Täuschen Sie sich nicht: Antizionismus ist Antisemitismus

Eine Demonstration in Jerusalem 2021

Wäre Jewsplaining1Der Begriff dafür, was Juden gefälligst denken sollen. ein olympischer Sport, dann wäre Paul O’Brien ein Kandidat für die Goldmedaille.

O’Brien ist der Exekutivdirektor von Amnesty International USA; er war Gastredner eines Mittagsessens des Woman’s Natoinal Democratic Club in Washington DC. Sein Thema war Amnestys jüngster Bericht, der Israel als „Apartheid“-Staat bezeichnete – besser gesagt: verleumdete. Im Rahmen der Verteidigung des Berichts sagte O’Brien seinem Publikum, Israel „sollte nicht als jüdischer Staat existieren“ und schlug vor, dass die meisten amerikanischen Juden diese Ansicht teilen. Als ein Fragesteller eine aktuelle Umfrage anführte, dass eindeutige Mehrheiten der amerikanischen Juden sich als pro-israelisch identifizieren und eine emotionale Verbundenheit mit dem jüdischen Staat empfinden, antwortete O’Brien: „Ich glaube eigentlich nicht, dass das stimmt.“ Sein „Bauch“ sage ihm, sagte er, dass „jüdische Menschen in diesem Land“ nicht glauben, Israel müsse ein jüdischer Staat sein – es reicht, dass es ein „sicherer Ort für Juden“ ist, den Juden ihr „Zuhause“ nennen können.

Es braucht schon erstaunliche Chutzpe – oder bemerkenswerte Taubheit – damit ein als Nichtjude Geborener und in Irland Aufgewachsener erklärt, die Juden Amerikas wollten nicht wirklich, dass Israel ist, was es 74 Jahre lang gewesen ist: der wiedergeborene Staat des jüdischen Volks.

O’Briens Anmerkungen waren manchmal ausschweifend und widersprüchlich und als sie für Gegenwind sorgten – Ablehnung kam aus so unterschiedlichen Quellen wie der Redaktionsleitung der New York Post– und allen 25 jüdischen Demokraten im Repräsentantenhaus – behauptete er, er sei aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden. Aber es gibt keine Zweifel an seinem Fazit: „Wir sind gegen die Vorstellung – und das, so glaube ich, ist ein existenzieller Teil der Diskussion – dass Israel als Staat für das jüdische Volk erhalten werden sollte“, sagte er seinem Publikum.

Antizionismus ist der Glaube, es sei illegitim, dass Israel ein erklärtermaßen jüdischer Staat ist und dass Israels ausdrücklich jüdische Identität enden muss. Und die, die Antizionismus propagieren, sind nicht weniger antisemitisch als die, die die Behauptung propagieren, Juden seien für die Verbreitung von COVID-19 verantwortlich. Oder die weißen Herrenmenschen, die geloben, dass „Juden uns nicht ersetzen werden“. Oder Louis Farrakhans Verurteilung des Judentums als „Gossenreligion“. Oder das Skandieren von „Juden ins Gas!“, die bei Fußballspielen in Europa ausbricht.

O’Brien würde zweifellos widersprechen. Er würde protestieren, dass man antizionistisch – gegen Israels Existenz als jüdischer Staat – sein kann, ohne der Bigotterie gegen Juden schuldig zu sein. In seinen Bemerkungen vor dem Woman’s National Democratic Club beschrieb er Antisemitismus als „eine echte, lebendige Bedrohung“ und bestand darauf, dass er und seine Organisation „nachdrücklich gegen Antisemitismus“ sind. Viele Antizionisten sträuben sich gegen den Vorwurf antisemitischer Einseitigkeit, weil ihre Feindseligkeit, so sagen sie, sich nicht gegen jüdische Menschen richtet; sie richtet sich gegen ein jüdisches Land, eines, in dem jüdische ethnische, religiöse und nationale Identität mit Staatlichkeit verbunden ist.

Aber das Argument hält einer Überprüfung nicht stand.

Wenn eine Aktivistengruppe behauptete, die Republik Irland sei ein illegitimes Land, das niemals hätte geschaffen werden sollten, würde irgendjemand ihre Behauptung glauben, sie seien nicht irenfeindlich? Wenn sie Irlands Existenzrecht bestreiten und es wegen Verleihung der Staatsbürgerschaft im Schnellverfahren für Ausländer mit einem irischen Vorfahren verurteilten, würde irgendjemand Probleme haben ihre Haltung als Bigotterie gegen das irische Volk zu erkennen?

Der einzige Unterschied zwischen denen, die behaupten, die Iren hätten keinen Anspruch auf einen eigenen Staat und die Antizionisten, die sagen, es sollte keinen jüdischen Staat geben, lautet, dass es erstere nicht gibt. Niemand bestreitet, dass Irland der legitime Nationalstaat des irischen Volks ist, so wie niemand bestreitet, dass Polen der Nationalstaat des polnischen Volks und Japan der Nationalstaat des japanischen Volks ist. Einzig die jüdische Regierung eines jüdischen Staats wird für üble Nachrede herausgegriffen. Das ist Antisemitismus.

Die Geschichte hindurch hat die Feindschaft gegen Juden grob gesagt drei Formen angenommen. Eine ist der religiöse Antisemitismus, der sich wegen ihres Glaubens gegen Juden richtet. Das ist der Antisemitismus der Kreuzzüge, bei denen die Juden gezwungen wurden zwischen Taufe und Tod zu wählen; und der der Ritualmordlüge, mit der Juden beschuldigt wurden als Teil ihrer Religion rituelle Morde zu begehen.

Dann gibt es den Antisemitismus, der sich physisch zum Ausdruck bringt, weil er anstrebt so viele Juden wie möglich auszulöschen. Das war der Antisemitismus Hitlers und Nazi-Deutschlands – eine Völkermord-Kampagne, die sich gegen alle Juden richtete.

Die dritte Art, wie sich Antisemitismus manifestiert hat, ist Gegnerschaft nicht in erster Linie gegen die jüdische Religion oder jüdisches Leben, sondern gegen jüdische Souveränität – als Hass auf den jüdischen Staat in der jüdischen Heimat. In biblischen Zeiten war das zügellos, aber in der langen Zeit des jüdischen Exils, als die Juden keinen Staat und keine nationale politische Macht hatten, wurde diese Art von antijüdischer Feindseligkeit weitgehend unbedeutend.

Für Antizionisten ist jüdische Souveränität heute derart unerträglich, wie sie es 1948 war, als fünf arabische Armeen in den neugeborenen Staat Israel einmarschierten, dem sie „einen Vernichtungskrieg und ein bedeutsames Massaker“ schworen.

Das änderte sich mit der Geburt des modernen Zionismus und der Bewegung zur Wiedergründung eines jüdischen Heimatlandes. Im 20. Jahrhundert veränderten Kampagnen zur nationalen Befreiung und Selbstbestimmung die Landkarte der Welt und ließen in Europa, Afrika, Asien und dem Nahen Osten jede Menge neuer Länder entstehen. Von all diesen Ländern hat nur Israel sich einer Jahrzehnte langen Dämonisierungs- und Delegitimierungs-Kampagne gegenüber gesehen. Genau betrachtet, hat Antizionismus sehr wenig mit Kritik an Israels Politik und Sympathie für die palästinensischen Araber zu tun, was beides absolut in Ordnung ist. Es geht einzig darum Juden das Recht zu verweigern, das Slowaken, Chinesen, Iraner und Mexikaner für selbstverständlich nehmen: einen eigenen Staat.

Für Antizionisten ist jüdische Souveränität heute so unerträglich wie sie es 1948 war, als fünf arabische Armeen in den neugeborenen Staat Israel einmarschierten und „einen Vernichtungskrieg und bedeutendes Massaker“ gelobten. Dieser Krieg wurde nicht begonnen, um eine Zweistaatenlösung zu erreichen, sondern um eine zu verhindern: Die arabische Welt lehnte den UNO-Beschluss zur Teilung Palästinas in zwei Länder, ein jüdisches und ein arabisches, ab. Israel Feinde treibt kein Wunsch einen 22. Arabischen Staat zu schaffen an, sondern den einzigen jüdischen Staat abzuschaffen.

Antizionismus muss sich nicht in hasserfüllter oder gewalttätiger Rhetorik ausdrücken, um antisemitisch zu sein. Er ist per Definition antisemitisch. Eine unbarmherzige Besessenheit mit Israels Sünden, ob nun echt oder eingebildet; die Weigerung, dass Juden eine Berechtigung auf jüdische Souveränität haben – das sind keine bloßen Meinungsäußerungen, sondern damit wird Fanatismus gegen das jüdische Volk zum Ausdruck gebracht. O’Briens Worte sind Teil der zunehmenden Strömung des Antisemitismus in Amerika und weltweit. Sie verdienen die Verurteilung, die sie erhielten und noch einiges mehr.

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