- von Ailin Vilches Arguello, The Algemeiner, 11. November 2025
- übernommen von Abseits vom Mainstream – HEPLEV
(Quelle Beitragsbild oben: Pro-Hamas-Demonstranten in München (Foto: Reuters/Alexander Pohl)
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat vor einer zunehmenden Welle des Antisemitismus in Deutschland gewarnt, insbesondere aus linksextremen Kreisen. Die Jugendorganisation der Partei Die Linke verbreitet weiterhin antiisraelische Hetze und diffamiert Zionisten, die von ihnen als „Verräter“ bezeichnet werden.
In einem Interview mit der Berliner Morgenpost erklärte Prosor, die jüdische Gemeinde in Deutschland lebe angesichts eines zunehmend feindseligen Klimas in Angst. „Es ist besser, nicht die Sonnenallee in Neukölln entlangzugehen, wenn man einen Davidstern trägt“, so Prosor.
„Im Jahr 2025 haben jüdische Männer und Frauen Angst zu studieren oder U-Bahn zu fahren, weil sie als Juden erkennbar sind. Dass Schulen, Gemeindezentren und Synagogen rund um die Uhr Polizeischutz benötigen, ist nicht normal“, sagte der israelische Diplomat. Prosor hob zudem die wachsende Bedrohung durch linksextremen Antisemitismus hervor und bezeichnete ihn als noch gefährlicher als Antisemitismus von rechts oder von islamistischen Extremisten.
„Linker Antisemitismus ist meiner Ansicht nach umso gefährlicher, als er seine Absichten verschleiert. Er bewegt sich seit Langem auf dem schmalen Grat zwischen Meinungsfreiheit und Volksverhetzung“, sagte er.
„In ganz Europa ist dies auf Universitätsgeländen und an Theatern sichtbar. Viele geben sich gebildet, moralisch und progressiv – doch die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Volksverhetzung wurde längst überschritten“, fuhr er fort. „Israel wird Tag für Tag dämonisiert und delegitimiert und letztendlich sind es die Juden überall, die unter den Folgen leiden.“
Seine Äußerungen erfolgten, nachdem die Jugendorganisation der Linken vergangene Woche einen israelfeindlichen Beschluss verabschiedet hatte, in der der einzige jüdische Staat der Welt als „koloniales und rassistisches Staatsprojekt“ bezeichnet wurde. Dies löste Kontroversen sowohl in der jüdischen Gemeinde vor Ort als auch in der Parteiführung aus.
Während des 18. Bundesparteitags der Linken Jugend am vergangenen Wochenende berichteten jüdische Delegierte von Schikanen durch Parteikollegen – sie wurden als „Verräter“ beschimpft und sogar vor einer internen „Säuberung“ gewarnt.
Laut lokalen Medienberichten verließen mehrere Teilnehmer die Veranstaltung vorzeitig, nachdem Kollegen ihnen angeblich gedroht hatten, nachts in ihren Hotelzimmern aufzutauchen.
Nächste Woche stimmt die Jugendgruppe über einen Antrag ab, der Israel fälschlicherweise des Völkermords im Gazastreifen beschuldigt, sowie über einen weiteren Antrag zur Unterstützung der Bewegung Boykott-, De-investitionen und Sanktion (BDS). Diese Bewegung will den jüdischen Staat international isolieren, um ihn letztendlich zu vernichten.
Anfang des Jahres stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) – die für die Beobachtung extremistischer Gruppen zuständige Behörde, die dem Bundesinnenministerium Bericht erstattet – BDS als „nachweislich extremistische und verfassungsfeindliche Bewegung“ ein. Das BfV beschrieb die Kampagne zudem als „verfassungsfeindliche Ideologie, die Israels Existenzrecht leugnet“. Zuvor hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) BDS im vergangenen Jahr als „Verdachtsfall extremistischer Aktivitäten“ mit Verbindungen zum „säkularen palästinensischen Extremismus“ eingestuft.
In seinem Interview verurteilte Prosor die jüngste Resolution der Linken Jugend und die Schikanen gegen jüdische Mitglieder mit den Worten: „Die rote Linie ist überschritten.“
„Die Jugend der Linkspartei offenbart das wahre Gesicht des linken Antisemitismus, der sonst gut verborgen bleibt.“, schrieb der israelische Diplomat in einem Beitrag auf X.
„Mit der Rechtfertigung von Terror, dem Ignorieren von Antisemitismus und der Leugnung des Existenzrechts Israels hat die Linkspartei ihren moralischen Kompass, ihre Vernunft und ihre Integrität verloren. Was bleibt, sind Extremismus, radikale Ideologie und Gewalt.“, so Prosor weiter.
Die rote Linie ist überschritten. Die Jugend der Linkspartei offenbart das wahre Gesicht des linken Antisemitismus, der sonst gut verborgen bleibt.
— Ambassador Ron Prosor (@Ron_Prosor) November 7, 2025
Mit der Rechtfertigung von Terror, dem Ignorieren von Antisemitismus und der Leugnung des Existenzrechts Israels hat die… pic.twitter.com/mNEmdNR0dp
Angesichts des zunehmenden politischen Drucks, sich klar von der Jugendorganisation zu distanzieren, geraten führende Mitglieder der Linkspartei immer stärker unter Druck.
Obwohl die Jugendorganisation formal unabhängig ist, ist sie finanziell von der Hauptpartei abhängig.
Nach einer Sitzung am Mittwochabend veröffentlichte der Parteivorstand eine Erklärung, in der er mitteilte, dass „breite Übereinstimmung darüber herrsche, dass der verabschiedete Antrag mit den Positionen der Linkspartei unvereinbar ist“.
„Antisemitismus und die Verharmlosung antisemitischer Positionen widersprechen den Kernwerten der Linken“, hieß es in der Erklärung. „Einschüchterung, Druck und Ausgrenzung haben in einer linken Jugendorganisation keinen Platz und erst recht nicht in der politischen Kultur, die wir als Linke vertreten“, so die Erklärung weiter.
Einschüchterung abweichender Stimmen und israelfeindliche Rhetorik sind jedoch innerhalb der Linkspartei nichts Neues und folgen einem Muster antisemitischer Vorfälle in der Vergangenheit. So verließen beispielsweise Berlins ehemaliger Kultursenator Klaus Lederer und andere prominente Mitglieder im vergangenen Jahr nach einem antisemitischen Skandal auf einem Parteitag in Berlin die Partei.

