Steht Judenhass in Deutschland unter Denkmalschutz?

* von Gerd Buurmann (Tapfer im Nirgendwo)

Kein deutsches Amt darf einen Christen zwingen, Judenhass zu verbreiten. Eine Behörde in Sachsen-Anhalt macht jedoch genau das.

Calbe ist eine kleine Stadt mit etwas mehr als 8600 Einwohnern in Sachsen-Anhalt. Das Wahrzeichen dieser Stadt ist die St.-Stephani-Kirche mit ihren beiden 57 Meter hohen Zwillingstürmen. Vor einigen Monaten wurden an dieser Kirche Restaurationsarbeiten vorgenommen, bei der an der Nordseite der Kirche die Chimären abgenommen wurden. Chimären sind unechte Wasserspeier. Bei einer Chimäre handelt es sich um eine sogenannte „Judensau“.

„Judensäue“ sind eindeutige und obszöne Beleidigungen, die in deutlicher Bildsprache zeigen, für wie dreckig und widerwärtig Juden erachtet werden. Der „Judensau“ von Calbe mangelt es nicht an Deutlichkeit. Sie zeigt einen Juden, der das Arschloch eines Schweins leckt.

Nachdem diese brutale Beleidigung von der Kirche entfernt worden war, beschloss die Gemeinde einstimmig, die Beleidigung nicht wieder an der Kirche anzubringen. Der Pfarrer der Gemeinde, Jürgen Kohtz, erklärt, wenn es die Kirche ernst damit meine, andere Religionen zu respektieren und zu akzeptieren, gehöre so eine Skulptur nicht an eine Kirche und fügt hinzu, dass die Entscheidung von der Landeskirche mitgetragen werde. Die Kirche im Zentrum der Stadt sei ein Versammlungsort für die Menschen und dort könne so eine Figur, die andere Menschen anderen Glaubens beleidigt, nicht angebracht werden. Mit klaren Worten sagt er:

„Das geht nicht. Das ist eine Beleidigung anderer Menschen.“

Auch eine Tafel zur Einordnung der Beleidigung hält der Pfarrer nicht für ausreichend, da sich durch eine solche Tafel nichts an der Beleidigung anderer Menschen ändere.

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