(zum Beitragsbild oben: Symbolbild / KI)
Die Hisbollah hat wichtige Stellungen, Tunnel und Versorgungswege im Südlibanon verloren. Nun mehren sich Hinweise, dass die Terrororganisation Waffen und Präzisionsraketen weiter nach Westen verlagert. Israel reagiert mit neuen Stützpunkten, Angriffsplänen und einer klaren Botschaft: Ein Wiederaufbau direkt vor der Grenze soll nicht mehr zugelassen werden.
An Israels Nordfront wächst die Sorge vor einer neuen Eskalation. Nach Einschätzung israelischer Sicherheitskreise könnte die Hisbollah in der kommenden Zeit versuchen, den Druck auf die israelischen Streitkräfte im Südlibanon wieder zu erhöhen. Hintergrund sind zunehmende Versuche der Terrororganisation, israelische Soldaten anzugreifen und verlorene militärische Strukturen zumindest teilweise durch neue Stellungen, Waffenlager und veränderte Versorgungswege zu ersetzen.
Die israelische Armee reagiert darauf nicht erst, wenn Raketen fliegen. Nach Angaben von N12 baut das Nordkommando derzeit die neue Verteidigungsstruktur entlang der sogenannten Gelben Linie weiter aus. Dabei entsteht ein Netz israelischer Stützpunkte innerhalb des Südlibanon. Gleichzeitig wurden dem Bericht zufolge offensive Operationspläne für den Fall gebilligt, dass die Hisbollah ihre Angriffe ausweitet.
Generalstabschef Eyal Zamir hatte bereits zuvor deutlich gemacht, dass Israel die Kontrolle über diese Sicherheitszone aufrechterhalten will. Nach der Zerstörung des umfangreichen Hisbollah-Tunnelsystems im Gebiet des Ali-Taher-Höhenzuges erklärte er, dass Angriffe auf die israelischen Grenzgemeinden oder die dort eingesetzten Soldaten umgehend beantwortet würden.
Der Hintergrund dieser Strategie ist die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte: Israel will nicht erneut zulassen, dass unmittelbar gegenüber seinen Ortschaften über Jahre hinweg Tunnel, Raketenstellungen, Waffenlager und unterirdische Kommandozentralen entstehen.
Hisbollah sucht neue Räume für Raketen und Waffen
Wie ernst diese Gefahr weiterhin genommen wird, zeigt ein Bericht des emiratischen Nachrichtenportals Erem News. Unter Berufung auf libanesische Militärquellen berichtet das Medium, die Hisbollah habe in jüngster Zeit Präzisionsraketen, Verteidigungssysteme, Waffen und Munition aus Gebieten verlagert, in denen ihre bisherige Infrastruktur zunehmend unter israelischen Druck geraten ist.
Dem Bericht zufolge wurden Bestände unter anderem in Dörfer westlich der Gelben Linie südlich des Litani gebracht. Weitere Verlagerungen sollen in Richtung Iqlim al-Tuffah sowie in die Gebiete Jabal al-Rihan und Jabal Safi erfolgt sein.
Im Gegenteil: Gerade weil frühere Strukturen verloren gehen, versucht die Organisation offenbar, ihre verbliebenen Fähigkeiten neu zu verteilen.
Israel will den Fehler von vor dem 7. Oktober nicht wiederholen
Wie schnell aus dieser Entwicklung eine neue Eskalation entstehen kann, zeigte sich bereits vor wenigen Tagen. Zwei israelische Soldaten wurden bei der Explosion eines von der Hisbollah gelegten Sprengsatzes im Südlibanon leicht verletzt. Israel reagierte mit Angriffen auf Stellungen der Terrororganisation.
Zuvor hatten israelische Militärquellen berichtet, dass Hisbollah-Terroristen versuchten, in Gebiete innerhalb der Gelben Linie vorzudringen oder dort erneut Präsenz aufzubauen. Teilweise handelt es sich um Räume, in denen die IDF zuvor nicht dauerhaft stationiert war.
Für Israel entsteht daraus ein bekanntes Sicherheitsproblem: Jeder unkontrollierte Raum kann von der Hisbollah genutzt werden, um Beobachtungsposten, Waffenlager oder neue Angriffspositionen aufzubauen.
Genau dieses Modell funktionierte über Jahre hinweg entlang der israelisch-libanesischen Grenze. Unter den Augen der internationalen Gemeinschaft entstand eine gewaltige militärische Infrastruktur. Tunnel wurden gegraben, Raketen eingelagert und ganze Ortschaften in das militärische System der Hisbollah eingebunden.
Die israelische Sicherheitsdoktrin nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 ist deshalb deutlich härter geworden. Bedrohungen unmittelbar an der Grenze sollen nicht mehr lediglich beobachtet und über Jahre hinweg verwaltet werden.
Das erklärt auch, weshalb Israel trotz internationaler Kritik weiterhin auf militärische Bewegungsfreiheit im Südlibanon besteht.
Die libanesische Regierung wiederum verlangt einen israelischen Rückzug und betont die staatliche Souveränität. Präsident Joseph Aoun hat zugleich selbst vorgeschlagen, die libanesischen Streitkräfte in den Spannungsgebieten einzusetzen und dort Waffen der Hisbollah und deren Lager zu beschlagnahmen.
Genau darin liegt der entscheidende Punkt.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass Israel militärisch auf eine neue Eskalation vorbereitet sein will. Das Problem ist, dass die Hisbollah überhaupt weiterhin über eine eigene Terrorarmee, Raketen, Waffenlager und militärische Kommandostrukturen verfügt, obwohl der libanesische Staat Anspruch auf das Gewaltmonopol erhebt.
Solange sich daran nichts ändert, bleibt jeder israelische Rückzug mit demselben Risiko verbunden: Die Armee geht, die Hisbollah kommt zurück.
Ali Taher hat gezeigt, wie teuer dieses Modell für die Terrororganisation inzwischen werden kann. Israel zerstörte dort eine Infrastruktur, die Iran und Hisbollah über viele Jahre aufgebaut hatten.
Nun versucht die Organisation offenbar, ihre verbliebenen Waffen an andere Orte zu bringen.
Israel bereitet sich darauf vor, sie dort nicht noch einmal jahrzehntelang wachsen zu lassen.

