Warum Antizionismus und Antisemitismus untrennbar verzahnt sind

Jahrhunderte lang haben Juden diskutiert, wer zu unserer Gemeinschaft gehört. Eine inklusivere jüdische Welt zu akzeptieren ist wichtig und erstrebenswert, aber unmittelbarer sollten unsere Anstrengungen sich auf die aktuelle existenzielle Bedrohung konzentrieren, der sich unsere Gemeinschaft gegenübersieht: den Antisemitismus.

Diese Debatte treibt ironischerweise die Juden weiter auseinander, untergräbt die Legitimität Israels und hat Auswirkungen auf die Sicherheit der US-Juden.

Die Rechtsextreme ist beispielhaft für den historischen Antisemitismus, geprägt von weißen Herrenmenschen und Randgruppen, die es immer geben wird. Der schleichende Antisemitismus der Linksextremen hat derweil jedoch eine fundamentale Fehleinschätzung des arabisch-israelischen Konflikts zur Folge und betrachtet den Konflikt auf eine naive, karikaturenhafte Weise. Auf beiden Seiten der politischen Mitte haben Analogien die Erinnerung an den Holocaust abgebaut, während man mit Fingern auf Probleme der Gegenseite zeigt.

Antisemitismus ist ein uraltes Phänomen, das keiner politischen Bewegung verpflichtet ist. Und während er schon lange vor 1948 existierte, hat die Gründung des modernen Israel eine neue und heimtückische Form des Judenhasses eingeleitet. Das ist der Grund, weshalb eine Parteien-Diskussion über Antisemitismus fehlgeleitet ist, besonders wenn die aktuelle Lage so schlimm aussieht.

Die Verbindung zwischen Antisemitismus und Antizionismus ist zwar eine historisch verschwommene, steht aber heute stärker im Fokus. Die letzte Runde der Gewalt zwischen Israel und der Hamas brachte die Judenhasser aus ihren Löchern und gab virtuell grünes Licht dafür, dass Antisemitismus in den Mainstream einzieht. Der jüngste Versuch gewisser Kongressmitglieder dem Luftverteidigungssystem Eiserne Kuppel die Gelder zu nehmen, ist ein Beispiel dafür, wie die extreme Linke, die sich als pro-palästinensisch bezeichnet, Antisemitismus zur Schau stellen kann. Diese rein defensive militärische Ausrüstung nicht zu finanzieren wird das Leben von Palästinensern nicht retten: Es wird vielmehr nur den Tod von Juden wie auch Palästinensern zur Folge haben.

Darüber hinaus benutzen gewalttätige Extremisten Israel als Waffe, um den Angriff auf Juden in den Vereinigten Staaten zu rechtfertigen. Als Angreifer im letzten Mai in ein Restaurant in Los Angeles stürmten, riefen sie nicht: „Wo sind die Israelis?“ Sie schrien: „Wer hier ist Jude?“

Seit 2014 haben wir eine dramatische Verschiebung bezüglich des Diskurses um Israel erlebt. In einer Nation, die die freie Meinungsäußerung feiert, wird fast jedes Gespräch gefördert. Aber wenn dieses Gespräch an Hetze grenzt und dafür sorgt, dass Juden sich unsicher fühlen, dann gibt es ein ernstes Problem. Das US-Außenministerium unterstützt die Arbeitsdefinition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz für Antisemitismus, die postuliert, dass sie Versuche Israel zu delegitimieren dazu zählen kann und es auch tut.

Juden wie auch Nichtjuden, die Israel kritisieren wollen und jedes Mal zusammenzucken, wenn ihnen vorgeworfen wird antisemitisch oder selbsthassende Juden zu sein, möchte ich dies sagen: Wir können eine komplette Diskussion über die Standards führen, die an Israel angelegt werden, auch über seine Politik. An Israel werden jedoch andere Standards angelegt als an alle anderen Länder der Welt, wenn es seine Bürger verteidigt.

Ein fehlgeleitetes und vereinfachtes Narrativ, das den israelisch-palästinensischen Konflikt als zwischen einem mächtigen Aggressor und einem unschuldigen Underdog sieht, versäumt es zu begreifen, dass es zwei Seiten dieser komplexen Situation gibt, mit Menschen jenseits der Grenzen Israels im Nahen Osten, die sich nur allzu oft dem Untergang des Landes verschrieben haben. Darüber hinaus haben sie eine obsessive und kurzsichtige Sichtweise dazu, was der jüdische Staat in dieser Welt tut oder nicht tut. Das ist antisemitisch.

Egal, wo wir politisch zugehörig sind, wir sind in erster Linie Juden. Es ist entscheidend in dieser Frage zusammenzukommen, bevor wir in parteiliche Neigungen zersplittern.

Auf der anderen Seite des Atlantiks müssen Israelis, die glauben, dies sei ein exklusiv amerikanisch-jüdisches Problem, verstehen, dass die weitere Erosion der Unterstützung für Israel durchaus zur Verringerung parteiübergreifender Unterstützung für den jüdischen Staat führen kann, was schädliche Auswirkungen auf Israels eigene Sicherheit haben wird.

Auf einer Makro-Ebene ist Antisemitismus aber historisch der Kanarienvogel im Bergwerk gewesen. Jede Gesellschaft, die aktiv Judenhass annimmt, hat Akzeptanz für Diskriminierung und Vorurteil gezeigt, die weit über die Juden hinausgeht. Es mag mit uns beginnen, aber es endet nie mit uns.

Dazu rufe ich die kommunalen und Weltführer auf, Antisemitismus anzuklagen, wenn sie ihn sehen und dafür einzutreten, dass Schulen aktiv zu diesem komplexen Phänomen und was es darstellt, lehren (wobei sie auch erklären, dass Kritik an Israel legitim und gültig ist). Derweil müssen die Politiker aufhören Antisemitismus als politisches Mittel einzusetzen. Nur allzu oft erleben wir Politiker, die die Oppositionspartei beschuldigten judenfeindliche Mitglieder zu haben, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Juden sind kein politisches Kanonenfutter. Wir sind aktive Bürger, die etwas zu den Vereinigten Staaten beitragen, die Schutz und Sicherheit n der zunehmenden Krise verdienen.

Was unsere Gemeinschaft angeht, ist es jetzt unerlässlich, dass das globale Judentum zusammenkommt. Es sollte nicht den Punkt erreichen, an dem wir uns alle nur dann gegen Antisemitismus äußern, wenn Gewalt ausbricht. Wir brauchen kein weiteres Pittsburgh oder Poway. Was wir brauchen ist Einheit.

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