Wer Hamas-Mörder zu „Märtyrern“ macht, verhöhnt die Ermordeten

Wer Hamas-Mörder zu „Märtyrern“ macht, verhöhnt die Ermordeten

Wer das Massaker vom 7. Oktober zur „Inszenierung“ erklärt oder seine Täter zu Helden erhebt, betreibt keine Israelkritik. Er erniedrigt die Opfer und nimmt ihnen nach dem Mord auch noch ihre Würde.

Es reicht. Drei Jahre lang haben wir erlebt, wie Menschen auf die Ermordeten des 7. Oktober schauen und irgendeinen Grund finden, ihnen selbst das Recht auf ihr eigenes Leid abzusprechen. Da werden Hamas-Terroristen, die in israelische Ortschaften eindrangen, auf Zivilisten schossen, Menschen verschleppten und auf dem Nova-Festival Jagd auf Flüchtende machten, zu „Märtyrern“ verklärt. Da wird ein dokumentiertes Massaker zur „Inszenierung“ erklärt, werden Überlebende zu angeblichen Schauspielern gemacht und Berichte über sexualisierte Gewalt reflexartig als israelische Propaganda abgetan. Und anschließend stellen sich dieselben Leute hin und reden von Menschenrechten, Würde und Menschlichkeit. Nein. Wer jüdischen und israelischen Opfern diese Menschlichkeit verweigert, kann sich nicht mit schönen Worten aus seiner eigenen moralischen Verwahrlosung herausreden.

Am 7. Oktober 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet und 251 nach Gaza verschleppt. Hamas und weitere Terroristen drangen in Wohnhäuser ein, erschossen Menschen auf Straßen, griffen Schutzräume an und entführten Kinder, Frauen, Männer und alte Menschen. Beim Nova-Festival wurden Besucher kilometerweit verfolgt. Menschen versteckten sich unter Leichen, in Büschen, Toiletten, Fahrzeugen und Betonunterständen. Terroristen warfen Granaten in Schutzräume und schossen auf diejenigen, die hinausliefen. Überlebende telefonierten mit ihren Eltern, während draußen geschossen wurde. Manche verabschiedeten sich, weil sie glaubten, die nächsten Minuten nicht zu überleben. Human Rights Watch wertete Hunderte Fotos und Videos aus und befragte Dutzende Zeugen. Die Vereinten Nationen untersuchten Tatorte, Aufnahmen und Zeugenaussagen. Sexualisierte Gewalt wurde dokumentiert. Geiseln kehrten zurück und berichteten aus der Gefangenschaft. Es gibt Überwachungsvideos, Mobiltelefonaufnahmen, Dashcams, Tätervideos, Leichen, zerstörte Häuser, Massengräber, Zeugenaussagen und forensische Befunde. Wer drei Jahre später noch von einer „Inszenierung“ spricht, sucht keine Wahrheit. Er will die Wahrheit nicht akzeptieren, weil die Opfer Israelis und sehr viele von ihnen Juden waren.

Aus Tätern werden Helden und aus Opfern Lügner

Besonders widerwärtig ist die moralische Umkehr. Die Männer, die Zivilisten jagten, werden zu „Widerstandskämpfern“. Tote Terroristen werden zu „Märtyrern“. Gleichzeitig werden die Menschen, die sie ermordeten, entführten oder misshandelten, entwertet. Ein israelischer Zivilist ist dann plötzlich kein Mensch mehr, der ermordet wurde, sondern ein „Zionist“. Ein Festivalbesucher ist kein junger Mensch mehr, sondern ein angeblicher Vertreter eines Staates. Eine verschleppte Frau wird zur Figur in irgendeiner geopolitischen Erzählung. Das ist der Trick: Man entzieht dem Opfer zunächst seine Individualität, ersetzt den Menschen durch ein politisches Etikett und kann anschließend seine Ermordung relativieren. Genau so funktioniert Entmenschlichung.

Es gibt keinen historischen Kontext, der einen Terroristen zwingt, auf einen fliehenden Festivalbesucher zu schießen. Keine israelische Regierung zwingt jemanden, eine Granate in einen Schutzraum voller Zivilisten zu werfen. Keine Siedlungspolitik zwingt jemanden, Kinder zu verschleppen. Keine Grenzfrage zwingt jemanden, eine verwundete Geisel auf einen Pickup zu zerren. Das sind Entscheidungen von Tätern. Wer diese Entscheidungen anschließend als „Widerstand“ verklärt, macht sich nicht zum Verteidiger der Palästinenser, sondern zum Verteidiger eines moralischen Prinzips, nach dem Mord an den „richtigen“ Menschen plötzlich erklärbar, entschuldbar oder sogar ehrenhaft sein soll.

Und ja, darüber sind wir wütend. Nicht ein bisschen irritiert. Nicht „besorgt“. Wütend. Wütend darüber, dass jüdische Familien drei Jahre nach dem größten Massaker an Juden seit der Schoah noch Menschen erklären müssen, dass ihre Angehörigen tatsächlich ermordet wurden. Wütend darüber, dass Nova-Überlebende mit Leuten diskutieren sollen, die ihre Erinnerungen für Propaganda halten. Wütend darüber, dass Frauen nach sexualisierter Gewalt offenbar erst eine ideologische Prüfung bestehen müssen, bevor ihnen geglaubt wird. Wütend darüber, dass Täter, die Zivilisten abschlachteten, in europäischen Städten und sozialen Netzwerken zu Helden stilisiert werden. Und wütend darüber, dass genau diejenigen, die diese Menschenverachtung betreiben, sich anschließend das moralische Etikett „Menschenrechte“ ankleben.

Palästinensische Zivilisten besitzen selbstverständlich dieselbe menschliche Würde. Ihr Leid verschwindet nicht, weil wir über israelische Opfer sprechen. Aber genau darin liegt der Punkt: Menschlichkeit ist keine politische Auswahlkarte. Wer das Leid eines palästinensischen Kindes anerkennt, muss auch das Leid eines israelischen Kindes anerkennen. Wer Entmenschlichung von Palästinensern verurteilt, darf Israelis nicht im nächsten Satz zu gesichtslosen „Zionisten“ machen. Wer Vergewaltigung als Kriegsverbrechen bezeichnet, darf nicht plötzlich nach Ausreden suchen, wenn jüdische Frauen die Opfer sind. Alles andere ist kein Universalismus. Es ist ein doppelter Maßstab.

Mensch sein setzt Menschlichkeit voraus

Dieser Satz bedeutet nicht, einem anderen Menschen sein Menschsein abzusprechen. Er bedeutet etwas viel Anspruchsvolleres: Menschlichkeit zeigt sich daran, ob man die Würde eines Opfers auch dann anerkennt, wenn es nicht zur eigenen politischen Seite gehört. Genau daran scheitern erschreckend viele beim 7. Oktober. Sie verlangen Empathie für alle, außer für Israelis. Sie fordern, jedes Opfer zu sehen, und blenden die jüdischen aus. Sie sprechen von Würde und feiern gleichzeitig Männer, die Menschen in ihren Häusern ermordeten. Sie empören sich über Hass und schreiben unter das Bild eines ermordeten Israelis, er habe es wegen „Kolonialismus“ irgendwie selbst verschuldet. Wer so argumentiert, hat nicht zu viel Kontext verstanden. Er hat den Menschen hinter seinem politischen Weltbild verschwinden lassen.

Wir werden diesen Opfern nicht auch noch die Erinnerung nehmen lassen. Wir werden nicht so tun, als sei die Verherrlichung ihrer Mörder eine legitime politische Nuance. Wir werden nicht höflich nicken, wenn jemand Hamas-Terroristen zu „Märtyrern“ erklärt. Und wir werden nicht akzeptieren, dass aus einem dokumentierten Massaker eine Verschwörungserzählung gebastelt wird, nur weil die Wahrheit nicht in das gewünschte Bild von Israel passt.

Nahost-Analyse

Am 7. Oktober wurden Menschen ermordet, weil Terroristen entschieden hatten, dass ihr Leben nichts wert sei.

Drei Jahre später entscheiden andere, dass nicht einmal ihr Tod geglaubt werden soll.

Das ist keine Solidarität.

Das ist keine Menschlichkeit.

Das ist die Fortsetzung ihrer Entwürdigung mit anderen Mitteln.

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