Die „woke“ Gleichgültigkeit gegenüber Judenhass

* von Judith Bergman, Gatestone Institute, 10. September 2020
* Übernommen von Abseits vom Mainstream – HEPLEV

  • Twitter selbst spielt eine bedeutende Rolle bei der Förderung des Antisemitismus.
  • Trotz tausender Beschwerden ließ Twitter die meisten Tweets des Rappers (Wiley) sechs Tage lang stehen und entschied sich erst nach einem 48-stündigen Boykott der Plattform durch tausende britischer User, darunter Innenministerin Priti Patel, ihn lebenslang zu sperren.
  • Twitter hat sogar versucht zu behaupten, die völkermörderische Variante des Judenhasses, die Art, in der die Führer des Iran sich auszeichnen, würde nicht gegen seine Regeln verstoßen.
  • Es scheint so, als sei die selbstgerechte Empörung der Wokeratis fehlen, wenn die Person, gegen die sich der Rassismus wendet, Jude ist.
In Britannien hielt der Rapper Wiley vor kurzem eine 48-stündige antisemitische Wutrede auf Twitter, mit der er Verschwörungstheorien und Beleidigungen von Juden verbreitete und sagte, sie sollten erschossen werden. Totz tausender Beschwerden ließ Twitter die meisten von Wileys Tweets sechs Tage lang stehen und beschloss erst nach einem 48-stündigen Boykott der Plattform durch tausende britische User, darunter die britische Innenministerin Priti Patel, ihn zu sperren. Bild: Priti Patel am 8. September 2020 in London. (Foto: Leon Neal/Getty Images)

Der Judenhass hat in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren immer mehr Überhand genommen. 2019 gab es nach Angaben des Berichts der Anti-Defamation League im Mai 2.107 antisemitische Vorfälle. Das war die höchste Zahl seit 40 Jahren. Zu den Vorfällen gehörten 61 Fälle physischer Angriffe, 1.127 Vorfälle von Belästigung und 919 Fälle von Vandalismus.

Auch in mehreren europäischen Ländern erreicht der Antisemitismus einen Höchststand: 2019 erlebte Deutschland mit 2.032 Vorfällen die höchste Zahl antisemitischer Verbrechen innerhalb von fast zwei Jahrzehnten. Großbritannien registrierte 2019 mit 1.805 Vorfällen im vierten Jahr in Folge „einen Rekordzahl“ antisemitischer Vorfälle – die höchste Zahl, die jemals innerhalb eines Kalenderjahres erfasst wurde, so ein Bericht im Guardian. In Frankreich stiegen antisemitische Anschläge 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 74% an und 2019 um weitere 27%. Ein gewalttätiger Angriff 2018 war die brutale Ermordung Mireille Knolls, einer 85-jährigen französisch-jüdischen Holocaust-Überlebenden, die in ihrer Pariser Wohnung von zwei Männern ermordet wurde, die „Allahu Akbar“ brüllten, als sie elfmal auf sie einstachen und ihre Wohnung in Brand setzten.

Die Zunahme des Antisemitismus kommt nur 80 Jahre, nachdem Millionen Juden in Europa zusammengetrieben und Versklavung, Massenerschießungen und „medizinischen Experimenten“ sowie industriellem Massenmord in Konzentrationslagern der Nazis einzig deshalb unterzogen wurden, weil sie Juden waren.

In unserer hypersensiblen, hyper-radikalisierten „Woke“-Kultur, in der offensichtliche Wahrheiten wie „alle Leben zählen“ auszusprechen sofort dazu führen, dass du ausgegrenzt wirst, deinen Job verlierst und man dich als Rassisten einordnet, sollte man annehmen, dass der Anstieg des Antisemitismus für maximale Empörung sorgen würde. Antisemitismus zu propagieren sorgt jedoch selten dafür, dass irgendjemand – abgesehen vom gelegentlichen weißen Herrenmenschen – ausgegrenzt wird. Dieses zweierlei Maß setzt sich fort, obwohl Hassreden allgemein als völlig inakzeptabel und gefährlich angesehen wird, wie es sich in der Politik gegen Hassreden in den sozialen Medien und den Tech-Giganten spiegelt.

Louis Farrakhan, der Führer der schwarzen, muslimischen Nation of Islam und von vielen als professioneller Antisemit eingestuft, hat Verschwörungstheorien über Juden propagiert. Er bezeichnete sie als „satanisch“ und „Termiten“ und pries Hitler als „einen sehr großen Mann“. Prominente und andere, die für Farrakhan werben, machen selten die Erfahrung öffentlicher Empörung und der damit einhergehenden Ausgrenzungen, die Menschen normalerweise begleitet, die solchen Rassismus zur Schau stellen. Seine Reden und Interviews sind auf YouTube frei verfügbar, das zweifelhaft erklärte, es stehe „solidarisch gegen Rassismus und Gewalt“. Offensichtlich erstreckt sich diese Solidarität nicht auf judenfeindlichen Rassismus. Stattdessen vermittelt YouTube die Botschaft, dass – um es mit Orwells Worten zu sagen – mancher Rassismus rassistischer ist als anderer.

Ein neuer Streaming-Fernsehkanal, Fox Soul TV, „der für afrikanisch-amerikanische Zuschauer da ist“, so seine Internetseite, plante am 1. Juli eine Rede Farrakhans zu senden, änderte aber sein Programm, vermutlich wegen des Gegenwinds, den der Sender auf Twitter erfuhr.

Chelsea Handler, eine amerikanische Komikerin, warb vor kurzem auf ihrem Instragram-Account für einen Videoclip Farrahans, in dem sie ihn für das „starke Video“ über weiße Menschen und schwarze Macht pries. Mehrere Hollywood-Promis, darunter Jennifer Aniston, „likten“ ihren Post. Handler löschte ihn erst nach viel Kritik und bot eine unausgegorene Entschuldigung, in der sie sagte:

„Ich betrachte diese Botschaft als ziemlich kraftvoll… Vielleicht formten sich Farrakhans antisemitische Ansichten während seiner eigenen Unterdrückung. Wir wissen  heute, dass die Unterdrückung einer Rasse zur Unterdrückung aller Rassen führt.“

Niemand grenzte Handler dafür aus, dass sie Antisemitismus propagiert.

Mehrere weitere Promis haben ebenfalls Farrakhans Art des Judenhasses in den sozialen Medien gefördert. Anfang Juni gab der Rapper Ice Cube, offenbar ein Bewunderer Farrakhans, eine Reihe von Tweets ab, zu denen nach Angaben von Kareem Abdul-Jabbar im Hollywood Reporter „einige gruselige Symbole und Bilder gehörten … und die implizierten, dass Juden für die Unterdrückung von Schwarzen verantwortlich waren“. Trotz einer Geschichte des Antisemitismus verursachten Ice Cubes aktuelle Tweets kaum einen Kratzer an seinem Image. Noch am 29. Juli veröffentlichte der Rapper ein Op-ed in The Hill.

Typischerweise erhalten „Falschdenker“, die den Karriere zerstörenden Fehler machen ihre Gedanken in sozialen Medien zu veröffentlichen, keine Gnade und werden mit sofortiger Ausgrenzung begrüßt. Angebotene Entschuldigungen, so kriecherisch sie auch sein mögen, werden in der Regel nicht akzeptiert. In sozialen Medien unwoke Ansichten zum Ausdruck zu bringen ist eine Sünde, für die es keine Vergebung gibt, wie Akademiker, Medienpersönlichkeiten und andere erfahren haben.

In seltenen Fällen, wenn Antisemiten anhaltenden Gegenwind und in ihren Karrieren sogar Konsequenzen erfahren, scheint es aber eine starke Bereitschaft derer zu geben zu vergeben und zu vergessen, die gewöhnlich die Ausgrenzung betreiben. US-Medienstar Nick Cannon zum Beispiel wurde vor kurzem von ViacomCBS gefeuert, nachdem er in seinem Podcast antisemitische Verschwörungstheorien propagierte; trotzdem feuerte Fox Cannon nicht aus seiner Rolle als Moderator der Reality-Serie The Masked Singer, die der Sender ausstrahlt. „Als wir auf Nick Cannons Interview mit Richard Griffin auf YouTube aufmerksam gemacht wurden, begann wir sofort einen Dialog mit Nick“, sagte Fox in einer Stellungnahme.

Ihm ist klar und er bedauert, dass seine Worte falsch waren und ihnen sowohl das Verständnis und der Kontext fehlten und sie ungewollt Hass förderten… Fox verurteilt alle Formen von Hass, gegen welche Gemeinschaft auch immer er sich richtet und wir werden Bigotterie jeglicher Art bekämpfen.“

Twitter selbst spielt eine bedeutende Rolle bei der Förderung von Antisemitismus. In Großbritannien veranstaltete der Rapper Wiley vor kurzem eine 48-stündige antisemitische Wutrede auf Twitter; er verbreitete nicht nur eine Reihe Verschwörungstheorien und Beleidigungen von Juden, sondern sagte auch, sie sollten erschossen werden und dass er kommen würde um sich in Golders Green (einem jüdischen Viertel von London) „zu ihnen zu setzen“. Trotz tausender Beschwerden ließ Twitter den Großteil der Tweets des Rappers sechs Tage lang stehen und erst nach einem 48-stündigen Boykott durch tausende britische User, darunter Innenministerin Priti Patel, beschloss die Plattform ihn zu sperren.

Twitter hat sogar versucht zu behaupten, die völkermörderische Variante des Judenhasses, die Art, in der die Führer des Iran sich auszeichnen, würde seine Regeln nicht verletzen. Als Twitter kürzlich von Israels Knessetausschuss für Zuwanderung, Aufnahme und Diaspora-Angelegenheiten gefragt wurde, warum der iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei, der auf Twitter zur „Beseitigung“ des jüdischen Staats aufrief, frei weiter twittern darf, während Präsident Donald Trumps Tweets wegen Verletzung der Twitter-Politik zu Hassreden gekennzeichnet wurden, antwortete Twitters Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit, Regierung und Philantropie für die nordischen Länder und Israel, Ylwa Pettersson:

„Wir haben einen Ansatz gegenüber Weltführern, der aktuell besagt, dass direkte Interaktionen mit Persönlichkeiten der Öffentlichkeit, Kommentaren zu politischen Tagesthemen oder außenpolitischem Säbelrasseln in militärischen und wirtschaftlichen Fragen allgemein die Twitter-Regeln nicht verletzen.“

Pettersson wurde dann gefragt, ob „zu Völkermord aufzurufen in Ordnung ist, aber politische Situationen zu kommentieren nicht“? Sie antwortete:

„Missachtet ein Weltführer unsere Regeln, aber es gibt ein klares Interesse das auf dem Dienst zu behalten, können wir es hinter einen Hinweis setzen, der etwas mehr Kontext zur Regelverletzung gibt und den Menschen erlaubt ihn anzuklicken, wenn sie diesen Inhalt sehen wollen. Das ist das, was mit dem Trump-Tweet geschah. Dieser Tweet verletzte unsere Politik zur Verherrlichung von Gewalt aufgrund der letzten Zeile dieses Tweets und dem Risiko, dass er zu Schädigungen und ähnlichem Handeln inspirieren könnte.“

Für diejenigen, die eine Erinnerung brauchen, wie wenig tatsächlich nötig ist, um lebenslang von Twitter gesperrt zu werden (vorausgesetzt das beleidigende Thema ist nicht Antisemitismus): Letztes Jahr entfernte die Plattform Meghan Murphy, eine kanadische Feministin, die das Sprechverbrechen begangen hatte eine Transgender-Person nicht mit ihrem bevorzugten Pronomen anredete.

Es scheint so, als ob die selbstgerechte Empörung der Wokerati fehlt, wenn die Person, die Rassismus erfährt, Jude ist.

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