Barbro Karlén, Anne Frank und die Frage nach Karma und Judentum

* von Roland M. Horn

In dem Buch Und die Wölfe heulten – Eine Autobiographie (erschienen im Perseus-Verlag, Basel im November 1997 und in mehrere Fremdsprachen übersetzt) behauptet die schwedische Autorin Barbro Karlén, die wiedergeborene Anne Frank zu sein. Anne Frank war ein jüdisches deutsches Mädchen, das kurz vor dem Kriegsende im KZ Bergen-Belsen von den Nazis getötet wurde. Zuvor lebte sie versteckt mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam, wo sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch niederschrieb.

Auf der Seite http://www.sytekcom.com/roostere/Karlén-1.html (Zugriff am 28.01.2010) bespricht Rabbi und Reinkarnationsforscher Yonassan Gershom diesen Fall. Dabei bezieht er sich auf die deutsche Originalversion des Buches, wobei er die Zitate ins Englische übersetzt hat. Gershom war, als er zuerst von dem Fall hörte, skeptisch. Er stand zuvor in Kontakt mit vier anderen Personen, die ebenfalls behauptet hatten, die wiedergeborene Anne Frank zu sein. Bei Menschen, die behaupten, früher einmal eine bekannte Person gewesen zu sein, ist Gershom grundsätzlich vorsichtig, weil die Bibliografien dieser Personen nur allzu bekannt sind und so es sehr schwer ist, Fakt und Fiktion auseinander zu halten.

Anne Frank Bücherregal
Rekonstruktion der Bücherregal-Tür zum Versteck im Hinterhaus (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AnneFrankHouse_Bookcase.jpg)

Anne Franks Fall war aus ihren Tagebüchern bekannt, und es gibt eine Menge an Filmen, Büchern, Dokumentationen und vielem mehr.Gershom ist der Meinung, dass der Fall Barbro Karlén viele archetypischen Bilder enthält, die man als bloße Fantasie ansehen könne, doch es stelle sich der Frage, ob es nicht auch echte Erinnerungen an eine vergangenes Leben als Anne Frank gibt.

Barbro Karlén behauptete erstmals 1995 während eines TV- Interviews in Amsterdam, die wiedergeborene Anne Frank zu sein.

Karlén war 1954 im schwedischen Göteborg geboren worden. Ihre Eltern waren keine Juden, und sie glaubten auch nicht an die Reinkarnation. Barbro ist, wie Gershom schreibt, als Wunderkind bekannt, das im Alter von 12 Jahren begann, zehn Bände von philosophischer Prosa und Poesie zu schreiben. Das führte zu einem heftigen Medieninteresse in Schweden. Die junge Barbro fand sich von ihren vorherigen Freunden und Klassenkameraden abgelehnt, die sie jetzt gnadenlos aufzogen, weil sie so anders war. So wurde aus Barbro eine talentierte, aber einsame Frau, die Trost in der Natur und durch Reiten suchte. Eine Hochzeit platzte, und sie verlor ihre Farm. Nun war sie gezwungen, sich eine andere Arbeit zu suchen. Sie arbeitete nun bei der berittenen Polizei und holte einige Preise für ihre Reitkunst.

All dies, schreibt Gershom, ist in den Annalen der schwedischen Literatur wohlbekannt. Was nicht so bekannt sei, sei, dass Barbro schon in frühem Alter wiederkehrende Alpträume hatte, in denen es um den Holocaust ging. Gershom zitiert nach der Seite 7 des genannten Buches:

„Die Dunkelheit schloss sich immer mehr straff um sie herum. Sie schrie und ist vom Terror gelähmt. Ihr kleiner Körper schüttelt sich und ist schweißgebadet. Sie hört, wie sie zurück zum Kanal-Haus mit seinen vielen Treppen rannte. Die Kommandanten schnitten ihr [etwas] wie ein Messer ins Fleisch. Hunde bellten. Mit einem lauten Krachen ist das Tor gebrochen…

Sie wacht auf, und draußen ist es bereits hell. Vögel singen, und es ist sehr still. Noch nicht vollkommen erwacht aus ihrem Traum, versuchte sie die Tränen aus ihren Augen zu wischen.“

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