Existiert die neuentdeckte Corona-Variante “Deltacron” überhaupt?

* von Roland M. Horn

Corona-Virus (Symbolbild, Pixabay)

Am 09.01.2022 berichtete das Redaktionswerk Deutschland, dass Forscher aus Zypern einen “besonderen Virenstrang des Coronavirus” entdeckt hätten, der aus einer Kombination zwischen Mutationen von Delta- und Omikron-Varianten zusammengesetzt sei. Infizierte hätten sich nach ersten Erkenntnissen mit Delta und Omikron infiziert, wobei sich die Erbsubstanzen der beiden Varianten miteinander kombiniert hätten. Der Molekularbiologe und Virologe Leondios Kostrikis von der Universität Zypern taufte das Virus “Deltacron”. Quelle des Berichts waren die Bloomberg News. Kostrikis wird dort mit folgenden Worten zitiert und paraphrasiert:

“‘Wir werden in Zukunft sehen, ob dieser Stamm pathologischer oder ansteckender ist oder ob er sich gegenüber Delta und Omicron durchsetzen wird'”, sagte er. Er persönlich ist jedoch der Ansicht, dass auch dieser Stamm von der hochansteckenden Omikron-Variante verdrängt werden wird.”

Das Reaktionsnetzwerk Deutschland wies jedoch bereits in diesem Artikel darauf hin, dass andere Wissenschaftler Zweifel hätten, ob es sich wirklich um Co-Infektionen handele.

Die Jerusalem Post vom 11. Januar 2022 titelt:

Die ‘Deltacron’ Coronavirus-Variante existiert nicht, sagen Experten.

Dazu führten sie aus:

“Mehrere führende Experten haben am Sonntag getwittert, dass es sich bei der “Deltacron”-Variante, bei der es sich angeblich um eine neue “Super-Variante” handelt, die sowohl Delta als auch Omikron in sich vereint, wahrscheinlich nur um einen Verarbeitungsfehler im Labor handelt, berichtete CNBC am Sonntag.”

Eine Woche vorher hatte Kostrikis aus erklärt, dass diese angebliche Variante einen ähnliches genetischen Hintergrund habe wie Delta, aber auch zehn Mutationen, die einzigartig für das sogenannte Deltacron seien.

Kostrikis untersuchte zusammen mit seinem Team 25 Fälle dieser Variante, von denen elf von Personen stammten, die wegen der Erkrankung an diesem Virus ins Krankenhaus eingeliefert wurden und weitere 14, die aus der allgemeinen Bevölkerung stammen.

Forscher spielten, wie die Jerusalem Post sagt, die neue Entdeckung herunter und wiesen darauf hin, dass “Laborkontaminationen”  ein häufiges Phänomen seien und im Rahmen der COVID-Pandemie bereits aufgetreten seien.

Eine “Neukombination kann bei Coronaviren vorkommen”, erklärte Dr. Boghuma Kabisen Titanji, ein Experte für Infektionskrankheiten an der Emory University in Atlanta, auf Twitter. “Das Enzym, das ihr Genom repliziert, neigt dazu, von dem RNA-Strang abzurutschen, den es kopiert, und sich dann dort wieder anzuschließen, wo es aufgehört hat. Da sowohl Delta als auch Omikron im Umlauf sind, verstärkt eine Doppelinfektion mit beiden Varianten diese Sorge”, twitterte sie.

Dr. Tom Peacock vom Imperial College London stimmte dem zu und twitterte, die Deltacron-Sequenz sei mit Sicherheit eine Laborkontamination. Er sagte:

“Viele von uns haben sich die Sequenzen angeschaut und sind zu demselben Schluss gekommen: Es sieht nicht wie eine echte Neukombination aus.”

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