Israels Öffentlichkeit sieht den Iran-Deal als Sieg für Teheran und Risiko für die eigene Sicherheit

Israels Öffentlichkeit sieht den Iran-Deal als Sieg für Teheran und Risiko für die eigene Sicherheit

Eine neue Umfrage der Hebräischen Universität zeigt ein klares Misstrauen in Israel. Die Mehrheit glaubt nicht an einen strategischen Erfolg, sondern an ein Abkommen, das Iran stärkt und Israel schwächt.

Die israelische Öffentlichkeit bewertet die neue amerikanisch-iranische Absichtserklärung deutlich negativer, als es die politischen Botschaften aus Washington und Jerusalem nahelegen. Nach einer Umfrage des Agam-Instituts und der Hebräischen Universität Jerusalem sehen rund 86 Prozent der Befragten das Abkommen kritisch. Mehr als 90 Prozent glauben, dass Iran daraus als Gewinner hervorgeht. Etwa 83 Prozent betrachten die Vereinbarung als langfristigen Verlust für Israels Sicherheit.

Diese Zahlen sind politisch brisant, weil sie nicht nur Ablehnung gegen ein einzelnes diplomatisches Papier zeigen. Sie drücken ein tieferes Misstrauen aus: Viele Israelis haben den Eindruck, dass der Iran Krieg 2026 zwar enorme militärische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten verursacht hat, am Ende aber kein belastbares Sicherheitsresultat steht. Wenn Teheran Entlastung erhält, wenn Sanktionen gelockert werden, wenn die Straße von Hormus wieder zur Verhandlungsmasse wird und wenn zugleich Raketen, Stellvertreter und nukleare Grauzonen nicht überzeugend gelöst sind, entsteht in Israel kein Gefühl von Sieg, sondern von gefährlicher Lücke.

Besonders schwer wiegt, dass fast drei Viertel der Befragten den Aussagen von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu misstrauen, die IDF habe eine existenzielle Bedrohung beseitigt. Das trifft den Kern seiner politischen Selbstdarstellung. Netanyahu hat seine Karriere über Jahrzehnte auf das Versprechen gegründet, Israel vor Iran zu warnen und im Ernstfall entschlossen zu handeln. Nun sagt ein großer Teil der Bevölkerung: Die Gefahr ist nicht beseitigt, Iran hat gewonnen, Israels Sicherheit ist langfristig geschwächt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Öffentlichkeit jede militärische Handlung ablehnt. Im Gegenteil: Die Umfrage zeigt auch, dass fast die Hälfte der Befragten künftige militärische Aktionen gegen die Hisbollah im Libanon befürwortet, selbst wenn dies das Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump belastet. Nur gut ein Fünftel lehnt solche Gewaltanwendung ab. Das ist ein entscheidender Punkt. Israels Bevölkerung ist nicht kriegsmüde im Sinne einer Bereitschaft, jede Bedrohung hinzunehmen. Sie ist misstrauisch gegenüber einem Ergebnis, das viele als halben Krieg mit halbem Abkommen und offenem Risiko wahrnehmen.

Gerade deshalb sind die Diskussionen über mögliche symbolische Schritte im Südlibanon so sensibel. Berichte über einen möglichen israelischen Rückzug aus kleineren Gebieten nördlich der sogenannten gelben Linie oder über die Übergabe eines Hisbollah-Tunnelkomplexes an die libanesische Armee werden in Israel nicht isoliert betrachtet. Sie stehen im größeren Zusammenhang eines Abkommens, das aus Sicht vieler Bürger Teheran Luft verschafft, während die von Iran aufgebaute Bedrohungsarchitektur weiter existiert.

Für Jerusalem ist die innenpolitische Botschaft klar: Ein Deal, der in Washington als diplomatischer Durchbruch verkauft wird, wird in Israel nicht automatisch als Sicherheitserfolg verstanden. Die Menschen fragen nüchtern, ob Iran wirklich kontrolliert wird, ob die Internationale Atomenergiebehörde Zugang erhält, ob angereichertes Material überwacht wird, ob die Hisbollah zurückgedrängt wird und ob Hamas, Huthi und andere iranische Stellvertreter an Schlagkraft verlieren. Wenn diese Fragen offenbleiben, helfen keine Siegerreden.

Auch für Trump ist das ein Problem. Der amerikanische Präsident kann ein Abkommen präsentieren, aber er kann den Israelis nicht vorschreiben, es als Schutz zu empfinden. Israel misst Sicherheit nicht an Pressekonferenzen, sondern an Raketenreichweiten, Tunneln, Drohnen, Uranbeständen und der Frage, ob Familien im Norden, im Süden und im Zentrum des Landes wieder ohne dauernde Bedrohung leben können.

Die Umfrage ist damit kein Stimmungsbild am Rand. Sie ist ein politisches Warnsignal. Eine Bevölkerung, die Iran als Gewinner sieht, wird jede neue Konzession an Teheran mit Misstrauen betrachten. Und sie wird von ihrer Regierung verlangen, dass sie Israels Sicherheit nicht in diplomatischen Formeln aufgehen lässt.

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