Ein neuer christlicher Antisemitismus

Die Aufgabe der Theologie erforderte eine Bewertung nicht nur der Bibel, sonder der Realität um uns herum.

Pesach Wolicki, Jerusalem Post, 28. November 2019

* übernommen von Heplev

Eine indonesische Christin trägt ein Kreuz, während sie am Karfreitag, 6. April 2012 die Via Dolorosa in Jerusalems Altstadt entlang geht. Christliche Gläubige gehen die Route nach, die Jesus zu seiner Kreuzigung entlang der Via Dolorosa in die Grabeskirche ging. (Foto: Darren Whiteside/Reuters)

„Lasst sie in das Land und nach Jerusalem gehen, den Tempel bauen, das Priestertum, das Fürstentum und Moses mit seinem Gesetz errichten, so dass sie wieder Juden werden und das Land besitzen können. Wenn das geschieht, sollten sie uns bald auf ihren Fersen haben und auch Juden werden.“ – Martin Luther (aus Heiko Obermans Wurzeln des Antisemitismus. Christenangst und Judenplage im Zeitalter von Humanismus und Reformation [aus dem Englischen zurück übersetzt – heplev])

Lässt man die sarkastische Natur dieses Zitats Luthers beiseite, wirft es die Frage auf, die für das komplizierte Unternehmen zunehmend relevant ist, das man als jüdisch-christliche Beziehungen kennt. Nämlich: Wie würde Luthers Theologie zu den Juden ausgesehen haben, hätte der aktuelle Staat Israel in seiner Zeit existiert, wohlhabend und bevölkert von Millionen Juden, die von den vier Enden der Erde gesammelt wurden. Ich lege nicht nahe, dass Luther sein Versprechen erfüllt hätte zum Judentum überzutreten. Aber hätte er diese Äußerung auf diese Weise gemacht? Gewiss nicht.

Luther und vor ihm Augustinus betrachteten den Zustand des jüdischen Volks – zerstreut, machtlos und in einem scheinbar ewigen Exil – und zogen ihre theologischen Schlüsse auf Grundlage dessen, was sie sahen und wie sie die Bibel verstanden. Sie und viele andere christliche Theologen vor und nach ihnen lehrten, dass die Kirche Israel als zukünftigen Empfänger der Bundesverheißungen der Bibel ersetzt hat.

„Ein neuer christlicher Antisemitismus“ weiterlesen