(Quelle Beitragsbild oben: C2 Indra Beaufort)
Erst Gebühren und Kontrollrechte, jetzt ein offenes Ultimatum: Die Revolutionsgarden erklären, Hormus bleibe geschlossen, solange Washington Irans Bedingungen nicht akzeptiert.
Erst kürzlich berichtete haOlam darüber, wie Iran aus der Straße von Hormus ein eigenes Kontroll- und Einnahmesystem machen will. Nun legt das Regime nach. Die Revolutionsgarden erklären offen, dass die strategisch wichtige Meerenge nicht vollständig geöffnet werde, solange die Vereinigten Staaten die Bedingungen Teherans nicht akzeptieren. Neu ist damit nicht, dass Iran Hormus als Druckmittel benutzt. Neu ist die kaum noch verhüllte Verbindung zwischen freier internationaler Schifffahrt und politischen Zugeständnissen Washingtons.
IRGC-Sprecher Hossein Mohebbi behauptete am Mittwoch, Iran und Oman hätten nach rund einem Monat Verhandlungen Ergebnisse erzielt, die für beide Seiten akzeptabel seien. Dabei gehe es um die jeweiligen Anteile an den Gewässern der Straße von Hormus und sogar um die Verteilung von Einnahmen. Anschließend formulierte er das iranische Ultimatum: Sollten die USA Teherans Bedingungen nicht akzeptieren, werde die Meerenge „unter keinen Umständen“ geöffnet.
Welche Bedingungen gemeint sind, ist inzwischen ebenfalls bekannt. Iran verlangt nach Reuters-Angaben unter anderem ein Ende der amerikanischen Blockade iranischer Häfen, die Aufhebung von Sanktionen und Entschädigungen. Aus der internationalen Schifffahrtsroute wird damit in der Argumentation Teherans ein politisches Pfand: Washington soll Zugeständnisse machen, dann darf der Welthandel wieder passieren.
Genau darin liegt die nächste Eskalationsstufe der iranischen Hormus-Strategie.
Teherans angebliches Abkommen zerfällt schon bei genauerem Hinsehen
Nicht einmal die iranische Darstellung eines bereits erzielten Abkommens mit Oman ist belastbar. Nur kurze Zeit nach den Aussagen der Revolutionsgarden erklärte eine hochrangige iranische Quelle gegenüber Reuters, eine endgültige Vereinbarung existiere noch gar nicht. Beide Staaten arbeiteten weiterhin an den Einzelheiten.
Teheran verkündet also bereits Bedingungen für die Wiederöffnung einer Meerenge auf Grundlage eines Abkommens, das nach Aussage aus den eigenen Reihen noch nicht abgeschlossen ist.
Noch deutlicher wird der Widerspruch beim Blick auf Oman. Maskat erklärte am 23. Juni gemeinsam mit Iran ausdrücklich, die Straße von Hormus müsse eine sichere und offene Wasserstraße für die internationale Schifffahrt bleiben. Einen Tag später teilte das omanische Außenministerium mit, es arbeite gemeinsam mit der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation an einem Transitkorridor. Dabei wurde ausdrücklich festgehalten, dass die Freiheit der Schifffahrt ohne Transitgebühren gewährleistet werden solle.
Das passt nur schwer zu Mohebbis Behauptung, Iran und Oman hätten sich nun über ihre jeweiligen „Einnahmen“ aus der Meerenge verständigt.
Natürlich besitzt Oman ebenso wie Iran Hoheitsrechte in seinen Territorialgewässern. Daraus folgt aber nicht das Recht, eine international genutzte Meerenge gemeinsam zum politischen Kassenhäuschen zu erklären. Oman kann Iran auch keine Befugnis übertragen, die internationale Transitpassage davon abhängig zu machen, ob die USA Sanktionen aufheben oder andere politische Forderungen Teherans erfüllen.
Ein bilaterales Arrangement zwischen zwei Küstenstaaten macht aus der Straße von Hormus kein gemeinsames Privateigentum.
Genau diese Grenze verwischt die iranische Propaganda, wenn Mohebbi erklärt, die Straße „gehöre“ Iran und Oman.
Freie Schifffahrt gibt es nicht als Belohnung für Wohlverhalten gegenüber Teheran
Der Vorgang lässt sich mit einer einfachen Gegenprobe verdeutlichen. Würden andere Staaten ihre Kriegsschiffe vor iranischen Häfen positionieren und erklären, Handelsschiffe dürften Iran erst wieder erreichen, wenn Teheran bestimmte politische Forderungen erfüllt und entsprechende Zahlungen leistet, würde die Islamische Republik dies kaum als legitime Verkehrsregelung bezeichnen.
Sie würde von Blockade, Zwang und einem Angriff auf ihre wirtschaftlichen Rechte sprechen.
Nichts anderes macht die iranische Forderung nach einer politisch erkauften Öffnung von Hormus akzeptabler.
Eine internationale Meerenge ist kein Mauttor der Revolutionsgarden. Das gilt unabhängig davon, ob Teheran seine Forderungen als Gebühren, Dienstleistungen, Sicherheitskosten, Entschädigungen oder Bestandteil eines neuen Abkommens bezeichnet.
haOlam hatte bereits am Dienstag darauf hingewiesen, dass genau diese sprachliche Verschiebung entscheidend ist. Natürlich können für tatsächlich erbrachte Leistungen wie Lotsendienste oder andere konkrete maritime Dienstleistungen Kosten entstehen. Etwas völlig anderes ist es jedoch, wenn Zahlungen, Genehmigungen und politische Bedingungen faktisch Voraussetzung dafür werden, eine internationale Verkehrsader überhaupt benutzen zu können.
Jetzt machen die Revolutionsgarden deutlich, wohin dieses System führen soll.
Nicht nur Schiffe sollen sich iranischen Regeln unterwerfen. Washington soll politisch nachgeben.
Wer Entschädigung fordert, kann die iranische Rechnung nicht ausblenden
Besonders bemerkenswert ist Teherans Forderung nach Entschädigungen. Über konkrete Kriegsschäden und mögliche völkerrechtliche Ansprüche kann gestritten und gegebenenfalls in dafür vorgesehenen Verfahren entschieden werden. Was Iran jedoch nicht glaubwürdig tun kann, ist sich selbst als geschädigte Partei darzustellen und dabei die jahrzehntelange Finanzierung und Bewaffnung eigener Stellvertreter aus der Rechnung zu streichen.
Das amerikanische Außenministerium bezeichnet Iran seit Jahren als staatlichen Unterstützer des Terrorismus und dokumentiert die iranische Unterstützung unter anderem für Hisbollah, Hamas, den Palästinensischen Islamischen Dschihad und die Houthis. Das US-Finanzministerium erklärte zudem im November 2025, die Quds-Brigaden hätten allein seit Januar jenes Jahres mehr als eine Milliarde Dollar an die Hisbollah transferiert. Noch am 20. August 2026 wurden weitere Strukturen sanktioniert, über die bis zu Hunderte Millionen Dollar für die Terrororganisation bewegt worden sein sollen.
Eine seriöse Gesamtsumme aller durch iranisch unterstützte Terrororganisationen verursachten Schäden lässt sich daraus nicht einfach ableiten. Aber wenn Teheran selbst Entschädigungsforderungen zum Bestandteil seiner Hormus-Bedingungen macht, gehört auch diese Seite auf den Tisch.
Iran kann nicht jahrzehntelang Raketen, Drohnen, Geld und Ausbildung an bewaffnete Stellvertreter liefern und anschließend so auftreten, als beginne jede Schadensrechnung ausschließlich bei den Folgen des Krieges für die Islamische Republik.
Die jüngste Erklärung der Revolutionsgarden zeigt deshalb vor allem eines: Aus dem gestern noch diskutierten Gebühren- und Kontrollmodell wird heute ein offen ausgesprochenes politisches Ultimatum.
Vor dem Krieg liefen etwa 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte durch die Straße von Hormus. Der Großteil des Verkehrs ist seit Februar zum Erliegen gekommen, Energiepreise sind gestiegen und Reedereien müssen mit erheblichen Risiken kalkulieren. Teheran weiß genau, welchen Hebel es damit besitzt.
Doch ein großer Hebel schafft noch kein Recht.
Wenn Iran erklärt, die Welt dürfe eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten erst wieder vollständig nutzen, wenn Washington seine Bedingungen akzeptiert, sollte man das nicht als großzügiges iranisches Angebot zur Wiederöffnung beschreiben.
Es ist der Versuch, freie internationale Schifffahrt gegen politische Zugeständnisse einzutauschen.
Und daran ändert auch ein Abkommen mit Oman nichts.

