(zum Beitragsbild oben: Symbolbild / KI)
Ein in Gaza erbeutetes Dokument zeigt, wie Hamas selbst eine Feuerpause nicht als Schritt zur Ruhe verstand, sondern als Gelegenheit zum Wiederaufbau. Während im Ausland über Deeskalation gesprochen wurde, bereitete sich die Terrororganisation laut den Unterlagen bereits auf die nächste Runde vor.
Wer noch immer so tut, als seien Waffenruhen mit der Hamas automatisch ein Fenster für Stabilisierung, muss sich diesen Vorgang sehr genau ansehen. Nach einem am 19. Mai veröffentlichten Bericht über ein von israelischen Truppen bereits Anfang 2025 in Gaza sichergestelltes Hamas Dokument nutzte die Terrororganisation eine Feuerpause gezielt, um neue Kämpfer auszubilden und ihre zerschlagenen Strukturen wieder aufzubauen. Beschrieben wird ein komprimierter Sieben-Tage-Kurs für 121 neue Rekruten des Schadschaija-Bataillons. Auf dem Plan standen demnach nicht nur Waffenübungen, Erste Hilfe im Gefecht und der Umgang mit Drohnenabwehr, sondern auch operative Lehren aus dem Massaker vom 7. Oktober und Vorgaben für psychologische Kriegsführung in sozialen Medien.
Schon die Struktur dieses Programms spricht Bände. Eine Terrororganisation, die eine Feuerpause für nur eine Woche verdichtete Ausbildung nutzt, denkt nicht in Kategorien von Entspannung, humanitärer Erholung oder politischer Neuordnung. Sie denkt in der Logik des nächsten Angriffs. Die Ausbildung wurde laut dem Bericht gerade deshalb in ein extrem enges Zeitfenster gepresst, weil Hamas selbst offenbar befürchtete, die Feuerpause könne jederzeit zusammenbrechen. Das ist ein besonders aufschlussreicher Punkt. Hamas handelte also nicht aus Vertrauen in einen dauerhaften Waffenstillstand, sondern aus dem Bewusstsein, dass jede ruhige Phase nur vorübergehend sein könnte und militärisch maximal ausgeschlachtet werden müsse.
Besonders schwer wiegt, was dort konkret gelehrt worden sein soll. Die Rekruten wurden dem Bericht zufolge an M16-Gewehren und Tavor-Sturmgewehren geschult, also ausdrücklich auch an in Israel gängigen Waffentypen. Hinzu kamen Übungen für Angriffe auf Panzer und gepanzerte Fahrzeuge aus kurzer und längerer Distanz. Das ist keine improvisierte Basteltruppe, die in einem zerstörten Gebiet irgendwie überleben will. Das ist der Versuch, kampffähige Zellen wiederherzustellen, die gezielt gegen israelische Streitkräfte eingesetzt werden sollen. Wer angesichts solcher Inhalte noch von einer bloßen politischen Bewegung sprechen will, betreibt Realitätsverweigerung. Hamas bleibt, was sie ist: eine Terrororganisation mit militärischem Kern, die jede Atempause in Vorbereitung auf neue Gewalt ummünzt.
Noch aufschlussreicher ist die Verbindung von Ausbildung und Propaganda. Laut dem Bericht sah das Programm auch die Dokumentation von Kampfeinsätzen für spätere Verbreitung in sozialen Netzwerken vor. Das zeigt die doppelte Kriegsführung der Hamas. Sie will nicht nur schießen, töten und angreifen. Sie will diese Gewalt zugleich in Bilder übersetzen, die ihre Anhänger mobilisieren, Gegner einschüchtern und westliche Öffentlichkeiten manipulieren. Die Kamera ist für Hamas nicht Nachbereitung, sondern Teil des Einsatzes. Das ist entscheidend, weil es erklärt, warum so viele Bilder aus Gaza nie einfach nur dokumentieren, sondern von Beginn an in eine psychologische Operationslogik eingebettet sind.
Ein weiterer zentraler Befund betrifft den Wiederaufbau der Kommandostrukturen. Im Bericht wird der Hamas Kommandeur Izz ad Din al Haddad als treibende Kraft genannt, die Führungsfähigkeit auf Zug, Kompanie und Bataillonsebene wiederherzustellen versuchte. Nach den massiven israelischen Schlägen auf die Führungsketten der Terrororganisation ist genau das der neuralgische Punkt. Eine Organisation kann Waffen verlieren und trotzdem gefährlich bleiben. Sie kann Tunnel verlieren und trotzdem weiterkämpfen. Entscheidend ist, ob sie fähig bleibt, Menschen zu führen, Einheiten zu ordnen und Befehle wirksam nach unten durchzugeben. Wenn Hamas in der Feuerpause genau dort investierte, dann zeigt das, dass sie nicht nur neue Rekruten sammeln, sondern wieder als geschlossene militärische Kraft funktionieren wollte.
Hinzu kommt die ideologische Schulung. Die Rekruten erhielten demnach nicht nur technische Einweisung, sondern auch religiös ideologische Lektionen und mussten einen Treueeid auf die Kassam-Brigaden ablegen. Gehorsam, Schutz der Ausrüstung und Informationssicherheit wurden hervorgehoben. Das ist wichtig, weil es den Kern des Hamas-Systems offenlegt. Diese Organisation besteht nicht nur aus bewaffneten Männern, sondern aus einer Mischung aus Fanatisierung, strenger Disziplin und totaler innerer Abschottung. Wer den militärischen Arm der Hamas schwächen will, muss deshalb verstehen, dass Nachschub an Menschen dort nicht nur rekrutiert, sondern weltanschaulich verhärtet wird. Feuerpausen bieten dafür ideale Bedingungen, weil der unmittelbare Kampfdruck sinkt, ohne dass das strategische Ziel aufgegeben wird.
Israels Sicherheitsbewertung, dass dieses Modell wahrscheinlich auch in anderen Bataillonen angewandt wurde, passt zu einem größeren Bild. Bereits Anfang 2025 berichteten andere Quellen, dass Hamas trotz der enormen Verluste weiter rekrutierte und ausbildete. Asharq Al Awsat verwies schon im Januar 2025 auf Aussagen aus Hamas-Kreisen, wonach tausende neue Kämpfer aufgenommen und geschult worden seien. Hinzu kommen aktuelle internationale Berichte über das zentrale Problem jeder Gaza-Regelung: die Entwaffnung der Hamas. AP und Reuters berichteten in den vergangenen Wochen, dass Waffenruhe und Wiederaufbau immer wieder genau an dieser Frage festhängen, weil Hamas sich nicht entmilitarisieren will. Das jetzt bekannt gewordene Dokument fügt sich deshalb nicht als isolierte Episode ein, sondern als konkreter Beleg für ein Muster, das Israel seit langem beschreibt.
Politisch ist die Schlussfolgerung bitter, aber eindeutig. Jede Debatte über Feuerpausen, Übergangsmodelle oder humanitäre Arrangements in Gaza bleibt Illusion, wenn der militärische Kern der Hamas unangetastet bleibt. Der Westen redet bei jeder Waffenruhe gern über Versorgung, Wiederaufbau und diplomatische Horizonte. Hamas redet intern offenbar über Schusswaffen, Anti-Panzer-Taktik, Drohnenabwehr und die nächste propagandistische Verwertung von Gewalt. Genau diese Asymmetrie ist das Problem. Israel verhandelt immer wieder unter dem Druck internationaler Erwartungen an Zurückhaltung und humanitäre Öffnung. Hamas nutzt dieselben Momente, um sich unterhalb dieser Debatte neu zu ordnen.
Das Dokument ist deshalb vor allem ein Schlag gegen eine bequeme Lüge. Nämlich gegen die Vorstellung, Terrororganisationen würden automatisch pragmatischer, sobald die Waffen kurz schweigen. Bei Hamas ist das Gegenteil der Fall. Ruhe wird zur Ressource. Zeit wird zu Ausbildung. Atempause wird zu Vorbereitung. Wer daraus keine Konsequenzen zieht, lädt die nächste Eskalation praktisch mit ein. Israel kann sich einen solchen Selbstbetrug nicht leisten. Und der Westen sollte endlich aufhören, Hamas so zu behandeln, als sei sie im Kern ein politischer Akteur mit ein paar bewaffneten Auswüchsen. Sie ist im Kern eine bewaffnete Terrororganisation, die Politik, Religion, Propaganda und soziale Kontrolle nur dafür benutzt, ihre Gewalt langfristig zu sichern.

