„Was machten die Medien, als das Regime unter Ali Khamenei schließlich fiel?“

Diese Frage wird gestellt werden, falls wir – wie viele Iraner nun zu hoffen wagen – tatsächlich die letzten Tage der Islamischen Republik nach mehr als vier Jahrzehnten an der Macht erleben. Es ist auch eine Frage, auf die die westliche Presse möglicherweise nur schwer eine Antwort finden wird.

Wie es begann

Die aktuelle Welle der Unruhen begann Ende Dezember, als Ladenbesitzer in Teheran in den Streik traten – aus wachsender Wut über die kollabierende iranische Wirtschaft. Der Rial erreichte historische Tiefststände, während die Preise unter einer lähmenden Inflation weiter explodierten. Händler, Großhändler und Geschäftsleute gingen aus Protest auf die Straße, zunächst wegen wirtschaftlicher Misswirtschaft – doch die Wut richtete sich rasch gegen das Regime selbst.

Innerhalb von 48 Stunden hatten sich die Demonstrationen über die Hauptstadt hinaus auf große Städte wie Isfahan, Schiras, Maschhad, Hamadan, Qeschm und weitere Orte ausgebreitet. Von Iranern gepostete Videos zeigten Menschenmengen, die offen politische Parolen riefen: „Tod dem Diktator“, „Die Mullahs müssen weg“ und „Dieses Heimatland wird nicht frei sein, bis der Mullah weg ist.“

Regimenahe iranische Medien haben mehrere Todesfälle eingeräumt. Unabhängige Schätzungen deuten darauf hin, dass die Zahl deutlich höher sein könnte. Unstrittig ist, dass sich die Unruhen rasch von wirtschaftlichen Protesten zu einer breit angelegten Herausforderung der klerikalen Herrschaft entwickelt haben.

Die von den Medien kaum berichtete Geschichte

Und doch brachte The New York Times am Freitag auf der Titelseite keinen einzigen Artikel über die Proteste.

Keinen einzigen.

Dabei handelte es sich um Unruhen, die – sollten sie Erfolg haben – den Iran, den Nahen Osten und die globalen Sicherheitsdynamiken für Jahrzehnte verändern könnten. Ein Regime, das die Hamas und die Hisbollah unterstützt, terroristische Stellvertreter in der gesamten Region bewaffnet, Israel mit der Vernichtung droht und internationale Energiemärkte destabilisiert, sah sich der nachhaltigsten landesweiten Opposition seit Jahren gegenüber. Und dennoch fand die Geschichte kaum Beachtung.

Das nahezu völlige Schweigen der New York Times war kein Ausreißer. Es war symptomatisch.

Als die mangelnde Berichterstattung in den sozialen Medien kritisiert wurde, lieferte John Simpson, World Affairs Editor der BBC, eine beinahe komische Verteidigung: Videos aus sozialen Netzwerken, sagte er, müssten sorgfältig verifiziert werden, bevor „seriöse Medien“ sie verwenden könnten.

Dieses Prinzip ist für sich genommen unstrittig. Seine selektive Anwendung hingegen ist es nicht.

Das ist dieselbe BBC, die wiederholt unbestätigtes – oder nur oberflächlich bestätigtes – Bild- und Videomaterial aus dem Gazastreifen ausgestrahlt hat. Im Iran jedoch wurde Verifizierung plötzlich zu einem unüberwindbaren Hindernis, obwohl Dutzende Videos aus mehreren Städten übereinstimmende Szenen, Parolen und Muster der Unruhen zeigten.

Wenn die Rahmung die Arbeit des Regimes erledigt

Berichte der BBC und Analysen von BBC Verify haben wiederholt „Lebenshaltungskosten-Proteste“ betont – trotz verifiziertem Material, das Menschenmengen zeigt, die das Ende der klerikalen Herrschaft fordern und Symbole des Regimes angreifen.

Dort, wo BBC Verify die „Verifizierung“ vorgenommen hat, die John Simpson als so schwierig bezeichnete, geriet die Redaktion in die Kritik: Sie konzentrierte sich darauf, vereinzelte Fälle von KI-generierten Bildern zu entkräften – statt das überwältigende Ausmaß echten Materials anzuerkennen, das die Brutalität gegen Demonstrierende dokumentiert.

Sky News, Reuters, FRANCE24 und andere [darunter auch die deutschen ÖRR-Sender] folgten einem ähnlichen Muster – sie stellten steigende Preise und wirtschaftliche Stagnation in den Vordergrund, während sie den unüberhörbar politischen Parolen, die durch die Straßen Irans hallten, nur geringe Aufmerksamkeit schenkten.

Dieses Framing ist entscheidend. Proteste gegen Inflation deuten auf Reform hin. Proteste, die den Sturz des Obersten Führers fordern, deuten auf einen Kollaps des Regimes hin.

In einigen Fällen ist die westliche Berichterstattung noch weiter gegangen und hat die vom Regime bevorzugte Darstellung vollständig übernommen.

Als US‑Präsident Donald Trump warnte, die Vereinigten Staaten würden reagieren, falls iranische Demonstrierende massakriert würden, verurteilten iranische Offizielle die Äußerungen als „verantwortungslos“. Mehrere Medien, darunter die BBC, stellten diese Verurteilung in den Mittelpunkt – sie rückten Teherans Empörung ins Zentrum und stellten damit implizit die Vereinigten Staaten, nicht die Islamische Republik, als destabilisierende Kraft dar.

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Guardian sogar einen Gastbeitrag des iranischen Außenministers Abbas Araghchi unter der Überschrift: „You’ll never defeat us in Iran, President Trump: but with real talks, we can both win.“ [Du wirst uns im Iran niemals besiegen, Präsident Trump: aber mit echten Gesprächen werden wir beide gewinnnen.]

Warum berichten die Medien dann auf diese Weise?

Westlichen Journalisten mangelt es nicht an Informationen über den Iran. Die Belege sind reichlich vorhanden und werden oft unter enormem persönlichem Risiko von Iranerinnen und Iranern selbst geliefert.

Was offenbar fehlt, ist nicht der Zugang, sondern der redaktionelle Wille.

Die Anerkennung eines sich entwickelnden Aufstands gegen das Regime würde unangenehme Schlussfolgerungen erzwingen: dass langjährige Annahmen über „Stabilität“, „Reform“ und diplomatische Annäherung an Teheran fehlgeleitet waren; dass die Islamische Republik nicht nur fehlerhaft, sondern grundsätzlich illegitim ist; und dass westliche Regierungen und Institutionen jahrzehntelang ein brutales Regime hofiert haben, das nun offen von seinem eigenen Volk zurückgewiesen wird.

Es ist einfacher – sicherer – Unruhen als wirtschaftliche Beschwerden zu beschreiben, sich hinter Verifizierungsrhetorik zu verstecken oder Regimestimmen als „Kontext“ zu präsentieren.

Doch wenn dieser Aufstand Erfolg hat, wird die Geschichte dieser Vorsicht nicht wohlgesonnen sein. Und die Frage wird bleiben:

Als Iranerinnen und Iraner Freiheit forderten, warum wandten sich so viele westliche Medien ab?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen