Atlantis, die Restitutionstheorie und voradamisches menschliches Leben

  • von Roland M. Horn

(Zum Beitragbild oben: Der Erzengel Michael schleudert Luzifer und seine Engel auf die Erde. Höllensturz durch den Erzengel Michael, Gemälde von Peter Paul Rubens, ca. 1620. Public domain, via Wikimedia Commons)

Ein grundsätzliches Problem bei der aktuellen wissenschaftlichen Sichtweise ist, dass von der zufälligen Evolution ausgegangen wird. Doch aus Nichts kann sich keine technische Hochzivilisation entwickeln, und ein sich selbst überlassener Garten würde zu einem unansehnlichen Unkrautfeld werden. Insofern muss man davon ausgehen, dass es einen Schöpfer gibt, der sich um seine Schöpfung kümmert. Dieses Problem erfordert tatsächlich einen Schöpfer. Möglicherweise kann man dieses Problem mit der “theistischen Evolution” umgehen, doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, es gibt aber auch eine anderen Möglichkeit. Ebenso wie die theistische Evolution eine Abwandlung der klassischen Evolutionstheorie] – in der Mainstreamwissenschaft etwas verächtlich “Kreationismus” genannt – ist, ist die Restitutionstheorie, eine Abwandlung der Schöpfungstheorie, wie sie in der Bibel gelehrt wird. Klar ist, dass ein Wörtlichnehmen der Bibel in keinem Fall funktioniert, doch die Restitutionstheorie bietet einige verlockende Möglichkeiten, die die klassische Schöpfungstheorie nicht bietet.

Was besagt nun die Restitutionstheorie? Diese – auch Lückentheorie genannte – Konzeption basiert auf der Aussage, dass zwischen 1Mo 1,1 und 1Mo 1,2 eine zeitliche Lücke klafft. Die Vertreter dieser Theorie ziehen Argumente dafür heran, dass die klassische Wiedergabe dieser Zeilen nicht zwangsläufig “Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis schwebte über der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser…” (hier nach der Elberfelder Bibel-Übersetzung), lauten muss, sondern möglicherweise auch: “Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Doch die Erde wurde wüst und leer…’“, bedeuten kann. Arthur C. Custance, ein Autor, der sich vielleicht am meisten mit der Thematik auseinandergesetzt hat, zitiert aus einer alten englischen Übersetzung:

In the beginning God created the heaven and the Earth. But the Earth had become a ruin and a desolation; and darkness was upon the face of the deep. And the spirit of God hovered over the face of the waters.”1Custance 1989/2008, Without Form and Void. Windber 2008, S. XV

Maarten van Heemskerck (1498–1574): Adam und Eva. Der Geschlechts­unterschied wird durch die Verwendung verschieden­farbiger Inkarnate hervor­gehoben. Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Das würde auf Deutsch tatsächlich Folgendes bedeuten:

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Aber die Erde war zu einer Verwüstung geworden, und es war finster auf dem Grunde der Erde. Und der Geist Gottes schwebte über der Wasserfläche.”

Custance kommt in seinem Buch zu dem Schluss, dass die ersten beiden Verse der Bibel wie oben übersetzt werden können, wenn nicht sogar müssen. Bibelfundamentalistisch eingestellte Vertreter dieser Theorie stellen oft den angeblichen Fall eines hochgestellten Engels namens Luzifer, der zum Satan wurde in diese Lücke. Doch die Möglichkeiten sind größer: Diese “Lücke” kann Millionen von Jahren umfassen, mit ihr sind die geologischen immensen Zeiträume und Ereignisse denkbar, die heute als Konsens gelten, und wer unbedingt an den Urknall glauben will, kann dies gerne auch im Rahmen der Lückentheorie tun – vorausgesetzt, ein Schöpfer hat den Urknall angestoßen.

Tatsächlich wird in diesen ersten Versen der Bibel eine Überflutung der Erde angedeutet – zumindest in der Bibelübersetzung nach Menge. Dort heißt es:

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde, die Erde war aber eine Wüstenei und Öde, und Finsternis lag über der weiten Flut (= dem Urmeer), und der Geist Gottes schwebte (brütend) über der Erde.

Offensichtlich konnte sich Menge unter einer „weiten Flut“ bei der Schöpfung der Erde nichts vorstellen, und so setzte er das Wort „Urmeer“ als Alternative ein und fügte zusätzlich an: “Sinngemäß könnten die ersten Verse auch so übersetzt werden: Im Anfang, als Gott Himmel und Erde schuf, war die Erde…” “Sinngemäß”, im Wortlaut, übersetzte er jedoch anders. Möglicherweise wurde Menge von der Frage geplagt, warum Gott eine überflutete Erde schuf. Nach der Restitutionstheorie ist das aber völlig klar. Nur: Wodurch aber wurde die Erde überflutet?

Wer in der Bibel als “Luzifer und seine Engel” beschrieben wird, könnten möglicherweise Menschen einer früheren Schöpfung (Die Frage, wer dieser Schöpfer war, lassen wir an dieser Stelle einmal außen vor) gewesen sein. Der Theologe W. W. Fields – eigentlich ein Kritiker der Restitutionstheorie – stellt in einer Zusammenfassung dieser Theorie fest, dass Gott in einer weit zurückliegenden, nicht datierbaren, Vergangenheit einen vollkommenen Himmel und eine vollkommene Erde schuf. Satan war der Herrscher der Erde und diese Erde war bevölkert von einer Rasse von “Menschen, die keine Seele hatten”. Danach folgte der Fall Satans und die (Ur-)Flut.

Die Anhänger der klassischen und im buchstäblichen Sinn zu nehmenden Schöpfungsgeschichte haben u.a. deswegen Schwierigkeiten mit der Restitutionstheorie, weil ihrer Meinung nach die „Sünde“ erst mit dem “Sündenfall” – dem verbotenen Essen der Frucht vom “Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen” durch Adam und Eva in die Welt kam. Nach der Restitutionstheorie hatte jedoch schon Luzifer gesündigt, und außerdem habe es vor der Sintflut bereits eine andere Sintflut gegeben. Dies ist für sie nicht akzeptabel. Uns sollen derartige theologische Spitzfindigkeiten jedoch weniger stören. Was im Zitat oben auffällt, ist der Verweis auf “präadamische Menschen“, die keine Seele gehabt haben sollen. Möglicherweise soll dies ausdrücken, dass dieser Mensch nicht aus “Staub” und dem “Atem Gottes” gemacht wurde, sondern aus irgendetwas anderem. Auch im Islam finden wir Hinweise auf eine menschenähnliche Lebensform, die vor dem Menschen existierte: die Dschinnen. Tatsächlich gelten sie im islamischen Volksglauben als Prä-Adamiten, da angenommen wird, dass sie bereits vor Adam erschaffen wurden.

Darüber, wie die Dschinnen erschaffen worden sein sollen, gibt es leicht abweichende Meinungen. Im Grunde ist man sich einig, dass sie aus “rauchlosem Feuer” erschaffen wurden, doch Autoren wie die Historikerin Jacqueline Chabbi sind der Meinung, dass die in manchen Koranübersetzungen verwendete Beschreibung “rauchloses Feuer” oder “pures Feuer” nicht angemessen sei, sondern stattdessen “die heiße Luft des Tages”, also ein Gemisch aus Hitze und Luft gemeint sei. Andere Autoren, wie beispielsweise G. Flügel, berufen sich darauf, dass einige muslimische Autoren die Engel, Satanen und Dschinnen durch den Umstand unterscheiden, dass “in den Engeln das Licht, in den Satanen das Feuer und in den Dschinn die Luft überwiege.” Aus drei mir vorliegenden Koran-Übersetzungen geht eindeutig hervor, dass die Dschinnen aus Feuer, die Menschen aber aus Lehm erschaffen wurde, und Letzteres stimmt auch mit der Schöpfungsgeschichte der Bibel überein. Wie weiter aus dem Koran hervorgeht, lebten eine Zeitlang Menschen und Dschinnen gemeinsam.

Angenommen wir glauben, dass der Mensch tatsächlich um 4000 v.Chr. geschaffen wurde (unabhängig davon, ob wir einen allmächtigen Gott, einen wie auch immer gearteten Geist des Universums, Außerirdische oder wen auch immer als Schöpfer annehmen), eröffnet die Restitutionstheorie ungeahnte Möglichkeiten. Wir können versuchen, die religiös ummantelten Vorstellungen von einer lange vor der Schöpfung untergegangenen Welt aufzuhellen. Und was kommt uns als Erstes in den Sinn, wenn wir an eine untergegangene und überflutete Welt denken, in denen Menschen irgendeiner Art lebten? Natürlich: Atlantis! Wir können Atlantis unter der Zuhilfenahme der Resititutionstheorie weit vor die Zeit zurückdatieren, als es entweder einen “Mann” oder eine “Ethnie” namens Adam gab (darüber unterscheiden sich die Vorstellungen) – nämlich in die Zeit, die der Philosoph Platon in seinen Dialogen Timaios und Kritias angibt. Und auch nach dem christlichen Mystiker Edgar Cayce existierte Atlantis lange bevor Adam und Eva auf der Bildfläche erschienen.

Cover: Roland M. Roland M. Horn: Auf der Suche nach dem Garten Eden: Kamen unsere Schöpfer aus einer Raumstation? AnuRa Verlag, 252 Seiten, Paperback, ISBN: 978-3985620197, Erscheinungsdatum: 18.04.2024

Wollen uns die am Anfang in der Bibel noch erhältlichen Informationen sagen, dass vor der “Lücke”, die die Restitutionstheorie vorgibt, eine – wie auch immer geartete – andere Schöpfung existierte, die durch Überflutung größtenteils ausstarb? Und wurde danach die Erde restauriert – im Sinne einer Neuschöpfung der Lebensmöglichkeiten und des Lebens? Bleibt die Frage, wer diese “neuen” Menschen erschaffen hat. Juden und Christen sagen, es war JHWH – aus älteren sumerischen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Gott Enki – ein Gott von vielen – die Menschen erschaffen hat, und der Ägyptologie David Rohl glaubt, dass das Tetragramm JHWH ursprünglich auf Enki zurückgeht. Er sagt, dass dieser sumerische Gott später von den ostsemitisch sprechenden Mesopotamiern vereinfacht als „Eya“ bezeichnet wurde. Dieser Name ist Rohl zufolge vermutlich nicht semitisch, sondern könnte von den ursprünglichen Siedlern in den sumerischen Sümpfen entlehnt sein, die ihren Gott von den östlichen Bergen nach Mesopotamien brachten. Der sumerische Namenszusatz en.ki (Herr der Erde) ist Rohl zufolge ausschließlich der Haupttitel des Gottes von Eden, dessen persönlicher Name „Eya“ war. Die Hethiter und Hurriter des letzten Bronzezeitalters nannten ihn “Aya”. Eintausend Jahre später bezeichneten die westsemitischen Israeliten den gleichen Gott als Yah (ausgesprochen Ya), aber auch mit seinem längeren, formellen Namen Yahweh (ausgesprochen Yawé; deutsch Jahwe) – den Gott der Israeliten und des Alten Testaments!

Ohne Frage wird in sumerischen Überlieferungen überdeutlich Enki als der Schöpfer der Menschen dargestellt – mit Hilfe von anderen Göttern bzw. Göttinnen – später im Judentum unter dem Namen Jahwe. Dazu muss aber gesagt werden, dass Jahwe zwar der dominierende und “einzige” Gott des Alten Testaments dargestellt wird, in der Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel – später in einem zweiten Schöpfungsbericht in 1Mo. 5, 4-24 dagegen sehr wohl! – aber nicht mit diesem Namen bezeichnet wird, sondern der Gott, der Himmel und Erde schuf, wird als “Elohim” bezeichnet, ein Plural, der aber die Erde schuf – es heißt also nicht, dass Götter Himmel und Erde schufen, sondern schuf. Das macht nur dann Sinn, wenn man von einer Gruppe von Göttern ausgeht, die Himmel und die Erde schuf und dann auch für die Neuschöpfung verantwortlich war (vorausgesetzt, es denn die gleichen). Waren diese Schöpfer Außerirdische? War mit dem Himmel nur die Atmosphäre der Erde gemeint? Oder waren – zumindest bei der Urschöpfung – Wesen aus einem anderen Universum, in das im Rahmen eines Multiversums in unseres eingebettet ist, gemeint oder Wesen von außerhalb eines Hologramms, die tatsächlich ein Universum bzw. eine Simulation – in der wir uns nach dieser Idee befinden – davon erzeugen konnten?

Dieser Artikel fasst eine Fülle an Informationen und Gedanken zusammen, die Sie in meinem Buch “Auf der Suche nach dem Garten Eden: Kamen unsere Schöpfer aus einer Raumstation in ausführlicher Form finden.

(Erstveröffentlichung auf Atlantisforschung.de)

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