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Ein Bericht von Iran International wirft neue Fragen über die Kontrolle in Teheran auf. Raketenangriffe auf Israel könnten nach festen Militärprotokollen erfolgt sein, ohne direkte Abstimmung mit Khameneis Büro.
In Teheran mehren sich Hinweise auf ein gefährliches Führungsproblem. Nach einem Bericht des regimekritischen Senders Iran International sollen die Kommunikationslinien zwischen dem Obersten Führer Mojtaba Khamenei, der Revolutionsgarde und anderen iranischen Stellen seit Sonntagabend gestört sein. Eine mit der aktuellen Zuspitzung vertraute Quelle erklärte demnach, die Raketenstarts auf Israel könnten nach vorher festgelegten militärischen Protokollen erfolgt sein, ohne dass sie unmittelbar mit Khameneis Büro abgestimmt wurden. Die Jerusalem Post griff den Bericht am Montag auf. Unabhängig bestätigt sind die Angaben bislang nicht.
Israel politische Analyse
Der Vorwurf ist dennoch brisant. Iran hatte am Sonntagabend und Montagmorgen Raketen auf Israel abgefeuert, nachdem Israel Ziele der Hisbollah im Süden Beiruts angegriffen hatte. Nach Angaben internationaler Medien reagierte Israel anschließend mit Angriffen auf militärische Ziele im Iran. Reuters berichtete am Montag, dass beide Seiten nach amerikanischem Druck vorerst eine Pause der gegenseitigen Angriffe angekündigt hätten.
Sollten die Angaben von Iran International zutreffen, würde das ein ernstes Problem im iranischen Machtapparat zeigen. Die Reaktion der Revolutionsgarde auf den israelischen Schlag in Dahiyeh sei laut der Quelle so schnell erfolgt, dass ein normaler Austausch zwischen Khameneis Büro, der IRGC-Führung und dem Militär kaum wahrscheinlich erscheine. Iran International berichtet deshalb von der Möglichkeit, dass vorab festgelegte Einsatzregeln ausgelöst wurden.
Der Bericht passt zu bereits länger bestehenden Fragen über Khameneis tatsächliche Handlungsfähigkeit. Mojtaba Khamenei wurde nach israelischen Angriffen auf Teheran am 28. Februar schwer verletzt und ist seit seiner Machtübernahme im März nicht öffentlich aufgetreten, wie mehrere Berichte zur Lage im Iran festhalten. Statt öffentlicher Auftritte wurden zuletzt schriftliche Erklärungen verlesen, die ihm zugeschrieben werden. Critical Threats schrieb bereits im März, es gebe Indizien, dass Khamenei weiterhin schwer verletzt oder anderweitig handlungsunfähig sein könnte.
Für Israel ist das mehr als eine interne iranische Personalfrage. Wenn in Teheran Befehlswege gestört sind oder die Revolutionsgarde nach eigenen militärischen Automatismen handelt, steigt das Risiko unkontrollierter Konfrontationen. Ein Regime, das Israel mit Raketen bedroht, dessen oberste Führung aber möglicherweise nur eingeschränkt erreichbar ist, wird nicht berechenbarer, sondern gefährlicher.
Genau darin liegt die sicherheitspolitische Bedeutung des Berichts. Iran präsentiert sich nach außen als geschlossene Macht. Doch hinter dieser Fassade könnten Verletzung, Isolation, interne Machtverschiebungen und der wachsende Einfluss der Revolutionsgarde die Entscheidungswege verändern. Für Jerusalem zählt am Ende nicht, welche Fraktion in Teheran einen Angriff auslöst. Entscheidend ist, dass Raketen auf Israel abgefeuert werden und dass Israel darauf reagieren muss.

