(zum Beitragsbild oben: The White House)
Donald Trump kündigt erneut einen schnellen Durchbruch mit Iran an. Doch Teheran pokert weiter, Israel soll Risiken tragen, und JD Vance macht klar: Washington würde auch gegen Jerusalems Einwände handeln.
Donald Trump hat es wieder getan. Der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten erklärte, die USA würden innerhalb von zwei Wochen einen „totalen Sieg“ über Iran verkünden. Ein Abkommen könne sogar in „zwei oder drei Tagen“ fertig sein. Iran sei angeblich bereit, Washington „alles“ zu geben. Wer diese Sätze hört, könnte meinen, der Durchbruch stehe unmittelbar bevor. Nur: Genau diesen Eindruck vermittelt Trump seit Wochen immer wieder. Der Iran-Deal ist bei ihm inzwischen ein politisches Dauerfinale, das ständig kurz vor dem Abschluss steht und doch nie wirklich abgeschlossen ist.
Das Muster ist bekannt. Im Mai sagte Trump, ein Abkommen mit Iran sei bereits „weitgehend ausgehandelt“ und werde bald bekanntgegeben. Wenige Tage später hieß es erneut, er sei bereit, nur noch „ein paar Tage“ auf die richtige Antwort Teherans zu warten. Danach folgten Berichte über Änderungen, die Trump selbst an einem von seinen Gesandten ausgehandelten Entwurf verlangte. Dann wieder sprach er von der „finalen Phase“, vom baldigen Ende, von einem Durchbruch in Tagen. Nun also: „totaler Sieg“ binnen zwei Wochen. Das klingt groß. Aber es klingt vor allem vertraut.
Das Problem ist nicht, dass ein amerikanischer Präsident optimistisch verhandelt. Das Problem ist, dass Trump politische Gewissheiten verkauft, während die Realität auf dem Boden komplizierter wird. Iran hat Raketen auf Israel abgefeuert, die Huthi haben aus dem Jemen mitgezogen, die Hisbollah bleibt der zentrale iranische Vorposten im Libanon, und Teheran versucht, seine Stellvertreter in die Verhandlungen mit Washington hineinzuziehen. Währenddessen erklärt Trump, beide Seiten hätten durch ihn aufgehört zu schießen, alles laufe gut, und der Deal komme jetzt wirklich. Reuters berichtete, dass Iran und Israel ihre Angriffe vorerst eingestellt hätten, nachdem Trump beide Seiten zum „stop shooting“ aufgefordert hatte, Teheran aber zugleich warnte, Angriffe wiederaufzunehmen, falls Israel weiter Hisbollah-Ziele im Libanon trifft.
Genau hier liegt die Gefahr. Iran nutzt Trumps Wunsch nach einem Erfolg als Hebel. Das Regime weiß, dass Washington ein Abkommen will. Es weiß auch, dass Trump niedrige Ölpreise, offene Seewege und den großen diplomatischen Sieg braucht. Also pokert Teheran weiter: mit der Straße von Hormus, mit Uranfragen, mit Raketen, mit der Hisbollah, mit den Huthi und mit der Drohung, mehrere Fronten anzuzünden. Die New York Post beschrieb bereits vor wenigen Tagen, dass es in Washington die Sorge gibt, Iran könne amerikanische Zurückhaltung als Schwäche lesen und die Lage nutzen, um seine Verbündeten wie die Hisbollah zu stärken.
Noch brisanter ist die Aussage von Vizepräsident JD Vance. Er machte bei Fox News deutlich, dass die USA einen langfristigen Deal mit Iran im eigenen Interesse abschließen wollen, auch wenn Israel ihn ablehnt oder ablehnen sollte. Sinngemäß: Israel mag es mögen oder nicht, am Ende zählt aus Washingtoner Sicht das amerikanische Interesse. Das ist ehrlicher als viele diplomatische Floskeln, aber für Jerusalem ein Warnsignal. Denn Israel wäre der Staat, der mit den Folgen eines schlechten Iran-Deals leben müsste: mit einem Regime, das seine Raketen nicht aufgibt, seine Stellvertreter nicht entwaffnet und seine nuklearen Ambitionen nur neu verpackt.
Trump verkauft das als Stärke. Iran gebe angeblich „alles“. Doch solche Sätze haben im Nahen Osten nur dann Wert, wenn sie überprüfbar sind. Gibt Iran sein angereichertes Uran wirklich ab? Werden die Bestände aus dem Land entfernt oder unbrauchbar gemacht? Gibt es vollständigen IAEA-Zugang? Wird die Raketenproduktion begrenzt? Wird die Hisbollah aus der iranischen Schutzlogik herausgelöst? Werden die Huthi zurückgepfiffen? Oder bekommt Teheran am Ende wirtschaftliche Entlastung, politische Zeit und die Möglichkeit, seine beschädigte Machtarchitektur wieder aufzubauen?
Das ist der Punkt, an dem Trumps wiederholte „in wenigen Tagen“-Rhetorik gefährlich wird. Sie erzeugt politischen Druck auf Israel, sich zurückzuhalten, damit der amerikanische Deal nicht platzt. Gleichzeitig erzeugt sie für Iran den Anreiz, die Nerven weiter zu testen. Wenn Teheran merkt, dass jede Eskalation sofort mit amerikanischen Appellen an Jerusalem beantwortet wird, lernt das Regime: Raketen können nützlich sein, solange Washington danach Israel bremst.
Trump will den Sieg verkünden. Iran will bessere Bedingungen. Vance sagt offen, dass Israel nicht zwingend mitreden muss. Und Jerusalem soll darauf vertrauen, dass ausgerechnet Teheran diesmal wirklich „alles“ gibt.
Man kann verstehen, dass die USA ein Ende der Kämpfe wollen. Man kann auch verstehen, dass Trump einen großen außenpolitischen Erfolg sucht. Aber Israels Sicherheit darf nicht zur Kulisse für amerikanische Siegesrhetorik werden. Ein Deal, der auf Pressekonferenzen glänzt, aber Iran, Hisbollah und Huthi strategisch Luft verschafft, wäre kein „totaler Sieg“. Es wäre der nächste Aufschub.
Trump hat den baldigen Durchbruch nun oft genug angekündigt. Entscheidend ist nicht, ob er ihn in zwei Tagen, zwei Wochen oder beim nächsten Auftritt wieder verspricht. Entscheidend ist, ob ein möglicher Deal Iran tatsächlich entwaffnet, kontrolliert und seine Stellvertreter schwächt. Alles andere wäre kein Sieg über Teheran. Es wäre Teherans nächster Zeitgewinn mit amerikanischem Gütesiegel.

