„Wunderwaffen der Nazis“, die geplante Bombardierung New Yorks und die UFOs

  • von Roland M. Horn

Bildquelle: https://nationalinterest.org/blog/buzz/horten-ho-xviii-flying-wing-bomber-nazi-germany-planned-use-bomb-new-york-53452 nach Wikipedia

Sebastien Roblin, der einen Master-Abschluss in Konfliktlösung von der Georgetown University erhalten hat, Universitätslehrer für das Peace Corps in China sowie in Frankreich und den USA in den Bereichen Bildung, Redaktion und Umsiedlung von Flüchtlingen tätig war und derzeit über Sicherheit und Militärgeschichte für die Seite War is boring schreibt, schreibt am 20.04.2019 – zufällig (?) am berüchtigten „Führer-Geburtstag“ auf der Seite The National Interest einen Artikel mit dem Titel The Horten Ho. XVIII: The Flying Wing Bomber Nazi Germany Planned to Use to Bomb New York, dass Hermann Göring im, Jahr 1942 in seiner Eigenschaft als deutscher Luftwaffenchef  die Anforderungen für den Amerika-Bomber – einen strategischen, Bomber, der der eine Rundreise von 7.200 Meilen über den Atlantik schaffen können soll – entwarf – und fragt sich, ob es ganze nur ein Traum war. Jedenfalls habe Göring Anfang 1938 erklärt:

„Mir fehlen völlig die Bomber, die mit einer 4,5-Tonnen-Bombenladung nach New York fliegen können. Ich würde mich sehr freuen, einen solchen Bomber zu besitzen, der endlich die Grimasse des Hochmuts über das Meer schweifen lässt. “

Gerüchte kursierten und kursieren ja genug über eine angebliche Wunderwaffe, welcher Art auch immer, die  Hitler während des 2. Weltkriegs in der Hinterhand hätte oder am Entwickeln gewesen sei. Treffend bemerkt Roblin:

„Die Abzweigung wertvoller Produktionsressourcen zu so vielen experimentellen Technologien spiegelte eine fast größenwahnsinnige Tendenz wider, zu glauben, die Wissenschaft könne die materiell unhaltbare Position des nationalsozialistischen Deutschlands gegen die kombinierte Macht der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs ausgleichen.“

Die Dezentralisierung der deutschen Militärforschung habe dazu geführt, dass Geld in zahlreiche konkurrierende Projekte geflossen seien, anstatt es effizient für schnellere und konkretere Ergebnisse einzusetzen.

Roblin zählt die drei bekannten Prototypen schwerer Bomber auf, die diesen Zweck erfüllen sollten: die Junkers Ju-390, die Messerschmitt Me-264 und die Heinkel He-277. Prototypen der Me 264 und der JU-390 wurden zwar geflogen, doch keiner von ihnen gelangte in die Massenproduktion. Außerdem begannen Nazi-Wissenschaftler, ballistische Interkontinentalraketen, einen bemannten suborbitalen Raketenträger – den Silbervogel – und Huckepackflugzeug zu entwickeln, um Interkontinentalflüge durchzuführen, ohne dass viel von ihm zu sehen sein würde.

Roblin schreibt, dass im Jahr 1944 das Luftfahrministerium eine überarbeitete Anforderung für Bomber mit einer Reichweite von beinahe 11.000 Kilometern und einer Bombenlast von fast 4000 Kilogramm herausgegeben habe. Und jetzt kommen Reimar und Walter Horten ins Spiel. Roblin schreibt:

„Nachdem andere deutsche Firmen keine tragfähigen Designkonzepte anboten, schlugen die Brüder Horten im Dezember 1944 ihre eigene Idee vor: Nurflügler, der von sechs Jumo 004B-Turbojets angetrieben wird, die auf der Rückseite der Rumpfkapsel eingebettet sind. Diese wurden von denselben Triebwerken abgeleitet, die damals auf deutschen Me-262-Düsenjägern eingesetzt wurden.

Die Horten XVIIIA war praktisch ein Nebenprodukt des steifen Nurflügler-Düsenjägers Ho 229 der Horten-Brüder. Obwohl sie aufgrund des Fehlens von Heckstabilisatoren aerodynamisch instabil sind, erzeugen Nurflügler sehr wenig Luftwiderstand und ermöglichen so höhere Geschwindigkeiten.“

Weiter stellt er fest:

„Nurflügler bieten sich auch für kleine Radarquerschnitte an. Nach dem Krieg behauptete Reimar Horten, er habe die Ho 229 absichtlich mit radarabsorbierendem Sperrholz als Stealth-Flugzeug konstruiert. Obwohl es keine schriftlichen Beweise dafür gibt, dass die Nazis das Stealth-Potenzial des Ho 229 während des Krieges erkannt haben, haben Tests gezeigt, dass Horten-Designs einen geringfügig verringerten Radarquerschnitt aufwiesen, was die Reichweite der Radarerkennung verringert hätte.

Selbst als amerikanische Truppen über die Ludendorff-Brücke in Remagen nach Nazideutschland strömten, wollte Göring immer noch seinen Amerika-Bomber und genehmigte den Entwurf im Februar 1945 – jedoch wollte er, dass die Brüder den Düsenjäger vom Komitee mit Ingenieuren von Junkers und Messerschmitt bauten. Diese neuen Mitglieder wollten trotz der daraus resultierenden Erhöhung des Luftwiderstands große vertikale Heckflossen installieren.“

Reimar Horten war über die Verwässerung seines Konzepts derart verärgert, dass er eigenständig einen neuen 35-Tonnen-Fliegerbomber namens Ho XVIIIB entwarf. Der hatte eine dreiköpfige Besatzung, die unter einer gewaltigen Luftblasenhaube untergebracht war. „Zwei große nicht versenkbare Unterflügel-Fahrwerksvorrichtungen waren an jeweils zwei HeS 011-Turbinenstahltriebwerken angebracht.“

Dieses neue Ungeheuer soll nun so viel Treibstoff in seinen Flügeln gehabt haben, um auf seinen 17-stündigen Rundtouren New York angreifen zu können. Es soll in er Lage gewesen sein, eine Höchstgeschwindigkeit von 850 Stundenkilometern und  mit einer Obergrenze von 16 Kilometern höher und schneller zu fliegen als die schnellsten Kolbenmotorjäger der USA in jener Zeit. Horten empfahl, zwei am Bauch montierte 30-Millimeter-Autokononen zur Selbstverteidigung einzubauen. Toblin schreibt weiter:

„Die Kombination aus Geschwindigkeit und verringerter Radarerkennungsreichweite hätte es sehr schwierig gemacht, den Horten-Amerika-Bomber abzufangen. Tatsächlich wissen wir, dass das Konzept des fliegenden Düsenbombers durchführbar war, da zwei Jahre später das US-amerikanische Unternehmen Northrop Test mehrere YB-49-Prototyp-Flugflügel mit einer Reichweite von 9.000 Meilen [fast 15.500 Kilometer] flog.

Die YB-49 war zweiundfünfzig Meter breit und wurde von sechs in den Heckflügeln eingebetteten Turbostrahltriebwerken angetrieben. Obwohl die YB-49 nicht in Dienst gestellt wurde, hat sie möglicherweise Northrops spätere Entwicklung des B-2 Spirit-Stealth-Bombers, der heute der US-Luftwaffe dient, beeinflusst.“

Tatsächlich schafften es die Horten-Brüder Roblin zufolge, Göring davon zu überzeugen,  den Ho XVIIIIB dem A-Modell vorzuziehen, so dass die Produktionsaufnahme im Sommer oder Herbst 1945 genehmigt wurde, doch zu dieser Produktion kam es nicht mehr, denn Nazi-Deutschland ergab sich, wie wir wissen, Anfang Mai jenes Jahres. Robin schreibt weiter:

„Selbst wenn die Nazis es irgendwie geschafft hätten, die Ho XVIII zu bauen, hätte ihr Plan ein riesiges Problem gehabt: Es gibt kaum einen Grund zu der Annahme, dass ein paar Überfälle auf amerikanische Städte irgendwelche nützlichen militärischen Auswirkungen gehabt hätten. Hunderte von amerikanischen strategischen Bombern, die sich in der Nähe des Vereinigten Königreichs aufhalten, mussten Tausende teurer Angriffe durchführen, um die deutsche Kriegswirtschaft in irgendeiner Weise in Mitleidenschaft zu ziehen, und Wirtschaftsminister Albert Speer gelang es trotz der enormen Bombenladung der alliierten Bomber, die Produktion deutscher Fabriken bis Kriegsende zu steigern.

Roblin fragt sich, wie eine Handvoll Angriffe durch Nazi-Bomber die riesige US-Kriegswirtschaft ernsthaft hätte schädigen können und kommt zu dem Schluss:

„Vielleicht haben die Nazis fälschlicherweise mit einer politischen Wirkung gerechnet. Um ehrlich zu sein, hatte der materiell ineffektive Doolittle-Überfall von 1942 Japan veranlasst, erhebliche Ressourcen aus seinen offensiven Operationen in die Innenverteidigung umzuleiten. Vielleicht hoffte Göring, dass ein paar Überfälle die USA dazu veranlassen würden, ihre Truppen von Europa abzudrängen oder die angeblich “weiche” demokratische Bürgerschaft dazu motivieren würden, den Rückzug der USA zu fordern.

Dies hat jedoch nicht nur die amerikanische Entschlossenheit falsch eingeschätzt, sondern auch die enormen Überkapazitäten, die die Vereinigten Staaten hatten, um sowohl ihre Heimatverteidigung als auch ihre Kriegsführung in Übersee aufzubauen. Beispielsweise löste ein U-Boot-Einsatz der Nazis, der darauf abzielte, Druck auf die Ostküste der USA auszuüben, im letzten Kriegsmonat eine massive US-Gegenblockade namens Operation Teardrop aus, ohne den Vormarsch der USA nach Deutschland im geringsten zu verlangsamen.“

Roblin zufolge hätte es nur ein, und dazu noch erschreckendes, Szenario gegeben, in dem der Amerikabomber Erfolg gehabt hätte, nämlich dann, wenn NAZI-Deutschland die Entwicklung seiner eigenen Atomwaffen abgeschlossen hätte. Dann wären nämlich sogar ein oder zwei Bomber in der Lage gewesen, den Ostküstenstädten der USA Schäden von apokalyptischen Ausmaß  zuzufügen. Doch Roblin gibt zu bedenken, dass sogar dann derartige strategische Angriffe die gewaltigen alliierten Armeen, die die deutsche Wehrmacht bereits mächtig unter Druck gesetzt hatte, nicht hätte aufhalten können, und zudem hätte dies sicher zu nuklearen Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten geführt.

„Hitlers Tarnkappenjäger“: War das Flugzeug wirklich „stealth“?“ fragt sich Sputnik.de am 20.01.2020 unter Bezugnahme auf Roblins Artikel. Hier wird etwas wild auf- und abgerundet, wenn es heißt:

„3 x 1000 musste das Kampfflugzeug leisten, das Luftwaffenchef Hermann Goering 1943 in Auftrag gegeben hatte: Die Maschine hatte 1000 Stundenkilometer schnell mit 1000 Kilogramm Waffenlast auf 1000 Kilometer Entfernung zu fliegen[…]“

und gleichzeitig das Ziel wesentlich bescheidener dargestellt, wenn weiter gesagt wird:

„[…]um Ziele in England treffen und jedem Abfangjäger entwischen können, so der Plan.“ (Hervorhebung RMH).

Sputnik betont aber die „Tarnkappenjägerfrage, wenn es schreibt:

„Es gibt keine Unterlagen aus den 1940ern, die belegen würden, dass die Nurflügler der Gebrüder Horten als Stealth-Flugzeuge ausgelegt sein sollten. Wohl aber gibt es andere Hinweise: Die beiden Entwickler sollen gestaunt haben, dass die Konstruktion eines Nurflüglers als solche schon zur Verringerung der Radarsignatur führt. Reimer Horten verfasste in den 1950ern einen Fachartikel, indem er behauptete, Flugzeuge aus Holz würden Radarstrahlen absorbieren.

Dreißig Jahre danach, als die Stealth-Technologie bereits weitläufig bekannt geworden war, schrieb Reimer, er habe ursprünglich versucht, aus dem Nurflügler ein Tarnkappenflugzeug zu machen. Er habe bei der Konstruktion eine radarabsorbierende Spezialmischung aus Kohlenstoff, Sägemehl und Holzkleister verwendet.“

Letztlich kommen die Autoren des Sputnik-Artikels jedoch zu einem ernüchternden Schluss:

„2008 rekonstruierte der US-Konzern Northrop Grumman ein Mockup der Ho-229. Getestet auf den Radarquerschnitt, zeigte der Nurflügler eine nur unwesentlich bessere Tarnkappenfähigkeit als eine Messerschmitt Bf 109.“

Sehr interessant ist aber eine Aussage, die besagt:

Bald bekam die Firma Gotha einen Auftrag zum Bau von 40 solchen Flugzeugen. Die ersten Tests der serienmäßig gebauten Maschinen fanden im Februar 1945 statt, aber schon im April wurde Friedrichroda, wo die Ho IX gebaut wurden, von den Alliierten besetzt. Einzelne Exemplare dieses Modells wurden von den Amerikanern beschlagnahmt.

Roblin sagt allerdings, die Behauptungen von der „Unsichtbarkeit“ dieser Maschine seien stark übertrieben. Aber nach dem „Nurflügel“-Schema gebaute Flugzeuge seien tatsächlich weniger sichtbar für Radare, räumt der Autor ein. „Dennoch wurde die Überlegenheit gegenüber Gegnern gegebenenfalls nicht dank der ‚Unsichtbarkeit‘ der Ho IX, sondern dank ihrer Schnelligkeit erreicht. Die Zeit, in der ein Flugzeug geortet wird, ist nicht so wichtig, wenn es schneller als das jeweilige Abfangflugzeug ist“, so der Autor.

Abgesehen von der Tarnkappenfähigkeitsfrage ist interessant, dass die Alliierten einige Exemplare der Horten IV – gleichbedeutend mit der Horten Ho 229 –  erbeuteten. So ist auch naheliegend, dass auch Konstruktionspläne für die Horten XVIIIIB in die Hände der Amerikaner gelangt sind. Und wenn die Amerikaner Modelle und Flugzeuge der Horten-Nurflügler-Modelle hatten, ist dann nicht anzunehmen, dass sie sie weiterentwickelt haben, zumal allem Anschein nach auch deutsche Wissenschaftler aus Nazi-Deutschland mitgenommen worden sind, wie ich im Artikel Projekt Paperclip und die UFOs belege? Im gleichen Artikel stelle ich die Vermutung an, dass die berühmte UFO-Sichtung des Kenneth Arnold (ich berichte ausführlich über die Kenneth-Arnold-Sichtung in meinem Buch Angriff aus dem Superspektrum: John A. Keel und der Stein der Weisen) im Juni 1947 durch Probeflüge weiterentwickelter Nurflügler (und ebenfalls im Reich entwickelten „Flugscheiben“ (die meinen Informationen zufolge nach Zeugenaussagen unter den Nazis lediglich ein paar Meter hoch schweben konnten, s. mein Buch UFOs, Roswell und der letzte Vorhang: Jacques Vallée auf der Spur des UFO-Phänomens. Über die Ähnlichkeit eines der von Kenneth Arnold gesichteten Objekte und der Horton Ho-229 (die von mehr oder weniger scheibenförmigen Objekten begleitet wurde), berichte ich ausführlich in meinem Buch Freimauer im Weltraum. Kostenlose Basis-Informationen zu diesem Thema finden sie in meinem Artikel Vier Sichtungen – eine (unkonventionelle) Erklärung? Auf Arnolds Sichtung folgte eine ganze Reihe von Beobachtungen sogenannten Fliegenden Untertassen. Sind am Ende Testflüge von den Vereinigten Staaten weiterentwickelten deutscher Prototypen zumindest für die erste große UFO-Sichtungswelle über den Vereinigten Staaten ab 1947 verantwortlich?

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