(Zum Beitragsbild oben: Reliefkarte des Iran. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de. Urheber: Uwe Dedering)
Die Menschen im Iran gehen auf die Straße. Sie wehren sich gegen das Mullah-Regime. Gegen die Scharia. Gegen die Unterdrückung der Frauen.
Sie kämpfen für ihre Rechte. Buchstäblich unter Einsatz ihres Lebens setzen sie sich für einen offeneren und besseren Iran ein.
Seit gestern können diese tapferen Menschen praktisch nicht mehr über das berichten, was dort vor Ort geschieht. Das iranische Regime hat das Internet gesperrt und die Telefonlinien geblockt. Die Informationen fließen nicht mehr, der Iran ist quasi vom Rest der Welt abgeschnitten. Der Grund dafür ist klar: Die Regierungstruppen, offenbar unterstützt von Soldaten aus dem Irak, schießen auf die Demonstrierenden. Erschießen Hunderte von Menschen, verletzen unzählige mehr. Die Krankenhäuser laufen am Limit, können nicht alle Verwundeten behandeln, die eintreffen.
Wenn du auf den sozialen Medien unterwegs bist, siehst du Hunderte von Hilferufen. Teilweise wurden sie noch vor der Zensur hochgeladen, teilweise stammen sie von Iranerinnen und Iranern im Exil. Sie haben Angst um ihre Verwandten und Freunde, können sie nicht mehr erreichen, bekommen keine Informationen… Aber eines sagen sie ganz klar: Die Aufstände gehen nicht gegen die wirtschaftliche Situation im Iran, nicht gegen die Preiserhöhungen und die Geldentwertung. Es handelt sich nicht um Aufstände, sondern um eine Revolution. Sie richtet sich gegen die Unterdrückung durch das islamistische Regime, welches das ganze tägliche Leben bestimmt und einschränkt. Es geht um Menschenrechte wie Versammlungs- und Redefreiheit, um das Recht, sich so zu kleiden, wie man (oder hier eher: Frau) mag, um das Recht zur Selbstbestimmung. Das iranische Volk kämpft um sein Leben. Diese tapferen Menschen setzen ihr Leben aufs Spiel, um eine Veränderung zu erzwingen.
Sie brauchen alle Unterstützung, die sie kriegen können.
Doch wo sind die Demonstrationen, wo ist die Solidarität der Aktivisten und Aktivistinnen? Wo ist Greta Thunberg, wo sind die Regierungen, die mehr tun als nur Betroffenheit auszustrahlen? Wo sind die ganzen Linken, die sich so sehr für „die Palästinenser“ eingesetzt haben? Der Iran brennt, Menschen werden erschossen, entführt, gefangen genommen, gefoltert… Offenbar ist das nicht so wichtig. Ich möchte mehr Engagement sehen.
Noch immer befindet sich Ran Gvili in den Fängen der Hamas. Vergiss ihn nicht!
P. S. Präsident Trump hat gedroht, im Iran einzugreifen, wenn auf Demonstrantinnen und Demonstranten geschossen würde. Ich fürchte leider, dass dann Folgendes geschieht: Die USA greifen den Iran an – und der schießt im Gegenzug auf uns. Hoffentlich liege ich falsch.
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