Buchbesprechung: Frank Joseph: Die Überlebenden von Atlantis

* von Roland M. Horn

Frank Joseph:
Die Überlebenden von Atlantis
Wie der Untergang einer Zivilisation die Welt veränderte
AMRA-Verlag, Hanau, 2021
ISBN: 978-3-939373-17-9
Preis: 24,99
Geb., 381 Seiten, 42 s/w-Bilder, Register

Das legendäre Atlantis ist Platon zufolge 9000 Jahre vor seiner Zeit jenseits der Säulen des Herakles (im Allgemeinen mit der Meerenge von Gibraltar gleichgesetzt) untergegangen. Manche Atlantis-Forscher und -Autoren bezweifeln die Lokalisierung, andere (oft die gleichen) die Zeit des Untergangs. Frank Joseph gehört zu jenen, die Platons Lokalisierung zwar akzeptieren, den Untergang dieser Landmasse aber viel früher – in historischer Zeit – sehen, und somit gehört er zu den sog. „Jungzeitlern“.

Ihm zufolge ist Atlantis im Laufe von von vier aufeinander folgenden Katastrophen versunken, die sich in historischer Zeit abspielten. Den ersten Kataklysmus sieht Joseph im Jahr 3113 v. Chr., als seiner Meinung nach der ein Komet mit Asteroiden kollidierte, was den Nachthimmel für einen Zeitraum von mindestens einem oder zwei Jahrtausenden störte. Unter anderem verweist er auf den grönländischen Eisbohrkern von Camp Century, der einen Säuregehalt aufweist, der wiederum auf eine plötzliche Zunahme von weltweit niederregnender Asche schließen lässt. Der Vulkanismus im Atlantik habe um die Wende des 4. Jahrtausends v. Chr. einen Höhepunkt – insbesondere auf Island und den Azoren, also in der Gegend von Atlantis, wie er weiter feststellt. Bei dieser Katastrophe sei Atlantis durch schwere Erdbeben und Vulkanismus, die durch Meteoriten ausgelöst wurden, verwüstet worden, wobei einige Landbereiche sich ablösten und ins Meer stürzten. Überlebende wanderten in andere Teile der Welt, insbesondere ins Niltal und nach Mesopotamien aus.

Der zweite Kataklysmus soll sich 2193 v. Chr. ereignet haben, als verschiedene Kometen sich in der Nähe der Erdumlaufbahn einander näherten. Dabei soll eine große Landbrücke zwischen Malta und der nahe gelegenen Insel Filfa während einer Naturkatastrophe eingebrochen sein, deren dadurch erzeugten riesige Wellen das Ende des jungsteinzeitlichen Malta verursachten. Auf Atlantis selbst soll eine weit verbreitete seismische Aktivität zahlreiche Tempel und Wohngebiete zerstört haben, während Vulkanismus Ackerland verbrannte und mehrere nahegelegene Inseln versenkte. Des Weiteren hätten Tsunamis Siedlungen entlang der regionalen Küste verwüstet. Viele Einwohner kamen um. Die zweite große Migrationswelle in den Nahen Osten setzte ein. Unter anderem die Zerstörung von Sodom und Gomorrha sieht Joseph im Rahmen dieses Kataklysmus‘.

Der dritte Kataklysmus soll 1628 v. Chr. stattgefunden haben, als die „Killerkometen“ wieder zur Erde zurückkehrten, worauf ein erneuter ausgewöhnlich starker Aschefall im grönländischen Eisbohrkern festgestellt wurde. Auf Atlantis setzten wieder Erdbeben und Tsunamis ein. Es kam zu einer weiteren Migrationswelle.

Der vierte Kataklysmus schließlich fand Joseph zufolge 1198 v. Chr statt, als ein Komet durch das Erscheinen eines anderen näher an die Erdumlaufbahn gedrängt wurde. Der Wasserspiel in nordeuropäischen Seen sei damals stark angestiegen, wieder wurde eine große Menge Asche in der Erdatmosphäre festgestellt, der Vulkanismus erreichte auf der ganzen Welt im Zeitraum um um dieses Jahr einen Höhepunkt. Atlantis versank jetzt vollständig im Meer. Wieder kam es zu Migrationsströmen. Viele Überlebenden von Atlantis kamen jetzt in Ägypten an. Hier beruft sich Joseph auf den Ägyptologen Prof. Walter B. Emery, der von der Entdeckung von Gräbern in der späten prädynastischen Periode im nördlichen Teil Oberägyptens berichtet, deren Schädel und Körper größer waren als die der Eingeborenen. Emery schließt auf eine (fremde) „Herrenrasse“, die den raschen Fortschritt im Niltal unmittelbar vor der Vereinigung Ägyptens erklären soll.

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Buchbesprechung: Lars A. Fischinger: Rebellion der Astronautenwächter

  • von Roland M. Horn

Cover: Lars A. Fischinger: Rebellion der Astronautenwächter

Lars A. Fischinger:
Rebellion der Astronautenwächter – Gefallene Göttersöhne, die Sintflut und versunkene Ur-Kulturen
Amra-Verlag, Hanau 2015
ISBN: 978-3-939373-46-9
Preis: € 19,95
Hardcover mit Lesebändchen,
302 Seiten

Im Jahr 1997 veröffentlichte Fischinger sein zweites Buch: Götter der Sterne, das ich aufgrund seiner gründlichen Quellenarbeit als “seriöseste Prä-Astronautik-Buch ist, das ich je gelesen habe” bezeichnete. Und, um es vorwegzunehmen: Rebellion der Astronautenwächter ist vom gleichen Kaliber! Es ist auch alles andere als etwa eine Neuauflage von Götter der Sterne, sondern vielmehr eine Ergänzung dazu. Während Fischinger sich bei Götter der Sterne eines Großteil des Alten Testaments vorgekommen hat, konzentriert er sich hier auf die Themen von der Schöpfung bis zur Sintflut, und entsprechend ausführlich fallen auch seine Ausführungen dazu aus.

Fischinger schafft es, sich auf 130 Seiten allein mit lediglich zwei Themen intensiv zu befassen, die in der Bibel nur wenig Raum einnehmen: Henoch, über den nach 1. Mose 5:21 im Rahmen einer chronologischen Auflistung des Stammbaum von Adam bis Noah lapidar gesagt wird: “Und Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Metuschelach. Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Henochs betrugen 365 Jahre. Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott nahm in hinweg” (zit. nach der Elberfelder Übersetzung); und die “Göttersöhne”, die vom Himmel kamen” (1. Mose 6,1-4), über die es nach der gleichen Übersetzung heißt: “Und es geschah, als die Menschen begannen, sich zu vermehren auf der Fläche des Erdbodens, und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes, die Töchter des der Menschen, dass sie gut waren, und sie nahmen sich von ihnen alle zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht ewig im Menschen blieben, da er ja auch Fleisch ist. Seine Tage sollen 120 Jahre betragen. In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde und auch danach, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen (Kinder) gebaren. Das sind die Helden, die in der Vorzeit waren, die berühmten Männer.” Danach bricht dieses Thema plötzlich ab, und Gott stellt fest, dass die Bosheit der Menschheit – die er selbst geschaffen hatte – groß war, und obwohl man annehmen sollte, dass ein allmächtiger Gott dies hätte voraussehen können oder sogar müssen, reute es ihn plötzlich, dass er die Menschen geschaffen hatte und beschloss, sie in einer Sintflut zu ersäufen und den Großteil der Tiere gleich mit. Sind die auch böse geworden? Wie wir wissen, beschreibt das Alte Testament, dass Noah “Gnade in den Augen des HERRN fand”. Die Aussage über Henoch ist noch knapper, da werden etliche Personen aufgezählt und am jeweiligen Ende wird beschrieben in welchem Alter sie starben, nur bei Henoch finden wir diese merkwürdige Aussage.

Doch Fischinger wühlt sich durch den Literaturwald und findet Ergänzendes: Größtenteils in Apokryphen, die es nicht mal in den (mehr Bücher erhaltende als der evangelische) katholische Kanon geschafft hatten: Allen voran, das (äthiopische) Buch Henoch, aus dem im neuen Testament (im Judas-Brief) sogar zitiert wird und das zur Zeit des frühen Christentums sehr beliebt war. Doch Fischinger erkundet auch das sehr viel weniger bekannte “slawische Buch Henoch”. Dazu kommen u. a. das Buch der Jubiläen. Fischinger recherchiert weiter im Jerusalemer Bibellexikon und findet auch hier viele interessante Ergänzungen hinsichtlich der Frage, was hinter dieses wenigen Bibelpassagen stecken könnte. Er befasst sich eingehend mit sumerischen und akkadischen Mythen und findet dort sehr viel Erhellendes, dass er seinen Lesern auf flüssige und spannende Weise weitergibt. Eine weitere seiner Quellen sind die Qumran-Rollen.

Fischingers Recherchen zufolge können die merkwürdigen “Göttersöhne” am ehesten Außerirdische gewesen sein, die mit menschlichen Frauen verkehrten und “Mischwesen” erzeugten – eben diese Riesen. Insbesondere den sumerischen Mythen zufolge mussten die extra zu diesem Zweck geschaffenen Menschen für die Außerirdische schuften, waren Sklaven. Die “Engel” (eher als Wächter zu verstehen denn als irgendwelche kindlich und feminin aussehenden Figuren, wie sie oft in kitschiger Weise dargestellt werden) rebellierten gegen ihre Arbeitgeber, was nach sumerischen Überlieferungen der Grund für die Erschaffung des Menschen war, die deren Arbeit übernehmen sollten. Auch in der biblischen Schöpfungsgeschichte, klingt – oft unbeachtet – an, dass der Mensch nicht in einem buchstäblichen “Paradies” lebte, sondern den Garten Eden bebauen sollte.

Die Sintflut sieht Fischinger eher als eine Naturkatastrophe an, die nicht buchstäblich die ganze Erde überflutet haben muss. Die Aussagen im (äthiopischen) Buch Henoch sind schwer anders zu verstehen, als dass Henoch sich in einem Fluggerät (mehrmals und schließlich endgültig) von der Erde entfernt hatte.

Im weiteren Verlauf des Buches spricht Fischinger die Frage nach archäologischen Beweisen an und geht auf verschiedene Sintflut- und Katastrophenszenarien ein, die von verschieden Autoren vertreten werden, so die von Leonard Woolley, der glaubt, Beweise der Sintflut in der Stadt Ur gefunden zu haben und der These von der einstigen Überschwemmung des Schwarzen Meeres, wie William Walter C. Pitman und William Ryan sie als Verursacher der weltweiten Sintflut sehen.

Weiter kommt Fischinger auf die Frage nach einer eventuell versunkenen hochstehenden Zivilisation zu sprechen, die durch die Sintflut ausgelöscht worden sein könnte. Seine Spurensuche führt ihn nach Ägypten und dem “Pyramidenkapitel in Al-Makrizis Hitat” aus dem Mittelalter, einer Sammlung arabischer Berichte verschiedener Geschichtsschreiber, in der ein Autor sagt (wie das christlichen Trancemedium Edgar Cayce in seinen Readings auch, dass die Große Pyramide von Giseh nicht von Cheops, sondern von Hermes erbaut wurde – und der soll identisch sein mit dem arabischen Idris und – dem biblischen Henoch, womit wir wieder am Anfang angelangt sind…

Fischinger geht mit den Sintflut- und Katastrophenthesen, die er betrachtet vorbildlich unvoreingenommen um, wenn auch – zumindest aus meiner Sicht – Immanuel Velikowsky und Ignatius Donnelly etwas zu schlecht wegkommen.

Auch über überraschend zahlreiche Funde von offensichtlichen Werkzeugen oder Skelettteilen von Riesen geht Fischinger ein.

Zusammenfassend ist nur zu sagen, dass jeder, der auch nur am Rande an einem der in diesem Buch behandelten Themenkomplexen interessiert ist, dieses Buch gelesen haben sollte – und anschließend am besten mit “Götter der Sterne” weitermacht…

(Erstveröffentlichung bei Atlantisforschung.de)

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