Die falsche moralische Gleichsetzung von „Siedlergewalt“

zum Beitragsbild oben: Givat Eitam bei Efrat, September 2007 (Foto: Michal Fattal/Flash90)

Es gibt keine Kultur jüdischer Gewalt in Judäa und Samaria

In einer Zeit, in der Israel wegen des monströsen Massakers vom 7. Oktober erschüttert ist, ist es beunruhigend und mehr als ein wenig surreal einen neuen Versuch mancher Leute zu sehen, ein moralisches Gegengewicht zur Hamas in Form von „Siedlergewalt“ zu schaffen.

Diese Obsession hab viele scheinheilige Fingerzeiger fasziniert – von US-Präsident Joe Biden und seinem Außenminister Antony Blinken zu einer Conga-Reihe an Kommentatoren, die verzweifelt behaupten: Ja, die Hamas ist schlecht, aber machen wir uns nichts vor, sie sind Palästinenser, was erwartet ihr denn? Aber sie sagen, die Juden, die auf den Rechten herumtrampeln und friedliebende Palästinenser verdrängen, sind nicht nur moralisch verwerflich, sondern stellen eine schwere Bedrohung der gesamten Region dar.

Sehen wir uns das etwas weniger hysterisch an. Es gibt eine halbe Million Juden, die in Area C von Judäa und Samaria leben. Laut Oslo-Vereinbarungen sind die Areas A und B judenrein. Keinem Juden wird auch nur erlaubt diese zu betreten. Area C wird von Israel kontrolliert und ist für jüdische Bewohner reserviert, obwohl auch vorher bestehende palästinensisch-arabische Gemeinden dort frei leben.

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Missverständnissen waren Judäa und Samaria nie palästinensisches Land. Nicht nur, weil es dort nie ein „Palästina“ gab, sondern auch weil es keine „Palästinenser“ gab – oder andere außer den Juden des Mandats Palästina, die von den Briten „Palästinenser“ bezeichnet wurden – bis 1964 die PLO gebildet wurde. Davor waren die palästinensischen Araber schlicht die Araber von Großsyrien.

Laut Völkerrecht sind Judäa und Samaria umstrittene Gebiete, die zuletzt unter der Souveränität des Osmanischen Reichs und des britischen Mandats standen. Die jüdische Anwesenheit dort mögen zwar als illegale Landnahme zu betrachten einigen wie Wohlfühl-Wunschdenken erscheinen mag, ist es rechtlich wie historisch absolut ungenau.

Die in Judäa und Samaria lebenden Juden sind weitgehend unideologisch. Sie betrachten die Gegend als großes Immobilien-Schlichtungsgebiet mit vielen lebensprühenden Gemeinde in Pendlerentfernung von Tel Aviv und Jerusalem. Viele palästinensischen Araber haben jenseits der Grünen Linie im Israel von vor 1967 gearbeitet.

In den letzten Jahren hat es gewaltige Anstrengungen gegeben über illegale Bautätigkeiten in winzigen Gemeinden, von denen viele von europäischen Regierungen oder mit ihnen in Verbindungen stehenden NGOs finanziert sind, palästinensisch-arabische „Fakten vor Ort“ zu schaffen. Der Zweck dieser Aktivität hat darin bestanden den Zusammenhang jüdischer Gemeinden zu verhindern und eine kritische Masse an palästinensischen Arabern in diesen Bereichen zu schaffen.

Das ist kein großes Geheimnis, da illegale Bautätigkeit von Gruppen wie Regavim weitgehend dokumentiert und der israelischen Regierung berichtet wurde. In einige Fällen ist dagegen vorgegangen worden, während das in sehr vielen anderen toleriert werden, um internationale Spannungen zu vermeiden.

Es hat ständige Wellen von Terroranschlägen auf jüdische Einwohner von Area C gegeben. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums wurden allein in den ersten vier Monaten bei solchen Anschlägen dieses Jahr sieben Menschen getötet und 18 verletzt. Es hat auch eine Steigerung der Terror-Aktivitäten in großen Palästinenserstädten wie Jenin gegeben.

Es ist kein Geheimnis, dass die Hamas, die im Gazastreifen die palästinensische Autonomiebehörde abgelöst hat, die Areas A und B als fruchtbaren Boden zur Herausforderung von PA-Chef Mahmud Abbas betrachtet. Gleichzeitig ist die Sicherheitsstruktur, die die PA entwickelte, kollabiert.

Gibt es jüdische Gewalt in Judäa und Samaria? Ja. Die meiste davon sind Reaktionen auf palästinensische Gewalt gegen jüdische Gemeinden. Aber gibt es in diesen Gemeinden eine Kultur jüdischer Gewalt? Nein.

Die Welle an Sympathie für Israel in der Folge des Hamas-Massakers war atemberaubend kurz. Innerhalb von wenigen Tagen kehrte ein Großteil der Welt, besonders die internationalen Medien, zu dem altbewährten Sprachbildern der „unverhältnismäßigen“ israelischen „Unterdrückung“ zurück, die in anderem internationalem Kontext als normale Selbstverteidigung betrachtet wird.

Ein Teil dieses Bemühens die Empathie für Israel einzuschränken und Hamas-Gräueltaten zu entschuldigen hat darin bestanden auf die Ausrede „Siedlergewalt“ hinzuweisen. Insbesondere Biden hat das Thema als Möglichkeit aufgegriffen, seine Vertrauenswürdigkeit bei seinen progressiven, israelfeindlichen Anhängern zu behaupten. Vor ein paar Wochen fühlte sich der israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu gezwungen eine kurze, verbindliche Verurteilung von Siedlergewalt als Beruhigungspille für den Präsidenten abzugeben.

Die Israelis begreifen das. Wären wir nicht in einen existenziellen Kampf darum verwickelt, die Hamas mit Stumpf und Stiel auszuhebeln, könnte wir die Siedler-Obsession als albern betrachten. Aber wir werden jetzt angegriffen und wir haben wenig Lust auf Absurdes.

Also bitten wir unsere Freunde in aller Welt, dass sie aufhören aus Mäusen Elefanten zu machen oder nach Dreck unter den Fingernägeln zu suchen, auf den sie zeigen können und den sie mit den Blutvergießen seitens der Hamas gleichsetzen. Die Ente der Siedlergewalt ist eine Ablenkung von der vorliegenden Aufgabe: eine monströse, völkermörderische Terrororganisation zu vernichten.

 

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