IAEA-Inspektionen im Iran: Nach den Bombenschlägen reichen alte Regeln nicht mehr

IAEA-Inspektionen im Iran: Nach den Bombenschlägen reichen alte Regeln nicht mehr

Nach den Angriffen auf Irans Atomanlagen geht es nicht mehr nur um Kameras und Zentrifugen. Die IAEA muss Uran sichern, zerstörte Anlagen prüfen und neue geheime Standorte finden.

Die Debatte über IAEA-Inspektionen im Iran geht am Kern vorbei, wenn sie nur nach der Rückkehr zu alten Zugangsrechten fragt. Nach den massiven israelischen und amerikanischen Schlägen gegen Irans Nuklearprogramm ist die Lage nicht mehr dieselbe wie 2015 oder 2021. Damals ging es vor allem darum, bestehende Anlagen, Zentrifugen und Anreicherungsgrade zu überwachen. Heute muss die Internationale Atomenergiebehörde vor allem klären, was von diesem Programm übrig ist, wo gefährliches Material liegt und ob Teheran bereits neue Standorte vorbereitet.

Vor den Angriffen standen die großen iranischen Nuklearzentren Natanz, Isfahan und Fordow im Mittelpunkt. Dort befand sich ein erheblicher Teil der iranischen Zentrifugen, darunter viele der moderneren Modelle. Nach den Bombardierungen sind diese Anlagen schwer beschädigt oder in Teilen nicht mehr funktionsfähig. Damit hat sich die Aufgabe der Kontrolle grundlegend verändert. Die IAEA überwacht nicht einfach ein laufendes Programm. Sie muss verhindern, dass Iran aus Trümmern, Restbeständen und neuen unterirdischen Projekten ein neues Programm aufbaut.

Der wichtigste Punkt ist das hochangereicherte Uran. Laut Berichten geht es um mehr als 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran, das seit den Angriffen teils unter Trümmern an früheren Nuklearstandorten vermutet wird. Dazu kommen Bestände an auf 20 Prozent angereichertem Uran. Dieses Material muss gefunden, entfernt oder unter internationaler Aufsicht verdünnt werden. Ohne diese Klärung bleibt jeder Deal gefährlich, weil Iran zwar zerstörte Gebäude zeigen kann, aber das entscheidende Material möglicherweise weiter besitzt.

Genau deshalb reichen symbolische Inspektionen nicht aus. Die IAEA braucht Zugang zu allen Orten, an denen sich 60 oder 20 Prozent angereichertes Uran befinden könnte. Sie muss prüfen können, ob beschädigte Anlagen tatsächlich stillgelegt sind, ob Zentrifugenreste noch nutzbar sind und ob Iran Material oder Technik an andere Standorte verlagert hat. Die alte Logik des Atomdeals von 2015, bei der bekannte Anlagen regelmäßig kontrolliert wurden, ist nach dem Iran Krieg 2026 überholt.

Besonders wichtig wird der Blick auf neue oder bislang nicht vollständig geprüfte Standorte. Die Jerusalem Post verweist dabei auf Pickaxe Mountain, eine tief in einen Berg gebaute Anlage, die Iran seit 2021 vorbereitet haben soll. USA und Israel haben diesen Standort bislang nicht angegriffen. Wenn Teheran alte Anlagen aufgibt und neue unterirdische Strukturen nutzt, entscheidet sich die Wirksamkeit des Deals nicht in Natanz oder Fordow, sondern an solchen Orten. Die IAEA muss dort feststellen können, ob nukleare Aktivitäten stattfinden oder vorbereitet werden.

Das setzt eine neue Art von Kontrolle voraus. Inspektoren müssten nicht nur bekannte Anlagen besuchen, sondern kurzfristig auf Hinweise von westlichen Geheimdiensten reagieren können, etwa von Mossad, CIA oder anderen Diensten. Ohne schnellen Zugang zu verdächtigen Standorten bleibt Iran der entscheidende Zeitvorsprung. Genau diesen Zeitvorsprung hat Teheran in der Vergangenheit immer wieder genutzt.

Für Israel ist diese Frage existenziell. Ein Deal, der nur zerstörte Anlagen kontrolliert, aber neue Standorte, Uranbestände und verdeckte Wiederaufbauversuche nicht erfasst, wäre kein Schutz. Er wäre eine Beruhigungspille. Nach den Bombenschlägen muss die IAEA nicht mehr nur ein lebendes Programm beobachten. Sie muss sicherstellen, dass der Stecker wirklich gezogen bleibt.

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