(zum Beitragsbild oben: Noam Bettan 2025. יאיר סיגרון (yair sigron), CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons)

Der Eurovision Song Contest (ESC) rückt näher. Die Halbfinale finden am 12. und 14. Mai, das große Finale am 16. Mai in Wien statt. Sehr wahrscheinlich werde ich das Finale auch angucken, jedenfalls, wenn Israel drin ist.

Im Vorfeld gab und gibt es laute Kontroversen. Letztes Jahr habe Israel geschummelt (wahrscheinlich ist es für all die antisemitisch eingestellten Eurovisionscommunity schwer zu verstehen, dass ausgerechnet der „Schurkenstaat“ Israel vom Publikum favorisiert – deutlich favorisiert! – wird). Der Ausschluss Israels wurde beantragt, aber von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) als Veranstalterin des ESC abgelehnt. Mehrere Länder haben daraufhin ihre Teilnahme zurückgezogen: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien. Sicher wird es auch auf den Straßen Wiens hoch hergehen, und sicher wird der israelische Sänger Noam Bettan auch nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen das Hotel verlassen können, wenn überhaupt.

Jetzt haben 1000 Kunstschaffende aus Musik, Film und Theater einen offenen Brief unterschrieben, um Israels Teilnahme jetzt und in Zukunft zu unterstützen. Unter den bekannten Namen sind Gene Simmons, Mayim Bialik, Helen Mirren, Amy Schumer, Liev Schreiber, Mila Kunis, Selma Blair, Julianna Margulies, Ginnifer Goodwin, Debra Messing, Patricia Heaton, Jennifer Jason Leigh, Emmanuelle Chriqui, Jeremy Piven, Tom Arnold, Rebecca De Mornay, Joshua Malina, Brett Gelman, Boy George, Matisyahu, David Draiman, James Maslow, Diane Warren, Jon Ondrasik, Laurent Amir Haddad (er sang 2016 für Frankreich), Noa Kirel, Matthew Weiner, Haim Saban, Julie Greenwald, Jody Gerson, Sharon Osbourne, Sherry Lansing, Rick Rosen, Ben Silverman, David Lonner, Bob Ezrin, Dan Rosen, Gary Barber, Colin Lester, David Zedeck, Troy Carter, Bruce Resnikoff, Amy Sherman-Palladino und Patty Jenkins.

So weit, so gut, könnte man denken. Endlich setzt sich jemand für Israel ein.

Doch eigentlich ist es völlig falsch.

Nein, es ist nicht falsch, so einen Brief zu schreiben – doch es ist grundfalsch, dass so ein Brief überhaupt nötig ist. Es sollte selbstverständlich sein, dass Israel am ESC teilnehmen darf. Ebenso, wie es selbstverständlich sein sollte, dass Israel bei Schachturnieren und Sportanlässen mitmacht (ja, auch da gibt es regelmäßig Diskussionen)…

Ich bin jedenfalls gespannt, ob unser Lied Michelle es ins Finale schafft, und wenn ja, welchen Platz es belegt.

Anima Chutzpanit in der Schweiz geboren, machte eine Ausbildung zur Primarschullehrerin, erhielt das Übersetzerdiplom DOZ, trat zum Judentum über, heiratete und machte Aliyah (Einwanderung nach Israel). Sie lebt mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und vielen Katzen in Südisrael. Sie betreibt den Blog Kinder, Katzen und Kakteen.

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