- von Roland M. Horn
(Auszug aus: Gottes Rückkehr Warum Wissenschaft ohne Gottt nicht funktioniert)
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Urknalltheorie in Frage
Die Urknalltheorie hat sich trotz ihrer Schwächen gegenalternative Thesen wie die Steady-State-Theorie, auf die wir später noch kurz zu sprechen kommen werden, durchgesetzt, auch wenn es immer wieder Zweifel an ihr gab und gibt.
Erst im Mai 2025 wartete der Wissenschafts-Journalist Philipp Rall mit einem Artikel auf, der die sensationell klingende Überschrift „Urknalltheorie widerlegt? Physiker präsentiert bizarre Alternative“ trägt. Konkret geht es um ein neues Modell des Universums, das von Dr. Richard Lieu, Professor der Physik an der Universität von Alabama (UAH), aufgestellt wurde. Folgt man ihm, so ist womöglich die Entstehung des Universums vollkommen anders verlaufen als bisher gedacht. Oben haben wir von den beiden Säulen der modernen Kosmologie und somit auch der Urknalltheorie – Dunkle Materie und Dunkle Energie – gehört und ebendiese stellt Lieu in Frage.
Anstelle eines einzigen Urknalls und einer gleichmäßigen Ausdehnung, wie wir es oben gehört haben, schlägt Lieu in einer Arbeit, die am 13. März 2025 erschien,vor, dass sich das Universum in einer Serie plötzlicher und zeitlich begrenzter Ereignisse entwickelt hat, die er „temporale Singularitäten“ nennt. Zu bestimmten Zeitpunkten sollen diese Singularitäten gleichzeitig überall als extrem kurze, aber intensive Schübe von Energie und Materie das gesamte Universum durchdringen und so rasch verschwinden, dass sie sich nicht beobachten lassen. Lieu glaubt, dass es gerade diese Flüchtigkeit ist, warum sich Dunkle Materie und Dunkle Energie bisher jeglicher Messung entziehen.
Diese kaum erfassbaren Impulse können, wie Lieu meint, viele jener Phänomene nachbilden, die derzeit durch Dunkle Komponenten erklärt werden, wie die Entstehung des Universums, dessen beschleunigte Ausdehnung und die scheinbar zusätzliche Gravitation in Galaxien. Nicht die bisher vermuteten hypothetischen Teilchen seien demnach der Verursacher, sondern eben Nachwirkungen derartiger Singularitäten.
Lieu hatte bereits früher sogenannte masselose topologische Defekte beschrieben – das sind räumlich begrenzte Strukturen, die gravitative Wirkung entfalten, obwohl sie selbst gar keine Masse haben. In seiner neuen Arbeit überträgt er dieses Prinzip auf die Zeit und kommt zum Schluss, dass nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Singularitäten das Universum geformt haben könnten. Rall betont, dass Lieus Modell vollständig in die Allgemeine Relativitätstheorie eingebettet ist: Das Energieerhaltungssetz bleibt erhalten, es kommt ohne irgendwelche exotischen Annahmen wie negative Masse aus und weiter erfüllt es ebenso die bekannten Energiebedingungen, die die physikalische Konsistenz der Theorie gewährleisten.
Was allerdings die Singularitäten verursacht, bleibt offen, wie Rall erkennt – und damit stehen wir immer noch vor der gleichen Frage wie oben. Nur lautet sie jetzt nicht mehr „Was war vor dem Urknall und was hat ihn verursacht?“, sondern „Was war vor dieser Serie von Singularitäten und was hat sie verursacht?“
Der Physiker beschreibt diese Singularitäten als mathematische Lösungen der Gleichungen, ohne aber eine zugrunde liegende physikalische Entstehung zu benennen. Rall sagt, dass dieses Fehlen einer tieferliegenden Erklärung eine Schwäche ist – allerdings eine, die er mit dem Standardmodell der Kosmologie teilt. Rall im Wortlaut: „Denn auch der Urknall selbst ist letztlich eine Singularität ohne bekannte Ursache.“
Rall schreibt weiter, dass die Phase der extrem raschen Expansion des Universums, die nach konventioneller Sichtweise unmittelbar nach dem Urknall stattgefunden hat (Inflation genannt), auf eine Folge derartiger Singularitäten zurückgeht. Damit fällt die Notwendigkeit eines Inflatonfelds – ein hypothetisches Skalarfeld, von dem von konventioneller Seite angenommen wird, dass es die Ausdehnung des Weltalls im frühen Universum angetrieben hat – weg.
Rall hält es für „besonders bemerkenswert“, „dass Lieus Ansatz prinzipiell überprüfbar ist“. Der Physiker schlägt vor, „Himmelsbeobachtungen nach Rotverschiebung fein zu unterteilen“, um mit hoher Auflösung nach kleinen, bisher unbemerkten Sprüngen in der Expansionsgeschwindigkeit zu suchen, die im Hubble-Diagramm – der Umsetzung der Rotverschiebung von astronomischen Objekten gegen ihre Entfernung von der Erde – auf vergangene Singularitäten hinweisen würden.
Lieu:
„Die beste Möglichkeit nach dem vorgeschlagenen Effekt zu suchen, besteht darin, ein großes bodengestütztes Teleskop – wie das Keck-Observatorium [Waimea, Hawaii] oder die Isaac Newton Group of Telescopes in La Palma, Spanien – zu verwenden, um Beobachtungen im tiefen Feld durchzuführen, deren Daten nach der Rotverschiebung ‚geschnitten‘ würden.“
Wie Rahl erkennt, hat die Sache einen Haken:
„Natürlich ist das Modell noch nicht in der Lage, das Lambda-Kalte-Dunkle-Materie-Modell (ΛCDM-Modell179) zu ersetzen, das viele kosmologische Beobachtungen mit hoher Genauigkeit beschreibt – darunter die kosmische Hintergrundstrahlung, die Verteilung von Galaxien und großräumige Strukturen im Weltall. Damit Lieus Theorie – auch für die Entstehung des Universums – ernsthaft als Alternative in Betracht kommt, müsste sie diese Erklärungsleistung mindestens erreichen.“
Rall ist der Meinung, dass das das Modell Lieus eine faszinierende Perspektive eröffne, nämlich die Möglichkeit, dass nicht unbekannte Materiearten oder Energien das Universum formten, sondern das, was zwischen den bekannten Zeitpunkten geschehen ist. Aber auch wenn wir unbekannte Materiearten ausschließen könnten – sollte Lieus Modell Bestand haben – bleibt die bohrende Frage: Was war vorher und warum und wie wurden die Singularitäten (oder nach konventioneller Ansicht der Urknall) ausgelöst?
Noch eine weitere Meldung erschien im Mai 2025: „Forscher erschüttern die Kosmologie – ‚Vielleicht muss die Geschichte des Universums neu geschrieben werden“ titelte die Wissenschaftsjournalistin Tanja Banner in einem Artikel auf der Online-Seite der Frankfurter Rundschau. Sie verweist auf eine Studie des tschechisch-australischen Astrophysikers Prof. Dr. Pavel Kroupa von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der zufolge die kosmische Hintergrundstrahlung entweder gar nicht existiert oder ein Teil von ihr etwas ganz anderes ist. Im Wortlaut sagt er:
„Unseren Berechnungen zufolge könnte es sein, dass diese Hintergrundstrahlung gar nicht existiert.“
Und relativiert:
„Zumindest sind wir davon überzeugt, dass sie hinsichtlich ihrer Stärke überschätzt wurde.“
Zusammen mit der Astrophysikerin Dr. Eda Gjergo von der Universität Nanjing, China, untersuchte Kroupa eine Gruppe von elliptischen Galaxien. Elliptische Galaxien gelten als die ersten Galaxien, die sich im jungen Universum gebildet haben. Worum es konkret geht, erklärt Kroupa mit den Worten:
„Das Universum dehnt sich seit dem Urknall aus, wie ein Hefeteig, der aufgeht. Dadurch vergrößert sich der Abstand zwischen den Galaxien stetig. Wir haben gemessen, wie weit elliptische Galaxien heute voneinander entfernt sind. Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung ihrer Eigenschaften konnten wir dann aus der Expansions-Geschwindigkeit zurückrechnen, wann sie entstanden sind.“
Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Entstehung dieser Galaxien lediglich einige hunderte Jahre dauerte, was, wie Kroupa betont, nach kosmologischen Maßstäben sehr kurz ist.
Kroupa und Gjergo stellten fest, dass die Sterne in diesen Galaxien eine enorme Leuchtkraft haben, was sie dazu anregte, die Stärke dieser leuchtenden Sterne zu berechnen. Diese Berechnungen deuteten darauf hin, dass ein Teil der kosmischen Hintergrundstrahlung eigentlich „aus der Entstehung der elliptischen Galaxien kommt“, wie Gjergo feststellt. „Und zwar mindestens 1,4 Prozent, möglicherweise aber sogar die gesamte Strahlungsmenge.“
Bereits im Jahr 2022 wurde die Urknalltheorie aufgrund von Bildern, die mit dem neuen James Webb Space Telescope gewonnen wurden, herausgefordert. Neben vielen anderen Artikeln erschien einer zu diesem Thema auf der Webseite Scienexx.de:
„Frühe Galaxien widersprechen gängiger Kosmologie – Sechs Galaxien waren schon vor gut 13 Milliarden Jahren so massereich wie die Milchstraße.“
Diese massereichen Galaxien scheinen ein Problem für die Urknalltheorie darzustellen. Der Artikel wird eingeleitet mit den Worten:
„‚Unmögliche‘ Giganten? Astronomen haben gleich sechs frühe Galaxien entdeckt, die weit schwerer sind als sie kosmologischen Modellen zufolge sein dürften. Die mithilfe des James-Webb-Teleskops aufgespürten Objekte existierten schon 500 bis 700 Millionen Jahre nach dem Urknall, umfassten aber bereits bis zu hundert Milliarden Sonnenmassen an Sternen – fast so viel wie unsere Milchstraße heute. Dies widerspricht gängigen Theorien zur Materiedichte im frühen Kosmos und zum Galaxienwachstum, wie die Forschenden in ‚Nature‘ berichten.“
Das Problem ist, dass nach bisherigen Modellen die ersten Sterne bereits ungefähr 200 bis 300 Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden sein sollen. Unklar ist den bisherigen Annahmen zufolge, wann sich aus diesen ersten Sternhaufen die ersten Galaxien entwickelten und wie schnell sie heranwuchsen. Wie oben berichtet, konnte das James-Webb-Teleskop einige Galaxien sichtbar machen, die bereits 300 Jahre nach dem Urknall existierten. Spektralanalysen zeigen, dass diese Galaxien noch klein und massearm waren.
Doch es geht noch weiter: Astronomen haben weitere frühe Galaxien entdeckt, die so gar nicht ins Bild passen wollen. Zwar ist ihr Alter ähnlich den oben beschriebenen Galaxien, doch sind sie beinahe so massereich wie unsere Milchstraße es heute ist. Die Entdecker dieser Galaxien sind Ivo Labbé von der Swinbourne University of Technology in Melbourne und sein Team, die einige Aufnahmen der Nahinfrarotkamera NIRCam aus dem Early-Release-Programm des James-Webb-Teleskops auswerteten. Diese Aufnahmen zeigen einen Ausschnitt des Himmels nahe des Großen Wagens.
Die Wissenschaftler analysierten also diese rötlichen Lichtpunkte, die weit entfernt und somit sehr alt sind. Die Rotverschiebung nutzend, kamen die Wissenschaftler zur Ansicht, dass das Licht, das diese Sterne ausstrahlten, über 13 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war. Insofern musste es von Objekten stammen, die bereits ungefähr 500 bis 700 Millionen Jahre nach dem Urknall existierten. Allem Anschein nach handelte es sich also um frühe Galaxien.
Überraschend war das Massereichtum dieser frühen Galaxien. Joel Leja von der Pennsylvania State University sagt: „Wir haben erwartet, in dieser frühen Zeit nur winzige Babygalaxien zu sehen“ und: „Stattdessen haben wir Galaxien gefunden, die zwar schon in der Morgendämmerung des Kosmos existierten, aber schon so weit entwickelt waren wie unserer eigene. Diese Objekte waren weit massereicher als irgendwer erwartet hätte.“
Wie die Daten zeigen, beinhalten alle dieser sechs Galaxien über zehn Milliarden Sonnenmassen. Leja dazu: „Mein erster Gedanke war, dass wir einen Fehler gemacht haben und den sicher bald finden würden“, fügt dann aber hinzu: „Aber bisher haben wir trotz aller Bemühungen keinen Fehler finden können.“

entdeckt wurden, werfen grundlegende Fragen über das frühe
Universum auf
Sofern es sich bei diesen sechs Objekten tatsächlich um Galaxien handelt, sind sie die mit Abstand massereichsten Galaxien aus dieser Zeit, die jemals entdeckt wurden. Leja hat allerdings noch eine alternative Erklärung: „Die Daten deuten zwar darauf hin, dass es sich hier um Galaxien handelt. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass zumindest einige dieser Objekte staubverhüllte Schwarze Löcher sein könnten.“ Doch auch das würde bedeuten, dass es im Universum damals schon wesentlich mehr stellare Materie gab als bislang angenommen.
Der Artikelautor stellt fest: „Nach Angaben der Astronomen steht die Masse der sechs neu entdeckten Objekte im Widerspruch zu nahezu allen gängigen kosmologischen Modellen. Denn nach diesen gab es so kurz nach dem Urknall noch gar nicht genug normale Materie, um so viele Sterne in so kurzer Zeit zu bilden“, und Erika Nelson von der University of Colorado in Boulder, die ebenfalls an dem Nature-Artikel beteiligt war, sagt: „Selbst, wenn nur eine dieser Galaxien real ist, bringt dies unser Verständnis der Kosmologie an seine Grenzen.“ Der Autor des Scienexx.de-Artikel sagt konkret:
„Um die Existenz so massereicher Galaxien zu diesem frühen Zeitpunkt zu erklären, müsste entweder die Materiedichte im jungen Universum zwei bis fünfmal größer gewesen sein als es die kosmologischen Modelle vorsehen. Oder aber die Galaxien müssen auf andere Weise gewachsen sein als bisher angenommen, wie das Team erklärt. In beiden Fällen erfordere dies aber einen fundamentalen Wandel in unserem Verständnis der kosmischen Entwicklung.“
Leja sagt: „Wir haben hier etwas gefunden, das so unerwartet ist, dass es ein echtes Problem für die Wissenschaft darstellt.“ Die Forscher verliehen ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sie diese sechs Objekte auch mit dem hochauflösenden Nahinfrarot-Spektrometer (NIRSpec) des James-Webb-Weltraumteleskops betrachten können. Anhand der daraus resultierenden Lichtspektren könnte geklärt werden, ob es sich tatsächlich um Galaxien handelt und welche Elemente sie enthalten. „Ein Spektrum wird uns sofort verraten, ob diese Objekte real sind“.
Ist der Urknall gar widerlegt?
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Der Urknall und die Rückkehr der Gottes-Hypothese
Meyer hält also den Urknall für die richtige Hypothese und erklärt, dass zahlreiche Wissenschaftler ein Problem mit einem endlichen Universum haben – wie es auch Lerner hat, darauf werde ich später noch zurückkommen. So wurden Alternativen zum Urknall-Modell aufgestellt, um „die Idee eines unendlich alten Universums wiederherzustellen.“
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Interessant ist ein Artikel des australischen Physikers, Kosmologen und „Junge-Erde-Kreationisten“ John Hartnett mit dem Titel „New evidence: we really are at the centre of the universe”(”Neue Beweise: Wir befinden uns wirklich im Zentrum des Universums“), der Bezug nimmt auf am 27. Oktober 2003 veröffentlichte Daten der Sloan Digital Sky Survey (SDSS). Das SDSS führte mittels des 3,5-Meter Teleskops am Apache Point Observatory in New Mexico eine Durchmusterung eines Drittels des Himmels durch Aufnahmen auf fünf Wellenlängen und einer nachfolgenden Spektroskopie einzelner Objekte durch. Geleitet wurde das Projekt von Max Tegmarck, einem schwedisch-USamerikanischen Kosmologen und Wissenschaftsphilosophen von der University of Pennsylvania. (Von Tegmarck ist im Gegensatz zu Hartnett kein kreationistischer Hintergrund bekannt.) Spektakulärerweise zeigten die SDSS-Aufnahmen, dass sich unsere Galaxie im Zentrum einer großen konzentrischen Verteilung von Galaxien befindet.
Dem Artikel von Hartnett zufolge haben Astronomen mit Hilfe des SDSS die präziseste Messung der kosmischen Anhäufung von Galaxien und dunkler Materie (demnach gibt es sie also doch!) durchgeführt und damit unser Verständnis der Struktur und Entwicklung des Universums verfeinert, wie sie der Website des SDSS207 entnehmen.
Mit Hilfe dieses Teleskops haben Astronomen um Michael Blanton von der New York University „die bisher beste dreidimensionale Karte des Universums erstellt, die über 200 000 Galaxien in einer Entfernung von bis zu zwei Milliarden Lichtjahren auf sechs Prozent des Himmels abbildet“.
Das Team hat auf seiner Website einen 2D-Ausschnitt der Galaxienkarte veröffentlicht, der ungefähr 67 000 Galaxien zeigt, die nahe an der Äquatorialebene der Erde – eine gedachte Ebene, die durch den Äquator der Erde verläuft und senkrecht zur Rotationsachse der Erde gelegen ist – liegen. Die Karte sieht aus wie zwei Pizzastücke, da die Milchstraße einen großen Teil des Himmels in der Mitte des Bildes verdeckt. Auf einer Abbildung erkennt man auf einem dieser Kartenstücke kleine Punkte, die jeweils eine Galaxie darstellen. Sie scheinen sich zu riesigen konzentrischen Strukturen zu formieren, die sich in der Mitte befinden, in der unsere Galaxie liegt. Hartnett – ein Gegner der Urknalltheorie – sagt, dass die Dichteverteilung der Galaxien im Allgemeinen mit der Entfernung vom Zentrum abnimmt – was das Gegenteil von dem ist, was eine Urknall-Kosmologie vorhersagen würde.

Sky Survey (SDSS)
Die jüngste SDSS-Karte zeigt kreisförmige Strukturen um unsere Galaxie deutlicher als frühere Karten. Sie sind mehr als ein Artefakt des Stichprobenverfahrens, denn die Dichteverteilung der Galaxien sollte in einem „Urknall-Universum“ mit der Entfernung zunehmen, wenn man in die Vergangenheit blickt. Hartnett sagt, dass auf der Karte die Galaxiendichte mit der Entfernung periodisch ab- und zuzunehmen scheint, woraus die kreisförmigen Strukturen resultieren. Hartnett ist überzeugt: „Diese räumliche Schwankung der Galaxiendichte kann daher nur darauf zurückzuführen sein, dass sich Galaxien bevorzugt in bestimmten Entfernungen befinden.“
Weiter zündet der Kreationist – der die Bibel und damit auch den Schöpfungsbericht absolut wörtlich nimmt – eine Bombe:
„Wenn diese Karte korrekt ist, scheinen die Beweise darauf hinzudeuten, dass das so genannte ‚kosmologische Prinzip‘, auf dem die gesamte Urknall-Kosmologie beruht, falsch ist. Dieses Prinzip besagt, dass es im Universum kein Zentrum gibt und dass Beobachter an allen Positionen im Universum ähnliche Zufallsverteilungen sehen würden. Das hier gezeigte Bild widerspricht eindeutig dem kosmologischen Prinzip. Daraus folgt, dass wir uns in der Nähe des Zentrums des Universums befinden müssen, was mit der Tatsache übereinstimmt, dass wir im Zentrum von Gottes Aufmerksamkeit stehen, sowohl geistig als auch physisch.“
Der US-amerikanische Physiker Lawrence Krauss (geb. 1954) sagt:
„Aber wenn man sich die CMB208-Karte anschaut, sieht man auch, dass die beobachtete Struktur tatsächlich auf seltsame Weise mit der Ebene der Erde um die Sonne korreliert. Kommt Kopernikus zurück, um uns heimzusuchen? Das ist doch verrückt. Wir blicken auf das ganze Universum hinaus. Auf keinen Fall sollte es eine Korrelation zwischen der Struktur und unserer Bewegung der Erde um die Sonne geben – der Ebene der Erde um die Sonne – der Ekliptik. Das würde bedeuten, dass wir wirklich das Zentrum des Universums sind. Die neuen Ergebnisse sagen uns entweder, dass die gesamte Wissenschaft falsch liegt und wir das Zentrum des Universums sind, oder vielleicht sind die Daten (un)korrekt, oder sie sagen uns, dass etwas an den Ergebnissen des Mikrowellenhintergrunds seltsam ist und dass vielleicht etwas mit unseren Theorien auf größeren Skalen nicht stimmt.“
Doch es kommt noch dicker. Der Autor Yehezkel Lavie treibt es auf die Spitze und zitiert aus dem jüdischen Midrasch: „Das Land Israel befindet sich im Zentrum der Welt, Jerusalem im Zentrum Israels, der Tempel im Zentrum Jerusalems und das Allerheiligste im Zentrum des Tempels.“
Um diesen Gedankengang einmal zu Ende zu bringen: Diese Stelle aus dem Midrasch besagt, dass Israel das Zentrum der Welt ist – aber Israel liegt ja auf der Erde. Da müsste man ja glatt annehmen, dass der Midrasch-Autor meint, Jerusalem liege als Mittelpunkt der Erde im Mittelpunkt des Universums und folglich bliebe der Sonne nichts anderes übrig, als um die Erde zu kreisen. Jetzt wird es aber so langsam absurd. Oder?
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