(Beitragsbild oben Public Domain)

Diese Woche findet in Wien der jährliche Eurovision Song Contest statt. Am Dienstag wird das erste Halbfinal abgehalten, am Donnerstag das zweite – und am Samstagabend steigt das große Finale (das ich leider nicht mitverfolgen kann, da ich mit dem besten Ehemann von allen an eine Veranstaltung gehe, die infolge des Krieges auf genau diesen Samstagabend verschoben wurde …)

Also wird in Wien gefeiert, sollte man meinen. Und gefeiert wird: Verschiedene Wiener Caféhäuser übernehmen „Patenschaften“ für teilnehmende Länder und werden so quasi zum Treffpunkt der Fans des betreffenden Landes. Man konnte sich als Standort bewerben, die Länder wurden durch Verlosung zugeteilt.

Rate mal, welches Land nicht dabei war.

Ja, Israel. Israel wurde niemandem zugelost. Es wurde bei der Verlosung nicht einmal erwähnt. Die Veranstalter ließen verlauten, das sei keine Absicht gewesen, vielmehr habe sich niemand zur Verfügung gestellt, der die israelischen Fans bei sich bewirten wollte.

Lisa Wegenstein ist die Gründerin und langjährige Geschäftsführerin des Menschenrechts-Filmfestivals This Human World. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit Antisemitismus und kämpft nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 gegen den Israelhass in der Kulturszene. Lisa Wegenstein und ihr Mann Johannes erklärten sich also bereit, die israelischen ESC-Fans bei sich in der Kantine im Wiener Museumsquartier aufzunehmen.

So weit, so gut, doch das dicke Ende folgt auf dem Fuß. Per E-Mail wurde dem Ehepaar Wegenstein mitgeteilt, es müsse sich selbst um die Sicherheit seiner Gäste kümmern. Sie würden eine Bedrohung ins Museumsquartier bringen … echt? Israel und die Fans des israelischen Beitrags sind eine Bedrohung? Wohl doch eher die Feinde des Landes und der Fans, nicht wahr? (Woher die hauptsächlich kommen, muss ich hier nicht erwähnen).

Klar braucht es Sicherheitsmaßnahmen – doch für diese sollte doch eigentlich der Veranstalter des Riesenevents zuständig sein. Die Kosten allein für die Sicherheit der Gäste und MitarbeiterInnen der Kantine werden sich auf mehrere tausend Euro belaufen, und es ist weiterhin unklar, wer dafür aufkommen soll. Zusätzlich wird gleichzeitig zum ESC eine Gegenveranstaltung stattfinden. Dass diese in Israelhass ausartet, ist klar. Doch anstatt die beiden Anlässe räumlich klar zu trennen (wie ursprünglich vorgesehen), wird dieses Protestsong-Event nun direkt gegenüber dem Museumsquartier und der Kantine abgehalten. Die Eskalation ist nicht nur vorprogrammiert, sondern geradezu einladend geplant. Geht es eigentlich noch?

Und jetzt habe ich eine kleine Bitte an dich, liebe Leserin, lieber Leser. Falls du in Wien bist – geh bitte in die Kantine und iss oder trink dort etwas. Oder besuche einen der Anlässe, die für die ESC-Woche geplant sind (das Programm findest du z. B. auf Facebook). Ganz wichtig: Sag dem Personal oder Frau Wegenstein, dass sie das ganz toll machen und dass du sie unterstützt. Wenn du nicht vor Ort bist, schreib ihnen eine Mail. Sag ihnen, dass sie das ganz toll machen und dass du sie unterstützt.

Sie brauchen die Ermutigung dringend.

Danke.

Anima Chutzpanit in der Schweiz geboren, machte eine Ausbildung zur Primarschullehrerin, erhielt das Übersetzerdiplom DOZ, trat zum Judentum über, heiratete und machte Aliyah (Einwanderung nach Israel). Sie lebt mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und vielen Katzen in Südisrael. Sie betreibt den Blog Kinder, Katzen und Kakteen.

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