Alttestamentliche Berichte durch neue Ausgrabungen bestätigt

  • von Roland M. Horn

Blick auf Tel Aseka. Dort befindet sich eine archäologische Grabungsstätte, in der Funde gemacht wurden, die alttestamentliche Berichte bestätigen.

David Parsons, Vizepräsident und Internationaler Pressesprecher der ICEJ, schrieb in der von der ICEJ herausgegebenen Zeitschrift Wort aus Jerusalem, Ausgabe Nr. 5/2021, einen interessanter Artikel mit der Überschrift “Neue Ausgrabungen in Israel bestätigen biblische Berichte”. Der Artikel beginnt mit den Worten:

“In den letzten Monaten hat es zahlreiche archäologische Funde in Israel gegeben, die die Berichte der hebräischen und christlichen Schriften bestätigen und die Genauigkeit des Wortes Gottes belegen. Wenn wieder Reisegruppen nach Israel kommen können, dürfen sie sich au die Enthüllung dieser verborgenen Schätze freuen.”

Die Frage, wann Reisegruppen aus Deutschland wieder nach Israel werden einreisen dürfen, müssen wir hier im Raum stehen lassen. Die Hoffnung, dass dies in absehbarer Zeit geschieht, ist nicht nach meiner Einschätzung nicht sehr hoch, doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Parsons geht in seinem Artikel auf mehrere Funde ein und erwähnt zuerst, dass beispielsweise Ausgrabungen in der Davidstadt eine 2.800 Jahre alte Erdschicht zutage förderten, die eine Zerstörung dokumentiere, die keiner Schlacht und keiner Eroberung in der Geschichte Jerusalems zugeordnet werden könne. Infolgedessen vermuteten Archäologen, dass sie auf ein heftiges Erdbeben in der Stadt zurückzuführen sei, über das die Propheten Amos und Sacharja in den ihnen zugeschriebenen alttestamentlichen Büchern berichten. Die ausgegrabenen Trümmer beinhalten Tongefäße, Lampen Kochutensilien, Schüsseln und Aufbewahrungsbehälter, die beschädigt worden seien, als die Wände eines antiken Gebäudes einstürzten. Parsons verweist auf die Stellen Amos 1,1 und Sacharja 14,5, in denen auf ein großes Erdbeben erwähnt wird, das Israel “zur Zeit Usijas, des Königs von Juda” erschütterte.

Ein weiteres Artefakt, das neue Belege dafür liefere, dass die mit Mauern befestigte Davidstadt tatsächlich der Hauptstadt der Dynastie König Davids war, in der zunächst der Regierungssitz des geeinten Königreichs Israel und später des nach der Reichsteilung entstandenen Südreichs Juda lag, ist Parsons zufolge ein bislang fehlender Teil der östlichen äußeren Stadtmauer Jerusalems, der bei jüngsten Ausgrabungen gefunden worden sei und auf den die Babylonier bei der Belagerung der Davidstadt im Jahr 586 v. Chr. stießen. An der gleiche Stelle wurden Funde gemacht, die mit der Zeit des zweiten Tempels in Verbindung gebracht würden. Darunter befänden sich “kürzlich ausgegrabene Pfeilspitzen und andere Waffen aus der Zeit der römischen Eroberung 70 n. Chr.”

Ebenfalls vor Kurzem seien zwei nebeneinanderliegende prachtvolle große Kammern im Bereich der sog. Klagemauer freigelegt worden, die Teil einer kunstvollen Stadthalle gewesen sein sollen, in der der jüdische Beamte hohen Besuch empfing, bevor jener zu den Vorhöfen des Tempels hinaufstieg. “‘Die Western Wall Heritage Foundation’” wird diese eindrücklich gestalteten Räume sowie die Besichtigungstour des Klagemauertunnels aufnehmen”, schreibt Parsons.

“Ein Tonkrug Gideons” – allerdings mit Fragezeichen versehen – ist das nächste Fundstück, auf das Parsons eingeht. Fundort ist die israelische Ausgrabungsstätte Khrirbet al-Ra’i, wo Parsons zufolge das biblische Ziglat vermutet wird, das beispielsweise im 1. Buch Samuel, Vers 30 Erwähnung findet. Der Tonkrug, der dort gefunden wurde, trägt eine mit Tinte geschriebene Inschrift, die den Namen “Jerubbaal” wiedergibt. Diesen Namen hatte der biblische Gideon nach dem alttestamentlichen Buch der Richter (Kap. 6, Vs. 31-32) erhalten. “Jerubbaal” bedeutet “Baal streitet mit ihm” oder “groß sei der Herr”.  “Der Krug mit uralter kanaanitischer Inschrift kann 3.100 Jahre auf die Zeit der Richter zurückgeführt werden, als Gideon den Altar des Baal in Ofra niederriss und die Israeliten die Midianiter in der Ebene Jesreel besiegten”, schreibt Parsons. Es sei jedoch nicht sicher, ob die Inschrift des Tongefäßes in direktem Zusammenhang mit Gideon steht. Allerdings bestätigen Experten Parsons zufolge jedoch, dass die Bibel authentische Namen aus dieser frühen Epoche Israel überliefert.

Bei Tel Aseka, wo David Goliath besiegt haben soll, seien in den letzten Monaten bei Ausgrabungsarbeiten neben Töpferwaren und Mauern der befestigten israelitischen Stadt auch die Skelette von Soldaten gefunden worden, die dort im Kampf gefallen seien. Die menschlichen Knochen stammen vermutlich aus der Zeit der assyrischen Invasion ins Königreich Juda vor über 2.700 Jahren, wie die biblische Überlieferung im Zweiten Buch der Könige (Kap. 18-19), Chronik (32) und Jesaja (36) sagt. Der assyrische König Sanherib zerstörte damals laut 2, Könige 18,13 und 2. Chronik 11, 5+9) auch die Stadt Aseka in Juda.

Parsons hat noch eine weiteren Entdeckung auf Lager. Er schreibt, dass vor einigen Monaten Archäologen vom Fund dutzender der Fragmente einer biblischen Schriftrolle aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands im Jahr 135 n.Chr. berichtet hätten. Das wäre die erste Entdeckung eines antiken biblischen Pergaments seit ungefähr 60 Jahren. Die Schriftrolle  ist auf Griechisch geschrieben und enthält Auszüge aus den zwölf kleinen Propheten – unter ihnen die Bücher Sacharja und Nahum.

Am Ende seines Artikels geht Parsons noch auf die Kupferminen des Königs Salomon ein und schreibt, dass am Südzipfel Israels im Nationalpark Timna in der Wüste Negev vor Kurzem Hinweise darauf gefunden wurden, “dass die Israeliten zur Zeit König Salomons tatsächlich in den dortigen Kupferminen arbeiteten, wie aus biblischen Berichten hervorgeht”. Parsons weist darauf hin, dass vor dem Fund “viele Wissenschaftler und Archäologen den Kupferbergbau vor Ort fast ausschließlich auf eine frühere ägyptische Präsenz in der Gegend zurückgeführt” hätten. Parsons bezeichnet die neuen Funde, die Stoffüberreste in königlichem Purpur aus der Zeit der Könige David und Salomon enthalten, als “bahnbrechend”.  Mit den Worten “Die besondere Farbe zur Herstellung der einzigartigen Purpur- und Blautöne für israelitische Könige und Priester stammt von einer regionalen Schneckenart. Die Farbtöne wurden schließlich in die jüdischen Gebetsschals sowie die heutige israelische Flagge aufgenommen”, endet Parsons Artikel.

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https://commons.wikimedia.org/wiki/File:110423_004.jpg, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/20/110423_004.jpg, idobi, CC BY-SA 3.0, <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

 

Bitte beachten Sie auch mein Buch Blauer Stern auf weißem Grund: Die Wahrheit über Israel

Das unveräußerliche Recht der Juden auf dem Tempelberg zu beten

First One Through, 29. November 2021
Übernommen von Abseits vom Mainstream – HEPLEV

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Universal Declaration of Human Rights – UDHR) legte 30 Prinzipien fest, die allen Menschen weltweit gewährt werden. Die Vereinten Nationen zitieren sie oft, außer wenn es um Juden geht.

Artikel 2 der UDHR erklärte, dass alle Menschen Anspruch auf Rechte und Freiheiten haben, ungeachtet von „Rasse, Farbe, Geschlecht, Religion, politischer oder sonstiger Meinung, nationaler oder sozialer Herkunft, Eigentum, Geburt oder sonstigen Status.“Das deckt eindeutig Juden ab – sogar solche aus Israel oder den umstrittenen Gebieten.

Artikel 18 der UDHR beschäftigt sich mit dem Thema Religion, darunter ihren Bräuchen: „Jeder hat das Recht auf Gedankenfreiheit, Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit; dieses Recht beinhaltet die Freiheit seinen Glauben zu wechseln und die Freiheit alleine oder in Gemeinschaft mit anderen und öffentlich oder privat seine Religion oder seine Überzeugung in Lehre, Praxis, Anbetung und Ausübung zeigen.“ Viele muslimische Länder treten diese Fähigkeit seine Religion zu wechseln mit Füßen, verbieten in ihren Verfassungen Glaubensabfall, eine offenkundige Verletzung der UDHR, die in der UNO wegen muslimischem Privileg niemals diskutiert wird.

Die Fähigkeit der Juden zu beten, wie es ihr historischer Brauch und ihr Recht ist, wird in der UNO nicht ignoriert, sondern mit einem unverschämten und verankerten Verbot gekontert.

Der jüdische Tempelberg

Der für die Juden heiligste Ort ist der Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem. Er ist seit mehr als 3.000 Jahren, seit König David die Hauptstadt des jüdischen Volks von Hebron hierher verlegte und sein Sohn Salomo den ersten Tempel baute, der Mittelpunkt jüdischer Konzentration und Gebete gewesen. Den größten Teil der ersten tausend Jahre hatten Juden zu verschiedenen Zeiten einen Tempel an diesem Ort, wo sie entsprechend den Anweisungen der hebräischen Bibel Tiere opferten. Nachdem im Jahr 70n.Chr. der zweite Tempel zerstört wurde, stiegen Juden weiter auf den Berg, um still zu beten und machten das 1.500 Jahre lang. Die Osmanen kamen 1517 ins jüdische heilige Land und Suleiman I. (1494-1566) baute einen Großteil Jerusalems wieder auf, einschließlich der ikonischen Stadtmauern. Als Teil seines gewaltigen Jerusalem-Projekts warf er die Juden vom Tempelberg und bot ihnen ein kleines Stück der westlichen Umfassungsmauer des Tempelbergs an – die Westmauer oder Kotel – um dort zu beten. Juden ist seit dieser Zeit praktisch das Beten an ihrem heiligsten Ort verboten worden.

Das osmanische Reich endete 1918, aber die Welt dachte bis nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust an den Juden nicht daran die katastrophalen Gefahren durch tief verwurzelten Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anzugehen,

Wer dafür sorgte, dass jüdische Gebetsrechte abgeblockt wurden

Im Dezember 1948 versuchte die Welt den Kriegen und Hass ein Ende zu setzen und entwarf die UDHR in der Hoffnung, dass Menschen Respekt für andere zeigen könnten, die anders sind. Die Erwähnung von Religion in den Artikeln war ein direktes Ergebnis der Gräueltaten, die den Juden durch Nichtjuden widerfuhr, wie in der Präambel beschrieben, in Bezug auf die „Missachtung und Verachtung für Menschenrechte sind in barbarischen Taten gemündet, die das Gewissen der Menschheit empört haben.“

Dennoch kämpfte der jüdische Staat, als die Weltorganisation diese Rechte formulierte, gegen mehrere eindringende arabische Armeen um sein Überleben. Die einmarschierende jordanische Armee säuberte alle Juden ethnisch aus dem östlichen Teil des heiligen Landes, einschließlich der Altstadt von Jerusalem, nur ein paar Jahre nach dem Holocaust. Die Jordanier verboten dann den Juden sogar den Besuch oder das Gebet in der Stadt, einschließlich an der Kotel und auf dem Tempelberg.

Der widerliche muslimische Antisemitismus wurde angesprochen, als Jordanien Israel im Juni 1967 erneut angriff und die illegal eroberten Landstriche verlor, was es den Juden ermöglichte wieder in ihre heilige Stadt zu ziehen. Um einen Waffenstillstand mit den verschiedenen muslimischen Ländern zu ermöglichen, die versucht hatten den jüdischen Staat zu vernichten, erlaubte Israel der jordanischen Waqf den Tempelberg zu verwalten und sein Verbot jüdischen Gebets beizubehalten.

Bis heute fordert die UNO eine Veränderung des Status quo der Kontrolle Israels über den Ostteil Jerusalems einschließlich der Altstadt, während sie gleichzeitig verlangt die antisemitische Politik des Verbots von jüdischen Gebeten an ihrem heiligsten Ort aufrechtzuerhalten. Es ist praktisch Wahnsinn zu versuchen dutzende muslimische UNO-Mitglieder zu beschwichtigen, während gleichzeitig die grundlegenden Menschenrechte der Juden mit Füßen getreten werden. Lassen Sie uns dieses Jahr zu Hanukka, einer Zeit, in der die Juden rund um die Welt ihre Menoren in ihre Fenster stellen, um der Welt zu zeigen, dass sie jüdische Gebetsrechte auf dem Tempelberg feiern, die Forderung stellen, dass die Regierung des Staates Israel deutlich geltend macht, dass die Würde von Juden wichtig ist. Juden haben unveräußerliche Rechte an ihrem heiligsten Ort zu beten – auf dem jüdischen Tempelberg.

Die Geschichte zeigt eine Schicksalsgemeinschaft auf

  • von Albrecht Künstle
  • Oft ging die Verfolgung der Juden der Christenverfolgung voraus
  • Wer Judenhass nicht entgegentritt, könnte bald selbst Opfer sein

Dieser Tage feierte der Zentralrat der Juden in Deutschland den 70. Jahrestag seiner Existenz. Er vertritt etwa die Hälfte der Juden in unserem Land, „verliert“ aber wie die Christlichen Kirchen an Mitgliedern. Im Deutschen Reich lebten 1933 noch über 500 Tsd. Juden. Heute sind es noch oder wieder 200 Tsd. Nur etwa die Hälfte gehört jüdischen Gemeinden an. Den Höhepunkt hatten diese im Jahr 2005 mit 108.289 Mitgliedern erreicht, 2019 waren es nur noch 94.771. Die Einzigen die mehr werden, und das rasant, sind die Muslime mit ihren Verbänden.

Dieser jüdische Jahrestag war für mich ein Anlass, auf die schicksalhafte Geschichte über 2.000 Jahre zurückzublicken. Juden und Christen lebten lange Zeit getrennt voneinander und oft genug gegeneinander – und wurden meist vereint geschlagen. Früher von den Alten Römern, heute lauert eine andere Gefahr.

Teil I

Ein „alter Schinken“ aus dem Jahr 1964 mit dem Titel „Vom Paradies bis Golgatha ist eines der Bücher, die das Schicksal von Juden und Christen beschreibt. Mit großem Interesse arbeitete ich es durch, das im Wesentlichen die Geschichte der „Israeliten“ nachzeichnet, zumal es mit vielen Karten aus der jeweiligen Epoche versehen ist. Der Titel ist jedoch irreführend, denn es beginnt mit Noahs Söhnen, einer nicht gerade paradiesischen Zeit. Richtig interessant wird das Buch erst nach Golgatha, wo es allerdings nur dem Titel nach endet.

Gerade die ersten Jahrhunderte der neuen Zeitrechnung, mit „n. Chr.“ abgekürzt, brachten für mich interessante Parallelen zwischen dem Leben und Schicksal der Juden und der neuen Christen an den Tag. Das Buch endet mit dem Beginn des 4. Jahrhunderts, als das Christentum unter Kaiser Konstantin sogar Staatsreligion wurde (obwohl er sich erst auf dem Totenbett taufen ließ). Anm.: Die Jahresangaben hier können von anderen Quellen aus den bekannten Gründen um bis zu fünf Jahre abweichen.

Jesus war ein waschechter Jude, und in seinen Jugendjahren im Jahr 6 n. Chr. wurde Judäa eine römische Provinz. Das riesige römische Reich war nur beherrschbar, indem die Cäsaren nicht nur Soldaten schickten, sondern auch Männer des jeweiligen Volkes als Vasallen einsetzten. Von Judäa bis Galiläa war dies der jüdische Herodes. Sie waren in der Regel Kollaborateure der Besatzungsmacht, was erklärt, dass das Volk oft gegen beide Herrschaften rebellierte.

Als Jesus zehn Jahre alt war, kam es nur zehn Kilometer von Nazareth entfernten in der Nachbarstadt Sepphoris zu einem Aufstand. Als Antwort „zerstörten die Römer die Stadt und kreuzigten zweitausend seiner jüdischen Bewohner. Die Kreuze standen kilometerweit zu beiden Seiten der Straße.“ – wie es auch beim Spartacus-Aufstand 73 v. Chr. gegen die Römer der Fall war. Dies nur nebenbei an die Adresse jener, die meinen, Jesus sei von den Juden ans Kreuz geschlagen worden. Nein, die Kreuzigung war eine „Spezialität“ der Römer, welcher hauptsächlich Juden zum Opfer fielen.

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Die Westmauer und die Juden: Mehr als ein Jahrtausend Gebet

Nadav Shragai, Jerusalem Center for Public Affairs (Jerusalem Issue Brief, Bd. 20, Nr. 16), 29. Juli 2020

Übernommen von Heplev – Abseits vom Mainstream

Juden beten an der Klagemauer in Jerusalem; von Johann Martin Bernatz (Osmanisches Archiv, 1868)

Vor dem Hintergrund der jordanischen Verurteilung Israels wegen Arbeiten, die von Israel an der südlichen Verlängerung der Westmauer ausgeführt werden, sowie der muslimischen Leugnung der jüdischen Verbindung zur Westmauer veröffentlichte Nadav Shragai, ein Forscher am Jerusalem Center, diese Sammlung vergessener und weniger bekannter Fakten zur Westmauer, die Muslime versuchen zu bestreiten.

  • Nach der Zerstörung des Tempels beteten Juden auf dem Tempelberg, auf dem Ölberg, an den östlichen und südlichen Mauern und schließlich – als Jerusalem wieder offen war – kehrten Juden an die Westmauer zurück, die dem Allerheiligsten am nächsten liegt.
  • Die aktuelle Gebetsort an der Westmauer wurde nach einem Erdbeben im Jahr 1546 eingerichtet, durch das eine Reihe Gebäude einstürzten, die sich an die Mauer schmiegten und zugunsten einer kurzen Gebetsgasse für Juden weggeräumt wurden, die mit Genehmigung der osmanischen Obrigkeit genutzt werden durfte.
  • Die zentrale Synagoge für die Juden in Jerusalem, „die Höhle“, befand sich viele Jahre innerhalb der Tunnel der Westmauer, bis die Stadt 1099 in die Hände der Kreuzritter fiel.
  • Der jüdische Gelehrte Yitzhak Yehekiel Yehuda sammelte Dutzende Zeugenaussagen jüdischen Gebets zu vielen Zeitpunkten, beginnend im Jahr 950 n.Chr. Sie wurden 1930 der britischen Westmauer-Kommission vorgelegt und bezeugten die jüdische Verbindung zu dem Ort.
  • Eine von Dr. Aryeh Kimelman erstellte, wertvolle neue Studie verrät, dass parallel zu den Gebeten in der „Gasse“ an der Westmauer, die später ausgeweitet wurde, um der Platz der Westmauer zu werden, Juden an verschiedenen Orten an der gesamten Länge der Mauer beteten, zum Beispiel nahe dem Baumwollhändler-Tor, dem Ratstor und dem Eisentor.
  • Heute bestreiten Muslime die jüdische Verbindung zum Tempelberg, ebenso wie sie jegliche jüdische Verbindung zur Westmauer bestreiten. Sie beanspruchen den gesamten Bereich des Tempelbergs als „Teil der al-Aqsa“.
  • Nach 1967 weiteten die Muslime die Definition von „al-Aqsa“ über die südliche Moschee auf dem Berg hinaus aus und wandten sie auf das gesamte Gelände und seine Mauern an.
  • Während der 19 Jahre der Besatzung Ostjerusalems verletzte Jordanien eine Zusage Juden das Gebet an der Westmauer zu gestatten.

Am 14. Januar 1546 traf ein schweres Erdbeben das gesamte Land Israel. Hunderte Menschen wurden getötet und verletzt. Viele blieben obdachlos zurück. Das Erdbeben war so stark, dass der Jordan drei Tage lang nicht weiter floss. Gesteins- und Bodenerosion blockierte vorübergehend das Flussbett. Eine hohe Tsunamiwelle traf den Hafen von Jaffa. In Hebron und Jaffa wurden schwere Schäden dokumentiert. Jerusalem wurde ebenfalls beschädigt: Einige der Tore der Altstadt wurden zerstört und die Glocke in der Grabeskirche stürzte herab. Das Erdbeben brachte vielen Häusern Tod und Trauer, aber es hatte eine weitere historische Folge, die einen entscheidenden Einfluss auf die Geschichte Jerusalems und das Leben des jüdischen Volkes hatte.

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Judenfeindliche Corona-Verschwörungstheorien in historischem Kontext

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch auf BESA Center veröffentlicht)

Die Verbrennung von Juden während der Epidemie des Schwarzen Todes 1349. Brüssel, Bibliothèque de Belgique – Bild via Wikimedia

Der Ausbruch des Coronavirus hat zu einer Vielzahl an Verschwörungstheorien geführt, die Juden und Israel mit mehreren seiner Aspekte in Verbindung bringen. Diese Theorien sollten als Fortsetzung ähnlicher antisemitischer Überzeugungen angesehen werden, die vor etwa 2000 Jahren begannen. Flavius Josephus, der jüdische Historiker in römischer Zeit, schreibt über eine der ersten bekannten jüdischen Verschwörungstheorien. Er sagt, dass gemäß dem Judenhasser Apion, einem Griechen, der in Ägypten lebte, die Juden einen Griechen entführten. Dann hielten sie ihn im Tempel in Jerusalem gefangen und mästeten ihn. Danach opferten sie ihn und aßen sein Fleisch.1https://www.aish.com/h/9av/j/48966346.html Diese falsche Behauptung war der Wegbereiter des Ritualmordvorwurfs, einem der großen Stränge antisemitischer Verschwörungstheorien.

Gehen wir in die Gegenwart: Nathan Sharansky sagte vor kurzem: „Sie machen die Juden verantwortlich, beschuldigen uns des Versuchs die Wirtschaft zu zerstören, um Geld zu machen.“ Er fügte an, dass „aktuelle, bösartige, antisemitische Propaganda im Iran, der Türkei und verschiedenen anderen Ländern der gesamten Welt entsprang, die die Juden der Verbreitung des Coronavirus beschuldigen. Im Iran tragen die staatlich kontrollierten Medien ebenfalls zur Hetze bei; sie machen ‚Zionisten‘ für die Epidemie verantwortlich und warnen die Menschen keine Coronavirus-Schutzimpfung zu nutzen, wenn diese von israelischen Wissenschaftlern entwickelt wird.“2http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/277356

Die ADL erwähnt die Behauptung weißer Rassisten, Juden seien verantwortlich für die Schaffung des Virus, um ihre Kontrolle über eine dezimierte Bevölkerung zu verstärken und/oder vom Virus zu profitieren. Die ADL sagt, dass ähnliche Botschaften sich auch auf eher dem Mainstream angehörenden Plattformen wie Twitter, YouTube, Instagram und Reddit verbreiten. Manche Verschwörungstheoretiker suggerieren, dass der Virus von den USA und Israel erzeugt wurde, um gegen politische Rivalen wie China und den Iran vorzugehen.3https://www.adl.org/blog/extremists-use-coronavirus-to-advance-racist-conspiratorial-agendas

Ein Gast im türkischen Staatsfernsehen sagte: „Juden, Zionisten, haben den neuartigen Coronavirus als biologische Waffe organisiert und entwickelt, genauso wie die Vogelgrippe, ‚um die Welt zu gestalten, Länder zu erobern und die Weltbevölkerung zu kastrieren?]“4https://www.timesofisrael.com/conspiracy-theory-that-jews-created-virus-spreads-on-social-media-adl-says/. Trotzdem schießt der oberste iranische Führer, Ali Khamenei, eher gegen die USA als gegen Israel. Er deutete an, dass amerikanische Medikamente dazu genutzt werden den Virus weiter zu verbreiten. Khamenei unterstellt auch, der Virus sei speziell für den Iran aufgebaut worden, es würden genetische Daten von Iranern verwendet, die die Vereinigten Staaten auf andere Weise in die Hand bekommen hätten. Khamenei sagte zudem, die Vereinigten Staaten könnten Ärzte und Therapeuten in den Iran schicken wollen, wo sie sich persönlich die Auswirkungen des von ihnen produzierten Giftes ansehen können.5https://www.aljazeera.com/news/2020/03/iran-leader-refuses-cites-coronavirus-conspiracy-theory-200322145122752.html

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