Hört auf, Israel zu bevormunden

Unmittelbar nach den Hamas-Massakern und -Vergewaltigungen „verstand“ die Welt diese Wut und schluckte den wütenden IDF-Gegenangriff, aber jetzt hat israelische „Wut“ den Kampf zu weit getrieben. So heißt es.

In Washington und anderen westlichen Hauptstädten sowie den internationalen Medien schlägt ein neues, heimtückisches und herablassendes Narrativ über Israel Wurzeln. Erzählt wird, dass Israelis von den Angriffen der Hamas am 7. Oktober letzten Jahres zu geschockt und verletzt waren. Dass sie von den Massakern an Simchat Thora zu sehr „traumatisiert“ waren, um klug auf die „notwendige und unvermeidbare“ Zweistaatenlösung zuzugehen.

Nach diesem Bericht sind die Israelis zu wütend und rachsüchtig, um zu erkennen, dass palästinensische Eigenstaatlichkeit in ihrem eigenen Interesse liegt. Entsprechend wird die politisch korrekte Klasse der internationalen Experten dem zu Israel zu dessen eigenem Wohl die palästinensische Eigenstaatlichkeit aufzwingen, das zu „traumatisiert“ ist, um klarzusehen.

Ein klassisches Beispiel solcher bevormundenden, herablassender Analyse war der Titelseiten-Artikel der New York Times von Steven Erlanger am letzten Wochenende; er ist der Star und diplomatische Chefkorrespondent in Europa („der aus mehr als 120 Ländern berichtet hat, darunter Thailand, Frankreich, Israel, Deutschland und der früheren Sowjetunion“).

Erlanger „berichtete aus Jerusalem, von der Armeebasis Julis, aus Tel Aviv und Beer Sheva, um zu versuchen, ein Gefühl für Israels Stimmung nach vier Monaten Krieg gegen die Hamas zu bekommen“. Seine Schlussfolgerung: Die Israelis sind zu „traumatisiert“ um vorwärts zu gehen. Das Wort „traumatisiert“ kommt in seinem Artikel nicht weniger als sechsmal vor.

Die Israelis sind „neu verletzlich, traumatisiert und misstrauisch“ und daher „ scheint die Vorstellung eines Palästinenserstaats weiter entfernt als je, weil Israels Juden nach rechts rücken (und seine Palästinenser eine Gegenreaktion fürchten“, meinte Erlanger.

Eine ähnlich hochnäsige Analyse erschien gestern in Foreign Affairs (dem renommierten Journal des Council on Foreign Affairs aus New York, das das Mainstream-Denken der Demokraten-Administration widerspiegelt). Der unverbesserliche US-Friedenspozessler Martin Indyk drängt auf die „Wiedererweckung der Zweistaatenlösung“ als dem unaufhaltsamen, logischen Ergebnis des jüngsten „Zusammenstoßes“ zwischen der Hamas und Israel. Sicher, er argumentiert, dass die USA Israel helfen muss über das Trauma „hinwegzukommen, das alle Israelis am 7. Oktober erlitten“.

Indyks Rat an US-Präsident Biden lautet „den Israelis die Wahl deutlich zu machen, vor der sie stehen“. Sie können weiter auf der Straße eines ewigen Krieges mit den Palästinenser fahren oder sie können einen amerikanischen Plan für den Tag danach zur alles lösenden palästinensischen Eigenstaatlichkeit und Frieden mit Saudi-Arabien ergreifen. Biden, argumentiert er, sollte den Deal auf eine Weise direkt der israelischen Öffentlichkeit zuspielen, die „ihre Aufmerksamkeit weg vom Trauma des 7. Oktobers verlagern würde“.

Das ist also alles, was getan werden muss. Amerika und die gutmeinende Welt, deren Staatsmänner scharfsinnig denken (anders als Israels rückwärtsgewandte Führer und gequälte Öffentlichkeit) müssen“ die israelische Aufmerksamkeit“ von den „Traumata“ des Angriffs der Hamas ablenken!

Sie müssen die israelischen Gefühle massieren, Israel eine dicke Umarmung geben, beruhigende „Garantien“ palästinensischer Entmilitarisierung anbieten (obwohl Israel früher schon solche großzügigen Zusicherungen gegeben wurden; erinnern Sie sich an die friedvollen Oslo-Vereinbarungen?) und dann Israel „nach vorne“ anstupsen (zwingen), hin zur altbekannten und besonnenen Zweistaaten-„Lösung“.

Aber was, wenn Israelis nicht vom 7. Oktober „traumatisiert“, sondern stattdessen lebhaft und wachsam sind? Was, wenn sie keine intellektuellen Schwächlinge sind, sondern verletzte Babys, die verwöhnt und überredet werden müssen erwachsene Entscheidungen zu treffen? Was, wenn es die Israelis sind, die klar denken?

Vielleicht sind die Israelis nach 30 Jahren Friedensprozess-Perfidie und –Angriffen intelligent-realistische Schlüsse gelangt, die sich von denen von Martin Indyk oder dem US-Außenminister Antony Blinken unterscheiden? Vielleicht haben sie vernünftig beschlossen, dass palästinensische Eigenstaatlichkeit zumindest kurzfristig die falsche Politik ist; dass dies den völkermörderischen Terroristen nur einen Preis geben würde?

Was, wenn die Israelis denken, dass nur dann, wenn die stark (vom Iran) bewaffneten Feinde an ihrer südlichen und nördlichen Grenze vernichtend besiegt würden (und das könnte ein Jahrzehnt Krieg dauern), ein moderater Friedenskompromiss entstehen kann?

Was, wenn die Israelis kühl zu dem Schluss gekommen sind, dass nur dann, wenn die palästinensische Nationalbewegung entradikalisiert wird (und das könnte ein Jahrzehnt oder mehr an starker Medizin benötigen), ein diplomatischer Handel möglich sein könnte? Und was, wenn eine große Erkenntnis darin bestünde, dass weniger bedrohliche langfristige Alternativen das sogenannte ABP („allseits bekannte Paradigma“) ersetzen müssen, das eine umfassende, außer Kontrolle geratene palästinensische Eigenstaatlichkeit beinhaltet?

Ja, die Israelis sind tatsächlich verwundet und wütend. Das hat allerdings ihr Denken geschärft, nicht vernebelt. Aus meiner Sicht besitzen die Israelis ein angemessenes, fundiertes  Verständnis für ihre diplomatischen Herausforderungen und Möglichkeiten. Sie sind kundig und aufgeklärt, mit erneuerter patriotischer Energie, entschlossen, alle Feinde zu besiegen und Israel großartiger als je zuvor wieder aufzubauen. Sie bleiben bereit diplomatische Durchbrüche zu ergreifen, wo solche realistisch sind.

Lassen Sie uns klarstellen: Die Israelis sind entkräftet, bewegungsunfähig oder verwirrt. Sie werden keine globale Geringschätzung tolerieren.

Ein weiteres, parallel teuflisches Narrativ ist hier und da zu hören: dass israelische „Wut“ das Verhalten der IDF auf dem Schlachtfeld diktiert hat; dass das israelische Militär Amok gelaufen ist, den Gazastreifen willkürlich in Grund und Boden bombardiert und dabei Kriegsverbrechen begeht.

Unmittelbar nach den Massakern und Vergewaltigungen der Hamas „verstand“ die Welt diese Wut und schluckte den wütenden IDF-Gegenangriff, aber jetzt hat israelische „Wut“ den Kampf zu weit getrieben. So heißt es.

Diese falsche, boshafte Darstellung muss ebenfalls widerlegt werden. Das Gegenteil ist richtig. Israel hat seine „Wut“ fest im Zaum gehalten. Sein Militär hat im Gazastreifen mit Präzision und Professionalität gegen die Hamas gekämpft, sich selbst Einschränkungen und Grenzen gesetzt, die weit über jede Armee der Geschichte hinausgehen, egal wo, unter welchen Umständen. Entfesselte Wut, die Israels volle Feuerkraft einsetzt, hätte, gewaltig anders ausgesehen.

Auch hier ist die Unterstellung, israelische „Wut“ treibe die Regierungspolitik und militärischen Operationen an, anmaßend, ein arroganter Versuch Premierminister und sein Kriegskabinett als gefährliche Akteure darzustellen, als außer Kontrolle geratene Kinder, die in Vernunft (oder ins Gefängnis) eingepfercht werden müssen.

Noch einmal: Israel kann solche globale Geringschätzung nicht tolerieren. Im Großen und Ganzen sagten die Israelis der Welt: Haltet eure Chuzpe im Zaum. Versucht nicht, Israel mit euren unangebrachten Annahmen und selbstgefälligen Lösungen herumzukommandieren. Israel hat einen Vertrauensvorschuss mehr als verdient und trifft angemessene Entscheidungen über den richtigen Radius der Diplomatie.

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