Quo vadis, Schalke?

Ein Kommentar zur derzeitigen Situation meines Lieblingsklubs

Nach der Vizemeisterschaft in der letzten Saison steckt Schalke nun tief im Abstiegskampf, und einige Fans haben immer noch nicht verstanden, dass diese Vizemeisterschaft ein großes Unglück für diesen Verein war. Abgesehen von Bayern München spielten alle Vereine in der Liga schlecht,  und Schalke hatte das Glück, durch unattraktivem Mauerfußball oft mit einem glücklichen Tor vorne Punkte sammelten und am Ende vor der Konkurrenz standen.

Doch diese Vizemeisterschaft scheint einigen den Verstand vernebelt zu haben. Der damalige Trainer Domenico Tedesco wurde vergöttert und wird das zum Teil heute noch! Oft hörte ich in dieser Saison, dass Schalke mit Tedesco endlich einen Trainer habe, der „zu Schalke passt“.  Dabei hat die Saison bereits mit fünf Niederlagen in Folge begonnen, und auch eine Wochen danach standen wir noch tief in der zweiten Tabellenhälfte. Unser Fußball war grauenvoll, und vor dem Tor fehlte uns das Glück – ganz im Gegensatz zur letzten Saison.

Der Sportvorstand Christian Heidel hatte zusammen mit dem ebenfalls von ihm ausgesuchten Trainer Markus Weinzierl mit fünf Niederlagen in Folge angefangen. Heidel war mit großen Versprechen angetreten; er wollte Schalke vollkommen umkrempeln und begann damit, die Umkleidekabine zu vergrößern und ließ Bagger auf dem Berger Feld, dem Gebiet hinter der Arena, vorfahren, um mehrere Trainingsplätze im Wert von 25 Millionen Euro (!) zu bauen. Doch für „richtig“ gute Spieler war kein Geld da. So kaufte er lieber Spieler ein, die irgendein Handicap hatten und haben. Und das Ergebnis sehen wir jetzt: Schalke steht auf Platz 15 und hat gerade mal drei Punkte Abstand zum Relegationsplatz! Nachdem Heidel erstaunlicherweise erst in den letzten Wochen negativ in die Schlagzeilen geriet, warf er von selbst das Handtuch und ließ den Trainer, der er bis dahin immer in Schutz genommen hatte, zurück.

Schon die Einstellung von Heidel verlief kurios. Gegen Ende der glücklosen Saison 2014/2015 geriet der damalige Manager Horst Heldt in die Kritik von Schalke-Fans, und niemand hätte sich beschwert, wenn Heldt damals gleich mit dem damaligen Trainer Robert Di Matteo in die Wüste geschickt worden wäre. Doch Held blieb, während Di Matteo gehen musste. Mitten in der Saison 2014/2015, als es für Schalke unter dem man Heldt eingestellten Trainer André Breitenreiter eigentlich recht gut lief, wurde bekannt, dass Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies beabsichtigte, sofort Heldt durch den langjährigen Manager des FSV Mainz, eben Heidel, zu ersetzen, doch der gab bekannt, dass er erst nach der laufenden Saison kommen könne, weil er in Mainz ein „bestelltes Feld“ hinterlassen wollte. Den verständlicherweise aufgebrachten Heldt konnte Tönnies nur mit Mühe dazu überreden, bis zum Saisonende zu bleiben. Nun wurden die Leistungen des FC Schalke verständlicherweise schlechter, und zur nächsten Saison kam dann Heidel anstelle der „Lame Duck“ Heldt. Und wie es weiterging, wissen wir ja. Die Figur, die Tönnies bei diesem Austausch des Sportdirektors abgab, war alles andere als gut. Und gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Aufsichtsratswahlen anstehen, wäre es nicht verkehrt, auch ihn zu hinterfragen. Wie dem auch sei, Heidel hat anstelle eines „bestellten Feldes“ wie in Mainz auf Schalke einen Scherbenhaufen hinterlassen. Doch wie singt Andrea Berg: „In jedem Scherbenmeer seh‘ ich ein Mosaik.“

Heidel wurde nun durch Jochen Schneider, dem bis dahin amtierenden Team-Koordinator von RB Leipzig, ersetzt, der Tedesco nach einer kurzen Schonfrist mitsamt seinen Co-Trainern entließ bzw. auf andere, weniger relevante, Positionen versetzte. Neuer Trainer wurde Huub Stevens, der von Schalker Fans vor einiger Zeit zum „Jahrhunderttrainer“ gewählt worden war, was auf seine 1. Amtszeit als Trainer von Schalke 04 zurückzuführen ist. Und obwohl seine zweite Amtszeit nicht so glücklich verlief – er wurde damals von Manager Heldt entlassen, was ich heute noch nicht so recht verstehe, ließ sich der mittlerweile im Schalker Aufsichtsrat tätige Stevens sich auf eine dritte Amtszeit ein – wenn auch nur als Übergangstrainer bis zum Saisonende. Neben ihm wurden Mike Büskens und Matthias Kreutzer als Co-Trainer eingestellt, und der Schalker Fanliebling Gerald Asamoah bekleidete den von Schneider neu geschaffenen Postens des Teammanagers. Das erste Spiel unter Stevens und seinem Team wurde leider verloren, auch wenn Schalke eine deutlich engagiertere Leistung zeigte als vor dem Trainerwechsel. Das war eigentlich fast schon mehr als man erwarten konnte – hatte doch das neue Trainerteam nur knappe zwei Tage Zeit, um die Mannschaft zu trainieren. – Im Grund also ein positives Zeichen, wenn nicht die Zeit drängen würde und der Abstand zum Relegationsplatz nur noch schlappe drei Punkte betrüge. Hoffen wir, dass der Manager- und Trainerwechsel nicht zu spät erfolgte…

Mit diesem Schalker Kampflied verabschiede ich mich und sage Tschüss, Euer Roland

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