* von Michael van Laack (Philosophia Perennis)

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Nazi-Vergleiche verbieten sich, heißt es immer wieder besonders aus den Milieus, in denen sich die Aufrechten und Anständigen tummeln, die „unsere Demokratie“ verteidigen, wenn in den verbalen Gefechten zwischen Geimpften und Ungeimpften mehr oder weniger schräge historische Bezüge die Runde machen. Wie aber sieht es mit einem KZ-Überlebenden aus? Darf der das? Oder verbietet sich einer Person wie ihm in besonderem Maß, die „Einmaligkeit“ von vielem zu entwerten, was während der Non-Vogelschiss-Periode geschah? Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

In Deutschland erleben wir in dieser Frage allerdings immer zweierlei Maß. Während bestimmte Vergleiche (wie z. B. jener zwischen Höcke und Goebbels) oder die Bezeichnung der AfD als „zutiefst nationalsozialistische Partei“ regelmäßig virtuellen Beifall auf offener Szene gerieren und auch im Bundestag von dessen Präsidium kaum gerügt werden, geht der Vergleich des Infektionsschutzgesetzes mit dem „Ermächtigungsgesetz“ selbstverständlich gar nicht.

Auch der Hinweis „Ungeimpfte unerwünscht“ vor manchen Ladenlokalen mit Schildern an Ladentüren des 3. Reichs (wenn auch nur der Form nach) in einen Zusammenhang zu stellen, wird als absolutes No-Go empört zurückgewiesen.

Ehemaliger Dachauer KZ-Häftling warnt vor der Rückkehr dunkler Geister

Der 97-jährige Nick Hope, der bei seiner Geburt in der Ukraine Nikolai Choprenko hieß, wurde 1942 als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt und zur Munitionsproduktion in einer Münchener Fabrik eingesetzt. Für eine Explosion in diesem Werk machte man ihn mitverantwortlich, weswegen er in das KZ Dachau überstellt wurde, in dessen Außenlager Allach er erneut unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit im dortigen BMW leisten musste.

Als die Nazis 1945 das Außenlager räumen, schicken sie tausende Häftlinge auf einen Todesmarsch. Beim Eintreffen der Alliierten und der Beendigung dieses Marsches wieg Nick Hope noch knapp 40 kg.

In den vergangenen Jahrzehnten war Hope ein begehrter Gesprächspartner der KZ-Gedenkstätte Dachau und anderer Institutionen, die das Gedächtnis des Holocaust und der Verfolgung anderer Gruppen im 3. Reich aufrechterhalten.

Ist Hitlers Machtverständnis zurück?

Vor einigen Tagen nun hat sich der 97-jährige mit einer Kurzbotschaft an die Öffentlichkeit gewandt, in der er vor einer Rückkehr des Hitlerschen Machtverständnis in Österreich warnt und sich auch besorgt über die Zukunft seiner Wahlheimat USA geäußert.

In linken Twitterblasen in den USA herrscht riesige Empörung, im deutschsprachigen Raum ist seine Botschaft weitgehend unkommentiert geblieben.

Aus meiner Sicht verdient diese Botschaft allerdings weitere Verbreitung, besonders mit Blick auf das, was sich aktuell im österreichischen Machtgefüge nach dem Rücktritt von Kurz als Kanzler und vor allem nach seinem vollständigen Rückzug aus der Politik tut.

Zweifellos werden manche nun behaupten, dieser arme alte Mann sei wohl von bösen rechten Christen (denn er fordert ja am Ende auch zum Gebet auf), instrumentalisiert worden. Dies dürften vor allem jene aus dem politischen Betrieb machen, denen Instrumentalisierung zur zweiten Natur geworden ist und die deshalb in anderen all das Schlechte vermuten, das sie selbst erfüllt.

Der Beitrag erschien zuerst auf WISSEN BLOGGT. Dem Autor Michael van Laack möchte ich an dieser Stelle im Namen aller Leser von PP gute Besserung wünschen.