Wie geht es Dir?

Ich hab da ein ganz ungutes Gefühl, nämlich dass es uns allen deutlich schlechter geht, als wir es zugeben.

Durch Corona haben wir uns immer mehr in die sozialen Netzwerke verabschiedet. Dort aber ist es so, dass wir niemals unsere Schwächen zeigen und unsere Niederlagen kommunizieren. Auf Instagram gibt es immer nur perfekte Bilder, auf Facebook immer nur erfolgreiche Geschichten. Alles ist Inszenierung und dazu noch eine geschönte.

Was ist, wenn es uns allen doch nicht so gut geht, wie wir es uns gegenseitig auf den sozialen Netzwerken glaubhaft machen wollen?

Ich arbeite auf der Bühne und vor Publikum. Ich habe Freundinnen und Freunde in der Szene, die schreiben über den Neuanfang nach dem Lockdown. Sie berichten begeistert über ihre erfolgreichen Auftritte, die sie zweifelsohne haben, aber ich höre auch von Kolleginnen und Kollegen, dass es neben den schönen, erfolgreichen Auftritten auch deutlich mehr Auftritte gibt, die ausfallen oder abgesagt werden müssen, weil kaum jemand kommt.

Ich sehe, dass immer weniger Menschen im Theater an der Theke oder im Foyer verweilen, um mit den anderen Gästen über das Theatererlebnis zu sprechen. Der Austausch unter den Gästen hat spürbar abgenommen. Die Leute kommen getrennt und gehen getrennt. Sie kommen kurz vor dem Beginn der Aufführung und gehen sofort nach der Aufführung. Das Theaterleben ist nicht mehr so, wie es vor Corona war.

Viele Menschen sind immer noch auf Distanz. Nicht wenige Theater machen sich Sorgen um ihre Existenz. In den sozialen Netzwerken aber sehe ich überwiegend nur Bilder von glücklichen und zufriedenen Menschen. Irgendwas in mir sagt, dass das nicht stimmt.

Darum meine Frage: Wie geht es Dir?

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Wer mir antworten möchte, kann dies tun unter: gerdbuurmann@hotmail.de

Mir ging es eine Zeit lang sehr schlecht. Ich habe in meinem Umfeld versucht, aufzuklären, bin auf Demos und Mahnwachen gegangen, habe mich als Nazi und rechts beschimpfen lassen, wurde von Polizei und Ordnungsamt schikaniert. Ich habe sehr, sehr viel geweint.

Und auch heute begreife ich es immer noch nicht, wie eine Gesellschaft es zulassen kann, dass ihre Kleinsten und Schwächsten Masken tragen müssen, dass ihre Alten in Isolation vegetieren und sterben mussten. Das zerreißt mir immer noch das Herz.

Ich möchte mit einer Gesellschaft, die solch Unmenschliches zulässt, nichts mehr zu tun haben. Ich habe mich aus dieser Gesellschaft zurückgezogen, habe nur noch Kontakt zu Gleichgesinnten. Damit geht es mir wesentlich besser.

Vor Corona habe ich gerne Veranstaltungen besucht, nun nicht mehr. Um Zutritt zu bekommen, möchte ich niemandem beweisen müssen, dass ich Corona negativ bin. Ehrlich, so etwas mache ich einfach nicht mit.

Ja, ich bewege mich fast ausschließlich nur noch in meiner Blase, aber ich muss tun, was mir gut tut.

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Schlecht, weil es mich an den Frühsommer 1989 erinnert. Bleib in deiner Blase! Überlege, wem du was sagst! Heute gilt: Überlege, wo du was schreibst! Ja, du kannst als Freidenker denken, was du willst, aber nicht sagen. Und wenn du es doch tust, warst du früher der Klassenfeind, heute rechts. Dabei war ich immer liberal.

Schlecht, weil meine Bemühungen, andere zum Nachdenken zu bewegen, gescheitert sind.

Schlecht, weil, da gäbe es einiges, gut, weil ich mich von allen getrennt habe, von XING, Telegram, Signal, Instagram, weil wir wieder wandern gehen, solange bis man am Waldeingang einen Test vorzeigen muss, weil ich (wir) uns wieder zurückgezogen haben in das Wohnmobil, in den Garten, in die Blase. Ich weiß, das ist nicht mutig, nicht bürgerlich, aber ich bin müde.

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