(zum Beitragsbild oben: Symbolbild / KI)
Israels Sicherheitskabinett hat einer internationalen Stabilisierungstruppe rechtliche Immunität gewährt. Sicherheitsvertreter warnen, dass ihre Stationierung die IDF einschränken und der noch bewaffneten Hamas eine Erholung ermöglichen könnte.
Israelische Sicherheitsvertreter warnen vor einer internationalen Stabilisierungstruppe, die bereits in ausgewählte Gebiete des Gazastreifens einrücken soll. Nach ihrer Einschätzung beginnt die nächste Phase zu früh: Hamas ist weiterhin bewaffnet, ihre Herrschaftsstrukturen sind nicht vollständig zerschlagen und der Gazastreifen ist nicht entmilitarisiert.
Trotz dieser Bedenken billigte das Sicherheitskabinett die rechtliche Immunität für die Angehörigen der Truppe. Rund 200 Vertreter aus Israel freundlich gesinnten Staaten, darunter Uganda und Marokko, sollen zunächst eingesetzt werden.
Die internationale Mission ist Teil des 20-Punkte-Plans von US-Präsident Donald Trump. Washington drängt darauf, mit Stabilisierung und Wiederaufbau zu beginnen. Israelische Vertreter hatten nach Medienberichten um einen Aufschub gebeten. Die amerikanische Regierung lehnte dies offenbar ab.
Ausländische Soldaten könnten Israels Handlungsfreiheit begrenzen
Das Hauptproblem besteht nicht in der Anwesenheit internationaler Kräfte an sich. Entscheidend ist, was geschieht, wenn Hamas ihre militärischen Strukturen in deren Einsatzgebieten wieder aufbaut.
Entdeckt Israel dort eine Terrorzelle, ein Waffenlager oder einen neuen Tunneleingang, müsste jeder Einsatz mit den beteiligten Staaten abgestimmt werden. Die Gefahr, ausländische Soldaten zu treffen, könnte israelische Operationen verzögern oder politisch verhindern.
Genau darauf könnte Hamas setzen.
Die Terrororganisation müsste nicht offen die Kontrolle übernehmen. Es würde genügen, bewaffnete Zellen im Untergrund zu erhalten, die Bevölkerung einzuschüchtern und neue zivile Strukturen heimlich zu beeinflussen. Eine internationale Truppe könnte dann unbeabsichtigt zu einem Schutzschild werden, hinter dem Hamas ihre Führung neu ordnet, Waffen beschafft und ihre Herrschaft wieder festigt.
Israelische Sicherheitsvertreter erklären deshalb, nur die IDF verfüge über die Geheimdienstinformationen und militärischen Fähigkeiten, um Hamas vollständig zu entwaffnen. Ob die beteiligten Staaten bereit wären, Häuser zu durchsuchen, Tunnel zu zerstören und gegen bewaffnete Terroristen zu kämpfen, ist bislang unklar.
Wiederaufbau vor Entwaffnung wäre der alte Fehler
Die amerikanische Planung sieht vor, dass die internationale Truppe Stabilität schafft und zugleich die Entmilitarisierung unterstützt. Auf dem Papier soll sie also nicht Hamas schützen, sondern deren Wiederaufstieg verhindern.
Doch der Erfolg hängt von der Reihenfolge ab.
Beginnt der Wiederaufbau, während Hamas weiterhin über Waffen, Kämpfer und lokale Netzwerke verfügt, kann sie neue Infrastruktur erneut für ihre Zwecke nutzen. Baumaterialien können verschwinden, Hilfsgüter kontrolliert und neue Verwaltungsstrukturen durch Drohungen unterwandert werden.
Genau dieses Muster gab es bereits vor dem 7. Oktober. Israel und internationale Geldgeber hofften, wirtschaftliche Verbesserungen würden Hamas mäßigen. Währenddessen baute die Terrororganisation Tunnel, produzierte Raketen und bereitete das Massaker vor.
Die Bewohner der israelischen Grenzregion warnen deshalb vor einer Rückkehr zu derselben Denkweise. Die Organisation „Future for the Gaza Envelope“ fordert eine eindeutige Antwort darauf, ob die internationale Truppe tatsächlich mehr Sicherheit schafft. Solange Hamas als militärische und politische Macht fortbesteht, dürfe der Wiederaufbau nicht beginnen.
Die IDF darf die Gelbe Linie nicht vorschnell aufgeben
Israel besteht nach Angaben politischer Vertreter darauf, dass die IDF an der sogenannten Gelben Linie bleibt, bis Hamas entwaffnet und der Gazastreifen vollständig demilitarisiert ist.
Diese Position ist unverzichtbar.
Eine internationale Truppe kann Grenzübergänge sichern, Hilfslieferungen überwachen und eine neue zivile Verwaltung unterstützen. Sie darf aber die israelische Armee nicht ersetzen, solange sie nicht bewiesen hat, dass sie gegen Hamas tatsächlich vorgehen kann.
Israel braucht weiterhin das Recht, ohne lange politische Verhandlungen gegen akute Gefahren vorzugehen. Dazu gehören neu entstehende Terrorzellen, Waffenschmuggel aus Ägypten, Raketenproduktion und der Wiederaufbau unterirdischer Anlagen.
Auch die geplante „Grüne Stadt“ in Rafah kann nur funktionieren, wenn Hamas dort weder offen noch verdeckt Einfluss ausübt. Eine offiziell terrorfreie Zone ist wertlos, wenn Bewohner weiterhin von bewaffneten Hamas-Mitgliedern bedroht werden.
Erst Entwaffnung, dann Wiederaufbau
Eine internationale Stabilisierungstruppe kann Teil einer tragfähigen Nachkriegsordnung sein. Doch sie darf nicht dazu führen, dass Israel seine militärische Handlungsfreiheit verliert, bevor Hamas beseitigt ist.
Die richtige Reihenfolge lautet:
Hamas entwaffnen, ihre Tunnel und militärischen Strukturen zerstören, Schmuggelwege schließen und erst danach mit einem umfassenden Wiederaufbau beginnen.
Andernfalls erhält die Terrororganisation genau das, was sie benötigt: Zeit, Geld, neue Infrastruktur und eine internationale Präsenz, die israelische Eingriffe erschwert.
Der Wiederaufbau des Gazastreifens darf nicht zum Wiederaufbau der Hamas werden.

