Zeit, dass die Medien die Antisemitismus-Definition übernehmen

Da der Antisemitismus zunimmt, ist es äußerst wichtig eine respektierte Definition dessen zu haben, was antijüdischen Hass und Intoleranz ausmacht. In den letzten Jahren hat eine Antisemitismus-Definition Fuß gefasst. Erstellt von der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) in Berlin ist diese Definition von einer zunehmenden Zahl von Regierungen übernommen und bestätigt worden. Die Antisemitismus-Definition der IHRA finden sie (auf Deutsch) hier; schauen Sie sich selbst an.

Mit der Anleitung durch eine schlüssige Definition können Abgeordnete eine nuanciertere Politik entwickeln, Polizei und Staatsanwaltschaften können effektiver auf Hassverbrechen reagieren und Universitäten können angemessen mit dem Antisemitismus auf dem Campus umgehen. Lokale Aktivisten müssen sich nicht mehr mit dem dürftigen Argument „Ich erkenne es, wenn ich es sehe“ abstrampeln.

Auch die Medien sollten auf eine klare Definition dessen festgelegt werden, was auf inakzeptable Weise judenfeindlich ist.

Die Definition hat schon als machtvolles Mittel für öffentliche Rechenschaftpflicht gedient: Als die britische Labour Party eine verwässerte Version der Definition übernehmen wollte, erwies sich die davon ausgelöste Kontroverse als zu peinlich. Labour übernahm die volle Definition – aber über der Partei hängt immer noch eine dunkle Wolke.

Die von Labours Geschwätz aufgepeitsche Kontroverse hob einen Aspekt der IHRA-Definition  heraus, den viele Israel-Basher nicht akzeptieren können. Zu den von der IHRA aufgeführten Beispielen für Antisemitismus gehört „Leugnung des Rechts des jüdischen Volks auf Selbstbestimmung“, „zu behaupten, die Existenz Israels sei ein rassistisches Unterfangen“ und „die Anwendung von zweierlei Maß, indem von ihm ein Verhalten gefordert wird, dass man von anderen demokratischen Staaten weder erwartet noch fordert“. Antizionismus ist eine Form von Antisemitismus. Menschen, die diese Grenze überschreiten, können nicht länger sagen: „ich bin antizionistisch, nicht antisemitisch.“

Man kann die Politik der Regierung Israels kritisieren, ohne die Grenze zum Antisemitismus zu überschreiten und die IHRA erkennt an, dass „Kritik an Israel, die der ähnelt, die gegen jedes andere Land gerichtet wird, nicht als antisemitisch betrachtet werden kann“.

Die IHRA-Definition ist zwar rechtlich nicht bindend, aber weitere Länder werden sich hoffentlich dem Vereinten Königreich, Deutschland, Frankreich, Holland, dem Europaparlament und dem US-Außenministerium und Bildungsministerium, dem griechischen Bildungsministerium (und HonestReporting) und anderen anschließen, die bereits an Bord sind.

Wo die Medien ins Spiel kommen

Über die Regierungsebene hinaus gibt es einen weiteren Sektor, der die IHRA-Definition für Antisemitismus übernehmen muss: die Medien.

Mit der Entscheidung, über was sie berichten und wie sie darüber berichten, legen die Nachrichtemedien die Agenda für den öffentlichen Diskurs fest. Geleitet von der IHRA würden Journalisten besser informierte Entscheidungen zur Berichterstattung über Hassverbrechen treffen. Die Berichterstattung über die Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS), besonders an lokalen Standorten, wären nuancierter. Mit einem einheitlichen Standard würden Redakteure in der Lage sein, Op-eds und Briefe besser zu beurteilen, während Moderatoren Kommentare im Internet zivilisierter halten könnten.

Das ist natürlich eine Win-win-Situation.

Und in einer Zeit, in denen in der Öffentlichkeit stehende Personen rechts wie links unterschiedliche Grade antisemitischer Rhetorik betreiben, wird die Presse besser in der Lage sein, ihre Rolle zu erfüllen die Führungskräfte zur Verantwortung zu ziehen.

Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet!

Eine Bestandsaufnahme von Simone Schermann.

(Übernommen von Tapfer im Nirgendwo)

Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet, dafür aber Judenhass gegen die Lebenden hofiert, denn der Deutschen liebstes Kind ist die Familie Stolperstein.

Es fällt Antisemiten heute nicht mehr so leicht, Juden als Religionsgemeinschaft oder als Volk zu hassen, daher hassen sie nun den jüdischen Staat. Das geht immer als akzeptable Israelkritik durch.

Wer Israel kritisiert, muss keinen Protest des Stadtparlaments fürchten, keinen Aufschrei der Anständigen aus den Fraktionen, kein Gebrüll bei den notorischen Mahnern, die sonst so gerne jegliche Form des Antisemitismus brandmarken, kein Aufschrei gegen Judenhass und kein übliches „Wehret den Anfängen“.

Wenn es gegen Israel geht, ist die Creme de la Creme der eifrigen Stolperstein-Führer still, ebenso die feine Auslese der Ergriffenheitsmafia, die Hautevolee der Betroffenheitschickeria und des ewig ritualisierten Gedenktheaters. Die handverlesene, vornehme Gesellschaft, die sich alljährlich am 9. November zum gemeinsamen Rendezvous trifft und sich in ihrer ewigen Betroffenheit aalt, die Betroffenheitsfunktionäre schweigen, wenn Israel unter Freunden an den Pranger gestellt wird.

Am 9. November treffen sich sämtliche Hobbyjudaisten, Friedensstifter und Konvertiten im Gedenken an tote Juden. Für die lebenden Juden bleibt da keine Restkapazität mehr.

Weiterlesen

Gewalttätiger Antisemitismus bei amerikanischen Antirassismus-Demonstrationen

Bei mehreren Demonstrationen gegen Einschränkungen der Freiheit wegen der Corona-Pandemie in Deutschland gab es antisemitische Vorfälle. Das Eindringen von Judenhass, der nichts mit etwas Jüdischem oder Israelischem zu tun hat, ist bei westlichen Massenprotesten in den letzten Jahrzehnten eine regelmäßige Erscheinung gewesen. Jetzt ist eine noch üblere Veranschaulichung dieses Phänomens aufgetaucht: Die gewalttätige Bekundung von Antisemitismus während der antirassistischen Proteste in den Vereinigten Staaten nach dem Mord an George Floyd durch einen Polizisten in Minneapolis.

Mehrere der Demonstrationen waren von Brandstiftungen und Plünderungen begleitet. Einige der schlimmsten Gewalttaten fanden in Los Angeles statt. Verschiedene jüdische Läden im Viertel Fairfax wurden zerstört. Eine Vielzahl jüdischer Institutionen wurde beschädigt, darunter Synagogen und eine Schule. Eine Statue von Raoul Wallenberg wurde mit antisemitischen Parolen beschmiert.1https://www.jta.org/2020/06/02/united-states/los-angeles-jews-take-stock-after-george-floyd-protests-batter-local-institutions In Richmond (Virginia) wurden der Reformgemeinde Beit Ahaba von Randalierern die Fenster eingeschlagen.2https://www.jpost.com/diaspora/us-antisemitism-envoy-condemns-ransacking-of-synagogues-in-la-protests-629991Synagogen anzugreifen ist eine antisemitische Tat.

Zahlreiche Kommentatoren haben Aspekte des Antisemitismus in den Demonstrationen herausgestellt. In der britischen Tageszeitung Telegraph schrieb Zoe Strimpel: „Doch an der Seite derer, die friedlich protestieren, befinden sich Kriminelle, die im Namen der sozialen Gerechtigkeit plündern. Einige davon tun es im Namen des Antirassismus – wie oben gesehen – und einige im Namen des Antifaschismus. Rädelsführer der Antifaschisten ist die widerliche Gruppe Antifa.

Während die Antifa über Juden hinaus geht, scheint es so, dass Menschen, die vorgeben ‚Antifaschisten‘ oder ‚Antirassisten‘ zu sein, über kurz oder lang anfangen sich wie die niedrigsten Kriminellen und Rüpel zu verhalten und eine Sache als Vorwand für Vandalismus und Zerstörung zu benutzen … Es ist von bemerkenswerter Ironie, dass es da, wo die Antifa sich ist, Antisemitismus gibt.“3https://www.jpost.com/diaspora/us-antisemitism-envoy-condemns-ransacking-of-synagogues-in-la-protests-629991

Melanie Phillips stellte die seltsame Einstellung vieler jüdischer Organisationen heraus. Sie schrieb, dass 130 Organisationen in einer Stellungnahme des Jewish Council of Public Affairs sagten, sie seien „empört von dem Tod Floyds, erklärten ‚Solidarität‘ mit den Gemeinschaft der Schwarzen und forderten ‚ein Ende‘ des ‚systematischen Rassismus‘.“ Phillips merkte an: „Sie protestieren nicht gegen die ausdrücklich gegen Synagogen und jüdische Geschäfte gerichteten Angriffe.“ Phillips bezeichnete Black Lives Matter als „antiweiße, antikapitalistische und antijüdische Hassgruppe.“4https://www.melaniephillips.com/victim-culture-tears-jewish-moral-norms6343-2/

Weiterlesen

Ist Antizionismus antisemitisch?

* von Abseits vom Mainstream – Heplev

Die Frage wurde irgendwo in den USA von zwei jungen Juden diskutiert, schrieb Victor Rosenthal auf seinem Blog Abu Yehuda anlässlich seines Erlebens des Vormittags des Yom HaSchoah, des Holocaust-Gedenktags in Israel.

Seine Reaktion: Ihr scherzt ja wohl?

Das war wohl eine rhetorische Frage. Aus ihr klingt Empörung. Zurecht.

Aber den Unbedarften und vor allem den Hetzern muss man das traurigerweise immer wieder erklären, wobei vor allem Letztere das ums Verrecken nicht einsehen werden, denn dann müssten sie ja mal zugeben, dass sie falsch gedacht haben. Und sie müssten von ihrem Hass ablassen und das geht ja nun gar nicht.

Zionismus ist die „Nationalbewegung der Juden“. Was nichts anderes hießt, als dass Juden als Volk das Recht auf ihren eigenen Staat in Anspruch nehmen wollen. Wer also gegen Zionismus ist, der verweigert – einzig – den Juden ihren eigenen Staat. Das machen gerade diese Hetzer mit keinem einzigen anderen Volk so. Selbst den Kurden gegenüber gestehen sie ein, dass diese eigentlich einen eigenen Staat haben könnten, auch wenn in der politischen Realität dann ganz anders gehandelt wird. Dass Kurden kein Volk sind, keinerlei Selbstbestimmungsrecht haben, wird so nicht zum Ausdruck gebracht. Das geschieht ausschließlich mit den Juden. Und ausschließlich Juden etwas zu verweigern, was allen anderen – wirklich, theoretisch oder auch nur prinzipiell – zugestanden wird; heißt, dass man einzig Juden diesbezüglich diskriminiert. Weil sie Juden sind.

Und das ist Antisemitismus.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Wer jetzt kommt und davon faselt, dass Israel ja den Palästinensern Land raubt, den Hals nicht voll bekommt usw.: Blödsinn. Die Juden hatten sich mit weniger zufrieden gegeben, sie hätten ihren Staat auch auf dem kleinen Fetzen gegründet, den ihnen die Peel-Kommission 1936 vorgeschlagen hat. Sie haben sich gegen den von den Arabern angestrebten Völkermord wehren müssen. Müssen sich heute weiter gegen den von den palästinensischen Arabern angestrebten Völkermord wehren.

Dass Israel heute flächenmäßig größer ist als beim Vorschlag von 1936 und beim Teilungsplan der UNO 1947 hat einen einzigen Grund: die Völkermord-Bestrebungen der Araber. Jede Mal wollten sie die Juden vernichten, jedes Mal hatten sie hinterher von ihnen teilweise illegal besetztes Land verloren. Also kommt mir nicht weiter mit euren verlogenen Charakterschweinereien. Wer den Juden verweigert, was er anderen zusteht, ist ein Antisemit. Basta.

Schon mal gemerkt, dass nur zionistische Reisen nach Israel „ausgewogen“ sein müssen, antizionistische Reisen jedoch nicht?

Elder of Ziyon, 4. September 2019

(Größtenteils) Übernommen von Heplev

Einer der unaufrichtigsten Teile von Gruppen wie IfNotNo der besagt, dass zionistische Organisationen wie Birthright einen antizionistischen Standpunkt vertreten, ist, dass niemand – und ich meine wirklich: niemand – jemals daran denkt, höflich zu fordern, dass sogenannte „propalästinensische“ Gruppen das zionistische Narrativ in ihren Diskussionen einbeziehen.

Der Grund dafür kommt in einem kleinen Artikel auf der PLO-Internetseite auf. Eine Delegation Studenten und Professoren der Universität Glasgow und einer Universität in Kalifornien nahmen an einem „Bildungsprogramm zu Geschichte, der Sache der Palästinenser und israelischer Verstöße gegen unser Volk und Verletzungen des internationalen Rechts“ in diesem Sommer teil.

Fordert irgendjemand, dass die PLO diesen Studenten und Professoren erlaubt, mit Israelis zu sprechen, ganz zu schweigen von jüdischen Siedlern?

Schon die Idee ist absurd. Denn absolut niemand erwartet, dass  Palästinenser ausgewogen, gerecht fair oder unvoreingenommen sind. Niemand fordert, dass sie israelische Standpunkte für gültig halten oder dass sie das Recht haben, laut ausgesprochen zu werden.

Birthright gibt Studenten die Möglichkeit, Fragen nach der palästinensischen Perspektive zu stellen und sie kennenzulernen. Lassen die antiisraelischen Reisen – ob von der PLO oder von Breaking the Silence oder der International Solidarity Movement – auf ihren Reisen ähnliche Möglichkeiten zu?

Wir alle kennen die Antwort. Nach Angaben all dieser sogenannten Progressiven müssen zionistische Gruppen ein antizionistisches Narrativ einbinden, und auch antizionistische Gruppen müssen ein antizionistisches Narrativ lehren. Prozionistische Stimmen müssen zum Schweigen gebracht oder übertönt werden, denn nur eine Seite hat überhaupt Legitimität, folgt man diesen Leuten, die sich selbst dazu gratulieren, wie unvoreingenommen sie sind – in eine Richtung.

Antisemitismus und Misozionismus

* von Victor Rosenthal

Seit 1945 war Antisemitismus in der nationalen Politik der USA und Großbritanniens selten ein Thema. Zumindest für Juden ist es heute in beiden Ländern ein echtes Problem.

In beiden Fällen ist er mit dem Antizionismus oder sogar dem Misozionismus, dem extremen und irrationalen Hass gegen den jüdischen Staat, verwoben. Es gibt immer noch einige „Paläo-“ Antisemiten, die zugeben, dass sie Juden aus denselben alten Gründen hassen, die ihre Art seit Tausenden von Jahren mit Leben erfüllt, aber sie werden als außerhalb der Grenzen eines akzeptablen Diskurses stehend angesehen. Sie sind diejenigen, die Massenmorde begehen, deshalb müssen wir sie ernst nehmen. aber wir müssen nicht auf ihre dummen Argumente hören. Dann gibt es spezielle Arten von Antisemiten, wie diejenigen, die Louis Farrakhan in dem Glauben folgen, dass die Juden nicht die wahren Juden sind (schwarz sind). Sie sind auch gewalttätig, aber ihre Argumente können ebenso zurückgewiesen werden.

Weiterlesen