Buchbesprechung: Oliver Gerschitz: Verschlusssache Philadelphia-Experiment

  • von Roland M. Horn

Cover: Oliver Gerschitz: Verschlusssache Philadelphia-Experiment

Oliver Gerschitz:
Verschlusssache Philadelphia-Experiment
Die geheimen Versuche des US-Militärs und ein Riss in der Zeit
OSIRIS Verlag, Schönberg, 2021 (aktualisierte und erweiterte Neuauflage)
ISBN: 987-3-949500-02-2
Preis: EUR 19,95
Gebunden, 200 Seiten, ca. 40 s/w-Abb. und Fotos

Der Autor setzt sich mit einem sehr kontroversen Thema auseinander. Die nicht mehr ganz so jungen Leser dieser Rezension kennen den Begriff Philadelphia-Experiment vielleicht aus dem gleichnamigen Buch des damals sehr populären Autorenduos Charles Berlitz und William L. Moore aus dem Jahr 1994. Berlitz hat sich bereits in früheren Büchern (ab den 1970ern) mit diesem Thema beschäftigt. Das Thema resultierte aus einem Briefwechsel zwischen dem Astronomen und UFO-Forscher Morris K. Jessup und einem gewissen Carl M. Allen bzw. Carlos Miguel Allende. In diesen Briefen beschrieb der mysteriöse Briefeschreiber Jessup im Jahr 1956 das mysteriöse Philadelphia-Experiment, das 1943 stattgefunden haben soll und bei dem es darum ging, ein Schiff buchstäblich unsichtbar zu machen. Dies war Allen/Allende (seine Briefe waren mal so und mal so unterschrieben) auch gelungen – mit verheerenden Wirkungen und Nachwirkungen auf die Besatzung. Bereits 1955 war beim Marineforschungsbüro ONR ein Exemplar von Jessups Buch eingegangen, das zahlreiche handschriftliche Anmerkungen enthielt. Auch hier ging es um das Philadelphia-Experiment und offensichtlich war der Versender dieses Buches mit Allende identisch, es ging jedoch anonym ein. Im o. g. Buch haben Berlitz und Moore diesen Briefeschreiber kennengelernt, der jedoch praktisch keine neuen Informationen bekanntgab, was Gerschitz nicht verwundert, denn der meint, dies sei wohl gar nicht der echte Briefeschreiber gewesen, vielmehr sei der echte Briefeschreiber bis heute nicht gefunden worden.

Noch kurioser ist ein sog. Nachfolgeprojekt, das unter dem Namen Montauk-Projekt bekannt wurde. Das Philadelphia-Experiment soll in Wirklichkeit “Project Rainbow” geheißen haben, wie Berlitz und Moore laut Gerschitz “zweifelsfrei beweisen” konnten.

Dem “Montauk-Projekt” stand ich vor dem Lesen des vorliegenden Buches noch kritischer gegenüber als dem Philadelphia-Experiment. Das unter dem Namen Das Montauk-Projekt in Deutschland erschienene Buch (geschrieben von Preston Nichols und Peter Moon, in dem sich Nichols als Teilnehmer am Montauk-Projekt vorstellt, schien mir absolut unglaubwürdig und die Informationen aus diesem und dem nachfolgenden Buch Das Montauk-Projekt 2. Rückkehr nach Montauk schienen mir auf den Spielfilm Das Philadelphia-Experiment zu basieren und sogar darüber hinauszugehen und aus weiteren Infos schloss ich, dass die “Montauk-Story” nichts als Geldmacherei ist. Und nun erscheint Gerschitz mit dem vorliegenden Buch auf der Bildfläche, und der steht Geschichte wesentlich positiver gegenüber. Warum?

Gerschitz stellt fest, dass der ebengenannte Spielfilm, der teils in England und teils in Amerika gedreht wurde weltweit gute Zuschauerzahlen aufwies – ausgenommen die USA. Dies läge jedoch nicht am mangelnden Interesse der Zuschauer, sondern an einem Schreiben der US-Regierung an die Produktionsfirm EMI-Thorn, die den Film gedreht hatten, dem zufolge der Film “unerwünscht'” sei und man von einer Veröffentlichung absehen sollte. Erst ein paar Jahre später wurde der Film nach einem langen Hin- und Her dann doch gezeigt. Nun trat Al Bielek – nach eigenen Angaben Teilnehmer des Montauk-Projekts – an die Öffentlichkeit und erinnerte sich plötzlich an 95 Prozent des Inhaltes des Spielfilms und ihm wurde bewusst, dass er Teilnehmer des Philadelphia-Experiments war. Er lieferte konkrete Informationen. Gerschitz ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Familien Crowley und Wilson Hintermänner der Firma Thorn-Industries (die zur Zeit der Produktion des o. g. Film mit dem Musikkonzern EMI fusioniert war) waren. Auch eine Familie Cameron soll an der Firma beteiligt gewesen sein. Anhand der Fotografie eines Familienfotos stießen “ein paar Leute” auf Preston Nichols, der 1890 von den Wilson-Brüdern und Thorn-Industries aufgenommen worden war. Zu den Hintermännern dieser Firma habe auch der Okkultist Aleister Crowley gehört, der 1890 erst fünfzehn Jahre alt war. Der auf dem Foto zu sehende Nichols soll aus der Zukunft gekommen sein und Crowley die vollständige Geschichte des Philadelphia-Experiment erzählt haben.

Hochgestellte Persönlichkeiten des US-amerikanischen Geheimdienstes hätten den Mathematiker John von Neumann gebeten, im Rahmen eines Projekts herauszufinden, was beim Philadelphia-Experiment schiefgelaufen sei und sich nebenbei noch mit der Wetterkontrolle zu beschäftigen. Vor diesem Hintergrund sei das Montauk-Projekt entstanden. Hierbei sollte es auch um Bewusstseinsmanipulation gehen. Im Rahmen dieses Projekts soll u. a. “der Schlüssel zur Krümmung der Zeit” offengelegt worden sein. Das Projekt begann in den 1970er-Jahren. Weiter soll es gelungen sein, Dinge “quasi aus dem ‘Äther’ heraus” zu erschaffen. Eine wichtige Rolle bei dem Projekt spielte eine sog. “Delta-T-Antenne”, mit deren Hilfe man die Zeit habe biegen können.

Weiter berichtet uns Gerschitz eine abenteuerliche Geschichte: Al Bielek soll Anfang des 20. Jahrhunderts eigentlich als Edward Cameron geboren und später zusammen mit seinem Halbbruder Alexander Duncan Cameron jr. zur Kriegsmarine gegangen sein. Später sollen die beiden den Angriff auf Pearl Harbour miterlebt und schließlich am Projekt Rainbow teilgenommen haben, um auf dem Versuchsschiff – der U.S.S. Eldridge – “Spezialgeneratoren” zu überwachen. Die Camerons sahen, welche Auswirkungen das Philadelphia-Experiment auf die Besatzung hatte und sprangen ins Wasser, um im Jahr 1983 auf dem Gras des Luftwaffenstützpunkts Camp Hero in Montauk auf Long Island zu landen, wo das Montauk-Projekt durchgeführt wurde. Die beiden gingen zurück auf die Eldridge, um die Generationen auf dem Schiff zu zerstören, vorher sollen sie allerdings ein paar “‘Exkursionen'” in die Raumzeit unternommen haben. Nach ihrem Erscheinen im Jahr 1983 gingen sie zurück ins Jahr 1943, um die Generationen auf der Eldridge zu zerstören. Nun blieb Edward Cameron im Jahr 1943, während sein Bruder noch einmal ins Wasser sprang, um wieder im Jahr 1983 in Montauk zu landen.

Nun sollen angebliche NSA-Technologien, anhand derer die genetische Matrix eines Individuums bearbeitet werden könne, an Edward Cameron zum Einsatz gekommen sein, der vorher einer Gehirnwäsche unterzogen worden war, “um alle Erinnerungen aus dem Bewusstsein zu löschen”. Nun soll sein Körper bis ins Alter eines Einjährigen zurückversetzt und in die Familie Bielek eingeschleust worden sein, deren einjähriger Sohn kurz zuvor verstorben war. So soll Cameron als Al Bielek aufgewachsen sein, ohne sich an seine ursprünglich Identität zu erinnern. Erst nach dem Ansehen des Spielfilms sollte die Erinnerung zurückkommen.

Sein im Jahr 1983 gelandete Halbbruder soll diese Rückkehr nicht gut vertragen haben, denn: “Die Zeitreferenzen seines Körpers lösten sich komplett auf und er verlor dadurch seine Verbindung zur Zeitlinie. Dieser Vorfall hatte zur Folge, dass sich der Alterungsprozess seines Körpers sehr stark beschleunigte. Er alterte in jeder Stunden um etwa ein Jahr und drohte schon nach kürzester Zeit an Altersschwäche zu sterben.” (79f). Da aufgrund der genannten Exkursionen in Raum und Zeit “sein Ableben bizarre Zeitparadoxien hervorrufen” hätte können, musste man sein Ableben verhindern. Auf eine Weise, die “bis heute ein Rätsel geblieben” sei, soll es gelungen sein, “das wichtigste”, das “sogenannte elektromagnetische Identitätsmuster” oder auch kurz “die Seele” zu erhalten. Diese Seele wurde nun in den Vater der Cameron-Brüder transferiert – Alexander Duncan Cameron Sr. Ihm wurde die Situation erklärt, und er wurde geboren, einen weiteren Sohn zu zeugen. Nach der Geburt einer Tochter zeugte Cameron einen zweiten Sohn, dem er wieder den Namen “Alexander Duncan Cameron” gab. “Um die Seele des ersten Duncan, Jr. in den Körper des jetzt 1951 geborenen zweiten Duncan zu ‘installieren’, war es notwendig, ins Jahr 1963 […] zu gehen.” (S 80). Der heute lebende Duncan Cameron Jr. hat Gerschitz zufolge keine Erinnerung an die Zeit vor 1963, da die Seele, die von 1951 bis 1963 mit diesem Körper verbunden war, “gewaltsam herausgedrängt” wurde.

Das klingt nun alles doch recht abenteuerlich und nicht unbedingt allzu glaubwürdig, doch dem deutsche Schriftsteller Jan van Helsing gelang es, im Oktober 1991 in Phoenix Al Bielek kennenzulernen. Er hatte das seltsame Gefühl, Bielek sehr gut zu kennen, und während eines Gesprächs mit Bielek kamen van Helsing Gedanken in den Sinn, die er aussprach und die nur den Schluss zuließen, dass van Helsing selbst ebenfalls Erinnerungen an das Projekt hatte. Schließlich war es u. a. auch van Helsing, der das Buch “Das Montauk-Projekt” nach Deutschland brachte.

Im Rahmen des Montauk-Projekts schaffte man es auf den Mars zu kommen – genauer gesagt: in den unterirdischen Teil der großen Pyramide im Cydonia-Gebiet und erfuhr, dass es auf jenem Planeten tatsächlich eine geheime Kolonie gab. Weiter spielten – bereits während des Philadelphia-Experiments – auch UFOs eine Rolle und später auch Außerirdische.

Gerschitz geht auf weitere Verwicklungen von Personen in das Projekt ein und stößt letztlich auf Lafayette Ronald Hubbard, den Gründer der Scientologie, der ein geborener Wilson und mit den genannten Brüdern, die EMI-Thorn gegründet hatten, verwandt war. Auf der Basis einer Technik, Menschen geistig in frühere Leben zurückzuführen, gelang er an die Information, dass es im Sternbild Pegasus ein Sonnensystem namens Markab gab, das von den Markabianern bewohnt war. (Die Astronomie kennt bisher nur einen Stern namens Markab. Vermutlich soll er die Sonne des von Hubbard behaupteten Sonnensystems sein.)

Die Markabianer sollen vor ungefähr 5000 Jahren ein Volk kontrolliert haben, das ihnen entsprach und Gott gespielt haben. Sie sollen die Menschheit versklavt und absoluten Gehorsam gefordert haben. Später sollten einige Markabianer, die die den Menschen sehr ähnlich sehen, die Führung dieses Volkes übernehmen und andere Völker unterwandern, um letztlich die Erdbevölkerung zu dezimieren, um nur eine kleine Gruppe für Sklavenarbeiten übrig zu lassen. Gerschitz tut gut daran, den Namen dieses Volkes nicht zu nennen, obwohl offensichtlich ist, dass es sich um die Juden handelt. Wäre dem so, müsste man sich fragen, ob es sich hier um eine legitime Meinungsäußerung handelt oder ob damit den antisemitischen Verschwörungstheorien (unbewusst!) Vorschub geleistet wird. Zugegeben: Selbst als freier Zionist und Judenfreund habe ich mich schon immer über die biblischen Darstellungen von grausamen und brutalen Anweisungen seitens Gottes gewundert. In Görlitz’ Ansatz wären diese erklärt. Trotzdem: Die Passage könnte durchaus problematisch sein, wenn Gerschitz die Juden meint. Glücklicherweise nennt er aber den Namen des Volkes nicht, und so kann man dieses Problem einfach dadurch umgehen, indem man annimmt, dass Gerschitz irgendein anderes Volk meint …

Am 12. August 1983 schließlich sollte das Montauk-Projekt zerstört worden sein, wobei die Zeitlinie verändert wurde. Ab 1983 sollte sich keine Prophezeiung – von wem auch immer – mehr erfüllen. Im Zusammenhang mit dem Thema Zeitreisen geht der Autor auch auf die Hieroglyphen von Abydos ein, in der offensichtlich ein Hubschrauber, ein Panzer und ein Unterseeboot dargestellt werden. Ich muss Gerschitz beipflichten, wenn er sagt, dass die offizielle Deutung, dass es sich um “überlagerte Hieroglyphen” handele, das Phänomen nicht ausreichend erklären kann.

Weiter spricht Gerschitz von einem zwanzigjährigen Erdbiorhythmus, den man am 12. August 1903, 1923, 1943, 1963, 1983, 2003, 2023 usw. fände. Weiter berichtet er über die Vril-Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Philadelphia-Experiment und dem Montauk-Projekt, sowie über die angeblich im Entstehen befindliche Neue Weltordnung.

Zum Schluss stellt Gerschitz ein sehr abenteuerliches Szenario dar, in dem kosmische Mächte eine Rolle spielen. Für mich ist es eine etwas wilde Spekulation, doch auch eine solche ist durchaus zulässig. Ich möchte darauf an dieser Stelle nicht näher eingehen, da die Länge dieser Rezension ohnehin schon den Rahmen sprengt, doch auf eine Aussage muss ich noch einmal eingehen: “Der ‘Zweite Weltkrieg‘ sollte über die Manipulation der zwischen den deutschen Nationalisten und den politisch herrschenden Meinungsverschiedenheiten fabriziert werden. Dadurch sollte sich eine Ausdehnung des russischen Einflussbereiches und die Gründung eines Staates Israel in Palästina ergeben”. (S. 174)

Dazu muss gesagt werden, dass der Staat Israel nicht nur “ein Staat” ist, sondern die Wiedererstehung des Staates Judäa vor der Vertreibung der Juden um 70 n. Chr. aus ihrem Land. Das Volk wollte immer schon zurück und die Entstehung der offiziellen Zionistischen Bewegung kann man mit 1897 ansetzen. Seither arbeitete man eifrig an der Rückkehr der Juden in ihr Land. Die beabsichtigte Gründung des Staates Israel hatte nichts mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun!

Zum vorliegenden Buch könnte noch sehr viel gesagt werden. Zusammenfassend möchte ich aber feststellen, dass mir einige Hinweise und Zusammenhänge durchaus zu denken geben, mich jedoch letztlich nicht überzeugen konnten. Doch der Leser soll sich sein eigenes Bild machen. Das Buch ist ungewöhnlich flüssig und spannend geschrieben, und ich kann dem potenziellen Leser ein großes Lesevergnügen versprechen!

Zuerst veröffentlicht auf Atlantisforschung.de

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