Der Nationalsozialismus wird oft als rein politische Ideologie betrachtet, doch es gibt Hinweise darauf, dass okkulte und esoterische Vorstellungen eine bedeutende Rolle in der Weltanschauung einiger seiner führenden Vertreter spielten.

 Diese Verbindungen reichen von Geistererscheinungen über UFO-Sichtungen bis hin zu prä-astronautischen Theorien und mystischen Überzeugungen, die tief in die Struktur der NSDAP und ihrer Vorgängerorganisationen eingebettet waren.

Goebbels’ unheimliche Erlebnisse

Joseph Goebbels, der spätere Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, berichtete von mehreren mysteriösen Erlebnissen.

 In der Biographie „Goebbels“ von Fraenkel und Manvell wird beschrieben, wie Goebbels während seiner Studienzeit in Würzburg eine Woche nach dem Tod seiner Großmutter deren Erscheinung gesehen haben will.

Bei einer anderen Gelegenheit behauptete er, seinen Bruder leibhaftig in seinem Zimmer gesehen zu haben, obwohl dieser zu jener Zeit als Kriegsgefangener in Frankreich war (Fraenkel/Manvell, S. 318).

Darüber hinaus schildert Peter Longerich in seiner „Goebbels-Biographie“ ein weiteres bemerkenswertes Ereignis: Während einer Rede Hitlers beobachtete Goebbels am Himmel eine weiße Wolke, die sich zu einem Hakenkreuz formte. Er beschrieb ein „flimmerndes Licht“, das „kein Stern sein konnte“, und deutete es als „Zeichen des Schicksals“ (Longerich, S. 84).

Diese Schilderungen zeigen, dass Goebbels eine Neigung zu übernatürlichen Interpretationen hatte, die seine Wahrnehmung prägte.

Prä-Astronautik und okkulte Wurzeln

 Bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus gab es esoterische Theorien, die Parallelen zur späteren Prä-Astronautik aufweisen. In Nicholas Goodrick-Clarkes Buch „Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ wird die Arbeit von Guido von List beschrieben, der 1911 von Luftschiffen und Zyklopenbauten der Atlantier sprach.

List behauptete, prähistorische Megalithen und Wackelsteine in Niederösterreich seien Beweise für das Überleben einer atlantischen „Insel“ in Europa (Goodrick-Clarke, S. 53ff). Diese Ideen ähneln modernen Theorien über außerirdische Einflüsse in der Frühgeschichte.

Carin Görings hellseherische Visionen

Auch Hermann Göring, eine weitere zentrale Figur des Dritten Reichs, war mit okkulten Phänomenen verbunden. In Wolfgang Pauls Buch „Wer war Hermann Göring?“ wird erwähnt, dass Görings erste Frau Carin, damals noch Carin von Kantzow, hellseherische Fähigkeiten besaß und den Sieg der NSDAP voraussah. Leider wird dieser Aspekt nur am Rande behandelt (Pauls, S. 60).

Görings erste Begegnung mit Carin war ebenfalls von mystischen Zufällen geprägt: 1920 flog er als Pilot in Schweden den Grafen Eric von Rosen trotz eines Schneesturms zum Schloss Rockelstad.

 Dort entdeckte er Hakenkreuzornamente am Kamin, die eine rotierende Sonnenscheibe darstellten – ein Symbol, das später für die NSDAP von zentraler Bedeutung wurde (Pauls, S. 88). Kurz darauf lernte er Carin kennen, übersiedelte nach München und stieg in der NSDAP-Hierarchie auf.

Hitlers „Übermensch“ und die Thule-Gesellschaft

Adolf Hitler selbst war von esoterischen Ideen durchdrungen. In E. R. Carmins Das schwarze Reich – Geheimgesellschaften“ wird eine Begegnung beschrieben, in der Hitler dem Danziger Senatspräsidenten Hermann Rauschning von einem „neuen Menschen“ berichtete: „Der neue Mensch ist da! […] Furchtlos und grausam. Ich erschrak vor ihm!“ (Carmin, S. 51f).

Rauschning bemerkte eine fast ekstatische Begeisterung bei Hitler, doch es bleibt unklar, ob er tatsächlich eine physische Erscheinung sah oder metaphorisch sprach.

 Rauschning betonte zudem, dass Hitler nicht im klassischen Sinne abergläubisch war, sondern an eine „magische Verbindung“ zwischen Mensch und Kosmos glaubte, was seine Vorliebe für Horoskope und parapsychologische Phänomene erklärt (Carmin, S. 93).

Die Wurzeln dieser Ideen finden sich in der Thule-Gesellschaft, einem rechtsnationalen Orden, der 1918 von Rudolf von Sebottendorf gegründet wurde. Die Thule-Gesellschaft gilt als Keimzelle der NSDAP, da sie 1918 den „Arbeiter-Ring“ initiierte, aus dem die Partei hervorging (Carmin, S. 67).

Der Name „Thule“ verweist auf ein mythisches, untergegangenes Reich in der Wüste Gobi, das von großen Weisen geführt wurde, die auf die Ankunft von „Fremden von den Sternen“ warteten (Carmin, S. 101).

Diese Vorstellung, dass die NSDAP von einem „UFO-Verein“ mit esoterischen Interessen gegründet wurde, wirkt bizarr, besonders wenn man Spekulationen über „Reichsflugscheiben“ oder Wunderwaffen bedenkt.

Himmlers okkulte Obsessionen

 Heinrich Himmler, der Reichsführer-SS, war besonders stark von okkulten Ideen durchdrungen. Seine Forschungen im Rahmen des SS-Forschungsinstituts „Ahnenerbe“ zielten auf die Erforschung übernatürlicher Phänomene ab.

 1940 beauftragte er den Ahnenerbe-Leiter Walther Wüst, Hinweise auf den „Thorhammer“ oder „Donnerkeil“ zu sammeln, da er überzeugt war, dass es sich dabei um ein hochentwickeltes Kriegswerkzeug der „Asen“ handle, das auf fortgeschrittene Kenntnisse der Elektrizität basiere (Longerich, S. 276).

 Himmlers Interesse an indischen Schriften wie der Bhagavad Gita, in der „Vimanas“ (mythische Fluggeräte) erwähnt werden, nährte seine Spekulationen über prähistorische Technologien. Möglicherweise inspirierte dies Projekte wie die „Glocke“, ein angebliches SS-Experiment mit einem Quecksilberantrieb, das Parallelen zu den beschriebenen Vimanas aufweist.

 Himmlers Faszination für das Okkulte zeigte sich auch in der Deutschen Tibet-Expedition von 1938/39 unter Ernst Schäfer. Laut dem russischen Ufologen Mikhail Demidenko suchte die SS in Tibet nach unterirdischen Städten und „schlafenden“ drei Meter großen Riesen, die an den Kyffhäuser-Mythos erinnern.

 Bemerkenswert ist, dass die Expedition genau in den Regionen stattfand, die mit diesen Legenden verbunden sind, was Zufall unwahrscheinlich macht (Stonehill/Mantle, S. 35).

Die Arche Noah und das Turiner Grabtuch

 Ein weiteres Beispiel für die okkulten Interessen der SS ist eine mutmaßliche Expedition zum Ararat zwischen 1944 und 1945, die laut MI6-Dokumenten der Suche nach der Arche Noah diente.

Zwei Ballonmissionen sollen erfolglos gewesen sein, doch ein ehemaliger Mitarbeiter der Smithsonian Institution berichtete von Holzkisten mit altem Holz und Werkzeugen sowie Bildern einer bootartigen, eisbedeckten Struktur, die vom Ararat stammen sollen (Redfern, S. 42ff).

 Auch die CIA beschäftigte sich in den 1950er-Jahren mit dem Ararat, was die Faszination für solche Themen unterstreicht.

Ein weiteres Rätsel ist das Turiner Grabtuch. Robert K. Wilcox beschreibt, dass der „Grabtuchmann“ etwa zwei Meter groß gewesen sein soll, was deutlich über dem damaligen Durchschnitt im Nahen Osten lag (Wilcox, S. 41).

Während des Zweiten Weltkriegs soll die SS versucht haben, das Grabtuch zu untersuchen, angeblich aus wissenschaftlichen oder religiösen Gründen. Obwohl Turin eine solche Untersuchung offiziell ablehnt, ist dies angesichts der deutschen Einflussnahme in Italien zu jener Zeit zweifelhaft (Wilcox, S. 34).

Hyperborea und genetische Manipulation

Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus reichen noch tiefer. E. R. Carmin argumentiert in „Guru Hitler“, dass die NSDAP durch und durch okkultistisch geprägt war, wobei die politische Ideologie nur eine Fassade für die Öffentlichkeit darstellte. Hermann Rauschning bestätigt dies und beschreibt eine „Geheimlehre“, die in den inneren Kreisen der NSDAP gelehrt wurde (Carmin, S. 15f).

Einflüsse kamen unter anderem vom Mystiker Gurdjieff, dessen Schüler Karl Haushofer, ein Mitglied des Thule-Ordens, als „wahrer Magier des Dritten Reiches“ galt (Carmin, S. 18).

Die Vorstellung von „Hyperborea“, einem mythischen Kontinent im Nordmeer, spielte eine zentrale Rolle. Laut dieser Lehre lebten dort nicht-physische Wesen, die sich Körper schufen, um mit der physischen Welt zu interagieren, und sich mit nordischen Völkern vermischten. Dies führte zur Annahme, dass die nordischen Völker eine überirdische Qualität besäßen (Carmin, S. 50).

Solche Ideen ähneln modernen Prä-Astronautik-Theorien über genetische Manipulation durch außerirdische Wesen. Interessanterweise zeigt die Statistik, dass UFO-Aktivitäten und Entführungsfälle eher in Nord-, Mittel- und Südamerika häufig sind, während Europa weniger betroffen scheint.

Fazit

Die Verbindungen zwischen Nationalsozialismus und Okkultismus sind vielfältig und reichen von persönlichen Erlebnissen führender Figuren wie Goebbels und Hitler über die esoterischen Ursprünge der NSDAP in der Thule-Gesellschaft bis hin zu Himmlers Forschungen im Ahnenerbe.

Ob Geistererscheinungen, UFO-Sichtungen oder die Suche nach mythischen Artefakten wie der Arche Noah – diese Themen zeigen, wie tief okkulte Vorstellungen in die Ideologie und die Handlungen des Dritten Reichs eingriffen.

Ob diese Phänomene real waren oder als Werkzeuge zur Selbstlegitimation dienten, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass die Faszination für das Übernatürliche die Entscheidungen und Visionen einiger NS-Größen maßgeblich beeinflusste!

Quellen:

Fraenkel, Heinrich und Manvell, Roger: Goebbels – eine Biographie. (Seite 318); Longerich, Peter: Goebbels Biographie. (Seite 84); Goodrick-Clarke, Nicholas: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. (Seiten 53ff); Paul, Wolfgang: Wer war Hermann Göring?. (Seiten 60, 88); Carmin, E. R.: Das schwarze Reich – Geheimgesellschaften. (Seiten 51/52, 67, 93, 101); Carmin, E. R.: Guru Hitler. (Seiten 15f, 18, 39, 50, 177); Stonehill, Paul und Mantle, Philip: Russia’s USO Secrets. (Seite 35); Wilcox, Robert K.: Das Turiner Grabtuch. (Seiten 34, 41); Redfern, Nick: Die Pyramiden und das Pentagon. Kopp Verlag. (Seiten 42ff); Longerich, Peter: Heinrich Himmler Biographie. Siedler Verlag. (Seite 276)

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