Die Suche nach Bridey Murphy

In meinem Beitrag Gedanken über Leben und Tod habe ich darauf hingewiesen, dass es tatsächlich Beweise für die Reinkarnation, die Wiederverkörperung einer Seele in einem neuen Körper, gibt. Einer der bekanntesten und vielleicht beweiskräftigsten ist der nachfolgend geschilderte.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen und Erkenntnisgewinn beim Lesen.

Der Papa

Auf der Suche nach Bridey Murphy

„Heute Abend will ich einen neuen hypnotischen Versuch machen, einen Versuch, wie ich ihn noch niemals unternommen habe. Das Medium ist Ruth Simmons“ (Bernstein, Morey: Protokoll einer Wiedergeburt. Gütersloh/Stuttgart/ Wien 1965/1973, S. 7) Diesen Eintrag finden wir im Tagebuch des Hobby-Hypnotiseurs Morey Bernstein. Zuvor hatte Bernstein Personen in frühe Stadien ihres Lebens zurückgeführt. Doch diesmal wollte er die Schwelle der Geburt überschreiten. Heute wissen wir, dass „Ruth Simmons“ ein Pseudonym für Virginia Tighe ist. Virginia Tighe war in Madison in Wisconsin geboren worden und lebte von ihrem dritten Lebensjahr an bis zur ihrer Hochzeit in Chicago.

Nachdem Bernstein sie in ihre Kindheit zurückgeführt hatte, überschritt er erstmal die Grenze der Geburt, und nach Bernsteins Aufforderung, zu erzählen, was sie dort sehe, antwortete Virginia Tighe, dass sie die Farbe von ihrem Bett, das frisch gestrichen war, abkratze. Danach stellte Bernstein die Frage: „Wie heißt Du?“ Die Antwort klang wie „Friday“. Friday Murphy. Virginia erklärte, dass sie in Cork wohne und ihre Mutter Kathleen hieße, während ihr Vater den Namen Duncan Murphy trage. Weiter benannte sie einen Bruder, der ebenfalls Duncan hieß. Virginia gab an, in einem Holzhaus zu wohnen, das zwei Stockwerke hat. Das Land, in dem sie lebte, war Irland. Ein weiterer Bruder sei als Baby „an etwas Schwarzem“ gestorben. Virginia Tighe deutete an, dass „sie“ im Jahr 1806 lebte. Ihr Vater sei Rechtsanwalt gewesen. Sie benutzte dafür den Ausdruck „Bannister“, der im Amerikanischen unüblich war. Er arbeite in Cork. Die Hypnotisierte gab an, vier Jahre alt zu sein.

Sie erzählte, dass sie wie ihr Bruder Duncan rotes Haar habe. Als Bernstein sie fragte, warum sie „Friday“ genannt wurde, korrigierte Virginia ihn und sagte, dass sie „Bridey“ hieße – nach ihrer Großmutter Bridget. Brideys Familie wohne draußen vor dem Ort. Als sie zu einem Alter von 15 Jahren geführt wurde, erzählte sie, dass sie zu „Straynes Internat“ ginge und die ganze Woche von zuhause weg war. Auf Bernsteins Frage hin antwortete Virginia, dass „sie“ einen Brian McCarthy heiraten würde. Der Vater dieses Mannes sei ebenfalls Rechtsanwalt und Brian ginge in Belfast in eine Schule. Die Ehe sei glücklich gewesen, allerdings kinderlos geblieben. „Bridey“ war von Cork nach Belfast gezogen. Brians Eltern würden in Cork wohnen, doch die Großmutter wohne in Belfast. Bridey wohne mit Brian in einem Häuschen hinter ihrer Villa. Sie mochte Belfast jedoch nicht so sehr wie Cork. Befreundet waren sie mit einem Ehepaar: Mary Catherine und Kevin. Sie gingen in die St. Theresa-Kirche in Belfast. Der Pfarrer hieß „Father John“. Bridey war protestantisch, ihr Mann katholisch. Virginia kannte in ihrem hypnotischen Zustand irische Wörter wie „colleen“ (Mädchen) oder „brate“. Dies sei ein kleiner Becher, aus dem man trinke, wie die hypnotisierte Virginia erklärte. Weiter beschrieb sie irische Bräuche.

Bernstein führte Virginia Tighe in die Zeit vor Bridey Murphys Geburt zurück, und sie berichtete von einem Mädchen – einem ganz kleinen Baby, das gerade stirbt – sie selbst. Sie habe eine Krankheit und lebe in Amerika – in New Amsterdam, dem heutigen New York. Ihre Mutter hieße Vera und ihr Vater John. Der Nachname klang wie „Jamieson“. Bernstein versuchte, Virginia in ein noch weiter zurückliegendes Leben zurückzuführen, doch sie erinnerte sich an nichts. Danach führte er sie wieder zu ihrem Leben als Bridey Murphy zurück, wo sie auf sein Fragen hin ihren Tod beschrieb. Sie fiel auf der Treppe und brach sich dabei wohl irgendwelche Knochen in der Hüfte und empfand sich von nun an als eine schreckliche Last. Zu diesem Zeitpunkt war sie 66 Jahre alt. Bridey wollte nicht mehr weiterleben und dämmerte schließlich dahin. Ihr Todestag sei ein Sonntag gewesen. Brian war in der Kirche, als sie starb. Virginia sagte: „Brian war in der Kirche, und er war schrecklich aufgeregt, weil er nicht bei mir gewesen war.“ Bernstein fragte sich, woher Bridey denn wissen konnte, dass Brian sich aufregte, wenn sie doch gar nicht mit ihm in der Kirche war.

Bernstein sah nur eine Möglichkeit: „Die Bemerkung wurde verständlich, wenn Bridey in irgendeiner Weise wusste, was nach ihrem Tode geschehen war.“ Er wollte dieser Sache nachgehen, und fragte Virginia/Bridey, was nach ihrem Tode geschah. Sie antwortete:
„Ich tat nicht, was Father John gesagt hatte… Ich schwebte nicht ins Fegefeuer.“ Stattdessen blieb sie „einfach im Hause“, bis auch Father John starb. Nach dessen Tod habe sie mit ihm gesprochen. Virginia berichtet, dass sie nun nach Cork zurückging. Dort sah sie ihren Bruder Duncan als alten Mann. „Bridey“ versuchte mit ihm zu sprechen, doch es gelang ihr nicht, Kontakt zu bekommen. Als Duncan starb, kam er nicht zu Bridey. Stattdessen sah sie viele, die sie nicht gekannt hatte. Und sie sah ihren kleinen Bruder, der als Baby gestorben war.
Das Leben nach dem Tod empfand Bridey nicht angenehmer als das Leben vor dem Tod. „(…) es war nicht… erfüllt genug… eben… ich konnte nicht alles tun… konnte nichts schaffen und… konnte mit niemandem lange sprechen. Sie gingen fort… blieben nicht sehr lange.“ An diesem Ort brauchte sie nie zu essen und nicht zu schlafen.

Sie beschrieb nun, wie sie diese Welt wieder verließ und in Wisconsin wiedergeboren wurde. Auf eine Suggestivfrage: „Und dann also erinnerst du dich, dass du noch als Baby gestorben bist?“, fiel sie jedoch nicht herein, sondern antwortete: „…Nein… nicht als ich in Wisconsin war.“ Bernstein hatte oft versucht, sie aufs Glatteis zu führen, doch es gelang ihm nie, sie in Widersprüche zu verwickeln. Wieder zurückgeführt in ihr Leben als Bridey Murphy berichtete sie, dass sie sehen konnte, wie ihre Leiche begraben wurde.

In einer zweiten Sitzung erinnert sich Virginia Tighe an einen Ausflug, den sie als „Bridey Murphy“ unternommen hatte. Der Ausflug ging zu einem Ort namens Antrim, der am Meeresstrand gelegen habe. Sie beschrieb sich als zehn Jahre jung und berichtete, dass sie von ihren Eltern und ihrem Bruder Duncan zu diesem Ausflug mitgenommen worden sei. Virginia beschrieb Antrim. Wenn man von Cork nach Belfast reise, führe man durch einen Ort namens Carlington. Außerdem käme man durch die Schluchten von Antrim in nördlicher Richtung. Als Bernstein sie nach Flüssen in Irland fragte, sagte sie ihm, dass er
„Loughs“ an Stelle von „Flüssen“ sagen solle. Und sie verwies auf den Lough Carlingford und den Lough Foyle. Nach einem See befragt, gab sie ebenfalls „Foyle“ an. Als Bernstein nachhakte, ob es sich dabei nun um einen Fluss oder einen See antwortete, bekam er wieder die Antwort: „Sagen Sie nicht Fluss.“ Brians Vater hieß nach Virginia Tighes Angaben John MacCarthy. Noch einmal auf das Ehepaar Catherine und Kevin befragt, das sie in der ersten Sitzung erwähnte, nannte sie diesmal auch einen Nachnamen: Moore.

Bernstein fragte Virginia nun, ob sie irgendetwas angeben könne, das beweise, dass sie damals in Irland gelebt habe, und sie gab zur Antwort, dass in der Belfast Newsletter etwas über Brian stehen müsste. Er habe einige Zeit an der Queen’s University in Belfast gelehrt. Bei ihrer Hochzeit sei das Aufgebot ausgehängt worden. In Belfast wohnte Bridey ungefähr zwanzig Minuten Fußweg von der Theresa-Kirche entfernt, gab Virginia an. Nach ihrer Adresse befragt, sagte sie „Die Wiesen (Meadows). Als sie 47 Jahre alt war, herrschte eine Not, die sie wie folgt beschrieb:

„Nun, die Leute im Süden … äh … sie wollten mit England nichts zu tun haben. Sie … sie alle … wollten keine Abgeordneten schicken, nichts mit ihnen zu tun haben. Wir … die Leute mochten nicht Gälisch sprechen. Auch Großvater wollte nicht gälisch sprechen, er sagte:
‚Das Gälische taugt nur für die Bauern. Sprich nicht gälisch – das ist nur etwas für die Bauern.’“ (Bernstein 1965/1973, S. 128)

Dieser Großvater hieß wie ihr Bruder Duncan. Auf Krieg befragt, der sich während Brideys Lebenszeit abspielte, sagte Virginia: „Oh … mir fällt etwas ein …mit Cuchulainn.“ Er soll ein irischer Held gewesen sein, der „tapferste und stärkste Held“, der, als er sieben Jahre alt war, große Männer niederschlug. Mit 17 habe er ganze Armeen aufhalten können. Davon sei Bridey von ihrer Mutter erzählt worden. Darauf befragt, sagte „Bridey“, dass sie auch schon von Amerika gehört hätte – Bekannte ihrer Eltern seien nach Pennsylvania ausgewandert. In der Welt, in der sich Bridey nach ihrem Tod befand, hatte sie ihre Mutter nie gesehen. Ihr Vater sagte zu ihr, er habe sie gesehen. Nach Cork kam sie, indem sie es sich einfach „wünschte“. Sie konnte Brians Gedanken lesen. Ihren kleinen Bruder sah sie nach dem Tod als ein kleines Kind, das allerdings sprechen konnte, was er zu seinen Lebzeiten noch nicht konnte. Er habe keine Kleidung getragen. In der Geisterwelt habe es weder Temperatur noch Kriege gegeben. „Bridey“ konnte weder tasten noch riechen oder fühlen; sehen konnte sie jedoch. In dieser Welt war immer eine Art Licht, es gab weder Tag noch Nacht. Es gab dort keinen Tod, nur einen Übergang in eine andere Existenz. Es gab keine Krankheiten und keine Gesetze, nicht mal Anweisungen. Nach dieser Sitzung kam Bernstein auf den Gedanken, dass „Bridey Murphy“ möglicherweise ein besonderes Talent besaß, das Virginia Tighe nicht hatte.

In der dritten Sitzung sagte Virginia, dass sie in der Geisterwelt von ein paar Frauen gesagt bekommen hätte, dass sie wiedergeboren werden würde. Geschlechtsunterschiede gab es in dieser Welt nicht, aber man wusste, wer Mann und wer Frau war.
In der „Geisterwelt“ konnte sie sich erinnern, wie sie als Bridey Murphy einen Tanz übte: den Jig. Kranke habe sie in der Geisterwelt nicht gesehen. Dort habe die Zeit keine Rolle gespielt. Sie konnte dort in die Zukunft sehen. Zurückgeführt in ihr Leben als Bridey Murphy sah Virginia Tighe „ihren“ siebten Geburtstag. Sie berichtete weiter, dass sie nach ihrer Hochzeit mit einer Pferdekutsche nach Belfast gefahren sei. Sie kam dabei durch einen Ort namens Bourne. Weiter sei sie durch einen Ort namens Balings (oder Bailings) Crossing gefahren. Sie konnte einige Worte in Gälisch sagen: banshee (Fee) und tup (Holzkopf).

Nun fragte Bernstein Virginia nach einer besonderen Begabung: Es war das Tanzen. Besonders gern tanzte sie den „Morgen-Jig“. Bridey konnte auch Leier spielen. Und sie beschrieb ein Spiel namens „Fancy“, das mit Karten und einem Brett gespielt wurde. Für ihren Mann kochte sie gern sein Lieblingsgericht: gekochtes Ochsenfleisch mit Zwiebeln, nach ihren Angaben ein irisches Gericht. Weiter erinnerte sich Virginia als Bridey an eine Seilerei und eine Tabakfabrik, deren Name mit „J“ begann, und sie benannte das Cadenn’s House: ein Geschäft für Damenbekleidung. Interessanter Weise konnte „Bridey“ sich nicht an die Queens University erinnern, an der Brian Vorträge gehalten habe. Sie sei nie mit ihm dort gewesen. Die Hypnotisierte kam nun wieder auf das Wort „Lough“ zu sprechen. Es bedeute eine Wasserfläche. Auf „ihre“ Beerdigung und ihren Grabsteine angesprochen, sagte Virginia, dass die Jahreszahl „1864“ darauf zu lesen war. Bernstein suggerierte Victoria, nach dem Aufwachen den Morgen-Jig zu tanzen. Nach einigen Versuchen tanzte sie tatsächlich. Murphy: „…ihr Körper bebte voller Lebhaftigkeit, ihre Füße flogen in einem raschen Tanz, und dann endete der Tanz anscheinend mit einer Figur, bei der sie die Hand an den Mund presste.“

Es gelang Bernstein, einige Aussagen aus der Hypnose zu verifizieren. Zuvor konnte bereits in Nachschlagewerken einiges gefunden werden wie die „Belfast News Letter“, die Queen’s University, die Sage von Cuchulainn sowie die Leiden der Deirdre. Andererseits konnte die Stadt Bailings Crossing zunächst nicht verifiziert werden. Auf keiner Karte war sie zu finden. Erst als Bernstein bei einem Freund auf Long Island zu Besuch war, kam er ins Gespräch mit der Nachbarin seines Gastgebers. Wie es der sprichwörtliche Zufall es wollte, erzählte die Frau, dass sie während der Zeit des Zweiten Weltkriegs einige Jahre in Irland verbracht hatte. Bernstein fragte spontan: „Haben Sie zufällig einmal den Namen Bailings Crossing gehört?“ Die Dame antwortete: „Natürlich. Da bin ich öfters mit meinem Fahrrad durchgekommen.“ Der Ort war auf keiner Karte zu finden, weil keine von ihnen groß genug war, um jede Kreuzung (Crossing) in Irland identifizieren zu können. Bei einem Gespräch mit einer anderen Frau fiel Bernstein deren irischer Dialekt auf, und es stellte sich heraus, dass sie in Irland geboren worden war – und auch sie war mehrfach durch Bailings Crossing gekommen.

Doch die Theresa-Kirche konnte auf keinem Stadtplan gefunden werden. Niemand wusste etwas über diese Kirche. Schließlich erfuhr Bernstein, dass es doch eine katholische St.-Theresa-Kirche in Belfast gab. Es war aber nicht sicher, ob es sich dabei wirklich um die gesuchte Kirche handelte und ob die Bezeichnung überhaupt stimmte. Einen Hinweis auf das Wort „brate“ konnte Bernstein nicht finden. Doch als er einer bekannten Schriftstellerin die Stelle des Bandes vorspielte, an der Virginia von dem „Wunsch-Becher“ erzählte, berichtete sie, dass sie Antiquitäten sammele und solche einen kleinen Becher aus Metall besäße. Die korrekte Bezeichnung sei allerdings „quait“ gewesen. Auf der Suche nach dem Wort „tup“ konnte Bernstein keinen Hinweis darauf finden, dass dieses Wort „Holzkopf“ bedeutete. Im Wörterbuch fand er die Bezeichnungen „Widder“ und „Rammbock“. In Roget’s Thesaurus fand er allerdings „tup“ als Bezeichnung für bestimmte männliche Wesen. Allerdings stand nicht dabei, von wo und wann der Ausdruck stammte.

Bernstein initiierte nun eine vierte Sitzung. Hier berichtete Virginia, dass „sie“ und Brian nicht in einer Kirche heiraten konnten, sondern dass die Hochzeit in einem „Häuschen“ stattfand. In der Kirche hätte sie nur dann verheiratet werden können, wenn sie in sie in die katholische Kirche eintreten würde, sagte Father John, an dessen Nachnamen – Gorman – sie sich nun auch erinnern konnte. Doch in die Kirche eintreten wollte sie nicht. Nun fiel wieder der Name „St. Theresa“. In dieser Kirche sei Father John Priester gewesen. Bernstein hakte nun nach und wollte wissen, an welcher Straße die St. Theresa-Kirche lag. Virginia antwortete: „An der Hauptstraße“ (main way) und äußerte, dass sie hinter der Dooley Road lag – hinter der Dooley Road auf der Hauptstraße. Murphy und Brian wohnten hinter einer Villa in einem Häuschen. Die Villa lag an der Dooley Road. Man brauchte fünf Minuten zur Kirche.

Brian habe als Rechtsanwalt bei seinem Vater gearbeitet, aber nicht direkt im Büro des Vaters, sondern dieser hätte ihm die Adressen von Leuten auf dem Land gegeben. Bridey wusste sehr wenig von seiner Arbeit, er wollte ihr davon nichts sagen. Als Bernstein sie nach einem Druckstück fragte, das beweisen könne, dass Virginia tatsächlich schon einmal als Bridey Murphy gearbeitet hatte, begann sie heftig zu niesen. Lag sie davor ausgestreckt auf dem Sofa, so riss das gewaltige Niesen sie jetzt in sitzende Stellung hoch. Die Augen hatte sie weit geöffnet. Nun fragte Virginia nach einem „linen“. Nach einer Weile kam Bernstein dahinter, dass sie damit ein Taschentuch meinte. Nur mit Schwierigkeiten gelang es Bernstein, sie ins jetzige Leben zurückzuführen, um sie schließlich aus der Hypnose herauszuführen.

In einer weiteren, der fünften Sitzung führte Bernstein Virginia Tighe zum Zeitpunkt der Beerdigung von Bridey Murphy zurück. Als Virginia beschrieb, wer alles anwesend war, sprach sie von einem „Mann, der die Pfeifen bläst.“ Dabei ging es um die Uillean Pipes, ein volkstümliches irisches Blasinstrument. Auf dem Grabstein las Virginia „Bridget… Kathleen … M … MacCarthy“. Das „M“ stand für Murphy, nach Jahreszahlen auf dem Grabstein befragt, erkannte sie die Zahlen 1, 7, eine „9“ und eine „8“ sowie einen Strich (dabei machte sie mit dem Finger eine Bewegung, als wenn sie einen Strich zöge, wieder eine „1“ und eine „8“, dann eine „6“ und eine „4“. Anschließend fragte Bernstein sie, ob ein Totenschein ausgestellt worden oder eine Todesanzeige aufgegeben worden sei. Die Antwort bestand jedoch lediglich aus einem fast gequälten „Ach, warum fragen Sie denn nicht Father John?“

Virginia erwähnte anschließend, dass Brians Vater John hieß. Auf die Frage, wie Brian MacCarthys Onkel hieß, sagte Virginia: „Sein Vater war wütend, dass er eine Orange heiratete“ und fragte, ob Bernstein überhaupt den Onkel meinte, der eine Orange geheiratet habe. Der Name des Onkels war „Plazz“. Brians Mutter sei gestorben, und er hätte einen Bruder gehabt, der ein stilles Kind war. Als die Mutter der beiden gestorben war, kam er zu seiner Großmutter. Bernstein fragte, ob dieses stille Kind älter als Brian war. Virginia sagte: „Oh, jünger.“ Und nachdem Bernstein daraus schloss, dass Brian der Älteste war, sagte sie: „Brian hätte doch gar nicht geboren werden können, wenn die Mutter vorher gestorben wäre!“ und kicherte dabei.

Bernstein konfrontierte Virginia nun mit der Tatsache, dass die „Queen’s University“, an der Brian unterrichtet haben soll, eine protestantische Einrichtung war, während Brian doch katholisch war. Virginia erklärte, dass er Rechtswissenschaft unterrichtete und nicht etwa Religion. Als einen anderen Lehrer an dieser University nannte Virginia einen William Mc Clone, sowie die Namen „Fitzhugh“ und „Fitzmaurice“. Nun machte Bernstein Virginia darauf aufmerksam, dass die Universität erst ab dem Jahr 1847 den Namen „Queen’s University“ trug. Brian müsste damals mindestens 50 Jahre alt gewesen sein und mit seinem Vater zusammengearbeitet haben. Die Sprache kam jetzt wieder auf den Belfast News Letter. Brian habe die Artikel selbst geschrieben, und es sei dabei um verschiedene Fälle gegangen. Seit 25 Jahren habe er für den Belfast News Letter geschrieben. Auf Nachfrage konkretisierte Virginia, dass sie etwa 25 Jahre verheiratet waren, als Brian anfing, für das Blatt zu schreiben, möglicherweise schon länger. „Bridey“ erklärte, dass sie Lebensmittel bei „Farr“ eingekauft habe. Dies sagte sie in breitem Irisch. (Der irische Dialekt ist schon bei vorigen Sitzungen an manchen Stellen zeitweise deutlich hervorgetreten.)

Virginia erwähnte eine Tafel, die in der St. Theresia Kirche aufgehängt worden war, als sie heirateten. Auf ihr soll „alles“ über Brian gestanden habe. „Bridey“ erinnerte sich an ihr Lieblingslied: Londonderry Air und ein weiteres Lied namens „Sean“, das von einem Jungen handelte. Sie las gerne Gespenstergeschichten und erinnerte sich an einen Dichter namens „Keats“, der tatsächlich ein bekannter irischer Lyriker war und von 1795 – 1821 lebte. Ein Buch, das Bridey von ihm gelesen hatte, hieß „The Green Bay“. Zum Tanzen ging Bridey zu Mrs. Strayne, die einen Saal hatte. Sie tanzte gern den Sorcerer’s Jig, einen schnellen Tanz. Ihr Heiratsdatum konnte „Bridey“ nach einiger Überlegung und Rechnen auf „1818“ datieren. Damals sei sie zwanzig gewesen. Als Brian und sie mit der Hochzeitskutsche nach Belfast fuhren, seien sie durch einen Ort namens „Doby“ gekommen. „Bridey“ erinnerte sich, dass sie auf der Leier den „Feentanz“ und den „Morgen Jig“ geübt habe. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt habe Brideys Vater noch ein wenig „geackert“.

Während der sechsten und letzten Sitzung fragte „Bridey“ unvermittelt: „Wer sind Sie?“ Bernstein war verblüfft und antwortete: „Ich bin dein Freund. Ich bin dein Freund.“ „Bridey“ erwiderte: „Wir sind zusammen gereist.“ Während dieser Sitzung nannte Virginia Brians zweiten Vornamen. Er lautet Sean. Sie sprach es allerdings nicht wie das gälische „Shawn“ aus, sondern wie „Sii-än“. Weiter war er auf „Joseph“ getauft – er hieß mit vollem Namen Sean Brian Joseph MacCarthy. Brian und Bridey seien erst in Cork und später noch einmal in Belfast getraut worden, doch die zweite Trauung verschwieg Bridey ihren Eltern. Sie nahm nicht die katholische Konfession an und wurde auch nicht in der Kirche, sondern in Father Johns Wohnung getraut. Brians Großmutter habe Delilinan geheißen. Lebensmittel habe sie bei „Carrigan“ eingekauft. Einige Briefe, die sie von zuhause bekam, habe sie in ihrem Häuschen aufbewahrt.

Auf seiner Reise nach New York, die Bernstein kurz vor der vierten Sitzung unternommen hatte, machte er auf der Heimreise in Washington Halt und besuchte die Kongress-Bibliothek, um nach alten Ausgaben des Belfast News Letter zu forschen. Tatsächlich erhielt er ein Exemplar aus dem Jahr 1847. Daraus hatte er sich ein paar Namen herausgeschrieben, nach denen er nun „Bridey“ gefragt hatte, in der Hoffnung, dass ihr der eine oder andere etwas Besonderes bedeuten würde, doch das war nicht der Fall. Nun begab sich etwas Interessantes: Brian hatte in der vorigen Sitzung bereits den Eindruck gewonnen, dass ihr Vater in Wirklichkeit gar kein Rechtsanwalt war, sondern dass Bridey dies nur aus Prestigegründen gesagt habe. Deswegen stellte er die folgenden Fangfrage: „War Duncan Bauer? Wie sein Vater?“ und „Bridey“ antwortete mit: „Ja“. Bernstein brachte sie dazu ein kleines Lied zu singen: Father’s girl is a Dancing Doll (Vaters Mädchen ist ein Tanzpüppchen). Bridey sei am 20. Tag des 12. Monats geboren worden. Vor ihrem Tode habe sie keine letzte Ölung erhalten. Da sie nicht katholisch war, wurde sie nicht auf geweihtem Boden begraben.

Die mir vorliegende Ausgabe von Bernsteins Buch enthält einige Kapitel, die von William J. Barker von der Denver Post verfasst wurden, der für drei Wochen von seiner Zeitung nach Irland für geschickt, wurde, um Beweise für die Story zu suchen – ein Zeitraum, der er für verhältnismäßig kurz hielt. So konzentrierte er sich auf eine bestimmte Anzahl von Daten. Im Gegensatz zu vielen Iren, die sich als nicht kooperationsbereit zeigten, weil sie für das Thema „Wiedergeburt“ nichts übrig hatten, zeigte sich der Chef des irischen Informationsbüros in Dublin, Niall Sheridan, als interessiert und auskunftsfreudig. Er empfahl Barker, sich erst in Dublin umzusehen, bevor er nach Cork fuhr. Barker stellte fest, dass das Wort „flats“, das Virginia Tighe verwendete („Ich mag alles, was in flats zubereitet wird“), in Irland für gewöhnliche Schüsseln gebräuchlich war.

Den Namen von Bridey Murphys Mann konnte er in keinem der alten Adressbücher finden, doch Sheridan sagte Barker, dass dies keineswegs bedeuten müsse, dass es nicht doch diesen Brian MacCarthy gegeben habe könnte, denn Personen, die zur Miete wohnten, wurden gewöhnlich nicht ins Adressbuch aufgenommen. Doch auch Delilinan MacCarthy konnte Barker nicht ausfindig machen. Auf dem Stadtplan von 1823 konnte er auch keine Dooley Road finden. Sheridan meinte jedoch, manchmal sei es „komisch in Irland“. „Die Leute geben den Straßen zuweilen Spitznamen. In Cork gibt es eine Patrick Street, die ganz allgemein nur ‚Para’ genannt wird“. Auch die St. Theresia-Kirche konnte er nicht finden. Auch hier meinte Sheridan, sie könnte möglicherweise unter einem anderen Namen doch existieren. „Wir haben hier zum Beispiel die Kirche der Franziskaner, die offiziell die Kirche der Unbefleckten Empfängnis heißt. Doch sie heißt einfach ‚Adam und Eva’. Warum? Weil man sie zu der Zeit, als es verboten war, eine katholische Kirche an einer wichtigen Straße zu bauen und sie mit einem Turm auszustatten, auf einem schmalen Weg errichtetete, der hinter einem Gasthaus mit Namen ‚Adam und Eva’ entlang führte.“ (Barker IN Bernstein 1965/1973., S. 233)

Immer wieder stieß Barker auf derartige Eigenarten, Unstimmigkeiten und irreführende Bezeichnungen. Später fand sich Barker bei Mr. Sean O’Sullivan von der Irischen Kommission für Volkskunde ein. Er hatte Bernsteins Buch gelesen und stellte fest, dass „manches für die betreffende Zeit ganz überzeugend“ klänge, bei anderen Dingen war er sich jedoch nicht so sicher. Auch die Aussage Virginia Tighes, sie habe in einem Holzhaus gewohnt, schien unglaubhaft, da Bauholz auf der Insel sehr selten war, weil die Insel waldarm war und so das Bauholz selten und teuer war. Auch die „Meadows“ schien es nie gegeben zu haben, wie die städtischen Behörden in Cork Barker mitteilten. Allerdings gelang es Barker später, an einen detaillierten Plan von Cork zu kommen, aus dem hervorging, dass der westliche Stadtrand „The Mardike Meadows“ genannt wurde, und in diesem Gebiet fand er sieben oder acht weit verstreute Holzhäuser eingezeichnet. Er fragte sich, ob nicht eines von ihnen Brideys Holzhaus gewesen sein könnte. Das Wort „Meadows“ war auf diesem Plan eingeschrieben – es war gut einen Zentimeter lang, was kurioserweise erst Barkers Frau auffiel, als er wieder in Denver war.

Nun verlegte sich Barker auf das Metallbett, von dem Virginia Tighe als Bridey Murphy die Farbe abgekratzt haben will. Barker ließ diese Sache durch den Genealogen-Bibliothekar und Ex-Polizisten Basil O’Connell in Dublin untersuchen. Letzterer befragte drei oder vier Antiquitätenhändler, doch keiner von ihnen konnte eindeutig sagen, dass Metallbetten im Jahr 1802 nicht gebräuchlich waren. Schließlich stieß Barker auf William Makespeace Thackerays Beschreibung des knapp fünf Kilometer von Cork entfernten Ursulinenkloster in Bladrock in seinem Irish Sketch Book aus dem Jahr 1843. Darin spricht Thackeray von den „mit eisernen Betten ausgestatteten kahlen Räumen der Nonnen“. Ebenso bezeichnete er „Cork“ als Stadt – irische Autoritäten haben über die Bezeichnung „Stadt“ für Cork gespöttelt, sie meinten dieser unbedeutende Ort könne kaum als
„Stadt“ bezeichnet werden. Doch der 1842 schreibende Thackeray tat es – ebenso wie es Virginia Tighe als Bridey Murphy getan hatte, die von Cork als einer „lebhaften Stadt“ sprach.

Aus der Encyclopedia Britannica erfuhr Barker: „Eiserne Betten kamen in England im 18. Jahrhundert auf. Die Anpreisungen empfahlen sie als frei von Ungeziefer, das die Holzbettstellen oft befalle.“ Wir hörten bereits, dass das Belfaster Queens College zu der Zeit, als Brian MacCarthy dort tätig gewesen sein soll, diesen Namen noch nicht trug, doch Barker entdeckte in einem jährlich von dem Belfaster Queen’s College herausgegebenen Calendar (ein Zwischending zwischen Almanach und Vorlesungsverzeichnis) in der Ausgabe für das Jahr 1862 einen Text in einer Verordnung der Königin Virginia. Er lautete:

 

„Wir … an unserem Hof von St. James am neunzehnten Tag des Dezembers Eintausendachthunderfünfundvierzig, im neunten Jahre unserer Regierung … befehlen …, dass ein College für die Studenten der Kunst, des Rechts und der Physik errichtet werden soll … welches Queen’s College, Belfast, genannt werden soll.“ (Barker IN: Bernstein
1965/1973, S. 237, Hervorhebungen durch Barker.)

 

Barker fährt fort:

 

„Gleichzeitig gründete die Königin die Colleges in Cork und Galway. Das Kollegium von Queen’s College wurde ernannt und arbeitete während der folgenden Jahre, um die drei Institute in Gang zu bringen. Die ersten Studenten bezogen das College am 30. Oktober 1849.
Dann deklarierte Victoria‚ am fünfzehnten Tag des Augusts Eintausendachthundertfünfzig, in dem vierzehnten Jahr unserer Regierung…: Wir gründen … The Queens College University in Irland… Wir ordnen an…, dass die besagten Colleges hiermit zu Colleges unserer besagten Universität ernannt werden…“ (Zit. n. Barker IN: Bernstein 1965/1973, S. 237-238, Hervorhebung durch Barker)

 

Barker sagt dazu:

 

„Es spricht absolut nichts dagegen, dass Brian am Queen’s College Belfast, einem Teil der Queen’s University, seit 1850 gelehrt hat.“ (Barker IN: Bernstein 1965/1973, S. 238)
Bezüglich des Wortes „tup“ stellte Professor Seamus Kavanagh vom University College in Cork anhand eines alten Wörterbuches fest, dass dieses Wort tatsächlich für „Holzkopf“ benutzt wurde, so Barker weiter. Der gleiche Professor bestätigte auch, dass „feine Damen“ bis ins 19. Jahrhundert ihr Taschentuch „linen“ nannten. Ein Mr. Thomas Evans aus Richmond, Kalifornien, der 1879 in Carrick-on-Shannin in Irland geboren worden war, bestätigte gegenüber Barker, dass dieses Wort noch in seiner Kinderzeit gebräuchlich war.
Sean Nugent aus Dublin war der Meinung, dass es sich bei dem Wort „brate“ „eigentlich nur“ um die anglisierte Form des gälischen „breach“ handeln könne. Darunter verstand man einen Gegenstand, der mit dessen Hilfe Wünsche ausgesprochen werden können. Derselbe Sean Nugent schrieb an Bernstein:

 

„Kein Lebender oder Toter hätte Brideys Geschichte schreiben können. Ein Professional hätte des Guten zu viel getan. Ihre Geschichte entspricht genau jenem schwierigen Lebenslauf in Irland, wenn Protestanten der zweiten Generation in eine katholische Kirche heiraten.“ (Barker IN Bernstein 1965/1973 S. 239)

 

Bezüglich des von Virginia Tighe erwähnten Begriffe „Orange“ wurde ihm gegenüber von einem Amerikaner irischer Abkunft bestätigt, dass man in seinem Bekanntenkreis noch heute fanatisch-protestantische Nordiren kurz „Orangen“ nannte. Es wurde moniert, dass Virginia als Bridey auch typisch amerikanische Begriffe wie „candy“ (Süßigkeiten) genannt hatte, doch Barker erinnert daran, dass es ja doch Virginia Tighe sei, die sich in Trance daran erinnert, wer sie selbst war. Sie hörte in der Hypnose nicht auf, Virginia Tighe zu sein. Ihr Denken „färbe“ die Darstellungen der in ihr reinkanierten Bridey Murphy.

Mrs. Straynes Internat konnte Barker nicht recherchieren. Die Orte, die Virginia nannte hingegen gab es tatsächlich in Nordirland, wo Virginia als Bridey Murphy gelebt haben will. Aufschlussreich findet Barker die Erwähnung von Bailings Crossing und Doby, zweier Plätze, die Virginia im Zusammenhang mit ihrer Hochzeitsreise als Bridey erwähnte. Es gäbe viele Ortschaften mit der Vorsilbe Baili-, Bali- oder ähnlichem, doch er vermutet, dass am ehesten die Straßenkreuzung „Bailies Cross“ in der Grafschaft Cavan gemeint sein könnte. Dort war eine Familie namens Bailie ansässig. Etwas nördlich davon gab es im Gebiet von Cootehill (Monaghan) die Überreste eines Dorfes namens Dopy, das am alten Fuhrweg nach Carlington lag. Die Dooley Road blieb jedoch unauffindbar. Handelte es sich hierbei auch wieder um einen Spitznamen? Im Gegensatz zu den Kaufläden von Carrigan und von Farr konnte das Cadenn’s House nicht verifiziert werden. Barker erinnert in diesem Zusammenhang jedoch einmal mehr an die Tatsache, dass in den Adressbüchern nur die Besitzer, aber nicht die Pächter der Geschäfte eingetragen waren. Eindeutige Hinweise auf den „Morgen-Jig“ konnten ebenfalls nicht gefunden werden.

Ein wichtiger Punkt sind die „Uilleann Pipes“, die Virginia in der Hypnose benannt hatte. Nur wenige Leute außerhalb Irlands wissen über sie Bescheid. Tatsächlich wurde das Instrument u. a. bei Beerdigungen eingesetzt. Virginias Erwähnung, dass man in Bridey Murphys Zeit wegen eines Buches zu einem „Verleiher“ gehen kann, ist nur wenigen Fachleuten bekannt. In Belfast wurde Barker jedoch bestätigt, dass die dortige Linen Hall Library bereits seit 1788 Bücher ausgeliehen habe. Virginias Aussage, dass in einem Aufgebot „alles über uns geschrieben“ war, gilt laut Barker als geschichtlich erhärtet. Diese öffentliche Darlegung der Familienverhältnisse von Brautleuten war eine Polizeimaßnahme. Es ging darum „die Spur der rebellischen Katholiken festzuhalten“, deshalb verlangte das Gesetz die Angabe, ob in der Familie jemand gehängt oder hingerichtet worden war sowie den Grund für die Hinrichtung. Virginia Tighe hatte unter Hypnose gesagt:

 

„Das stand alles über uns geschrieben … woher wir stammten … wieviel Geld wir besaßen, einfach alles … jeder aus der Familie, der irgendwann einmal gehängt worden war. Sie wissen ja.“

 

Barker äußerste den Verdacht, dass „Bridey“ etwas hochstapelte – was gar nichts Ungewöhnliches wäre –, dass ihr Vater in Wirklichkeit Landwirt und ihr Mann Buchhalter war. Dafür spricht laut Barker auch die „vornehme“ Schreibweise“ des Namens ihres Mannes: MacCarthy anstatt wie üblich McCarthy. In den alten Adressbüchern waren alle Träger dieses Namens unter „M’Carthy“ eingetragen. Da alle Register von der britischen Verwaltung angelegt worden waren, wurden die irischen Vornamen anglisiert. Auf diese Weise wäre aus „Sean“, dem ersten Vornamen von Brideys Ehemann, ein John geworden. Das Belfaster Adressbuch aus von 1858/59 weist tatsächlich einen John M’Carthy in der Flint Street 46 auf. In der Ausgabe von 1861/62 erscheint er wieder unter der Anschrift York Street mit der Berufsangabe „Buchhalter“. Hätte Bridey sich nicht so sehr bemüht, Eindruck zu machen, hätte er mehr von dem, was sie erzählt hat, bestätigt gefunden, glaubt Barker.

So konnte jedoch nur ein Teil von Virginias Aussagen bestätigt werden, wobei es sich zum Großteil um Kleinigkeiten handelt. Andererseits kann Barker plausibel erklären, warum andere Aussagen nicht verifiziert werden konnten. Voreilige Falsifizierungen – Behauptungen, dass diese oder jene Aussage nicht zutreffen konnte – konnte Barker widerlegen.

Wie in solchen Fällen üblich, traten auch Debunker auf den Plan. Diese Pseudo-Entlarver glauben den Fall gelöst zu haben, doch ihre Behauptungen erwiesen sich als leichtfertige Spekulation, wenn nicht sogar auf Schwindel. Innerhalb einer Pressekampagne, die die bebilderte Zeitung „American“ führte, wurde z.B. behauptet, dass Virginia Tighe als junges Mädchen eine Zeitlang mit einer Tante namens Marie Burns zusammengewohnt habe, „die so irisch wie die Seen von Kilkenny“ gewesen sein soll. Diese Mrs. Burns soll Virginia mit „Erzählungen aus Irland ergötzt“ haben. Barker stellte richtig, dass diese „Tante Marie“ tatsächlich schottisch irischer Abstammung, jedoch in New York geboren worden war. Den größten Teil ihres Lebens verbrachte sie in Chicago. Als Virginia 18 Jahre alt wurde, hatte die Tante ein paar Tage lang bei ihr gewohnt. Virginia Tighe, sagte zu der Behauptung des American:

 

„Wenn mich Tante Marie mit Geschichten aus Irland ‚ergötzt’ hätte, würde ich das noch wissen. ‚Irland war bei uns zu Hause nie ein Gesprächsthema.“ (zit. nach Barker IN: Bernstein 1965/1973, S. 249)

 

Die Behauptung, dass diese Marie Burns so irisch wie die Seen von Kilkenny war, erwies sich Barker zufolge insofern als richtig, dass es in der irdischen Grafschaft dieses Namens gar keine Seen gibt!

Die nächste „Enthüllung“ des American lautete, dass Virginia Tighe als Kind eine begabte Tänzerin gewesen sei, die schon „früh Unterricht in Sprechkunst erhalten“ habe. Unter den Texten, die sie damals vortrug, sollen auch „komplizierte irische Dialektgedichte“ gewesen sein. Ein solches Gedicht habe „Mr. Dooley on Archey Road“ gelautet. Die junge Bridey habe den irischen Jig tanzen gelernt. Tatsächlich hatte Virginia Tighe als Teenager einige Rezitationsstunden:

 

„1935 oder 1936 wohnte im gleichen Haus wie eine meiner Tanten eine wohlhabende Dame, die aus Spaß einer kleinen Gruppe von Kindern Rezitationsunterricht gab. Als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war, ging ich an bestimmten Tagen nach der Schule zu ihr. Sie hieß Mrs. Saulnier. Ich fürchte, ich war nicht sehr begabt für das Gedichte aufsagen; ich ging auch nicht lange hin und kann mich heute nicht mehr daran erinnern, was sie uns eigentlich beigebracht hat. – Und was die Jigs betrifft, die ich angeblich gelernt habe … Ich kann nur sagen, meine Tänze hießen Black Bottom und Charleston.“ (Barker in Bernstein 1965/1973, S. 249)

 

Wie Barker berichtet, machte Bob Byers von der Denver Post Mrs. Saulnier ausfindig. Sie erklärte ihm, dass Virginia „wohl ein paar Mal bei ihr gewesen“ sei, „doch sie ist mir nicht besonders aufgefallen, sonst würde ich mich genauer an sie erinnern“. Mrs. Saulnier war sich ganz sicher, dass sie mit ihren Schülern nie ein Gedicht mit dem Titel „Mr. Dooley on Archey Road“ oder so ähnlich eingeübt habe. Überhaupt konnte sie sich nicht erinnern, jemals irische Gedichte behandelt zu haben.

Eine weitere „Enthüllung“ des American lautete, dass es „auffällige
Parallelen zwischen Gegebenheiten in [Virginias] Kindheit und Brideys Schilderungen aus ihrem Leben“ gab. So habe Virginia in jungen Jahren in einem weißen Fachwerkhaus in Madison, Wisconsin, gelebt. In der Nähe von Virginias Elternhaus in Madison habe ein Park an einem Seeufer gelegen, und auf der Wiese („meadow“), die in diesem Park gelegen sei, habe Virginia als Kind gerne gespielt. Virginia hätte einen jüngeren Bruder gehabt, der tot geboren worden sei. Virginia sagte dazu:

 

„Ich habe nie einen jüngeren Bruder gehabt. Was die Chicagoer Zeitung da schreibt, ist einfach grotesk.“ (Barker in Bernstein 1965/
1973, S. 250)

 

Barker merkt an, dass selbst die Hearst-Reporter, (die Hearst-Presse gab den American heraus) diesen Punkt in späteren Nachdrucken herausließen. Virginia sagte weiter:

 

„Wir zogen von Madison weg, als ich drei Jahre alt war. Ich habe keine bewussten Erinnerungen an diese Zeit. Heute wohnen wir in einem weißen Haus; aus Holz ist es natürlich nicht. Sind nicht die meisten Häuser weiß?“ (ebd).“

 

Barker führt diesen Gedankengang weiter und sagt:

„Hat nicht jedes Kind, das nicht gerade in Großstadt-Slums aufgewachsen ist, oft und gern auf einer Wiese gespielt? In der Tat waren die angeblich auffälligen Übereinstimmungen so allgemeiner Natur, dass sie nahezu auf jeden Amerikaner – wie auch auf jeden Iren zutreffen konnten.“ (ebd.)

Die nächste „gravierende Enthüllung“ besagt, dass gegenüber dem Haus, in dem Virginia in Chicago lebte, eine Mrs. Anthony Corkell gewohnt habe, die aus Irland gestammt habe. Diese Frau sei eine geborene Bridey Murphy gewesen. Sie sei es gewesen, die Virginia von Irland erzählte und der Virginia den Namen für ihre „Figur“ entnommen habe. Virginia Tighe hierzu:

 

„Ja, ich kann mich erinnern, dass uns gegenüber eine Mrs. Corkell wohnte, aber ihren Vornamen oder ihren Mädchennamen kannte ich mit Sicherheit nicht. Ich habe manchmal mit den Kinder von Mrs. Corkell gespielt; mit ihr selbst habe ich, soviel ich weiß, nie gesprochen.“ (ebd., S. 251)

 

Barker berichtet, dass sein Kollege Bob Byers von der Denver Post dieser Spur nachgehen wollte. Er bat Mrs. Corkell um ein Interview, das ihm jedoch leider verweigert wurde. Doch ihr Gemeindepfarrer konnte Byers bestätigen, dass Mrs. Corkell „Bridie“ mit Vornamen heißt, ihren Mädchennamen kannte er nicht. Barker schreibt dazu:

 

„Bevor Byers weitere Nachforschungen anstellte, erfuhr er, dass der Sohn dieser Frau, Mr. John Corkell, Redakteur beim American war, also bei der Bildzeitung, die diese „Enthüllungen über Bridey Murphy“ veröffentlicht hatte. Ferner fand er im Chicagoer Telefonbuch nicht weniger als acht Eintragungen ‚Murphy, Bridget’. Wer weiß, wieviel Bridget (Bridey) Murphys allein in Chicago lebten! Man kann annehmen, mehr als zwei Duzend. Eine Bridey Mac Carthy (oder McCarthy) fand Byers indessen nicht eingetragen und auch keinen anderen Namen aus Bridey Murphys Familie und Bekanntenkreis.“ (Barker IN Bernstein 1965/1973, S. 251)

 

Barker meint, es sei „schon in Anbetracht der Häufigkeit des Namens Bridey Murphy reine Theorie, Mrs. Corkell als das Namensvorbild [Virginias] anzunehmen“, und so mache die Feststellung, Virginia Tighe könne ihre Informationen über das alte Irland von jener Frau haben, völlig zunichte, denn Mrs. Corkell stammte aus der Grafschaft Mayo, die im Mittelwesten Irlands liegt, während Bridey Murphy, wie wir wissen, in Cork im äußersten Süden der Insel und später in Belfast, also im Nordwesten“ lebte. „Mayo“ wurde von Virginia Tighe nie erwähnt.

Zudem gab es einige Versuche, den Bridey-Murphy-Fall auf pseudo-psychologische Weise zu erklären. Hierfür seien zwei Beispiele genannt:

 

„Eine Psychologin namens Margarette K. Bowers stellte die Diagnose, dass ‚Morey eine Todesfixierung und den Wunsch nach Allmächtigkeit habe, die wohl einem Gefühl der Schwäche in Bezug auf die Vaterfiguren in seinem Leben entstammen – Morey ersehnt offenbar die >selige See< durch die telepathische hypnotische Einheit mit (und in?) einer Bridey, die in der Astralwelt schwebt. Dies könnte sehr wohl das wirkliche Motiv für seine Experimente sein.’“ (Barker IN: Bernstein 1965/1973, S. 253.)

 

„Der Psychoanalytiker Dr. Georg Devereux deutete [Virginia Tighes] Aussagen in Trance als ‚maskierte Wunscherfüllung’. Sie fühle sich in der Hypnose als Versuchsperson eng verbunden mit dem Hypnotiseur Bernstein (das bekannte Phänomen der ‚Übertragung’) und werde nun sozusagen seine Braut (Bridey = bridy, bride, englisch ‚Braut’), wobei Devereux noch darauf hinwies, dass der Name Morey Bernstein fast die gleichen Buchstaben habe wie der Name des Mannes in Mrs. [Tighes] angeblichem früherem Leben, Brian MacCarthy. Beide Namen haben das gleiche Monogramm, nur vertauscht: MB – BM, und Brian klinge deutlich an Bernstein an usw. [Virginia Tighe] sei ein Adoptivkind gewesen, sie habe schon in ihrem jetzigen Dasein gewissermaßen zwei Leben (vor und nach der Adoption) durchgemacht. Devereux bedauerte, dass man nicht mehr über die Vergangenheit und die Gegenwart des gegenwärtige Leben der Versuchsperson wisse, sonst hätte sich wohl viel mehr ,in ähnlicher Weise aufhellen lassen.’ Und nur als Ausgangspunkt für solche Analysen könne der Fall überhaupt Interesse für sich beanspruchen.“ (Barker IN: Bernstein 1965/1973, S. 254)

 

Hier ist einmal mehr zu sehen, wie Pseudoskeptiker arbeiten!

Hinweise: 

 

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