Buchbesprechung: Erich von Däniken: Wozu sind wir auf der Erde?

  • von Roland M. Horn

Erich von Däniken
Wozu sind wir auf der Erde
Kopp Verlag, Rottenburg, Oktober 2022
ISBN: 978-3-86445-884-2
Preis: 22,99 €
gebunden, 203 Seiten, 8-seitiger Farbbildteil

Erich von Däniken stellt mit dem Titel eine Frage, die sich sicherlich jeder einmal gestellt hat. Der Bestsellerautor beginnt sein Buch mit dem Kapitel “Am Anfang war …” und geht in seinem unnachahmlichen Stil – der sich durch das ganze Buch zieht – äußerst flott auf die Evolutionsthorie und der Religion ein, stellt dazu einige unbequeme Fragen und liefert interessante Informationen. Eine seiner Fragen ist, warum die sogenannte “Mutter Gottes” überall, wo sie sich zeigt, verehrt werden möchte, warum sie sich immer nur in entlegenen Dörfern zeigt und nicht in Menschenansammlungen wie man sie beispielsweise in Großstädten vorfindet. Warum nicht in Rom, wo “Gottes Stellvertreter” auf Erden, der Papst, an kirchlichen Feiertagen seinen Segen “Urbi et Orbi” zelebriert?

Bei einigen Erscheinungen sieht von von Däniken eine Verbindung mit dem Weltall. Er führt einen Fall an, in dem zuerst fünf Mal hintereinander eine Frauengestalt am Firmament erschien, wonach sich eine Wolke teilte und hinter ihr ein grell erleuchteter Stern strahlte, bevor die matt glänzende Sonne sich in verschiedene Richtungen zu bewegen begann und sich in einem Zickzack-Kurs der Erde näherte, dann aber in kurvenreichen Bewegungen wieder nach oben stieg. In diesem Zusammenhang bringt er den berühmten Fátima-Vorfall ins Spiel, der ähnlich ablief.

Im zweiten Kapitel, “Die Sache mit der Bibel”, geht es nicht mehr um Maria, sondern um den Gott der Bibel selbst. Mit Recht versteht von Däniken nicht, wieso ein allmächtiger Gott, der eigentlich außerhalb der Zeit stehen müsste, offensichtlich nicht gewusst hat, dass Adam und Eva sein Gebot brechen würden. Der Geist der Schöpfung hätte das wissen und nicht zornig und enttäuscht reagieren müssen. Unverständlich ebenfalls, warum es Gott reute, den Menschen geschaffen zu haben und ihn durch einen SintflutGenozid vernichten wollte. Schließlich hätte er ja bereits vor der Schöpfung den weiteren Verlauf der Geschichte kennen müssen. Wie kann er es vor diesem Hintergrund dazu kommen, dass er die Schöpfung des Menschen bereute? Man muss dem Autor zustimmen, wenn er sagt: “Ein Gott, der seine eigenen Handlungen bereut, kann schwerlich der grandiose Gott der Schöpfung sein”. Von Däniken geht in diesem Sinne weiter auf Sodom und Gomorrha und spätere ähnliche Grausamkeiten seitens Gottes ein. Ebenso unverständlich ist ihm die sogenannte Erbsünde, die durch die Preisgabe von Gottes eigenem Sohn getilgt werden muss. Von Däniken bezeichnet dies als den “wohl unmöglichsten Gedanken der christlichen Religion”. Und das nicht unberechtigt.

Bezüglich des Christentums geht der Autor auch auf das Erste Konzil von Nicäa ein, in dem beschlossen wurde, dass Gott und Jesus wesensgleich sind, was vorher von den Christen nicht gelehrt worden war. Auch der römische Kaiser Konstantin, der das Konzil einberufen hatte und erst auf dem Sterbebett getauft wurde, kommt bei Erich von Däniken nicht gut weg, hatte er doch beispielsweise seinen aufmüpfigen Sohn ermorden und seine Frau in siedendes Wasser tauchen lassen. Im nächsten Konzil, dem ersten von Konstantinopel wurde die Dreieinigkeitslehre beschlossen. Kaiser Theodosius I, der es einberief, war nicht besser als Konstantin, sondern ließ – als seine wohl schlimmste Tat – in der Stadt Thessaloniki 7000 Menschen ermorden. Dieser Mann war es, der die christliche Kirche zur Staatsreligion erhob. Im dritten Konzil, das in Ephesus abgehalten wurde wurde Maria zur Mutter Gottes erhoben und im vierten Konzil festgelegt, dass in der Person Jesu “die göttliche und die menschliche Natur unvermischt und unzertrennlich vereinigt” sind. Das insgesamt fünfte Konzil – das zweite von Konstantinopel – bestimmt, was “rechtgläubig” ist und dass die kirchlichen Vertreter “vom Heiligen Geist inspiriert” seien. Alles von Menschen bestimmt. Kein Gott erschien, um ihnen das zu befehlen. Sie taten es von sich aus.

Gut begründet kommt von Däniken zum Schluss, dass Jesus seine Texte von den Essenern bezog und machte zu Jesu Absichten und seinen Handlungen interessante Aussagen. Neben vielem anderen entnimmt er den Evangelien, dass Jesu Jünger Petrus bewaffnet war. Von Däniken erkennt eklatante Widersprüche in Jesu Aussagen und Verhalten, und diese Widersprüche sind tatsächlich in den Evangelien zu finden.

Von Däniken geht auch auf östliche Religionen ein und findet langte vor Jesu Zeit Hinweise auf Jungfrauengeburten und Ermordungen männlicher Säuglinge und überhaupt sehr große Ähnlichkeiten zwischen den Evangelien und anderen Schriften. Von Däniken gelangt zu der Ansicht, dass der christliche Glaube an einen Sohn Gottes ein Irrtum ist – auch das nicht unbegründet.

Das nächste Kapitel heißt “Glaube gegen Irrtümer”. Hier beruft er sich auf den populären jüdischen Archäologen Israel Finkelstein, der die Geschichtlichkeit vieler bedeutender Bestandteile des Alten Testaments widerlegt haben will und von Däniken zufolge auch widerlegt hat, erwähnt aber leider nicht, dass es auch andere israelische Archäologen gibt, die zu gegenteiligen Erkenntnissen kommen – und das nicht unbegründet. Wenn von Däniken behauptet, dass die Kerngeschichte der Bibel lediglich eine Art Kopie der SumerischAkkadischen Originale aus den Überlieferungen der Schriften Atra-hasis, Enuma Elisch und dem Gilgamesch-Epos sind, hat er jedoch nicht ganz Unrecht – zumindest was das 1. Buch Mose betrifft. Die Behauptung, dass der Bibel zufolge (wenn man sie wörtlich nimmt) Gott persönlich mordet bzw. sein Volk morden lässt, trifft leider voll und ganz zu. Insofern ist auch seine Ansicht, dass man die Bibel eigentlich Jugendlichen verbieten sollte, nicht ganz unverständlich. Nicht zu Unrecht sagt von Däniken, dass das Alte Testament streckenweise ein “Buch des Grauens” ist. Weiter muss man ihm zustimmen, dass sich Gott im Alten Testament als Egoist mit sehr menschlichen Eigenschaften wie Neid und Eifersucht entpuppt.

Dann bringt der Autor im Zusammenhang mit der Bundeslade Außerirdische ins Spiel. Jedenfalls gibt es plausible Gründe für seine Aussage, dass die Bundeslade “nicht von dieser Welt” ist. Über den Gott des Alten Testaments urteilt von Däniken, dass er kein spirituelles Wesen und kein grandioser Geist der Schöpfung ist, sondern physisch, wahrhaftig und leibhaftig präsent. Und er führt Technologie mit sich wie eben beispielsweise die Bundeslade, von der ganz offensichtliche eine Strahlung ausging, vor der der Mensch sich schützen musste, zieht aber auch eine Stelle aus dem 2. Buch Mose heran, in dem kurz vor der Übergabe der zehn Gebote nach von Dänikens Ansicht von Technologie die Rede ist. Ein Übersetzer alter Schriften erkannte laut Erich von Däniken anhand eines Begriffes aus dem Originaltext, Kaved, dass hier von einem physikalischen Phänomen bzw. etwas das sich mit großer Kraft manifestiert, die Rede ist. Noch genauer sagte dieser Übersetzer: “Wir würden heute mit Kaved (als Adjektiv) ein Flugzeug, einen Panzer oder ein Schiff bezeichnen. Vielleicht genau das, womit die Elohim reisten.” (S. 122) Auch bezüglich der Vernichtung von Sodom und Gomorrha stellt der Autor fest, dass Gott kein “allwissender Geist” sein kann, denn vor der Vernichtung dieser beiden Städte muss er erst einmal feststellen ob an den Klagen über die Städte wirklich etwas dran ist. D. h., dass Gott das gar nicht wusste! Außerdem will er “herabfahren”, um herauszufinden, was los ist. Wieso muss ein allmächtiger Gott “herabfahren”? Von Däniken stellt – und diese Folgerung ist nicht unplausibel – fest, dass dieser “Gott” offensichtlich über eine Technologie verfügt, mit der er eben “hinabfahren” kann. Zu diesem Thema führt von Däniken noch einige Dinge an, die in die gleiche Richtung gehen. Im Zusammenhang mit der Bibel (und auch von anderen Religionen) spricht er von einer falschen Religionen. So analysiert er beispielsweise auch den Islam und den Buddhismus. Völlig unerwartet äußert er sich auch intensiv zum Gendern, geht auf die ursprüngliche Idee zu “diesem Irrweg” ein und letztlich gelangt er zu der Ansicht, das unsere Schöpfer Außerirdische sind.

Im Kapitel “Unfrisierte Gedanken” stellt Erich von Däniken eine Liste über 24 bewaffnete Konflikte auf, die sich allein in den Jahren 2021 und 2022 zutrugen. Da das Jahr 2022 noch nicht zu Ende ist, kann man davon ausgehen, dass noch weitere dazukommen werden.

Unter Berufung auf den ehemaligen Oberleutnant der US-Air Force Robert Salas und seinen Veröffentlichungen schreibt von Däniken, dass 1967 über dem Bunker der Malmstrom Air Force Base in Montana ein UFO schwebte, das dem Bunker immer näher kam. Salas fragte sich, ob man darauf schießen solle und wollte den Kommandanten informieren, als er sah, wie sich grüne Lichtlein in rote verwandelte, was bedeutete, dass keine der Raketen mehr startbereit war. Man wäre einem Angriff schutzlos ausgeliefert gewesen. Später kam heraus, dass den Sowjets – die man eigentlich verdächtigt hatte, in irgendeiner Form für das Ereignis verantwortlich zu sein – das Gleiche widerfahren war. Auch ihre Raketen waren von einem orangefarbenen Licht über der jeweiligen Basis stillgelegt worden. Von Däniken glaubt, dass eine außerirdische Macht der Menschheit demonstriert habe, dass sie jederzeit in der Lage war, deren Raketen lahmzulegen und spricht in diesem Zusammenhang von einem Beweis dafür, dass Außerirdische uns beobachten. Das ist natürlich zu hoch gegriffen anhand dieses einen (behaupteten) Vorfalls. Der Autor spricht weiter über die sog. Zoo-Hypothese, nach der Außerirdische unsere Erde als eine Art zoologischen Gartens betrachten.

Weiter spricht er über den Klimawandel, gibt zu bedenken, dass es neben der Mainstream-Darstellung auch andere Ansichten gibt und stellt einige Fakten zusammen, die für einen nicht menschengemachten Klimawandel sprechen. Anschließend kommt von Däniken kurz auf den Namen des Buches zu sprechen und sagt, dass der Lebenszweck des gesamten Menschheit wohl darin bestehe, immer raffiniertere Technologien zu erfinden. Es läge an jedem Einzelnen, “Erfahrungen aller nur denkbaren Arten zu sammeln, um sie bei seinem Ableben in die Gesamtheit der ‘grandiosen Geistes der Schöpfung’ einzubringen”. Angesichts des Titels ist mir das eigentlich etwas zu wenig. Ich hätte mir mehr zu diesem zentralen Thema erhofft.

Im Schlusskapitel “Unbeantwortet” berichtet von Däniken über ungeheuerliche Dinge, die in der “sogenannten” Steinzeit geschahen, jedoch mit der angeblich frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte unvereinbar sind. Hier hat er sicherlich nicht Unrecht. Er spricht von Megalithen, zu deren Bau ganze Hügel abgetragen werden mussten, über die uralte Stadt Göbekli Tepe und stellt etwas Unverständliches fest: “Gegen 8000 v. Chr. konservierten die Erbauer ihre eigenen Anlagen und bedeckten sie mit Abertausenden Tonnen von Steinen, Schutt, Erde, Müll und Lehm”. (S. 189) Für diese unverständliche Handlung stellt von Däniken eine interessante Erklärung vor: An Orten wie Göbekli Tepe sei einst ein außerirdisches Raumschiff gelandet, die Landestelle wurde zu einem heiligen Ort und die Menschen warteten auf die Wiederkehr der Götter. Doch zu ihrer Lebenszeit geschah nichts dergleichen und so machte man den Empfangsplatz wieder dicht. Dies sei immer wieder geschehen. Eine interessante These wie überhaupt ein sehr interessantes und lesenswertes Buch.

Erstveröffentlichung auf Atlantisforschung.de

Erhältlich u.a.

 

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