(Quelle Beitragsbild oben: Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141074394)
Während Teheran offen mit einer regionalen Ausweitung droht, laufen hinter den Kulissen intensive Gespräche zwischen Washington und Jerusalem. Die Worte des iranischen Machthabers sind kein Zufall. Sie sind Teil einer gefährlichen Strategie.
Die Worte kamen nicht beiläufig, nicht im Affekt und nicht zufällig. Als Irans oberster Führer erklärte, ein möglicher Krieg werde diesmal regional sein, war das eine gezielte Botschaft an die Vereinigten Staaten und an Israel. Keine Warnung. Eine Drohung. Und zugleich ein Versuch, Abschreckung neu zu definieren.
In Teheran ist man sich bewusst, wie angespannt die Lage ist. Raketenversuche, Manöver im Persischen Golf, Übungen nahe der Straße von Hormuz und aggressive Parolen im Parlament sind keine isolierten Ereignisse. Sie sind Teil eines kalkulierten Druckaufbaus. Die Führung der Islamischen Republik will Stärke demonstrieren, während sie gleichzeitig signalisiert, dass sie verhandlungsbereit sei. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Widerspruch, sondern Methode.
Denn Iran verhandelt nie aus Schwäche, sondern aus dem Anspruch heraus, als regionale Macht anerkannt zu werden. Genau darin liegt die Gefahr. Während der amerikanische Präsident öffentlich von ernsthaften Gesprächen spricht und auf eine Vereinbarung ohne iranische Atomwaffen hofft, versucht Teheran, den Preis für ein Scheitern der Gespräche in die Höhe zu treiben.
Die Botschaft ist klar. Sollte es zu einem militärischen Schritt kommen, werde nicht nur Iran reagieren. Gemeint sind die Stellvertreter in der gesamten Region. Im Libanon, im Irak, in Syrien, im Jemen und auch darüber hinaus. Die Drohung richtet sich nicht nur an Washington, sondern unmittelbar an Israel.
In Jerusalem wird diese Rhetorik sehr genau analysiert. Die israelische Sicherheitsführung weiß, dass Worte aus Teheran selten für die eigene Bevölkerung gedacht sind. Sie richten sich nach außen. Und sie sollen Unsicherheit erzeugen.
Deshalb fanden am vergangenen Wochenende intensive Abstimmungen zwischen dem israelischen Generalstabschef und hochrangigen Vertretern des amerikanischen Militärs statt. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf Iran. Auf seinen militärischen Fähigkeiten, auf seinen roten Linien und auf den möglichen Reaktionen seiner Verbündeten.
Israel befindet sich dabei in einer bekannten, aber hochsensiblen Lage. Einerseits ist klar, dass ein atomar bewaffneter Iran nicht akzeptiert werden kann. Andererseits weiß man, dass jede militärische Eskalation nicht begrenzt bleiben würde. Genau darauf setzt Teheran.
Die iranische Führung versucht, den Westen vor eine scheinbare Wahl zu stellen. Entweder ein Abkommen zu iranischen Bedingungen oder ein Flächenbrand im Nahen Osten. Diese Logik ist erpresserisch. Und sie ist nicht neu.
Doch sie wirkt heute gefährlicher als früher. Der regionale Raum ist instabil. Die Fronten sind emotional aufgeladen. Die Bevölkerung in vielen Ländern ist müde, verarmt und empfänglich für radikale Mobilisierung. Ein einzelner Zwischenfall kann genügen, um eine Kettenreaktion auszulösen.
Gleichzeitig zeigt sich ein weiteres Muster. Während iranische Parlamentarier öffentlich Parolen gegen Amerika und Israel skandieren, betonen andere Vertreter des Regimes, vieles sei übertriebene mediale Darstellung. Auch das ist Teil des Spiels. Drohen nach außen, beruhigen nach innen, verhandeln im Hintergrund.
Israel kann sich diesem Spiel nicht entziehen. Die militärische Bereitschaft bleibt hoch, ohne Panik, ohne öffentliche Dramatisierung. Die Bevölkerung wird informiert, aber nicht alarmiert. Es gibt derzeit keine Änderungen an den Sicherheitsanweisungen. Doch die Wachsamkeit ist spürbar.
Was sich derzeit abzeichnet, ist kein unmittelbarer Krieg, aber auch keine Entspannung. Es ist ein gefährlicher Schwebezustand. Ein politischer Zwischenraum, in dem jedes Wort Gewicht hat und jede Bewegung interpretiert wird.
Für Israel steht dabei mehr auf dem Spiel als diplomatisches Prestige. Es geht um strategische Existenzsicherung. Ein Iran ohne Atomwaffen ist kein politischer Wunsch, sondern eine sicherheitspolitische Notwendigkeit.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Gespräche tatsächlich zu Ergebnissen führen oder ob Teheran erneut Zeit gewinnen will. Erfahrungsgemäß ist letzteres nie auszuschließen.
Fest steht jedoch schon jetzt: Die Drohung eines regionalen Krieges ist kein Zeichen von Stärke. Sie ist Ausdruck eines Regimes, das seine Macht nur noch durch Eskalation behaupten kann.
Israel hört diese Drohungen. Aber es lässt sich von ihnen nicht lähmen.

