(Quelle Beitragsbild oben: Angriffe in Teheran (Foto: AP) nach Israel HaYom)
Fast drei Jahre eines Mehrfrontenkriegs sind vergangen, ohne ein entscheidendes Ergebnis oder einen „totalen Sieg“ an irgendeiner Front. An jeder Front setzt sich die Israelische Verteidigungsarmee weiterhin mit dem Gelände und dem Feind auseinander. Entlang dreier Grenzen sind Pufferzonen und vorgelagerte Sicherheitsbereiche eingerichtet worden, wodurch die Verteidigungslinie effektiv über die internationale Grenze hinaus verschoben und zusätzliche Tiefe geschaffen wurde, die es Israel ermöglicht, die Grenze besser zu schützen – und vor allem die Gemeinden, die ihr am nächsten liegen.
Obwohl die intensiven Kämpfe, Bodenmanöver und kontinuierlichen Angriffe sowohl im Gazastreifen als auch im Libanon längst beendet sind, ist die Aussicht auf erneute Kriegshandlungen nie verschwunden. Der Feind, sowohl die Hamas als auch die Hisbollah, hat sich weit schneller wieder aufgebaut und erholt, als erwartet wurde, was erneut eine Unterschätzung seiner Fähigkeiten offenlegt. Was von diesen Organisationen übrig ist, stellt weiterhin eine Herausforderung dar und erzeugt ständige Reibung, die Schäden und Verluste bei den IDF-Kräften verursacht.
Gleichzeitig versucht der Feind ständig seine Fähigkeiten im Rahmen des fortlaufenden Wettrüstens zu verbessern, wobei faseroptische Drohnen ein Beispiel sind. Auch die wechselnden Rollen der politischen und militärischen Führung haben nicht geholfen: Mitunter drängt eine Seite auf eine aggressive Reaktion, die die bestehenden Spielregeln umwerfen würde, während die andere zu Zurückhaltung mahnt – nur damit sich ihre Positionen später wieder umkehren.

Die Amerikaner haben diese Realität von Anfang an beobachtet und bewertet. Das vorherrschende Argument in Israel lautete, dass der Fokus auf den Iran die näheren Fronten an den Rand gedrängt hatte, sodass Israel dieselbe Politik weiterverfolgen konnte, ohne sich wirklich der Frage zu stellen, welche Strategie und Politik die Lage grundlegend verändern könnten. Einen Zustand ständigen, niedrigintensiven Kriegs an diesen Fronten aufrechtzuerhalten, wurde somit zur dominierenden Strategie.
Auch hier scheint diese Einschätzung falsch gewesen zu sein. Die Vereinigten Staaten haben die Ideen, die sie in der Vergangenheit vertreten haben – einige vor dem Krieg, andere, nachdem er begonnen hatte – nicht aufgegeben.
Die Botschaft hat das Schlachtfeld nie erreicht
Es hat sich eine wachsende Lücke zwischen der Art und Weise aufgetan, wie Washington die Realität im Nahen Osten dargestellt haben möchte – oder andere dazu zu zwingen versucht – und dem, was tatsächlich vor Ort geschieht. Aus Sicht der US-Regierung sind der Libanon und der Gazastreifen Fronten, die von einer Kriegsphase in eine Phase diplomatischer Vereinbarungen überführt werden können: Waffenstillstände, politische Verhandlungen, Überwachungsmechanismen, Nachkriegspläne und gestufte Programme zur Beendigung der Kämpfe.
Doch vor Ort ist keine der beiden Fronten auch nur annähernd gelöst. An der nördlichen Front ist es den Vereinigten Staaten gelungen, den Libanon und Israel zu einer Reihe von Verständigungen und einer Einstellung der Feindseligkeiten zu bewegen. Doch allein die Tatsache, dass weiterhin über einen IDF-Rückzug auf der einen Seite und die Entwaffnung der Hisbollah auf der anderen verhandelt wird, zeigt, dass der Krieg nicht wirklich beendet worden ist. Die vergangene Woche lieferte dafür nur weitere Belege.

Im Gazastreifen ist die Lücke noch deutlicher. US-Präsident Donald Trump verkündete Fortschritte hin zur nächsten Phase der Umsetzung seines Plans und sagte, die Hamas sei bereit sich zu entwaffnen – eine Darstellung, von der sich Hamas schnell zu distanzieren versuchte. Trump sagte außerdem, Israel werde sich hinter die Gelbe Linie zurückziehen, eine Aussage, die Israel ebenso schnell zurückwies. Nach mehreren Tagen Druck wurde ein einziges Wort in der Formulierung geändert, sodass nun von einem Rückzug zur Gelben Linie die Rede war. Solche Wortspiele verbergen lediglich die Kluft zwischen Erklärungen und der Realität vor Ort.
Und was die iranische Front betrifft, ist die Lücke noch größer und noch beunruhigender. Es ist klar, dass jede Vereinbarung, die zwischen Oman und dem Iran getroffen wird – wobei die Vereinigten Staaten auffällig nicht am Verhandlungstisch sitzen – letztlich die Zustimmung Washingtons erfordern würde. Die USA scheinen vor allem daran interessiert zu sein, den Krieg hinter sich zu lassen, zusammen mit den Zielen, die einst im Mittelpunkt standen: Irans Atomprogramm und sein ballistisches Raketenprogramm, die beide seit Langem weit mehr bedrohen als nur Israel.
Der Tag nach Amerika
Aus israelischer Sicht besteht die strategische Gefahr darin, dass die Vereinigten Staaten den bloßen Übergang vom Mehrfrontenkrieg zu Verhandlungen und Vereinbarungen, die faktisch nahezu von einer Seite aufgezwungen werden, als Erfolg oder sogar als „Sieg“ definieren.
Der Nahe Osten hat uns bereits gelehrt, dass Verhandlungen nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Krieg vorbei ist. Die Vereinigten Staaten hätten diese Lektion aus ihren Beziehungen zum Iran lernen müssen. Manchmal sind Verhandlungen einfach eine weitere Phase des Krieges, die mit anderen Mitteln geführt wird. Ein Waffenstillstand kann dauerhaft oder vorübergehend sein. Ein Rückzug kann endgültig oder bedingt sein. Die Entwaffnung einer Organisation kann echt oder lediglich deklaratorisch sein und ein internationaler Überwachungsmechanismus kann nur auf dem Papier existieren.
Der eigentliche Test wird nicht die Anzahl der Erklärungen sein, die von Führungspersönlichkeiten abgegeben werden; auch nicht die Anzahl der abgehaltenen Gipfeltreffen. Er wird viel einfacher sein. Kann die Hamas weiterhin eine Bedrohung für Israel darstellen? Behält die Hisbollah die Fähigkeit – während ihr Wille eindeutig bestehen bleibt – erneut das Feuer zu eröffnen und Israel zu bedrohen? Kann der Libanon die wirksame Ausübung seiner Souveränität sicherstellen? Wird im Gazastreifen ein Regierungsmechanismus entstehen, der verhindert, dass die Hamas wieder an die Macht zurückkehrt? Behält Iran die Fähigkeit, den Durchbruch zum Bau einer Atombombe zu erzielen?

Diese und andere Fragen lassen Israel derzeit nur wenige Optionen. Es muss Prozess des Aufbaus seiner Streitkräfte fortsetzen, aus jeder Runde der Kämpfe der vergangenen Jahre Lehren ziehen, die Bedrohungen, denen es gegenübersteht und die Szenarien, auf die es sich vorbereiten muss, neu definieren und seine operative Einsatzbereitschaft und seine Pläne entsprechend entwickeln.
Israel muss beginnen, über den Tag nach Amerika nachzudenken – den Tag, an dem die Vereinigten Staaten den Nahen Osten verlassen und den Tag, an dem die Region sich vor unseren Augen neu formt, wobei die Türkei unter US-Schirmherrschaft als wichtiger Akteur aufkommt. Derzeit gewinnen regionale Verteidigungsallianzen, die Israel ausschließen, an Boden – auf Kosten weiterer Normalisierung und einer Ausweitung der Abraham-Abkommen. Diese Realität verlangt langfristiges strategisches Denken, eines, das die Komplexität der Gegenwart nicht ignoriert, sondern Israel auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

