen Pantsir-S1- und S-75-Systeme, die von den syrischen Streitkräften bedient wurden, sie hätten einige auf das Zentrum für wissenschaftliche Studien und Forschung in Masyaf geschossene Raketen abgeschossen; Masyaf ist ein regelmäßiges Ziel der israelischen Luftstreitkräfte.

Am 15. August trafen Luftangriffe syrische Militärposten in den Regierungsbezirken Tartus und Damaskus; dabei gab es drei Tote. Am 12. August wurden 2 Personen verletzt, als ein Dorf nördlich von Quneitra, nahe der israelisch-syrischen Grenze, mit Artillerie beschossen wurde.

Das sind die statistischen Daten für den letzten Monate. North Press schätzt, dass seit Beginn des Jahres 24 israelische Luftangriffe gegen Ziele in Syrien stattgefunden haben. Die klare Mehrheit davon wurden gegen iranische Ziele durchgeführt. Wenn diese Zahl stimmt, dann stellen sechs solche Operationen im letzten Monat eine klare Steigerung des Tempos dar.

Warum finden die Angriffe auf Syrien jetzt statt?

Der konkrete Beschuss des Flughafens von Aleppo steht fast sicher mit den jüngsten Hinweisen in Zusammenhang, dass der Iran sich zunehmend auf seine „Luftbrücke“ nach Syrien und in den Libanon verlässt, weil Israel erfolgreich und systematisch gegen Bemühungen vorgeht Waffen und Ausrüstung auf dem Landweg zu verlegen.

Diesbezüglich ist erwähnenswert, dass Cham Wings, Syriens größte private Luftfahrtgesellschaft, ankündigte, alle Flüge würden nach den Angriffen zum Internationalen Flughafen Damaskus umgeleitet. Cham Wings wird vom US-Finanzministerium seit 2016 mit Sanktionen belegt, weil es „materielle Unterstützung für Organisationen bietet, gegen die wegen Verbreitungs- und Terroraktivitäten Sanktionen verhängt wurden“. Von der Firma wird weithin angenommen, dass sie einen aktiven Anteil bei der Lieferung von Waffen und Milizkämpfern zwischen dem Iran und Syrien hat.

Aber das zunehmende Tempo der Aktivitäten steht nicht nur in Beziehung zu bestimmten Fällen größerer Verwendung von Lufttransport durch Teheran. Stattdessen ist es Teil eines breiteren Bildes zunehmender regionaler Spannungen. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die zu diesem aufkommenden Bild beitragen.

Russlands Abzug aus Syrien

Erstens scheint Russland sich aus Syrien zurückzuziehen. Das erfordert einen sofortigen Vorbehalt. Es gibt keine Aussichten auf einen kompletten russischen Abzug. Die Luftwaffenbasis in Khmeimim und die Marineeinrichtungen in Tartus und Latakia sind starke strategische Aktivposten, die beibehalten werden.

Die Aufrechterhaltung der Herrschaft Assads ist ebenfalls ein klares Ziel Moskaus. Aber darüber hinaus sind die Russen jetzt mit einem wilden, ins Stocken geratenen Feldzug in der Ukraine beschäftigt. Moskau fehlen die Kapazitäten für zwei gleichzeitige strategische Einsätze. Die israelische Firma ImageSat International legte Ende August Belege vor, dass das in Masyaf stationierte Luftverteidigungssystem S-300 abgebaut und nach Russland zurückgebracht worden ist.

Derzeit tauchen Beweise auf, dass die der russischen Regierung nahestehende Verteidigungsfirma Wagner in den letzten Monaten aktiv unter pro-Assad-Syrern rekrutiert. Syrische Freiwillige werden dann geschickt, um die russischen Einsätze in der Ukraine zu unterstützen. Das ist eine merkwürdige und bedeutende Umkehr der Rollen.

Größere Freiheit für den Iran in Syrien

Russische Abwesenheit gibt der Rolle des Iran in Syrien größere Bedeutung und mehr Freiheit. Die zwei Länder haben in den letzten Jahren auffallend unterschiedliche und gelegentlich einander entgegengesetzte Projekte in Syrien verfolgt. Aber der russische Abzug reduziert auch für Israel einen komplizierenden Faktor. Der Iran mag seine Aktivitäten verstärken, während die Russen sich zurückziehen, aber genauso werden Teherans Verletzbarkeit und israelische Handlungsfreiheit zunehmen.

Zweitens sieht es jetzt, wenn man davon ausgeht, dass keine Wendung in letzter Minute eintritt, so aus, als stehe eine Rückkehr zum Joint Comprehensive Plan of Action nicht bevor. In Abwesenheit jeglichen diplomatischen Prozesses in Bezug auf das iranische Atomprogramm und angesichts der israelischen Entschlossenheit die regionalen Bestrebungen des Iran aufzuhalten, wird eine Konfrontation immer wahrscheinlicher.

Diesbezüglich verdienen die angriffslustigen Äußerungen von Hassan Nasrallah, dem Führer der Hisbollah, der Vertretergruppe der Islamischen Revolutionsgarden im Libanon, besondere Beachtung.

Die übliche Interpretation, die aus dem Sicherheitsbereich in Israel kommt, lautet, dass diese Äußerungen in Verbindung zu einem Versuch des Hisbollah-Führers stehen, einiges von der verlorenen Legitimität seiner Bewegung zurückzuholen, während er als Verteidiger der natürlichen Ressourcen des Libanon posiert.

Genauso wahrscheinlich ist jedoch, dass der plötzlich zunehmende Trotz des Hisbollah-Führers die Öffnung einer allgemeineren Stimmung bei iranischen Stellvertreter- und Franchiseorganisationen widerspiegelt – die größere Bereitschaft für das Risiko von Zusammenstößen mit Israel in der sich jetzt öffnenden Zeit zu verkünden.

Es lohnt sich festzustellen, dass der Iran diese Woche die volle Mitgliedschaft in der von China geführten Schanghai Cooperation Organization erreicht; das soll bei einem Gipfeltreffen in der usbekischen Stadt Samarkand geschehen. Chinesische Ölkäufe ermöglichten es dem Iran die Strategie des „maximalen Drucks“ der Administration Trump zu überstehen.

Ein Scheitern der aktuellen US-Administration in der Atomdiplomatie Erfolg zu haben, wo Trumps Zwangspolitik ebenfalls scheiterte, wird Teheran in seiner Überzeugung bestärken, dass die USA eine den Nahen Osten verlassende Macht sind. Der Iran bewegt sich auf engere Beziehungen mit der Allianz hin, die sich selbst als Rivale des schwindenden US-Hegemons versteht.

Schließlich ist es wichtig festzuhalten, dass die Steigerung der israelischen Aktivitäten eindeutig nicht allein mit Syrien zu tun hat. Vielmehr ist sie Teil von Israels allgemeineren Erweiterung und Vertiefung seiner durchsetzungsfähigen Haltung in den letzten Monaten gegenüber der Bandbreite der iranischen Aktivitäten in der Region.

Dieser neue, umfassende Ansatz spiegelte sich diese Woche in der Rede von Mossad-Leiter David Barnea bei der Konferenz des International Institute for Counter-Terrorism in Herzliya. Barnea sagte seinem Publikum, dass „die Führung des Iran begreifen muss, dass Angriffen auf Israel oder Israelis, ob direkt oder über Strohmänner, mit einer schmerzhaften Reaktion gegen die Verantwortlichen auf iranischem Boden begegnet wird. Wir werden nicht die Strohmänner verfolgen, sondern diejenigen, die sie bewaffneten und ihnen Befehle erteilten und das wird im Iran geschehen.“

Während die Atom-Diplomatie in die Zielrunde geht, scheint die Stimmung in den rivalisierenden Lagern im Nahen Osten in Richtung einer größeren Bereitschaft zu Konfrontation zu gehen. Der zunehmende Umfang und die Unerschrockenheit israelischer Aktivitäten in Syrien spiegeln diese Veränderungen wider.