Für die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ist es wichtig zu betonen, dass es einen Unterschied macht, ob man Israel den Tod wünscht oder Juden.
Sie erklärt auch genau, was sie damit meint:
„Äußerungen gegen einen Staat, ohne direkten Aufruf zur Gewalt, sind nicht strafbar. Egal wie ich das finde. Es der Glaubensgemeinschaft zu „wünschen“ schließt aber direkt an den Holocaust an.“
Dunja Hayali verkennt hier eine entscheidende Sache: Im Holocaust wurden Juden nicht als Glaubensgemeinschaft verfolgt, sondern als Volk.
Der Hass auf Israel ist wie der Hass der Nazis auf Juden ein rassistischer Hass, der nicht gegen einen Glauben geht, sondern gegen ein Volk. Es gibt Antijudaismus, Antisemitismus und Antizionismus. Alle drei Formen des Hasses haben jedoch eine Sache gemeinsam. Alle drei sind Formen des Judenhass.
Antijudaismus ist der Hass auf das Judentum als Religion. Antisemitismus ist der Hass auf das Judentum als Volk. Antizionismus ist der Hass auf das Judentum als Nation. Ob nun aber Antijudaismus, Antisemitismus oder Antizionismus, in allen drei Fällen ist die Definition gleich:
Ein Judenhasser ist, wer an Juden kritisiert, was er an anderen Menschen nicht kritisiert.
Der christliche Judenhass nannte sich Antijudaismus. Antijudaisten nannten Juden Kindermörder, verfolgten sie und griffen ihre Synagogen an. Antijudaismus war der Hass auf das Judentum als Religion. Einer der bekanntestes Einpeitscher des Antijudaismus war Martin Luther. In seiner Abhandlung „Über die Jüden und ihre Lügen“ erklärte er:
„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“
In seinem „Handbuch über die Judenfrage“ forderte er:
„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich …“
Mit der Aufklärung nahm der christliche Antijudaismus ab. An seiner Stelle nahm der Antisemitismus den Platz des Judenhasses ein. Antisemiten erklärten Juden zu einer minderwertigen Rasse nannten Juden Kindermörder, verfolgten und ermordeten sie und griffen ihre Synagogen an. Antisemitismus war der Hass auf das Judentum als Volk.
Als der Antisemitismus aufkam, kannten viele Menschen nur den klassischen Antijudaismus, den sie nicht mehr als große Gefahr ansahen. Das Christentum hatte seine absolute Macht eingebüßt. In Deutschland wurden Juden Ende des 19. Jahrhunderts vollwertige Bürger des Deutschen Kaiserreichs.
Als der Antisemitismus aufkam, wurde er fahrlässig unterschätzt. Deshalb konnte er wüten.
Bei dem Prozess in Nürnberg gegen den Herausgeber und Verleger nationalsozialistischer Zeitschriften und Zeitungen Julius Streicher erklärte der Anklage am 29. April 1946:
„Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde.“
Seit einigen Jahren wird neben dem Antisemitismus ein neue Form des Judenhass stark, der Antizionismus. Antizionisten erklärten Israelis zu Juden, die nichts aus dem Holocaust gelernt haben. Antizionisten nennen Israelis Kindermörder, verfolgten und ermordeten sie und greifen ihre Synagogen an. Antizionismus ist der Hass auf das Judentum als Nation.
Wie einst der Antisemitismus unterschätzt wurde, wird heute der Antizionismus unterschätzt. Viele Menschen in der Bundesrepublik Deutschland, in der Juden so gleichberechtigt sind, wie sie es einst im Deutschen Kaiserreich waren, für das einige Juden sogar in der Armee gekämpft hatten, haben immer noch nur den Antisemitismus im Kopf. Antisemitismus aber war gestern. Heute wütet der Antizionismus!
So wie der Antijudaismus einst von Christen ausging, ist der Antizionismus heute ein Phänomen, das stark in der muslimischen Gemeinschaft zu finden ist. Die hysterische Kritik gegen Israel ist purer Antizionismus, weil sie an Israel kritisiert, was sie allen anderen Ländern der Welt durchgehen lässt. Zudem ist die Kritik sinnlos. Die Hamas hasst Israel nämlich nicht aufgrund eines bestimmten Handelns. Sie hasst Israel, weil Israel überhaupt handeln kann, egal wie. Es ist die pure Existenz Israels, die nicht erwünscht ist. Die Hamas hat einen brutalen auf Vernichtung der Juden ausgerichteten Hass auf Israel.
Die Hamas fordert die Ermordung aller Juden, bewaffnet sich aus genau diesem Grund, peitscht ihre Feinde ein und schießt seit Jahren immer wieder und oft täglich tausende Raketen in Richtung Israel ab, um so viele Kinder, Frauen, Zivilisten, Schulen, Hospitäler und Heime wie möglich zu treffen. Statt aber Israels Recht auf Selbstverteidigung zu verteidigen, wird von vielen Leuten erwartet, Israel solle mit den Judenhassern verhandeln. Wie aber verhandelt man mit einer Terrororganisation, die alle Juden vernichten will? Soll Israel dieser Organisation etwa auf halbem Weg entgegenkommen?
Die Antizionisten sehen sich klar in der Tradition des Antisemitismus. Diese beiden Bilder zum Beispiel wurden im April 2018 im Gazastreifen gemacht:
In Gaza werden die Nazis verehrt. Hier ein paar Zitate bedeutender arabischer Judenhasser:
„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“ (Abdallah Jarbu, stellvertretenden Minister für religiöse Stiftungen der Hamas)
„Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben. Hahahahaha!“ (Wiam Wahhab, ehemaliger libanesischer Minister)
„Unsere erste Phase soll lauten: Stecht die Juden ab! Sie haben keine Chance! Die zweite Phase soll lauten: Wir werden die Juden nicht mehr vertreiben! Wir werden sie allesamt abstechen und abschlachten!“ (Muhammed Salah „Abu Rajab“ in der Al-Abrar Moschee in Rafah)
Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah sprach Mufti Muhammad Hussein, der von Mahmud Abbas persönlich zum „geistigen Führer der palästinensischen Autonomie“ ernannt wurde:
„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben. Die Juden werden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume zu uns rufen: ‚Oh Moslem, Diener Allahs, da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.‘“
In der Charta der Hamas heißt es im Artikel 7:
„Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten.“
Trotz all dieser Bilder und Worte macht es für Dunja Hayali „formaljuristisch“ ein Unterschied, ob man Juden den Tod wünscht oder Israel. Durch eine solche Unterscheidung wird der Antizionismus jedoch so fahrlässig unterschätzt wie einst der Antisemitismus unterschätzt wurde.
Diese Differenzierung steht allerdings in deutscher juristischer Tradition. Als vor über zehn Jahren in Köln eine judenfeindliche Karikatur vor dem Kölner Dom bei einer antizionistischen Dauerausstellung ausgestellt wurde, auf der ein Jude zu sehen war, der ein Kind verspeiste und sein Blut trank, erklärte die Kölner Staatsanwaltschaft folgendes:
„Das Plakat zielt nicht auf „die Juden“ schlechthin als Gegenstand des Protestes ab, sondern auf die israelische Militärpolitik und deren Unterstützung durch die Us-amerikanische Regierung. Abbildung und Symbolik lassen jedenfalls eine solche Deutung zweifelsfrei zu. Das Kleinkind soll die Schwäche und Wehrlosigkeit der Palästinenser im Gaza-Streifen symbolisieren, die wehrlos sind und mit „Rückendeckung“, Billigung o.ä. der US-Amerikaner von Israel auf grausame Art „zerfleischt“ werden.“
Die Staatsanwaltschaft ließ sich sogar zu der Erklärung hinreißen, der abgebildete Mensch auf der Karikatur sei nicht eindeutig als Jude erkennbar, da ihm eine Hakennase fehle und die müsse schon vorhanden sein, um ein Juden einseitig als Juden erkennen zu können. Im originalen Wortlaut der Staatsanwaltschaft klingt das so:
„Typisch für antijüdische Bilddarstellungen zu allen Zeiten ist die Verwendung von bestimmten anatomischen Stereotypen, die den Juden schlechthin charakterisieren sollen. Dabei werden insbesondere Gesichtsmerkmale überzeichnet, um den Juden als hässlich, unansehnlich und rassisch minderwertig erscheinen zu lassen (jüdische „Krummnase“, etc.) Einer solchen Bildsprache wird sich vorliegend nicht bedient.“
Für die Kölner Staatsanwaltschaft bestand im Jahr 2010 der Unterschied zwischen dem Hass auf Juden und dem Hass auf Israel in einer Krummnase. Für Dunja Hayali besteht im Jahr 2023 der Unterschied darin, dass sie Israel ausschreibt, Jude aber nicht:
„Tod Israel“ ist zb ein unterschied zu „Tod den J*d*n“….. also abwarten.“
Dann warten wir mal ab.
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