Buchbesprechung: Rolf Ulrich Kramer: Die Atlantis-Protokolle

  • von Roland M. Horn

Rolf Ulrich Kramer:
Die Atlantis-Protokolle
Eine wissenschaftlich fundierte Durchleuchtung der Zerstörung einer irdischen Hochkultur
Osiris-Verlag, Schönberg, 2020
ISBN: 978-3-947397-21-1
Preis: EUR 22,95
Geb., 299 Seiten, Lesebändchen

Beim vorliegenden Buch handelt es sich keineswegs um ein typisches Atlantisbuch, sondern um die Darstellung einer sogenannten Erdvernichtungskatastrophe, wie sie sich nach den Aussagen der Klienten des Autors ergibt. Rolf Ulrich Kramer ist Dipl.-Psychologe und über ihn heißt es vorne im Buch: “Unter dem Warenzeichen MINDWALKING hat Kramer eine nicht-wertende lösungsorientierte Methode der Bewusstseinsentwicklung geschaffen, die ausschließlich auf persönlichem Erleben und Erkennen beruft.” Kramer setzt also die Atlantiskatastrophe mit einer Erdvernichtung gleich, die sich laut Aussagen seiner Mindwalker-Klienten in grauer Vergangenheit auf der Erde, aber auch auf dem Mars und dem ehemaligen Planeten Phaeton, dessen einstige Existenz umstritten ist, zutrug.

Kramer vertritt die Ansicht, dass die Menschheit in einer Trance befangen sei – einer geistigen Schockstarre, in der sie sich seit der Erdvernichtungskatastrophe, kurz EVK, befindet. Kramer glaubt an die Reinkarnation und zeigt ich überzeugt davon, dass der Vorgang des Denkens auch ohne Gehirn möglich ist. Für diese Ansicht führt er durchaus auch Belege an. Kramer zufolge beginnt die Menschheit heute sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass unser Planet nicht der einzige Planet im Kosmos ist und spricht in diesem Zusammenhang das UFO-Phänomen an. Dem Autor zufolge sind wir Menschen vom Stammesbewusstsein über das Nationalbewusstsein zum globalen Bewusstsein fortgeschritten und befinden uns derzeit auf dem Weg zum kosmischen Bewusstsein – und das nicht nur in einem spirituellen Sinn.

Kramer stellt zunächst die Technik des MinkWalkings vor, berichtet von Gesprächen mit Geistern und unterscheidet zwischen “Duo-Sitzungen”, in denen der Sitzungspartner mit Hilfe des Sitzungsleiter an seinem Thema arbeitet und “Solo-Sitzungen”, bei denen der Sitzungspartner alleine zuhause sitzt und sein MindWalking alleine durchführt. Dabei ist, wie Kramer ausführt, der “Mindwalker”, ein unter diesem Markennamen vertriebenes Hautwiderstandsmessgerät, unentbehrlich.

Nach dem Beschreiben von MindWalking-Sitzungen allgemein kommt der Autor auf S. 72 endlich auf Atlantis zu sprechen und führt an, was man über Atlantis weiß. In diesem Teil 2 seines Buches wird die eigentliche Schilderung der Atlantis-Protokolle, die schließlich in Teil 3 (ab Seite 129) vorgestellt werden. Hier aber geht er auf Legenden wie die Sintflut ein, die es rund um den Globus gibt und von einem katastrophalen Untergang eines “Goldenen Zeitalters” künden. Diese Legenden haben Kramer zufolge einen wahren Kern. Neben den Legenden ist es für den Autor wichtig zu fragen, ob in Geologie, Archäologie und Anthropologie ein vergleichbares “weltuntergangsähnliches” Ereignis genannt wird. Daneben sei wichtig, zu klären, wie es sich mit der Erd- und Menschheitsentwicklung verhält, da die Wissenschaftler da ganz anderen Vorstellungen haben als die Legenden.

In diesem Teil geht Kramer auch auf die Atlantis-Legende an sich ein, wie sie von Platon in den Kritias– und Timaios-Dialogen berichtet werden und kommt zu dem Schluss, dass die ganze Atlantis-Legende auf Hörensagen beruht, betont jedoch, dass Platon überzeugt davon war, dass Atlantis keine Erfindung, sondern eine authentische ägyptische Überlieferung ist. Demnach wäre Atlantis tatsächlich eine Insel im Atlantik jenseits der Straße von Gibraltar gewesen. Kramer fragt sich aber, wie ägyptische Priester wissen konnten, was 9000 Jahre vor ihrer Zeit geschehen war und geht auf die Frage ein, was früher in Ägypten war, beschäftigt sich mit der megalithischen Epoche, dem Pyramidenrätsel usw. Kramer geht auch auf die Aussagen des christlichen Trance-Medium Edgar Cayce ein, in dessen “Readings”, die er für Ratsuchende abhielt, es nicht selten um Atlantis ging. Kramer beschäftigt sich weiter mit den Erinnerungen der Hopi an einen früheren Kontinent, wie sie von J. F. Blumrich geschildert werden. Hier sollen Strahlenwaffen und Raumschiffe eine Rolle gespielt haben. Blumrichs Kontaktmann, der Weiße Bär, deutet eine Art “Gehirnwäsche” an, in dem er berichtet, dass bei bestimmten Personen die Erinnerungen ausgelöscht wurden. Nur die Hopis waren ausgenommen. Kramer spekuliert jedoch dahingehend, dass auch die Hopis selbst von dieser Gehirnwäsche erfasst wurden. Damit erklärt er die Widersprüchlichkeit und Lückenhaftigkeit der Hopi-Legende.

In Teil 3 geht Kramer dann auf das Zustandekommen der Atlantis-Protokolle ein und berichtet, dass die Datenbank über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Sie basiert auf die Mitschriften von MindWalking-Sitzungen, die seit Ende der 1990er Jahre digital übermittelt werden. Der Autor stellt eine Reihe von “Zeugenaussagen” vor, in der es um die EVK geht. Dabei geht es auch um “Verdauungsprobleme im Astralkörper” vor der EVK, ein Leben ohne Tod, eine durch magische Manipulation erkrankte Gesellschaft und schließlich um die Vernichtung der Erde. Unter anderem wird über “Gebirgsbildungen im Handumdrehen” berichtet. Die Berichte klingen bizarr, wenn z. B. “gefrorene Körper von einem Greifer wie auf dem Schrottplatz eingelöffelt” werden.

Der Planet Phaeton wurde diesen Protokollen zufolge gesprengt. Dieser Planet soll einst zwischen Mars und Jupiter seine Bahnen um die Sonne gezogen haben. Die Mainstream-Astronomie geht heute davon aus, dass es diesen Planeten nicht gegeben haben kann, da die Gravitation des nahen und großen Jupiter die Bildung eines solchen Planeten von vornherein verhindert hätte. Anderseits aber führen Berechnungen, die auf der Gesetzmäßigkeit des Abstands der Planeten von der Sonne beruhen, zu der Annahme, dass zwischen Mars und Jupiter ein Planet fehlt. Die “Echsenmenschen“, die in modernen Verschwörungstheorien eine große Rolle spielen, tauchen auch in diesen Protokollen auf. Auch Graue werden erwähnt. Sie entführten z. B. kleine Jungen und führen Genmanipulationen durch. Bioroboter findet ebenfalls Erwähnung.

Der Mars wird als ein Planet geschildert, “auf dem sich’s leben ließ”. Doch auch er wurde schließlich verwüstet. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass auf dem Mars früher lebensfreundlichere Bedingungen als heute herrschten. Den Sitzungsprotokollen zufolge gab es damals keine Schwangerschaft, sondern Kinder wurden in einer “Babyblüte” geboren. Im Teil IV, einer Rückschau, gelangt der Autor zu der Ansicht, dass die Berichte trotz Widersprüchlichkeit schlüssig sind. Einen Punkt macht er mit einem Verweis auf den Umstand, dass hinsichtlich der Erdgeschichte die Wissenschaft unschlüssig und gespalten ist. Letztlich gelangt Kramer zu der Ansicht, dass Atlantis gewissermaßen bis heute weltweit nachempfunden wird. In Atlantis sei das Geistige dem Materiellen übergeordnet gewesen, heute sei es umgekehrt und es würde Zeit für ein neues Bewusstsein.

Das Buch steht und fällt mit der Frage, ob die Berichte aus den MindWalking-Sitzungen tatsächlich ernstzunehmende Erinnerungen an Erlebnisse in vergangenen Zeiten sind oder nicht. Diese Frage kann ich nicht beantworten. Die Rahmenbedingungen stimmen, die Berichte an sich lesen sich zumindest bizarr.

Erstveröffentlicht auf Atlantisforschung.de

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